Monday, 1 February 2010

Einzel-Thema-Kampagnen im Kontext

von Mensch & Nichtmensch

von Gary L. Francione

Liebe KollegInnen,

gestern Abend erhielt ich die folgende Mail als Reaktion auf meine Blogposts zu Einzel-Thema-Kampagnen:
Prof. Francione:
Wenn Einzel-Thema-Kampagnen nicht gut sind, heißt das dann, dass wir keine Bemühungen, dem Leidenden in Haiti zu helfen, unterstützen sollten, weil wir nicht den Leidenden überall helfen? Führt das nicht dazu, gar nichts zu tun?
[Name]
Das ist eine gute Frage.Ich habe mich schon früher mit ihr befasst, aber im Licht meiner kürzlichen Postings ist es gut, sie erneut anzusprechen.

Wenn wir die Bemühungen in Haiti unterstützen, dann treffen wir damit keinerlei Aussage, dass das Leiden anderswo gut ist. Wir alle erkennen an, dass das Leiden unschuldiger Menschen etwas Schlechtes ist, wo immer es auftritt. Die Tatsache, dass wir in Haiti helfen, bedeutet nicht, dass wir denken,das Leiden von Menschen in sagen wir Darfur gut ist oder dass die in Darfur Leidenden eine geringere Rolle spielen. In gleicher Weise bedeutet die Tatsache, dass wir uns entscheiden, am Problem des Kindesmissbrauchs zu arbeiten, nicht, dass wir denken, Vergewaltigung von Frauen sei akzeptabel oder moralisch weniger verwerflich.

Kurz gefasst, wenn X, Y und Z sämtlich als moralisch unerwünscht gesehen werden, dann vermittelt die Entscheidung, an der Behebung von X zu arbeiten, nicht die Botschaft, dass Y und Z moralisch akzeptabel sind.

Wenn es um Tiere geht, fällt die Analyse anders aus. Die meisten Menschen denken, dass Fleisch, Milch und alle anderen Tierprodukte zu essen, als Kleidung oder anderweitig zu gebrauchen so natürlich wie Wasser trinken und Luft atmen ist. Wenn wir eine Form von Tierausbeutung hervorheben, unterscheiden wir sie damit zwangsläufig moralisch von anderen Formen der Tierausbeutung..

Das heißt, wenn die meisten Menschen denken, dass das Essen von Fleisch, Milch und Eiern ''natürlich'' ist und kein moralisches Problem aufwirft, vermittelt es, sich auf Fleisch zu konzentrieren, unvermeidlicherweise die Vorstellung, dass Milch und Eier etwas anderes sind und dass ihr Gebrauch moralisch akzeptabel oder zumindest von dem Gebrauch von Fleisch moralisch unterscheidbar ist.

Kurz gefasst, wenn X, Y und Z als moralisch unproblematisch gesehen werden und Sie X als moralisch problematisch herausgreifen, dann sagen Sie damit der Öffentlichkeit indirekt, dass Y und Z von X verschieden und moralisch nicht unannehmbar oder zumindest dass Y und Z von X moralisch unterscheidbar sind.

Wir sehen dieses Problem jeden Tag: Die Menschen denken, dass Pelz moralisch schlimmer als Leder, Wolle oder Seide ist; sie denken, dass Fleisch moralisch schlimmer als andere Tierprodukte ist.

Das ist das Problem von Einzel-Thema-Kampagnen im Kontext der Tierausbeutung. Das gleiche Problem besteht nicht, wenn es um Menschen geht.

Und wir brauchen keine Einzel-Thema-Kampagnen, um uns in schrittweisem Aktivismus zu engagieren. Es gibt etwas, das jeder von uns tun kann, jeden Tag: Leben Sie vegan und engagieren Sie sich in kreativer, gewaltloser Aufklärung über Veganismus.

