Thursday, 8 May 2008

Aufklärung über Veganismus leicht gemacht – Teil 2

gepostet von Gary L. Francione in Blog

Ein Freund stellte mir kürzlich folgende Frage: “Was sagst Du Leuten, die Veganer sind und die andere über Veganismus aufklären, die aber auch über Zirkus, Jagd und andere bestimmte Formen der Tierausbeutung besorgt sind? Rätst Du ihnen, diese Probleme gar nicht anzusprechen und sich nur auf Veganismus zu konzentrieren?“

Natürlich nicht.

Es ist freilich der Fall, dass ich Anwälten der Tiere nicht dazu rate, ihre Zeit und Ressourcen auf Einzelthema-Kampagnen zu verwenden. Der Grund ist simpel: Einzelthema-Kampagnen vermitteln immer den Eindruck, dass einige Formen der Tierausbeutung von anderen moralisch unterscheidbar oder schlimmer sind oder für besondere Kritik herausgegriffen werden sollten. Zum Beispiel vermittelt eine Kampagne gegen Pelz den Eindruck, dass es einen moralisch relevanten Unterschied zwischen Pelz und anderer aus Tieren hergestellte Bekleidung wie Leder oder Wolle gibt. Eine Kampagne gegen das Essen von Tierfleisch vermittelt den Eindruck, dass Fleischessen moralisch mehr zu beanstanden ist als das Trinken von Milch oder das Essen von Eiern. Eine Kampagne gegen konventionelle Batterie-Eier suggeriert, dass “käfigfreie“ Eier moralisch wünschenswert sind.

Dieses Problem wohnt Einzelthema-Kampagnen inne in einer Gesellschaft, in der Tierausbeutung als normal betrachtet wird. Wenn in einer Gesellschaft X, Y und Z alle als normale Praktiken erachtet werden und eng miteinander verbunden sind, dann suggeriert eine Kampagne gegen X, aber nicht gegen Y und Z, dass es irgendeinen relevanten Unterschied zwischen X auf der einen Seite und Y und Z auf der anderen gibt. Zum Beispiel leben wir in einer Gesellschaft, in der es als normal oder “natürlich“ angesehen wird, Tierfleisch und andere Tierprodukte zu essen. Eine Kampagne, die sich auf Fleisch konzentriert, vermittelt den Eindruck, dass es einen moralischen Unterschied zwischen Fleisch und anderen Tierprodukten gibt, was nicht der Fall ist. Der Beweis dafür ist in der Tatsache zu finden, dass viele Anwälte der Tiere Vegetarier, aber keine Veganer sind. Wenn sie einen Unterschied machen, was können wir dann von der allgemeinen Öffentlichkeit erwarten?

Diese Situation ist von der zu unterscheiden, in welcher X, Y und Z sämtlich als verwerfliche Tätigkeiten oder Praktiken gelten. Zum Beispiel betrachten wir alle Völkermord als eine böse Sache, ob er in Darfur, Somalia oder Bosnien geschieht. Wenn wir eine Kampagne haben, um Völkermord in Darfur zu beenden, dann heißt das nicht, dass wir denken, Völkermord anderswo sei akzeptabel. Wir betrachten Vergewaltigung und Pädophilie als moralisch verwerflich. Eine Kampagne gegen das eine impliziert keine stillschweigende Billigung des anderen oder die Ansicht, dass das eine vom anderen moralisch unterscheidbar sei.

Das Einzelthema-Kampagnen innewohnende Problem wird durch die Tatsache verschlimmert, dass jene Gruppen, die solche Kampagnen betreiben, oft Tierausbeuter ausdrücklich loben, die irgendeine ausbeuterische Praktik einstellen oder modifizieren mögen, aber fortfahren, sich an anderen ähnlichen Praktiken zu beteiligen. Zum Beispiel loben einige Anwälte der Tiere "käfigfreie“ Eier als “sozial verantwortliche“ Alternative zu konventionellen Batterie-Eiern. Viele große als Fürsprecher für Tiere auftretende Organisationen sponsern oder befürworten “Human-Labels“, die auf Tierprodukten kleben. Ein prominenter Tierethiker behauptet, dass es, ein “gewissenhafter Allesesser“ zu sein, “eine vertretbare ethische Position (ist)“. Dies vermittelt eine sehr klare und ausdrückliche Botschaft: Einige Formen der Ausbeutung von Tieren sind moralisch akzeptabel.

Überdies rufen Einzelthema-Kampagnen nicht nur den falschen Eindruck hervor, dass einige Formen der Ausbeutung sich in einem moralischen Sinne qualitativ von anderen unterscheiden, sondern resultieren oft in falschen “Siegen“. Zum Beispiel führte die Kampagne gegen foie gras [Stopfleber] in Kalifornien (1, 2) zu einem Gesetz, das von dem einzigen foie gras-Produzenten in Kalifornien tatsächlich unterstützt wurde, weil es ihn bis 2012 gegen jede Rechtshandlung immunisiert und wahrscheinlich aufgehoben wird, bevor es jemals in Kraft tritt, wenn die foie gras-Produktion “humaner“ gemacht werden kann.

Ich bin also kein Fan davon, Zeit und Geld in Einzelthema-Kampagnen zu stecken. Ich halte daran fest, dass unsere Zeit, Mühe und anderen Ressourcen in der Förderung von Veganismus besser angelegt sind. Solange 99%+ des Planeten das Essen von Tieren und den Konsum oder Gebrauch von Tierprodukten als akzeptabel ansehen, werden wir niemals den Paradigmenwechsel herbeiführen, den wir herbeiführen müssen, um die Vorstellung zu vertreiben, dass Menschen das moralische Recht haben, Tiere auszubeuten.

Aber das heißt nicht, dass wir nicht gegen spezifische Formen der Ausbeutung opponieren sollten. Zum Beispiel wurde letztes Wochenende ein Rennpferd, Eight Belles, das im Kentucky Derby lief, sofort nach dem Rennen und auf der Bahn getötet, auf der ihre Knöchel versagt hatten infolge ihres Rennens für eine Dauer und Geschwindigkeit, für die sie nicht geeignet war. Ich wurde in einer Radioshow interviewt und zu meiner Ansicht über den Fall Eight Belles befragt. Ich erklärte, dass ich gegen Pferderennen überhaupt sei, dies aber als Teil meiner generellen Ansicht, dass Menschen keine moralische Rechtfertigung für den Gebrauch von Tieren überhaupt haben, einschließlich des Gebrauchs für Nahrungszwecke. Der Moderator der Sendung griff das auf und erzählte, wie sehr er seinen Hund liebe und sich um ihn kümmere, dass er aber letztes Wochenende eine Grillparty hatte, auf der er andere Tiere konsumierte. So war es eine Sache von wenigen Minuten, in denen die Verbindung zwischen Pferderennen und anderen Formen der Tierausbeutung hergestellt wurde.

Wenn wir bestimmte Formen der Tierausbeutung diskutieren und kritisieren, ist es wichtig, dass wir klarstellen, dass wir die bestimmte Praktik als moralisch nicht zu rechtfertigen erachten und dass wir nicht denken, die Praktik oder Tätigkeit lasse sich verbessern, wenn wir sie nur regulieren, um sie “humaner“ zu machen. Und es ist äußerst wichtig, dass wir klarstellen, dass unsere Ablehnung der Praktik oder Tätigkeit Teil unserer gesamten Ablehnung jeglichen Tiergebrauchs ist. Wir sollten nicht davor zurückschrecken, deutlich zu machen, dass wir die Abschaffung aller Tierausbeutung anstreben.

Wenn Sie also mit einer bestimmten Praktik oder Tätigkeit konfrontiert sind und diese kommentieren wollen oder darum gebeten werden und dazu geneigt sind, dann sollten sie es tun. Nur lassen sie es nicht an Klarheit darüber fehlen, dass die Lösung des Problems nicht darin besteht, jene Praktik oder Tätigkeit “humaner“ zu machen, sondern zu erkennen, dass sie klar ersichtlich unseriös ist, ebenso wie die meisten unserer Verwendungen von Tieren, und abgeschafft werden sollte – wie alle Tierausbeutung.

Hier zwei Beispiele:

Frage: Ich habe etwas über Foie Gras gelesen; die Art, wie das produziert wird, ist schrecklich, nicht wahr?

Antwort: Das ist es sicherlich. Aber es unterscheidet sich nicht wirklich von allem anderen, was wir essen. Das Steak, das Sie heute Abend hatten oder das Glas Milch heute Morgen war mit einem Produktionsprozess verbunden, der ganz genauso scheußlich ist wie der mit Foie Gras verbundene. Und wir haben nicht das Recht, nichtmenschliche Tiere zu töten, unabhängig davon, wie wir sie behandeln, nur weil wir meinen, sie schmeckten gut.