Wenn Sie sich an Einzel-Thema-Kampagnen beteiligen wollen, stellen Sie bitte zumindest sicher, dass die Botschaft ''keine Ausbeutung'' klar ist. Wenn ein Zirkus in die Stadt kommt und Sie gegen dieses Ereignis protestieren wollen, achten Sie wenigstens darauf (zusätzlich dazu, friedlich und gewaltlos in Ihrem Protest zu sein) in Ihrer Literatur und in allen Ihren Diskussionen mit Leuten ausdrücklich einzuschließen, dass Zirkusse [mit Tieren] lediglich stellvertretend für das generelle Problem der Tierausbeutung sind und dass wir gänzlich aufhören sollten, Tiere zu essen oder für andere Zwecke zu nutzen. Gebrauchen Sie den Zirkus als ''Diskussionsthema'', aber stellen Sie ihn nicht als von anderen Formen der Tierausbeutung moralisch unterscheidbar dar.

DIE WELT IST VEGAN! Wenn Du es willst.


Gary L. Francione
©2010 Gary L. Francione

Sunday, 31 January 2010

Zu Johnny Weir,

Einzel-Thema-Kampagnen, Behandlung von Tieren und abolitionistischem Veganismus

von Gary L. Francione

Liebe KollegInnen,

Wie ich in meinem Blogessay feststellte, denke ich, dass die Sache mit Weir unklug war. In Anbetracht dessen, dass alle Eiskunstläufer Leder, Wolle, etc. tragen, ähnelte die Bemühung [Weir vom Tragen einer Pelzbordüre abzuhalten] dem Versuch, einem Teilnehmer an einem Festbankett mit Steaks dazu zu bewegen, nicht einen Teelöffel seiner Portion Eiskrem zu essen.

Der Offene Brief an Johnny Weir von Friends of Animals ist ein perfektes Beispiel dessen, was ich als das zentrale Problem des Einzel-Thema-Ansatzes betrachte:Der Brief wurde an Weir adressiert, weil er angekündigt hatte, zu planen, Pelz zu tragen. Es war kein an das ganze Team gerichteter Offener Brief, die Verwendung von Tierhäuten, einschließlich Leder-Schlittschuhen oder jegliche Woll-oder Seidenkleidung, betreffend. Es gibt keine schlüssige moralische Unterscheidung zwischen Pelz, Leder, Wolle oder Seide. Weir lenkte den Offenen Brief sehr wirkungsvoll ab, indem er selbst diese einfache Beobachtung machte.

Überdies konzentriert sich der Brief auf Fragen der Behandlung und nicht der Nutzung von Tieren, was ich als mit dem abolitionistischen Ansatz nicht übereinstimmend betrachte. Offen gesagt, ob der Fuchs auf einer Farm getötet wurde oder in einer ungepolsterten oder gepolsterten Falle oder Schlinge etc. ist unerheblich. Wäre der Fuchs in einer angenehmen Umgebung aufgezogen und schmerzlos im Schlaf getötet worden, würde ich dies immer noch für verwerflich erachten. Der Offene Brief suggeriert der Öffentlichkeit, dass das Problem darin besteht, wie der Fuchs behandelt, nicht, dass er genutzt wurde.

Wie ich (viele Male) geschrieben habe, ist weniger Leiden immer besser als mehr Leiden, und ich stimme dieser Passage des Offenen Briefes zu: ''In jedem Fall [Pelzfarm oder Falle] gibt es nichts Glamouröses oder Schmuckes an der Grausamkeit, die sie erduldeten. Und in keiner Weise kann sie moralisch gerechtfertigt werden.'' Aber das vernachlässigt, dass obwohl Grausamkeit ein wichtiges Problem darstellt, der Hauptpunkt nicht ist, dass die Grausamkeit moralisch nicht gerechtfertigt werden kann; der Hauptpunkt ist, dass die Nutzung – wie immer ''human'' – moralisch nicht gerechtfertigt werden kann. Das ist die Idee, die wir klar und unzweideutig der Öffentlichkeit präsentieren müssen, wenn wir uns jemals vom Leitbild der ''humanen'' Nutzung wegbewegen sollen.

Und welche Rolle spielt es, dass Füchse ''schön'' sind, etwas, das zwei Mal in dem Offenen Brief erwähnt wird? Wenn sie hässlich wären, würde das einen Unterschied machen? Es ist genau dieses Denken, das uns dahin führt, über das Töten von Robbenbabys besorgt zu sein, aber weniger besorgt über die Ausbeutung von Tieren, die wir weniger reizvoll finden. Wir sollten nicht die Auffassung verstärken, dass es die für uns reizvollen Tiere sind, die moralisch eine Rolle (oder eine größere Rolle) spielen, ebenso wenig wie wir die Vorstellung fördern sollten, dass ein ''reizendes'' Model in einer veganen Anzeige erscheint.

Ich unterstütze die Bemühungen von FoA wie jeder anderen Gruppe oder Person, die ethischen Veganismus unterstützt. In jedem Fall aber ist das Fördern von Veganismus nicht notwendigerweise gleichbedeutend mit dem Fördern der Abschaffung der Tierausbeutung, das aus den Gründen, welche ich in meinen Büchern, Artikeln und Essays dargelegt habe, eine solche Art Einzel-Thema-Kampagnen und sich auf Behandlung konzentrierenden Ansätze ausschließt. Das ist ein Grund, warum ich oft den Ausdruck abolitionistischer Veganer verwende. Nicht alle Veganer sind notwendigerweise Abolitionisten.

Ich wünschte sicherlich, HSUS würde eine ''Go-Vegan''-Kampagne starten, aber selbst wenn die Organisation das täte, würde sie das nicht zu einer abolitionistischen Organisation machen. Die Tatsache, dass eine Gruppe für Veganismus wirbt, bedeutet nicht, dass sie nicht noch immer eine Gruppe des Neuen Tierschutzes ist, wenn sie fortfährt, Tierschutzreformen und Einzel-Thema-Kampagnen zu betreiben. In der Tat würden HSUS und FoA, hätten jene eine ''Go-Vegan''-Kampagne, ziemlich sehr ähnlich aussehen! (FoA hat eine Reihe von solchen Einzel-Thema-Kampagnen. Vielleicht erklärt dies, warum FoA gegen den ''Go-Vegan'-Ansatz war, den zu übernehmen ich HSUS gedrängt habe. FoA mag versucht haben zu vermeiden, ''HSUS-gleich'' zu werden und in der zweiten Fraktion zu verbleiben, die Vincent Guihan in seinem Essa: Von HSUS und Hegemonie: Abolitionistischer Veganismus als eine wachsende Kraft identifiziert hat.

Wie in einem früheren Essay erwähnt, habe ich eine offene Einladung an Priscilla Feral ausgesprochen, diese Fragen mit mir in einem Podcast zu diskutieren. Ich hoffe, sie wird meine Einladung annehmen.

DIE WELT IST VEGAN! Wenn Du es willst.

Gary L. Francione
©2010 Gary L. Francione

Saturday, 30 January 2010

Gandhi: Zu seinem 62. Todestag

von Gary L. Francione

Liebe KollegInnen,

Vor zweiundsechzig Jahren wurde Mahatma Gandhi ermordet.

Lassen Sie uns heute für einige Minuten über Gandhis Lehre von Ahimsa oder Gewaltlosigkeit nachdenken.

Gandhi sagte vieles, was es wert ist, darüber nachzudenken. Zwei meiner Lieblingszitate sind:

Du musst der Wandel sein, den Du in der Welt sehen willst.

Die Schwachen können niemals vergeben. Vergebung ist das Merkmal der Starken.

Denken Sie daran, dass Gewalt das Problem ist; es wird niemals die Lösung sein. Wenn wir wirkliche Veränderung wollen, müssen wir uns ändern. Wir müssen eine Revolution des Herzens erfahren, in der wir erkennen, dass Frieden der einzig zu verfolgende Weg ist. Jeder andere Weg führt uns in die Irre.