Frage: Der Zirkus kommt in die Stadt. Was denken Sie, ein Anwalt der Tiere, über die Verwendung von Tieren im Zirkus?

Antwort: Ich denke, es ist fürchterlich. Zur bloßen Unterhaltung erlegen wir Tieren Leid und Tod auf, und das ist wirklich unvereinbar mit dem, was wir zu glauben behaupten, wenn wir unsere Zustimmung mit der Vorstellung ausdrücken, dass es falsch ist, Tieren “unnötiges“ Leiden zuzufügen. Andererseits unterscheidet sich die Verwendung von Tieren in Zirkussen wirklich nicht vom Essen von Tieren, das ebenso etwas ist, das uns Spaß und Vergnügen bringt, und ebenso unvereinbar ist mit dem, was wir sagen, das wir glauben. Es gibt in keiner Weise einen Sinn darin, dass wir einige nichtmenschliche Tiere als Familienmitglieder betrachten und eine Gabel in andere stechen oder sie zu unserer Belustigung in Zirkussen, Zoos oder Rodeos quälen.

Ob Sie Ihre Zeit und Energie auf Zirkusse betreffende Gesetzgebung verwenden sollten, ist eine andere Frage. Wie ich gesagt habe, ist der kulturelle Kontext zu diesem Zeitpunkt einer, zu dem es mehr Sinn hat, uns auf den Gebrauch von Tieren für Nahrungszwecke zu konzentrieren, welcher die hauptsächliche Praktik ist, die andere Formen der Ausbeutung tatsächlich legitimiert. Aber wenn Sie sich entschließen, eine Kampagne gegen Zirkusse zu machen, sollte diese Kampagne zum allermindesten gegen die Verwendung ausnahmslos aller Tiere im Zirkus angehen und klarstellen, dass Zirkusse nicht besser oder schlechter als andere Formen des Tiergebrauchs sind, die alle abgeschafft werden sollten, wenn wir tierliche Interessen ernst nehmen.

Gary L. Francione
© 2008 Gary L. Francione

Wednesday, 9 April 2008

Ein "sehr neuer Ansatz" oder einfach mehr Neuer Tierschutz?

von Gary L. Francione Blog

Martin Balluch, ein österreichischer Anwalt der Tiere und Präsident des Vereins gegen Tierfabriken VGT)in Österreich, hat einen von ihm verfassten Essay in Umlauf gebracht, den er mir gegenüber als einen "sehr neuen Ansatz" zur Tierrechte/ Tierschutz-Debatte bezeichnet hat.

Balluchs Essay ist lang und stellenweise verworren, aber die Grundthese ist ziemlich simpel:

Den abolitionistischen Ansatz zu verfolgen und abolitionistische Aufklärung über Veganismus anstatt regulierender Tierschutzreformen zu betreiben, ist laut Balluch "zum Scheitern verurteilt”, weil "(i)n einer so stark speziesistischen Gesellschaft wie der unsrigen.. es ein großer Energieaufwand (ist), vegan zu leben”, und "die vegane Lebensweise zu mühsam (ist), als dass sie auch nur eine politisch signifikante Minderheit jemals gleichzeitig annehmen und lange genug durchhalten würde." (1)

Worin besteht nun also der "sehr neue Ansatz", den Balluch vorschlägt?

Er ist der Auffassung, dass wir Tierschutzreformen unterstützen sollten. Balluch macht geltend, "dass es zumindest möglich... ist", dass Tierschutzregulierungen schließlich zur Abschaffung der Tierausbeutung (Abolition) führen, sowohl auf individueller wie auf gesellschaftlicher Ebene. Das heißt, die Unterstützung von Tierschutzreformen bringt psychologisch den Einzelnen zum Veganismus und lässt politisch die Gesellschaft sich in Richtung Abolition bewegen.

Mit einem Wort, Balluch schlägt mitnichten einen "sehr neuen Ansatz" vor.

Er schlägt lediglich das vor, was ich in meinem Buch Rain Without Thunder. The Ideology of the Animal Rights Movement und in anderen Schriften als Neuen Tierschutz identifiziert habe. Neuer Tierschutz ist die Ansicht, dass es zwischen Tierschutzreform und Abolition eine Kausalbeziehung gibt in der Weise, dass erstere zu letzterer führt und der beste (oder einzige) Weg ist, die Abschaffung der Tierausbeutung zu erreichen. Ich habe dargelegt, dass der Neue Tierschutz in moralischer wie in praktischer Hinsicht problematisch ist.

Moralisch gesehen ist der Neue Tierschutz problematisch, weil er bedeutet, dass Anwälte der Tiere, die behaupten, die Abschaffung der Tierausbeutung zu befürworten, für vermeintlich "humanere" Formen derselben kämpfen. Das ist nichts anderes, als Folter, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch oder Menschensklaverei abzulehnen und für "humanere" Versionen solcher Formen der Ausbeutung anstatt ohne Umwege für ihre Abschaffung zu kämpfen. Wenn Tierausbeutung moralisch nicht zu rechtfertigen ist, sollte ein Anwalt der Rechte von Tieren nicht für "bessere" Arten und Weisen, etwas Falsches zu tun, werben.

Praktisch gesehen funktioniert Tierschutz schlicht nicht. Tierschutz bietet Schutz tierlicher Interessen nur in dem Maß, in dem es für uns wirtschaftlich vorteilhaft ist. Das sollte nicht überraschen, da Tiere Eigentum sind; sie sind Wirtschaftsgüter, die keinen Wert haben außer dem Wert, den wir ihnen erleihen. Tiere unterscheiden sich von unbelebten Dingen, das uns gehört, da sie, anders als diese, fühlende Wesen sind, die Interessen haben. Aber es kostet Geld, diese Interessen zu schützen, und wir sind im Allgemeinen nur das Niveau an Schutz zu "kaufen" bereit, das durch den wirtschaftlichen Wert tierlichen Eigentums gerechtfertigt ist. So mögen wir zum Beispiel verlangen, dass eine Kuh im Schlachthaus betäubt wird, bevor wir sie festketten, hochwinden und aufschneiden, aber wir tun dies, weil, wenn wir es nicht tun, die Kuh sich bewegt, Schlachthausarbeiter verletzt und Schaden an ihrem Körper verursacht, was die Qualität ihres "Fleisches" mindert.

Wir haben Tierschutz jetzt seit 200 Jahren und es gibt durchaus keinen Beleg dafür, dass Tierschutzreformen zur Abschaffung der Tierausbeutung führen. Tatsächlich beuten wir mehr Tiere auf schrecklichere Arten und Weisen aus als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Überdies gibt es die Tendenz, dass in dem Maß, in welchem die Öffentlichkeit der Meinung ist, Tiere würden "humaner" behandelt, deren fortgesetzte Ausbeutung ermutigt wird. Gegenwärtig sehen wir in den Medien eine Story nach der anderen, dass Menschen, die kein Fleisch oder andere Tierprodukte mehr aßen, damit wieder angefangen haben, weil sie glauben, dass Tiere infolge vermeintlicher Reformen im Tierschutz besser behandelt werden.

Balluch hat mich um eine Rückmeldung speziell zu seinem "sehr neuen Ansatz" gebeten. Ich nehme dazu folgendermaßen Stellung:

Aufkärung über Veganismus ist "zum Scheitern verurteilt"

Balluch argumentiert, dass es Zeitverschwendung sei, die Öffentlichkeit über Veganismus aufzuklären, weil man dies seit 130 Jahren in Österreich versucht und es nicht funktioniert habe. Ich kann nicht für die Situation in Österreich sprechen, aber die Bewegung für Tiere im Allgemeinen hat zu keiner Zeit für Veganismus als ihre klare und unzweideutige moralische Grundlinie geworben. Im Gegenteil wird Veganismus von führenden Anwälten der Tiere, wie Peter Singer, als "fanatisch" dargestellt. Singer spricht vom gelegentlichen Konsum tierlicher Produkte als von einem "Luxus" und vertritt die Auffassung, dass wir sogar eine Verpflichtung dazu, nicht vegan zu sein, haben mögen, wenn unser Vegansein andere verstimmt. Die Bewegung fördert aktiv "Bio-Fleisch" und "Bio-Milch/Eier''und das Etikettieren von Tierleichen und Tierprodukten als "human" produziert, und sie verleiht Auszeichnungen an Designer von Schlachthäusern. Die Bewegung unterscheidet zwischen Fleisch und anderen Tierprodukten, wobei sie Ovo-Lacto-"Vegetarismus" als Standardposition betrachtet.