Praktizieren Sie Frieden und Gewaltlosigkeit in Ihrem täglichen Leben; in jeder Interaktion, die Sie haben. Das bedeutet nicht, dass Sie nicht die Wahrheit sagen. Gandhi bestand nachdrücklich auf Satyagraha oder das entschiedene Festhalten an der Wahrheit. Aber er glaubt, dass wir die Wahrheit immer ohne Gewalt in unseren Gedanken, Worten und Taten ausdrücken sollten.

Gary L. Francione
©2010 Gary L. Francione

Friday, 29 January 2010

Ein ''Sieg''? Für wen?

von Gary L. Francione

Liebe KollegInnen,

Gestern wurde berichtet,dass der amerikanische Eiskunstläufer Johnny Weir entschieden hat, der linken Schulter seines Kostüms keinen Weißfuchs hinzuzufügen, nachdem er ''Hass-Mails und Morddrohungen''' von Tierrechtsaktivisten erhalten hatte.

Einige Anwälte der Tiere nennen Weirs Entscheidung einen ''Sieg''.

Ich finde das verwirrend.

Erstens suggeriert dieses Ereignis, wie alle von Neuen Tierschützern betriebenen Einzel-Thema-Kampagnen (single issue campaigns), dass es irgendwie einen moralisch relevanten Unterschied zwischen Pelz und anderen Tierprodukten gibt. Wie Weir selbst hervorhob:
Jeder Eiskunstläufer trägt Schlittschuhe, die aus Kuh gemacht sind'', sagte Weir.
''Vielleicht trage ich einen süßen kleinen Fuchs, während alle anderen Kuh tragen, aber wir alle ziehen immer noch Tierhaut an.''
Weirs Beobachtung ist natürlich richtig. Und ich vermute, dass auch eine Menge Wolle getragen wird. Das ist der Grund, warum Einzel-Thema-Kampagnen wie diese den Effekt haben, die Öffentlichkeit zu verwirren und nicht, sie aufzuklären.

In jedem Fall ist Weirs Ankündigung, keine Pelzbordüre zu tragen, wie die eines Gastes in einem Steakhouse, nicht die zum Dessert servierte Eierkrem zu essen. Na und?

Zweitens, und wichtiger: Weirs Entscheidung hat nichts mit einer Ablehnung von Pelz aus moralischen Gründen zu tun.

Weir behauptet, ''Hass-Mail und Morddrohungen'' von Tierrechtsaktivisten erhalten zu haben.
'Ich hoffe, diese Aktivisten können verstehen, dass meine Entscheidung, mein Kostüm zu ändern, in keiner Weise ein von ihnen errungener Sieg, sondern ein Remis ist'', sagte Weir in seiner Erklärung. ''Ich nehme die Änderung nicht vor, um sie zu besänftigen, sondern um meine Unversehrtheit zu schützen und die Unversehrtheit der Olympischen Spiele, ebenso wie meine Konkurrenten.''

''Es sind nur noch Wochen bis zu meiner Startposition auf dem Eis in Vancouver, da muss ich mich auf Technik und Training konzentrieren, und das ist wichtiger als jedes Kostüm und jede Drohung, die ich vielleicht bekomme.''
Dies ist kein irgendwie gearteter Sieg für Tiere. Tatsächlich ist es eine Niederlage. Wir werden niemals Erfolg haben, wenn irgendein ''Sieg'' auf Gewalt oder der Androhung von Gewalt beruht. Gewalt ist an sich falsch und strategisch töricht, insofern es die Charakterisierung von ''Tierschutzleuten'' als Verrückte, die Menschen in die Unterwerfung hineindrohen, bekräftigen. Dies befeuert verständlicherweise Ressentiments und entmutigt ernsthafte Diskussion über Tierausbeutung.

Vielleicht war Weir besorgt, er könnte während seines Eislaufs mit einer Pastete beworfen werden. Seine Besorgnis wäre nicht unbegründet. Mit einer Pastete bewarf PETA die kanadische Ministerin für Fischerei und Ozeane, Gail Shea. In jedem Fall traf Weir eine simple, kalkuliert-praktische Entscheidung, keine ethische, und er ließ es die Welt wissen.

Wenn das Paradigma sich jemals verändern soll, müssen wir eine Revolution des Herzens herbeiführen. Meiner Ansicht nach sollte der zentrale Schwerpunkt dabei auf kreativer, gewaltloser Aufklärung über Veganismus gelegt werden. Einzel-Thema-Kampagnen verstärken nur die öffentliche Wahrnehmung, dass die Tierrechtsposition unstimmig ist: Was ist der Unterschied zwischen einem Pelzkragen und Lederschuhen oder Wollkleidung? Und mit Gewalt oder Gewaltdrohungen werden wir niemals irgendwohin gelangen. Gewalt ist das Problem, sie ist kein Teil der Lösung.

DIE WELT IST VEGAN ! Wenn Du es willst.


Gary L. Francione
©2010 Gary L. Francione

P. S. Ich spreche eine offene, herzliche Einladung an Priscilla Feral aus, die Vorsitzende des Vereins Friends of Animals, der Gruppe, die den offenen Brief an Weir herausbrachte, die Sache mit Weir und die Weisheit von Einzel-Thema-Kampagnen im Allgemeinen mit mir in meinem Podcast zu diskutieren. Und natürlich bleibe ich dafür offen, Fragen des Neuen Tierschutzes mit Wayne Pacelle, Ingrid Newkirk oder den Spitzen anderer großer Gruppen freundlich zu diskutieren, ebenso wie mit Peter Singer und Bernard Rollin.

Ich möchte betonen, dass ich in keiner Weise die Lauterkeit eines dieser Menschen in Frage stelle. Tatsächlich bin ich sicher, dass sie in dem, was sie glauben, aufrichtig sind. Nur glaube ich aufrichtig, dass der Ansatz des Neuen Tierschutzes/ der Einzel-Thema-Kampagnen verfehlt ist, und ich denke, dass eine Diskussion helfen kann, die Streitfragen schärfer herauszuarbeiten.

Tuesday, 26 January 2010

Das Blatt wendet sich

von Gary L. Francione

Liebe KollegInnen,

Victor Schonfeld, Direktor des einflussreichen The Animals Film [Film der Tiere] von 1982, ließ seiner zweiteiligen Sendung auf BBC World Service: One Planet: Animals and Us [Ein Planet: Tiere und wir] ein Editorial: Five Fatal Flaws of Animal Activism [Fünf fatale Fehler des Aktivismus für Tiere] im Guardian folgen, einem der führenden Blätter Großbritanniens.

Einmal mehr machte Schonfeld deutlich, dass die Mainstream-Bewegung vom Weg abgekommen ist. Er kritisierte Tierschutzkampagnen, das Bewerben von ''Bio-Fleisch'' und anderen ''Bio''-Tierprodukten, das Verleihen von Preisen an Schlachthausdesigner und PETAs schonungslosen Sexismus. Einmal mehr befürwortete er die Idee, dass Veganismus die moralische Grundlinie sein sollte.

Schonfeld wurde ziemlich bemerkenswerterweise von Vegan Outreach kritisiert, einer Organisation, die nun erkennbar Teil der Tierschutz/''Bio-Fleisch''-Initiative ist. Noch bemerkenswerter aber war, dass drei Tage, nachdem Schonfeld Editorial erschienen war, Ingrid Newkirk im Guardian antwortete, PETAs Status als Tierschutzorganisation verteidige und seine sexistischen Kampagnen als ''harmlose Possen'' bezeichnete.

Ich habe einen Blogessay zu Newkirks Editorial verfasst.