Die Bewegung für Tiere hat, mit Ausnahme von Pionieren wie Donald Watson, Veganismus konsequent marginalisiert. Es kann wirklich das Spendenaufkommen beeinträchtigen, wenn Sie den Leuten erzählen, dass Veganismus das Mindeste ist, was sie tun können, wenn sie die Interessen von Tieren ernst nehmen. Balluch räumt dies selber ein. Er stellt fest, dass österreichische Tierschutzgruppen 30 Mio Euro an Spenden jährlich einnehmen; "[e]inige bieten zusätzlich auch explizit vegane Kampagnen neben ihrer Reformtätigkeit an. Würden alle Tierschutzgruppen sich auf rein abolitionistische Kampagnen verlegen, sie würden drastisch auf die Größe veganer Gesellschaften schrumpfen und all ihren Einfluss und ihre Möglichkeiten, auch für Veganismus zu werben, verlieren." Wir können also nicht Abolition und Veganismus vorantreiben, weil das die Spenden zurückgehen lassen und dem ein Ende setzen würde, was auch immer als veganer Aktivismus von jenen Tierschutzgruppen unterstützt wird. Balluchs Argumentationsweise ist atemberaubend.

Doch obwohl Balluch sich im Irrtum befände zu behaupten, dass Veganismus jemals die Grundlinie der Bewegung gewesen ist, würde dieser Irrtum seine Analyse nicht beeinträchtigen, weil, ihm zufolge, selbst wenn die gesamte Bewegung dem Veganismus verpflichtet wäre und ihn als klare und unzweideutige moralische Grundlinie verträte, dies ohne Bedeutung wäre. Die Menschen werden [Balluch zufolge] einfach nicht vegan, weil die Gesellschaft speziesistisch und es für die meisten zu schwierig ist, vegan zu leben. Die Öffentlichkeit "schwimmt einfach mit dem Strom und wählt den Weg des geringsten Widerstands.-" [1]

Wir sollten allerdings die Hoffnung laut Balluch nicht verlieren, der spekuliert, "dass es zumindest möglich, wenn nicht sogar statistisch sehr wahrscheinlich ist, dass sich ein Mensch psychologisch von der Tiernutzung über den Tierschutz zum Tierrecht entwickelt." Das heißt, wenn wir Menschen dazu ermutigen, Tierschutz zu unterstützen, ist es "möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich", dass sie schließlich die vegane Lebensweise annehmen.

Doch Balluch lässt uns im Unklaren darüber, wie genau diese Transformation vonstatten gehen soll. Stellenweise sieht es so aus, als verföchte er die Ansicht, dass Tierschutzregulierungen Tierprodukte letztlich so teuer machen werden, dass die Leute keine andere Wahl haben, als vegan zu leben. Einmal davon abgesehen, dass dieses Szenario voraussetzt, dass eine Öffentlichkeit, der es nicht um die Abschaffung der Tierausbeutung zu tun ist, regulierende Reformen, von denen Balluch behauptet, sie führten schrittweise zur Abolition, unterstützten wird, erhöht Tierschutz, wie ich unten darlege, im Allgemeinen die wirtschaftliche Effizienz der Tierausbeutung und nicht die Produktionskosten. Und angesichts der Gegebenheiten des "freien Handels" würden, selbst wenn Regulierungen Produktionskosten und Preise steigen ließen, billigere Importe erhältlich sein, um die Nachfrage zu befriedigen.

An anderen Stellen macht Balluch anscheinend geltend, dass Menschen durch die Unterstützung von Tierschutzreformen schließlich erkennen, dass Tiernutzung an sich falsch ist. Das heißt, wenn wir die Leute dazu ermutigen zu glauben, dass die Ausbeutung von Tieren moralisch akzeptabel, weil reguliert, ist, werden sie irgendwann einmal dahin kommen, einzusehen, dass Tiernutzung keinesfalls moralisch akzeptabel ist. Warum denkt Balluch, dass die Bekräftigung der Ansicht, dass Tiernutzung moralisch akzeptabel ist, irgendwann zum Ende von Tiernutzung führen wird? Balluch ist der Auffassung, dass Tierschutzkampagnen helfen, Menschen für Tierleid zu sensibilisieren. Aber die überwältigende Mehrheit der Menschen akzeptiert bereits und hat sei geraumer Zeit akzeptiert, dass es moralisch falsch ist, Tieren "unnötiges" Leiden zuzufügen. Es gibt keinen empirischen Beleg dafür, dass dies in eine abolitionistische Richtung geführt hätte.

Balluchs Argument dafür, warum Aufklärung "zum Scheitern verurteilt" ist, ist überhaupt kein Argument. Er setzt voraus und zieht eine Schlussfolgerung aus etwas, das erst zu beweisen wäre, wenn er behauptet, dass wir Tierschutz unterstützen müssen, weil wir Tierschutz unterstützen müssen.

Ich finde es schwierig, wenn nicht unmöglich, zu glauben, dass es, wenn die Bewegung sich entschieden hätte, die Hunderte von Millionen (vielleicht Milliarden) Dollar, die sie in den vergangenen Jahrzehnten allein in den USA ausgegeben hat, anstatt in Tierschutzkampagnen darin zu investieren, Veganismus in einer klaren und unzweideutigen Weise voranzutreiben, nicht Hunderttausende mehr Veganer gäbe als es heute gibt. Dies würde das Fundament für eine politische Bewegung schaffen, die einen bedeutungsvollen Schutz tierlicher Interessen, einschließlich Verboten der Nutzung von Tieren, anstreben könnte.

Zuletzt bietet Balluchs Essay ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Anwälte der Tiere die vegane Position marginalisieren. Er geht sehr ausführlich darauf ein, wie schwierig es ist, in einer nichtveganen Gesellschaft vegan zu leben. Solange Anwälte der Tiere Veganismus als ein extremes Opfer, das einen zum "Märtyrer" für die Tiere macht, oder als "fanatisch" darstellen, werden sie jedenfalls andere nicht dazu ermutigen, vegan zu werden. Ich bin seit 26 Jahren Veganer. Ich betrachte es als keinerlei Opfer, und die Grundlagen der veganen Ernährung sind nahezu überall verfügbar. Ich bin nicht stärker versucht, Tierprodukte zu essen, weil ich in einer nichtveganen Gesellschaft lebe, als ich versucht bin, irgendetwas anderes zu tun, was ich für moralisch fundamental falsch halte.

Und selbst wenn Balluch Recht hat, dass Menschen daran, dem Veganismus verpflichtet zu sein, nicht immer festhalten, sollte das nicht bestimmen, was unsere Botschaft sein soll. Die Tatsache, dass Rassismus, Sexismus und Heterosexismus in unserer Kultur noch immer grassieren, bedeutet nicht, dass wir unsere Botschaft ändern und diese Formen der Diskriminierung stillschweigend dulden sollten, weil viele Menschen sich noch immer darin betätigen.

Die Unerheblichkeit der Öffentlichkeit

Balluch behauptet, dass die Öffentlichkeit unwichtig im Kampf für Tierrechte sei, weil "(d)er Konflikt um eine Systemänderung in Richtung Ende der Tierausbeutung und Veganismus.. ein direkter politischer Konflikt zwischen Tierrechtsbewegung und Tierausbeutungsseite bzw. Tierindustrie (ist)." Die Öffentlichkeit ist unerheblich; sie "schimmt einfach mit dem Strom und wählt den Lebenswandel des geringsten Widerstands." [2]

Obwohl es sicherlich der Fall ist, dass der Kapitalismus durch das Erzeugen von Konsumwünschen gedeiht, ist die Vorstellung, dass die Tierindustrie der Hauptmotor der Tierausbeutung sei, absurd. Die Tierindustrie existiert, weil die Öffentlichkeit Tierprodukte verlangt. Würde die Öffentlichkeit aufhören, Tierprodukte zu verlangen, würden jene, die Kapital in das Geschäft mit Tieren investiert haben, ihr Kapital woanders anlegen.

Es gibt kaum einen empirischen Anhaltspunkt dafür, dass die Öffentlichkeit irgendeine wirkliche Herausforderung ihrer Möglichkeit, Tierprodukte zu konsumieren, tolerieren würde. Die Öffentlichkeit mag kosmetische Reformen unterstützen, die keinen erheblichen Preisanstieg zur Folge haben, insbesondere wenn billigere Produkte importiert werden können, aber Balluch macht sich etwas vor, wenn er denkt, dass seine Strategie, Veganismus durch Tierschutzreformen gesetzlich zu bewirken, selbst wenn dies praktisch möglich wäre, von der Öffentlichkeit akzeptiert würde, bevor diese von der Immoralität der Tiernutzung überzeugt ist. Die Vorstellung, die Tierrechtsbewegung könne ohne die aktive Unterstützung der Öffentlichkeit den Druck ausüben, der für wesentliche Änderungen notwendig ist, lässt überdies einen tief gehenden Mangel an Verständnis des politischen Prozesses erkennen.

Die wirtschaftliche Wirkung von Tierschutzreformen

Balluch behauptet: "(E)s ist ebenso zumindest möglich – wenn wir auch dazu bisher noch keine statistischen Daten über die Wahrscheinlichkeit haben –, dass sich eine Gesellschaft politisch über den Tierschutz zu Tierrechten entwickelt." Er unterstellt, dass Tierschutzreformen die Tierindustrie schwächen und die Nachfrage nach Tierprodukten sinken lassen, indem diese teurer und dadurch die Menschen veranlasst werden, auf vegane Alternativen zurückzugreifen.

Balluch versteht die Natur von Tierausbeutung und Tierschutzreformen nicht.

Tierschutzreformen schwächen die Tierindustrie im Allgemeinen nicht. Dies ist so, weil Tierschutzreformen Tierausbeutung generell wirtschaftlich effizienter machen und die Tierindustrie tatsächlich stärken. Zum Beispiel hat sich gezeigt, dass Alternativen zum Kastenstand für Schweine und Kälber den Profit für Produzenten erhöhen.

Die aktuelle Kampagne in den USA, die elektrische Betäubung bei der Schlachtung von Geflügel durch ein "Töten in kontrollierter Atmosphäre" [controlled atmosphere killing / CAK] zu ersetzen, gründet sich ausdrücklich auf den wirtschaftlichen Nutzen für Produzenten und Konsumenten. Laut der Hunane Society of the United States (HSUS) führt das Vergasen von Geflügel "zu Kosteneinsparungen und steigenden Einkünften durch verminderte Herunterstufung des Schlachtkörpers, weniger Verunreinigungen und Kühlungskosten, durch Steigerung der Erträge, Qualität und Haltbarkeit des Fleisches sowie Verbesserung der Arbeitsbedingungen."

Laut People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) “senkt die Schlachtmethode der elektrischen Betäubung die Produktqualität und den Ertrag, weil die Vögel Knochenbrüche erleiden und das Verfahren in für die menschliche Gesundheit schädlichen Verunreinigungen resultiert." Die Methode der elektrischen Betäubung "erhöht die Arbeitskosten" zudem in verschiedener Weise. PETA argumentiert, dass CAK "Produktqualität und Ertrag erhöht", weil Knochenbrüche, Quetschungen und Blutungen angeblich vermieden, Verunreinigungen vermindert, die "Lagerfähigkeit des Fleisches" erhöht und "zarteres Brustfleisch" produziert wird. PETA macht überdies geltend, dass CAK "die Arbeitskosten senkt" durch das verminderte Erfordernis bestimmter Inspektionen, geringere Unfallhäufigkeit und sinkende Fluktuation. CAK bietet "weitere ökonomische Vorteile" für die Geflügelindustrie, indem das Verfahren Produzenten erlaubt, Geld bei Energiekosten und durch die Reduzierung von Abfallprodukten und Wasserverbrauch zu sparen.

Darüber hinaus können Produzenten einen Spitzenpreis kassieren, indem sie ihr Fleisch als "human" etikettieren, und vielleicht sogar die Unterstützung durch Tierschutzorganisationen erhalten, die verschiedene Etikettierungsmodelle befürworten und sponsern.

Tierschutzreformen beeinflussen die Nachfrage der Konsumenten aus einer Reihe von Gründen nicht. Erstens resultieren die meisten Tierschutzreformen nicht in einer Preissteigerung, die ausreicht, um sich auf den Konsum auszuwirken. Zweitens wechseln Konsumenten nicht in dem Maß, in dem eine Preissteigerung erheblich ist, zu veganen Alternativen, sondern greifen zu billigeren Tierprodukten. Wenn also der Preis für Rindfleisch aus welchen Gründen auch immer steigt, kaufen Konsumenten mehr Geflügel, Schweinefleisch, Lamm oder Fisch. Sie kaufen nicht Tofu. Drittens führt angesichts der Tatsache, dass der größte Teil der Welt heutzutage in Abkommen des "Freihandels" eingebunden ist, ein Preisanstieg für eine Ware in einem Land dazu, dass billige Importe auf den Markt kommen.

Balluchs Beispiele

Die Beispiele, die Balluch liefert, um seine Position zu stützen, tun dies nicht.

Sein Hauptbeispiel hat mit der österreichischen Eierindustrie zu tun. Balluch macht geltend, dass Österreich Legebatteriekäfige dem angenommenen Stichtag der Europäischen Union 2012 vorausgehend verboten hat und dass die Eierproduktion um 35 % gefallen ist. Ich habe nicht vermocht, etwas diese Aussage Erhärtendes zu finden. Laut Statistik Austria [3] betrug die gesamte Eierproduktion in Österreich 89,271 Tonnen im Jahr 2005 und 90,613 Tonnen im Jahr 2006. Das ist eine Steigerung von 1,5 %. Von dieser Gesamtproduktion entfielen 3,510 Tonnen 2005 und 3,902 Tonnen 2006 auf Eier für Brutzwecke. Zieht man diese Zahlen von der Gesamtproduktion ab, betrug die Eierproduktion 2005 85,761 Tonnen und 2006 86,711 Tonnen. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Eiern stieg von 233 Stück 2005 auf 236 Stück 2006. Außerdem sieht es so aus, als importiere Österreich auch mehr Eier. Die Produktionszahlen für 2007 sind auf Statistik Austria noch nicht verfügbar. Ich weiß nicht, woher Balluch seine Zahl von 35 % Rückgang der Eierproduktion nimmt, aber seine Behauptung wird nicht gestützt durch die Zahlen, die ich gefunden habe.

Überdies ist in gewisser Hinsicht das Niveau der Eierproduktion in Österreich irrelevant. Österreich ist Teil der Europäischen Union. Wenn der Eierpreis in Österreich wesentlich ansteigt oder wenn die dortige Produktion die Nachfrage nach Eiern nicht deckt (was der Fall wäre, wenn es zuträfe, dass, wie Balluch sagt, die Eierproduktion um 35 % gesunken ist), werden Eier aus anderen EU Ländern importiert, die noch die konventionellen Batteriekäfige haben. Obwohl die EU angibt, Batteriekäfige von 2012 an zu verbieten, ist die Vorstellung, dass alle EU-Länder dieses Datum einhalten werden, mehr als unrealistisch. Hinzu kommt, dass die EU-Vorschrift "ausgestaltete" Käfige erlaubt, die im Wesentlichen Batteriekäfige sind, welche selbst von moderaten Tierschutzorganisationen abgelehnt werden. Diese Käfige können weiterhin verwendet werden, auch wenn alle EU Länder der Vorschrift bis 2012 entsprechen sollten. Obwohl Balluch behauptet, dass Österreich auch die "ausgestalteten" Käfige verboten hat, gibt ein anderer Teil seiner Website an, dass "ausgestaltete" Käfige, die vor dem 01.Januar 2005 gebaut wurden, bis 15 Jahre nach ihrer ersten Inbetriebnahme verwendet werden dürften.

Zuletzt unterstellt Balluch, dass "käfig-freie" oder Eier aus "Bodenhaltung" für die Hennen ein wesentlich besseres Leben bedeuten. Das ist ein Mythos. Werfen Sie einen Blick auf das exzellente Informationsmaterial (1, 2), das von Peaceful Prairie Sanctuary zu Eiern aus "Freilandhaltung" herausgegeben wird.

Balluch bietet mehrere andere Beispiele. Er führt das österreichische Verbot von Wildtieren im Zirkus an. Das Problem ist natürlich, dass domestizierte Tiere nach wie vor in Zirkussen in Österreich zugelassen sind; Balluch stellt fest, dass "Pferde, Rinder, Schweine und Hunde" weiterhin in Zirkussen genutzt werden. Vielleicht ist er der Meinung, dass es einen moralischen Unterschied zwischen der Nutzung nicht domestizierter Tiere und der Nutzung domestizierter Tiere gibt. Ich bin anderer Meinung.