In diesem Kommentar diskutiere ich, ob das Blatt sich wendet zugunsten kreativer, abolitionistisch-veganer Anwaltschaft für Tiere. Meine Gäste sind Dr. Roger Yates, der Soziologie an der University of Wales und am University College in Dublin lehrt und ein führender Soziologe der Bewegung für Tiere ist, und Vincent J. Guihan, Doktorand an der Carleton University in Kanada und jemand, der einen fein gestimmten Sinn für die Politik der Bewegung für Tiere hat.

DIE WELT IST VEGAN ! Wenn Du es willst.


Gary L. Francione
©2010 Gary L. Francione

Saturday, 23 January 2010

Die Antwort sollte klar sein

von Gary L. Francione

Liebe KollegInnen,

In Ingrid Newkirks Bemühen, sich mit Victor Schonfelds Essay Fünf fatale Fehler des Aktivismus für Tiere auseinanderzusetzen, versucht sie, Tierschutzreformen in folgender Weise zu rechtfertigen.
Jene, die graduelle Entwicklung verächtlich machen, würde der praktische Philosoph Peter Singer fragen:''Würden Sie es vorziehen, in dem Horror zu leben, in dem Sie leben, geboren, um sieben Mal schneller, als der Natur entspricht, zu wachsen, so dass Ihre Knochen splittern und Ihre Organe kollabieren, oder würden Sie es vorziehen, ohne chronische Schmerzen leben zu können? Würden Sie Ihr Leben lieber in einem kleinen Käfig gepfercht verbringen, unfähig, Ihre Flügel zu heben, ein Nest zu bauen oder irgendetwas anderes von dem zu tun, was Sie tun wollten, oder würden Sie lieber, zum Allermindesten, imstande sein, zu gehen? Würden Sie es vorziehen, kopfüber an den Füßen aufgehängt und dann zu Tode gebrüht zu werden, oder Ihr Bewusstsein zu verlieren, wenn der Kasten, in dem Sie sich befinden, eine Vorrichtung zur Betäubung in kontrollierter Atmosphäre durchläuft? Die Antwort sollte klar sein.
Lassen Sie uns gleichartige Fragen im Kontext der Ausbeutung von Menschen stellen:

Würden Sie es vorziehen, ein Eis zu bekommen, bevor Sie sexuell belästigt werden? Würden Sie es vorziehen, nicht gefoltert zu werden, bevor man Sie ermordet? Wäre es Ihnen lieber, 15 Minuten lang anstatt 20 gefoltert zu werden, bevor man Sie ermordet? Würden Sie es vorziehen, nicht geprügelt zu werden, bevor Sie vergewaltigt werden? Wäre Ihnen Waterboarding auf einem gepolsterten Brett lieber als auf einem ungepolsterten?

Die Antwort sollte klar sein.

Es ist natürlich besser, jemandem geringeren Schaden als größeren Schaden zuzufügen. Aber das lässt die grundlegende Frage offen, ob wir das Zufügen von Schaden überhaupt rechtfertigen können. Wenn Vergewaltigung falsch ist, sollten wir keine Kampagnen für ''humane'' Vergewaltigung führen. Der gleiche Befund gilt für Pädophilie, Folter, Mord etc.

Darüber hinaus erkennt Newkirk eine simple ökonomische Realität nicht an: Da Tiere bewegliches Eigentum sind und keinen Eigenwert haben, sind die einzigen Tierschutzreformen, die akzeptiert werden, diejenigen, welche einen wirtschaftlichen Nutzen für uns haben. PETA bestätigt dies ausdrücklich in seiner Kampagne für das Vergasen von Geflügel – diese Schlachtmethode ist wirtschaftlich viel besser für Produzenten. Das ist genau der Grund, warum immer mehr Hühner verarbeitende Betriebe diese Tötungsmethode übernehmen. Sie macht wirtschaftlichen Sinn. Aber die ökonomische Realität des Eigentums Tier bedeutet, dass das Niveau des Tierschutzes stets sehr niedrig und mit der effizienten Ausbeutung von Tieren verknüpft ist. Also ist PETA faktisch zu einem Partner der Tierindustrie darin geworden, Tierausbeutung effizienter zu machen. Großartig.