Balluch führt das österreichische Verbot von Pelzfarmen an, aber er räumt ein, dass das Verbot "an sich keinen Rückgang im Pelzhandel bewirkt, es wurden eben Pelze aus dem Ausland nach Österreich eingeführt." Balluchs eigene Beobachtung widerlegt seine allgemeine These, dass die Öffentlichkeit irrelevant, dass Aufklärung Zeitverschwendung, dass das Problem der Tierausbeutung ein Konflikt zwischen Tierrechtsbewegung und Tierindustrie ist und dass die Öffentlichkeit einfach "mit dem Strom schwimmt und den widerstandslosesten Lebenswandel wählt". Österreich hat Pelzfarmen verboten. Die Pelzfarmer wurden vom Markt verdrängt, aber der Pelzverkauf in Österreich ist nicht zurückgegangen. Dies beweist in ziemlich überwältigender Weise, dass, wenn die Öffentlichkeit nicht aufgeklärt ist und die Nachfrage nach Tierprodukten fortbesteht, Tiere fortgesetzt ausgebeutet werden. Die Tatsache, dass das eigentliche Töten von Tieren woanders stattfindet, ist irrelevant.

Balluch stellt fest, dass Österreich hat, was er anscheinend als einzigartige straf- und verfassungsrechtliche Gesetzgebung erachtet.
§6 (1) Tierschutzgesetz: Es ist verboten, Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten.
§222 (3) Strafgesetzbuch: Es ist verboten, Wirbeltiere ohne vernünftigen Grund zu töten.
Verfassung: Der Staat schützt das Leben von Tieren als Mitgeschöpfe des Menschen.
Balluch ignoriert die Tatsache, dass die Nutzung von Tieren in institutionalisierter Ausbeutung einen "guten Grund", Tiere zu töten, darstellt, soweit es das Gesetz betrifft, und dass dies auch für Österreich gilt, das, soweit mir bekannt ist, kein veganes Land geworden ist. Ihm ist anscheinend unbekannt, dass viele Tierschutzgesetze ähnliche Klauseln enthalten und Österreichs Gesetzgebung in keiner Weise einzigartig ist.

Balluch erwähnt das 2005 in Österreich erlassene Verbot der Verwendung von Menschenaffen in Tierversuchen. Davon agesehen, dass österreichische Tierexperimantatoren die Verwendung von Menschenaffen weitgehend eingestellt hatten, bevor das Gesetz in Kraft trat, wird durch die Vorstellung, Menschenaffen seien mehr "wie wir" als andere Tiere und hätten deshalb Anspruch auf größeren rechtlichen Schutz, der Speziesismus verstärkt und nicht abgebaut. Ich bin natürlich froh darüber, dass Tierexperimentatoren in Österreich keine Menschenaffen für zukünftige Experimente verwenden können, aber ich warne Anwälte der Tiere davor, für ein Gesetz zu kämpfen mit der Begründung, einige Tiere seien wegen ihrer Menschenähnlichkeit gleicher als andere. Empfindungsfähigkeit ist das einzige Kriterium, dass der Personenstatus erfordert.

"Zweigleisiger Aktivismus" = Aktivismus auf dem falschen Gleis

Balluchs Analyse gleicht derjenigen anderer Neuer Tierschützer. Zum Beispiel befürwortet Norm Phelps in einem kürzlich von "Vegan" Outreach in Umlauf gebrachten Artikel, was er "zweigleisigen Aktivismus" nennt, der die Unterstützung von Tierschutzreformen einschließt. Laut Phelps machen diese Reformen die Menschen "sehr viel empfänglicher für die vegane Botschaft". Er behauptet, dass jene, die den abolitionistischen Ansatz verfolgen, theoretische Folgerichtigkeit über praktische Resultate stellen. Wie Balluch unterstellt Phelps einfach, dass Tierschutzreformen die Industrie schädigen. Wie Balluch hat er anscheinend nicht die leiseste Ahnung von der Ökonomie der Tierschutzregulierung.

Zum Beispiel akzeptiert Phelps die Behauptung, dass die HSUS-Kampagne gegen den Kastenstand für schwangere Sauen ein Beispiel einer Anstrengung ist, welche die Fleischprouduzenten "ökonomisch lähmen" wird. Vielleicht sollte Phelps den HSUS-Bericht lesen, dem zufolge EU-Studien darauf hindeuten, dass
die Produktivität von Sauen in Gruppenhaltung höher als in einzelnen Kastenständen ist infolge reduzierter Verletzungsraten und Krankheit, früherer erster Brunst, schnellerer Rückkehr zur Brunst nach dem Abferkeln, geringeren Vorkommens von Totgeburten und kürzerer Abferkelzeiten. Gruppenhaltung unter Einsatz elekronischer Fütterungsmaschinen (electronic sow feeder/ ESF) sind besonders rentabel... Die Umstellung vom Kastenstand auf Gruppenhaltung mit ESF reduziert die Produktionskosten geringfügig und erhöht die Produktivität.
HSUS zitiert Studien, die zeigen,
dass die Gesamtkosten pro verkauftem Ferkel um 0,6 % niedriger in Gruppen/ESF-Systemen sind, während das Einkommen für den Ferkelzüchter aufgrund gesteigerter Produktivität höher ist ... dass, verglichen mit dem Kastensatnd, Gruppenhaltung mit ESF die Arbeitszeit um 3 % verringert, das Einkommen pro Sau und Jahr geringfügig erhöht….[und dass] [E]insparungen in der Sauenzucht an den Mastbetrieb weitergegeben werden können, wo die Kosten pro Gewichtseinheit um 0,3 % sinken. Allein diese Kostenänderung würde sich im Einzelhandelspreis für Schweinefleisch niederschlagen.
HSUS kommt zu dem Schluss:
Es ist wahrscheinlich, dass Produzenten, die Gruppenhaltung mit ESF einführen, die Nachfrage nach ihren Produkten erhöhen oder einen Preisaufschlag verdienen könnten. Eine Umfrage aus dem Jahr 2003 hat festgestellt, dass 77 % der Konsumenten in Iowa Schweinefleischprodukte von Handelsgesellschaften kaufen würden, deren Nahrungsmittel von Lieferanten kommen, die ihre Schweine ausschließlich unter humanen und umweltgerechten Bedingungen produzieren und aufziehen.
Überdies scheinen Balluch und die anderen Neuen Tierschützer nicht zu verstehen, dass wir in einer Welt begrenzter Ressourcen leben. Jeder Dollar und jede Minute, die wir darauf verwenden, Tierschutzreformen voranzutreiben, machen weniger Ressourcen für kreative, gewaltlose Aufklärung über Veganismus verfügbar. Es ist keine Sache von "zweigleisigem Aktivismus", wenn ein Gleis eindeutig das falsche ist.

Letztlich behauptet Balluch, dass ich in Rain Without Thunder die schrittweise Reform des Tierschutzes befürworte, dass ich nur zu beschränkt darin sei, was ich als abolitionistische Reform betrachte. Seine Kommentare suggerieren, dass ich mich für Tierschutzreformen ausspreche, und dies ist unrichtig. In meinem Buch vertrete ich die Auffassung, dass Anwälte der Tiere sich auf Veganismus und gewaltlose aufklärerische Bemühungen konzentrieren sollen, um das Paradigma von Tieren als Eigentum auszuhöhlen. Ich habe argumentier, dass Anwälte der Tiere, wenn sie Reformen verfolgen wollen, zumindest das Verbot bedeutender institutioneller Komponenten der Ausbeutung im Rahmen einer Kampagne verfolgen sollten, die den inhärenten (innewohnenden) Wert von Tieren anerkennt und der Öffentlichkeit ausdrücklich als Teil einer Gesamtanstrengung zur Abschaffung aller Tierausbeutung präsentiert wird.

Balluchs Vorschlag, dies sollte angemerkt werden, wird nicht einmal diesen Kriterien gerecht. Auf der einen Seite macht er geltend, dass "eine Tierschutzreform.. ein Schritt in Richtung Tierrechte (ist), wenn sie die Tierindustrie entscheidend schwächt". [4] Eine solche Kampagne würde nicht zwangsläufig den Kriterien entsprechen, die ich in Rain Without Thunder vorgestellt habe. Auf der anderen Seite scheint er zu behaupten, dass Anwälte der Tiere jede Reform, einschließlich "Human"-Labels für "Bio-Fleisch", unterstützen sollten, weil jede Tierschutzreform vermutlich für mehr Unterstützung für Tierschutz sorgt, welcher, laut Balluch, in Richtung Tierrechte führt. Diese Kampagnen bauen den Eigentumsstatus von Tieren nicht nur nicht ab, sie verstärken ihn.

Fazit:

Es gibt, in einem Wort, nichts Neues an Balluchs Ansatz. Er unterbreitet lediglich das Paradigma des Neuen Tierschutzes, das die Bewegung in den USA und Großbritannien seit den 1990er Jahren beherrscht und nun anscheinend in andere Teile Europas exportiert worden ist.