Was Newkirk sich nicht die Mühe macht, von Singer zu erwähnen, ist, dass er nicht denkt, dass das Essen von Tieren oder Tierprodukten an sich moralisch problematisch ist. Tatsächlich hat Singer wiederholt gesagt, dass, weil die meisten Tiere kein Interesse an ihrem Leben hätten, das Problem nicht darin besteht, dass wir sie nutzen, sondern wie wir sie nutzen. Singer ist der Ansicht, dass es moralisch akzeptabel ist, ein Allesesser zu sein, wenn Sie Sorge tragen, Fleisch und Produkte von Tieren zu essen, die ''human'' aufgezogen und geschlachtet worden sind. Ich diskutiere dieses Thema ausführlich in meinen Büchern (insbesondere in Animals as Persons: Essays on the Abolition of Animal Exploitation und in meinem in April 2010 bei Columbia University Press erscheinenden Buch The Animal Rights Debate: Abolition or Regulation?).Aber Sie können auch hier einige Essays zur Sache lesen.( 1, 2, 3, 4)

Newkirk, deren Organisation laut Newsweek Magazine annähernd 85% der Tiere, die sie rettet, tötet, scheint mit Singer darin übereinzustimmen, dass der Tod nicht per se ein Schaden für Tiere ist. Demnach ist für Singer und Newkirk das zur Debatte Stehende die Behandlung von Tieren, nicht ihre Nutzung. Aber das ist eine Art und Weise, das Problem zu analysieren, die sich grundlegend von derjenigen unterscheidet, die wir anwenden würden, wären Menschen betroffen. und ich würde behaupten, dass das, was diesen Unterschied bedingt, nichts anderes als Speziesismus ist.

Die meisten von uns glauben, dass es moralisch falsch ist, Tieren ''unnötiges'' Leiden zuzufügen und sie ohne ''Notwendigkeit'' zu töten. Was immer sonst ''Notwendigkeit'' bedeutet, es muss bedeuten, dass wir es nicht rechtfertigen können, Tieren Leiden zufügen und sie zu töten aus Gründen des Vergnügens, des Genusses oder der Bequemlichkeit. Dass wir dies glauben, wurde in überwältigender Weise durch den allgemeinen Aufschrei über den Fall des Hundekämpfe veranstaltenden Michael Vick demonstriert.

Aber wie ich in meinem Essay: We're ALL Michael Vick [Wir alle sind Michael Vick] notiert habe, gibt es keinen Unterschied dazwischen, um eine Grube herum zu sitzen und Hunden beim Kämpfen zuzuschauen und um einen Grill herum zu sitzen und die Leichen von Tieren zu rösten, die ganz genauso gequält worden sind wie Vicks Hunde. Wir müssen eine Tierprodukte essen. Tatsächlich räumen mehr und mehr Mainstream-Gesundheitsexperten ein, dass Tierprodukte der menschliche Gesundheit abträglich sind. Und landwirtschaftliche Tierhaltung ist ohne Frage ein Umweltdesaster. Gewiss, wir bezahlen jemand anderen dafür, das Töten zu besorgen, aber das ist eine Differenzierung ohne moralischen Unterschied.

Folglich steht unser Konsum von Tierprodukten im Widerspruch mit einem moralischen Prinzip, das die meisten von uns (Singer und Newkirk, der Vater und die Mutter der ''Bio-Fleisch''-Bewegung, ironischerweise ausgenommen) akzeptieren: Unter sonst gleichen Umständen, erlegt uns das Faktum, das eine Handlung einem empfindungsfähigen Wesen Leiden und Tod verursacht, die Last auf, dafür eine Rechtfertigung zu liefern; wir sollten niemals irgendeine empfindungsfähige Kreatur verletzten, sicherlich nicht, ohne dafür einen sehr guten Grund zu haben. Und unsere Geschmacksvorlieben sind kein besserer Grund als Vicks Vergnügen beim Anschauen von Hundekämpfen.