Die Vorstellung, dass wir Tierschutz fördern müssen, um ihn zu unterminieren, ist absurd und sollte von all jenen verworfen werden, denen es um das Vermitteln einer moralisch bedeutungsvollen Botschaft und um das Erzielen praktischer Resultate zu tun ist.

Der Ansatz des Neuen Tierschutzes fördert keins von beiden. Der abolitionistische Ansatz fördert beides.

Vegan leben ist nicht, wie Balluch und andere suggerieren, eine Sache schmerzvoller Selbstverleugnung und großen Opfers. Es ist leicht, besser für Ihre Gesundheit und besser für den Planeten. Und was das Wichtigste ist, es ist die Anwendung des Prinzips der Abschaffung der Tierausbeutung in Ihrem täglichen Leben.

Wenn Sie nicht dazu bereit sind, vegan zu leben, sehen Sie schlicht der Tatsache ins Auge, dass sie nicht genug Verantwortungsbewusstsein haben, um das zu tun, was zu tun in Ihrer Macht liegt – zu entscheiden, was Sie sich in den Mund stecken, was Sie anziehen und welche Mittel Sie auf Ihrem Körper anwenden. Verschwenden Sie nicht Ihre Zeit und Ihr Geld, um Tierschutzorganisationen zu unterstützen, die Ihnen erzählen, dass ein bestimmter Tiermissbrauch schlimmer als ein anderer ist und dass, wenn Sie ihnen nur einen finanziellen Beitrag zukommen lassen, sie es für Sie in Ordnung bringen.

Nein, dadurch, dass Sie vegan leben, haben Sie nicht die Probleme der Welt gelöst. Sie entfernen sich nicht vollständig von der Tierausbeutung, die jeden Aspekt unseres Lebens durchdringt und selbst im Belag unserer Straßen, in unseren Häusern, Farbanstrichen, Kunststoffen und vielen anderen Dingen gegenwärtig ist. Aber wenn die Mehrheit von uns Tierprodukte von ihrem Teller verbannte und sie anderweitig zu konsumieren aufhörte, würde die Industrie sehr schnell Alternativen zu billigen tierlichen Nebenprodukten finden.

Gary L. Francione
© 2008 Gary L. Francione

Anm. d. Übers.
[1], [2], [4] Wörtliche Übersetzung; die anderen Zitate von Balluch sind der deutschen Version seines Essays entnommen.

[3] deutsche Fassung

Tuesday, 25 March 2008

Aufklärung über Veganismus leicht gemacht – Teil 1

von Gary L. Francione Blog

Eins von den Dingen, die ich häufig höre, ist, dass es schwierig sei, Menschen, besonders Fremde, über Veganismus aufzuklären.

Im Gegenteil: Unsere täglichen Interaktionen liefern uns viele Gelegenheiten, über Veganismus zu reden. Dieser Essay erörtert ein paar Beispiele. Ich werde weitere Beispiele in künftigen Essays diskutieren.

Zum Beispiel musste ich im Januar dieses Jahres mit Robert, einen unserer Hunde, einen Spezialisten der Hochschule für Veterinärmedizin an der Universität Pennsylvania aufsuchen. Eine Frau – ich werde Sie hier "Jane" nennen, aber das war nicht ihr richtiger Name – saß mit mir im Wartezimmer; sie war mit einem Windhund dort. Und wie es immer geschieht, wenn zwei Menschen zusammen mit ihren tierlichen Gefährten an einem solchen Ort sind, kamen wir über die Gesundheitsprobleme ins Gespräch, die uns nach Pennsylvania geführt hatten. Das Gespräch ging dahin, dass Jane ihren Hund von einem Tierrettungsverein aufgenommen hatte und unser Hund unter einem verlassenen Auto gefunden worden war.

Nachdem wir ein oder zwei Minuten darüber gesprochen hatten, wie schrecklich das Geschäft mit Windhund-Rennen ist, erzählte ich Jane, dass ich an der Universität von Pennsylvania vor vielen Jahren gelehrt hatte, und dass diese berüchtigt sei für die schrecklichen Experimente, Tests und Verfahren zum Zweck von "Ausbildung", die sie an Hunden und anderen Tieren vornimmt. Jane sagte, dass sie von Pennsylvanias Tierversuchen gehört habe, und ich erwähnte, wie befremdlich es sei, dass ein Teil des Gebäudes der Anwendung von Veterinärmedizin zu dem Zweck, Tieren zu helfen, die von Menschen geliebt werden, gewidmet sei, während ein anderer Teil dem Zweck diene, Tiere zu quälen, die nicht Mitglieder von jemandes Familie sind. Jane traf die Feststellung, dass es wirklich keinen Sinn mache, dass wir einige Hunde und Katzen als Familienmitglieder behandelten und andere als "Werkzeuge der Forschung".

"Wie wahr", sagte ich. "Aber in vielerlei Hinsicht sind wir genauso wie die Tierärzte hier. Wir behandeln einige Tiere als Familienmitglieder und fügen andern Schaden zu."

Sie sah mich perplex an. "Was meinen Sie? Ich würde niemals einen Hund oder eine Katze verletzen." Ich rückte vom Thema Hunde und Katzen ab und begann, von Kühen, Schweinen und Hühnern zu reden, und dass diese sich in nichts von Hunden und Katzen unterscheiden. Es ist etwas sehr Absonderliches an der Tatsache, dass wir einige Tiere als Familienmitglieder betrachten, als Wesen, die wir lieben und als Personen anerkennen, während wir gleichzeitig eine Gabel in andere Tiere stechen, die sich – moralisch und empirisch – nicht von denen unterscheiden, die wir lieben.

Jane schwieg einen Moment, dann fragte sie: "Sind Sie Vegetarier?"

"Ich bin Veganer", antwortete ich.

"Sie meinen, Sie trinken nicht einmal Milch?", fragte sie.

"Das ist richtig. Ich esse keine Eier und keinerlei Milchprodukte."

"Ich kann verstehen, kein Fleisch zu essen. Aber was ist verkehrt an Milch und Eiern?"

"Alles. Die Tiere, die in der Milch- und Eierindustrie genutzt werden, werden länger am Leben gehalten, aber schlechter behandelt als "Fleischlieferanten", und sie landen in demselben grässlichen Schlachthaus."

Jane schaute beunruhigt aus.

"Aber ist es nicht wirklich schwer, Veganer zu sein?", fragte sie.

"Überhaupt nicht", antwortete ich. "Es ist unglaublich leicht, und es ist besser für Sie und für den Planeten, zusätzlich dazu, das richtige Handeln in Hinsicht auf Tiere als Mitglieder der moralischen Gemeinschaft zu sein." Ich sprach ein paar Minuten lang über die gesundheitlichen Vorteile einer veganen Ernährung und über das ökologische Desaster einer auf Tierhaltung basierenden Landwirtschaft.

Unser Gespräch hielt für etwa 30 Sekunden inne, dann frage Jane: "Könnten Sie mir ein paar Informationen darüber geben, wie man Veganer wird ?"

"Sicher", sagte ich. "Geben Sie mir Ihre Emailadresse." Sie tat es.

Wir sprachen noch einige weitere Minuten über die breite Palette veganer Nahrungsmittel, die heutzutage erhältlich sind, dann wurden Robert und ich zum Tierarzt hereingerufen. Jane war gegangen, als wir aus dem Sprechzimmer kamen. Am dem Nachmittag schickte ich ihr einiges über Veganismus – über die moralischen, gesundheitlichen und ökologischen Fragen sowie ein paar praktische Informationen über Ernährung und wie sich schnell und einfach veganes Essen zubereiten lässt. An dem Abend erhielt ich eine kurze Antwort: "Danke, ich werde es mit Interesse lesen."

Vor zwei Wochen erhielt ich eine Email von Jane – das Erste, was ich von ihr hörte, seitdem ich ihr das Infomaterial geschickt hatte. Ihre Nachricht lautete, auszugsweise: "Ich lebe schon zu etwa 60% vegan und arbeite auf 100 % zu. Ich fühle mich besser, geistig und körperlich. Ich verwende das vegane Hundefutter, das Sie mir empfohlen haben, und sie liebt es. Vielen Dank für die Zeit, die Sie sich genommen haben."

Tierkliniken und Tierarztpraxen sind immer ein guter Ort, um ein Gespräch über Veganismus anzufangen. Die Menschen sind auf ihren tierlichen Gefährten konzentriert und gefühlsmäßig sehr offen dafür, über Tiere im Allgemeinen abstrakter nachzudenken. Ich kann mich nicht erinnern, jemals beim Tierarzt gewesen zu sein (und wir haben bis zu sieben Hunde zur selben Zeit gehabt, haben also jede Menge Erfahrung mit Tierarztbesuchen), wo ich nicht mit jemandem ein Gespräch angefangen hätte, das auf das Thema Veganismus zugetrieben wäre.

Ein anderer prima Ort, um über Veganismus zu reden, ist das Flugzeug. Wenn Sie auf einem Flug irgendeine Art besonderes Menü bestellen, wird dieses zuerst serviert. Die Stewardess kommt an Ihren Platz und fragt Sie, ob Sie ein "besonderes Menü" bestellt haben. "Ja", antworte ich stets, "ich habe ein veganes Menü ohne jegliche Tierprodukte bestellt." Meistens fragen mich die neben mir sitzende Person oder die rechts und links von mir Sitzenden (wenn ich einen Mittelplatz habe), ob ich Allergien habe oder warum ich ein solches Essen wünschte. Dies öffnet natürlich die Tür zu einer Diskussion darüber, warum ich Veganer bin. Abhängig von der Verzögerung, mit der nach mir die anderen ihr Essen bekommen, haben etwa 20% der Leute, mit denen ich gesprochen habe, die Stewardess gefragt, wenn der Wagen kommt, ob noch ein veganes Essen erhältlich ist. (Tatsächlich fange ich, für den Fall, dass dies geschieht und es kein zusätzliches veganes Essen gibt, nie zu essen an, bis der Wagen kommt, und trete meine Mahlzeit gern meinem Nachbarn ab, was ich schon bei einer Reihe von Gelegenheiten getan habe.)

Einige der besten Diskussionen über Tierrechte und Veganismus, die ich geführt habe, haben im Flugzeug stattgefunden, insbesondere auf transatlantischen Flügen. Man hängt für ungefähr sieben Stunden fest mit jemandem neben sich, und oft sind die Leute froh, wenn Sie wenigstens einen Teil dieser Zeit damit verbringen können, sich mit Ihrem Sitznachbarn zu unterhalten.

Eine meiner Lieblingsgeschichten begab sich vor einigen Jahren. Ich war unterwegs nach Paris und saß neben einer Frau mit einem Pelzmantel. Sie hatte den Mantel nicht an, aber neben sich an ihrem Platz. Ich las in einem Exemplar meines Buches Introduction to Animal Rights, über dessen zweite Ausgabe ich zu dieser Zeit nachdachte und erwog etwäige Änderungen. Der Abflug von Newark Airport verzögerte sich, und so hatten wir etwas Small Talk über unsere Anschlussflüge in Paris. Sie bemerkte mein Buch und fragte: "Ist das ein gutes Buch?" Ich lächelte und sagte, es sei ein "hervorragendes" Buch. Sie fragte, ob ich ein "Tierrechtstyp" sei. Ich erwiderte, das sei ich, und in der folgenden halben Stunde (während der wir noch immer auf dem Flugsteig waren) erzählte sie mir von ihren zwei Hunden und wie sehr sie sie während ihrer Geschäftsreise nach Frankreich vermissen würde etc. Und dann sprach sie den Fall ihres Pelzmantels an. Sie sagte: "Mein Mantel muss ihre Gefühle verletzen. Das tut mir Leid." Sie fing an, mir zu erklären, dass es "farmgezüchteter" Fuchspelz sei, und dass die Tiere nicht in Fallen gefangen worden seien. Ich erklärte, dass "Farmtiere" genauso gequält werden wie in Fallen gefangene, sagte aber auch, dass ich ihren Pelz – ob "farmgezüchtet" oder gefangen – nicht anstößiger fände als einen Mantel aus Leder oder Wolle. Sie schien erstaunt. "Sie tragen weder Wolle noch Leder?" "Nein", erwiderte ich, "ich bin Veganer."

Die nächsten 15 Minuten (wir waren immer noch auf dem Flugsteig) verbrachte ich damit, zu erläutern, was Veganismus ist, und versicherte, dass Veganismus eine vielfältige Auswahl schmackhafter und gesunder Lebensmittel bietet und die logische Wahl für jeden ist, dem Tiere nicht egal sind. Dann gab ich ihr zu bedenken, dass die Füchse, die für ihren Mantel getötet worden waren, sich in nichts von ihren Hunden unterschieden, die für zwei Wochen in New York zurücklassen zu müssen, sie sehr traurig war. Wir begannen, über unsere "moralische Schizophrenie" zu reden, die unser Denken über Tiere befällt und infiziert.

Die Maschine hob ab, die ersten Mahlzeiten wurden serviert, ich bekam mein veganes Menü und meine Nachbarin fragte sofort, ob es ein zusätzliches veganes Essen an Bord gebe. Es gab eines, und sie bat darum. Die nächsten Stunden verbrachten wir damit, über Tierrechte und Veganismus zu reden, und ich bekannte, der Autor des Buches zu sein, zu dem sie mich befragt hatte.

Etwa zwei Monate später erhielt ich eine Email von dieser Frau. Sie hatte ihren Fuchsmantel einer Tierschutzgruppe überlassen, die ihn für Anti-Pelz Demos benutzte, und sie hatte Introduction to Animal Rights von Amazon.com bestellt und gelesen. Sie bewegte sich in Richtung Veganismus auf einem Weg, den ich ihr vorgeschlagen hatte: Tierprodukte zuerst bei einer Mahlzeit weglassen, dann bei zwei Mahlzeiten, dann bei drei, und schließlich auch bei jedem Imbiss. Weitere zwei oder drei Monate vergingen und sie schrieb, um mir zu sagen, dass sie völlig vegan lebe.

Aufklärung über Veganismus ist eine Herausforderung. Wir leben in einer Kultur, in der die meisten Menschen gedankenlos voraussetzen, dass Tierprodukte zu konsumieren "normal" und "natürlich" ist. Aufklärung über Veganismus ist zeitintensive Arbeit; sie bedeutet oft mit Einzelnen zu arbeiten und eine Menge Zeit zu investieren. Aber das tägliche Leben präsentiert uns alle möglichen Gelegenheiten, andere aufzuklären, und die wirksamsten Gelegenheiten sind solche eines ruhigen, freundlichen Gedankenaustauschs zwischen zwei denkenden menschlichen Wesen.

Und jeder Mensch, der vegan lebt, ist ein wesentlicher Beitrag zu der gewaltlosen Revolution, die letztlich das Paradigma weg von Tieren als Eigentum hin zu Tieren als Personen verändern wird.

Gary L. Francione
© 2008 Gary L. Francione

Wednesday, 6 February 2008

Die Europäische Kommission und das "Verbot" von Legebatteriekäfigen

von Gary L. Francione Blog

Am 08. Januar 2008 hat die Europäische Kommission Aufforderungen zurückgewiesen, ihre Direktive, die ein "Verbot" des konventionellen Batteriekäfigs verlangt, zu verschieben. Laut dieser Direktive, deren Inkrafttreten auf 20012 festgesetzt ist (nach ihrer ersten Ankündigung im Jahr 1999) haben Eierproduzenten die Wahl, auf "Freilandhaltung", "Bodenhaltung" (in den USA als "käfig-frei" bekannt) oder "ausgestaltete" Käfige umzustellen, bei denen die Besatzdichte geringer ist und die mit Einstreu, einem Nest, einer Sitzstange und einen Krallenkürzer ausgestattet sein müssen.

Und die Tierschützer sind, wie sich voraussehen ließ, so begeistert wie sie es nur sein können, obwohl einige von ihnen bereitwillig eine Spur angebrachter Skepsis erkennen ließen.

Die Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals ist eine Tierschutzorganisation. In der Tat sponsert die RSPCA das Freedom-Food-Label (Freiheitsnahrung), ein Kunstgriff, der Konsumenten in die Irre führt, indem es sie denken lässt, sie kauften Fleisch und Tierprodukte von "glücklichen" Tieren. Obwohl die RSPCA die Entscheidung der Kommission, das Verbot von Batteriekäfigen nicht zu verschieben, lobte, stellte sie immerhin heraus:
Während die RSPCA die 'ausgestalteten' Käfige, verglichen mit konventionellen kahlen Batteriekäfigen, als einen kleinen Schritt vorwärts erachtet, entsprechen sie noch immer nicht in adäquater Weise einigen elementaren Bedürfnissen der Vögel. Dies schließt nicht genug Platz, um ihre Flügel richtig zu spreizen, ein oder die nicht ausreichende Möglichkeit zum erfolgreichen Staubbaden, was zu Frustration und Leiden führt.
Die RSPCA favorisiert "Freilandhaltungs-" und "käfig-freie" Systeme, die natürlich nicht als "human" beschrieben werden können ohne eine groteske Verzerrung dieses Wortes. Eine Durchsicht der Informationen über diese Systeme, geliefert von Peaceful Prairie Sanctuary, einschließlich des schockierenden Videos über "Freiland"-Eierproduktion, sollte jedem zu denken geben, der bereit ist, diese alternativen Formen von Tierquälerei zu fördern. Aber nicht einmal die RSPCA befürwortet die "ausgestalteten" Käfige, die eine Option unter dem EU-"Verbot" sind.