Warum also formulieren wir die Frage nicht um: Ist es besser, empfindungsfähige Wesen ein kleines bisschen weniger zu foltern oder nur Nahrungsmittel zu essen, die keinerlei Leiden oder Tod einschließen und die besser für unseren Körper und den Planeten sind?

Die Antwort sollte klar sein.

Abschließend möchte ich bemerken, dass Newkirk in Beantwortung von Schonfelds Kritik an PETAs Sexismus sagt:
Was die sexy Frauen in unseren Werbeanzeigen betrifft, die albernen Kostüme, die Darstellungen auf der Straße und das Verteilen von Tofusandwiches, in einer Welt, in der Menschen lächeln möchten, nicht widerstehen können, ein attraktives Bild anzuschauen und immer Lust auf eine Gratismalhlzeit haben, wenn solche harmlosen Possen dem Einzelnen erlauben, seine eigenen Rolle in der Ausbeutung von Tieren zu überdenken, wie kann daran auszusetzen sein?
Denkt Newkirk wirklich, dass Sexismus und die fortgesetzte Verdinglichung von Frauen in einer Welt, in der Vergewaltigung und sexuelle Belästigung jede Sekunde jeden Tages passieren, ''harmlose Possen'' darstellen?

Denkt Newkirk wirklich, dass es eine gute Idee ist, bezüglich des Problems von Sexismus Leute zum ''Lächeln'' zu bringen?

Denkt Newkirk wirklich, dass das Schlachten von 56 Milliarden Tieren pro Jahr (Fische nicht mitgerechnet) eine Gelegenheit dafür ist, ein ''Lächeln'' hervorzurufen?

Sollten wir nackte Frauen Geld für Haiti sammeln lassen, so dass Menschen ''lächeln''?

Hätte Martin Luther King Jr., beschworen in PETAs jüngster Werbung, in der eine farbige Frau ''für die Tiere'' strippt, es jemals gutgeheißen, Menschen ein ''Lächeln'' abzugewinnen, indem er lieber nackt gewesen wäre, als im hinteren Teil des Busses zu sitzen?

Die Antworten, Ingrid, sollten wiederum klar sein.

DIE WELT IST VEGAN! Wenn Du es willst.


Gary L. Francione
©2010 Gary L. Francione

Friday, 22 January 2010

Die Ausbeutung ausbeuten

von Gary L. Francione

Liebe KollegInnen,

Im Jahr 2007 schrieb ich einen Essay als Antwort auf PETAs State of the Union Undress [in Abwandlung von State of the Union Address: Bericht zur Lage der Nation] für 2008.

PETA hat jetzt ein State of the Union Undress für 2010 produziert, dieses Mal mit voller frontaler Nacktheit einer farbigen Frau – alles ''für die Tiere'' natürlich.

PETA schließt das Video mit einem Zitat von Martin Luther King Jr.

Denkt irgendjemand wirklich, dass dies irgendetwas ''für die Tiere'' bringt?

Keine Bewegung für sozialen Wandel, die intelligente und fortschrittliche Unterstützer will, würde jemals so etwas machen.

Ich werde dies nicht weitergehend kommentieren; wenn Sie PETAs State of the Union Undress (und der Sexismus der Organisation im Allgemeinen) nicht als auf mehreren Ebenen fürchterlich falsch sehen, dann gibt es wirklich nichts, was ich sagen könnte, das Sie überzeugen würde.

Lassen Sie uns hoffen, dass wir im Jahr 2010 etwas Fortschritt darin machen können, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass Tierrechte ernste Fragen aufwerfen und nicht nur ein Vorwand für die kindischen Possen derer sind, die Profit machen, indem sie die Ausbeutung von Menschen und Nichtmenschen ausbeuten.

DIE WELT IST VEGAN! Wenn Du es willst.

Gary L. Francione
©2010 Gary L. Francione