Eine andere britische Tierschutzorganisation, Compassion in World Farming, preist das EU-"Verbot" in ihrer Presseerklärung als einen "gewaltigen Erfolg". Aber CIWF hatte zuvor ein umfangreiches Papier herausgebracht, in welchem sie das unter dem "Verbot" erlaubte System "ausgestalteter" Käfige missbilligt; dies fand keine Erwähnung in der das "Verbot" begrüßenden Presseerklärung von CIWF.

Und Eier, die in konventionellen Legebatterien in Ländern außerhalb der EU erzeugt werden, dürfen auch weiterhin importiert werden.

Was sagen Tierschützer in den USA über das "Verbot"?

Obwohl People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) zutreffenderweise feststellt, dass das Beste, was Sie tun können, ist, Vegetarier zu werden und aufzuhören, Eier zu essen, beschreibt PETA die Entscheidung der EU als eine "Sieg für Hennen" und behauptet, dass "das 2012 in Kraft tretende Verbot von Batteriekäfigen ein unglaublicher Schritt für Legehennen (ist)". Nicht erwähnt wird, dass das "Verbot" "ausgestaltete" Käfige nicht verbietet, die selbst von konservativen Tierschutzgruppen missbilligt werden.

Andererseits machte PETA in der Ausgabe Winter 2007 seiner Zeitschrift Animal Times geltend, dass es seine "Unternehmenstrategie" ist, Tieren zu helfen, und führt als Beispiel an, dass Safeway, eine Supermarktkette, "zugestimmt (hat), sich bei seinen Geflügellieferanten für Controlled Atmosphere Killing (CAK) [Töten in kontrollierter Atmosphäre] einzusetzen – ein Verfahren, bei dem Hühner und Truthähne schnell und schmerzlos 'eingeschläfert' werden." (p. 3)

Und die Humane Society of the United States (HSUS), die das Lob bedeutungsloser Tierschutzreformen zu einer Kunstform erhoben hat, hatte Folgendes zu sagen:
Die Humane Society International applaudiert der heutigen Grundsatzentscheidung der Europäischen Kommission, kahle Batteriekäfige wie vorgesehen zu verbieten. Dieser hochbedeutsame Schritt für den Tierschutz zeigt der Massentierhaltungslobby, dass die öffentliche Meinung zu berücksichtigen ist.

Die Europäische Kommission hat einen Aufruf der Industrie-Lobbygruppen, das Verbot zu verzögern, zurückgewiesen und statt dessen dem Wunsch der Bürger der Europäischen Union entsprochen. Einige EU Mitgliedstaaten und Funktionäre der Eierindustrie haben für eine Verschiebung des Verbots gekämpft. Angenommen im Jahr 1999, verbietet die EU-Legehennen-Haltungsverordnung den Gebrauch konventioneller Batteriekäfige vom 01. Jan. 2012 an.
"Das Einsperren von Legehennen in Batteriekäfige ist eine der grausamsten und inhumansten Praktiken in der Welt der Massentierhaltung. Es ist ermutigend zu sehen, dass die Europäische Kommission Forderungen nach einer Verschiebung des 2012-Verbots zurückgewiesen hat", sagt Wayne Pacelle, HSUS-Präsident und Geschäftsführer.

Obwohl die Organisation immerhin erwähnt, dass "ausgestaltete" Käfige noch immer verwendet werden können, erklärt HSUS unverständlicherweise, dass die Direktive "ein wichtiger Schritt hin zu einem völligen Verbot von Käfigen für Legehennen ist."

Das "Verbot" ist ein Witz. Solche Regulierungen bewirken nichts anderes als der Öffentlichkeit ein besseres Gefühl bei der Ausbeutung von Tieren zu vermitteln. Dies ist nur ein weiterer Versuch, die Öffentlichkeit glauben zu machen, dass Tierschutzreformen wesentliche und bedeutsame Verbesserungen in der Behandlung von Tieren, die als Nahrungsmittel ausgebeutet werden, zur Folge haben.

Und dieser traurige Witz betrifft nicht nur die Tiere; er betrifft ebenfalls die Konsumenten von Tierprodukten. Die Europäische Kommission zitiert Studien, welche anzeigen, dass die erhöhten Kosten für Produzenten von "ausgestalteten" Käfigen weniger als 1 Cent betragen werden. Produzenten können diesen geringfügigen Anstieg mehr als wettmachen, indem sie einen Zuschlag für Eier berechnen, die als "tierschutzfreundlicher" vermarktet werden. Die Kommission hat eine Kampagne, Konsumenten zum Kauf dieser Eier von "glücklichen" Hühnern zu ermuntern, empfohlen. Also werden die Konsumenten schließlich einen Bonus für Produkte von gequälten Tieren bezahlen.

Anwälte der Tiere starteten diese Kampagne in den 1990ern und brachten die EU dazu, 1999 eine Direktive herauszugeben. Das "Verbot" wird nicht vor 2012 in Kraft treten und wird den Produzenten gestatten, Produktionssysteme zu verwenden, die nicht einmal konservative Tierschutzgruppen gutheißen. Und auch "Freiland-" "Stall-" oder "Bodenhaltung" sind schrecklich. Das "Verbot" kann durch den Import von Eiern von außerhalb der EU, produziert in konventionellen Batteriekäfig-Systemen, gänzlich umgangen werden. Schließlich bleibt, obwohl die EU-Forderungen nach einer Verschiebung zurückgewiesen hat, abzuwarten, ob mächtige EU-Staaten wie Frankreich, Spanien und Polen fortfahren werden, das Verbot zu bekämpfen, und es dadurch notwendig machen, dass Tierschützer fortfahren, Zeit, Geld und andere Ressourcen für eine bedeutungslose Kampagne zu verwenden.

Falls irgendjemand denkt, dass diese Kampagne ein guter Verwendungszweck für die Ressourcen der Bewegung [für Tiere] war, bin ich anderer Meinung. Für mich ist klar, dass Zeit, Geld und Arbeitskraft besser in eine unzweideutige vegane Kampagne investiert worden wären, als die Öffentlichkeit in die trügerische Annahme zu setzen, dass "tierschutzfreundliche" Eier realer seien als Einhörner.

Gary L. Francione
© 2008 Gary L. Francione

Wednesday, 23 January 2008

Dumme Fragen und mangelnde Ausgewogenheit

von Gary L. Francione Blog

Unter den vielen Nachrichten über verschiedene, auf das Thema Tiere gerichtete Veranstaltungen und Konferenzen, die ich erhalte, war die Ankündigung einer von der Tierschutzgruppe United Poultry Concerns gesponserten Konferenz mit dem Titel: "Käfig-frei, tierfreundlich, vegan leben – was ist das Problem?"

Laut Ankündigung wird die Konferenz der Frage nachgehen:
Sollten Aktivisten daran arbeiten, das Leiden von Milliarden Hühnern und anderer Tiere zu vermindern, die niemals eine vegane Welt erleben werden, oder ist solche Arbeit kontraproduktiv – ein moralischer Betrug an den Tieren?
Diese Frage unterstellt, dass Tierschutzreformen das Leiden von Tieren in bedeutsamer Weise vermindern und uns schrittweise zu einer veganen Welt führen. Es gibt nichts, was diese Annahme stützt.

Wie ich in meinem Essay Die vier Probleme des Tierschutzes dargelegt habe, bieten Tierschutzreformen keinen bedeutenden Schutz für Tiere, Tierschutzmaßnahmen lassen die Öffentlichkeit sich bei der Tierausbeutung wohler fühlen und dies bestärkt die fortgesetzte Tiernutzung, Tierschutz leistet nichts, um den Eigentumsstatus von Tieren zu beseitigen und für Tierschutzreformen verwendete Zeit und verwendetes Geld bedeuten weniger Zeit und Geld für die Förderung des Veganismus. Es gibt keinen empirischen Beleg dafür, dass Tierschutzreformen schrittweise zur Abschaffung der Tiernutzung oder auch nur zu merklich verminderter Tiernutzung führen. Die Tierschutzethik ist das herrschende Paradigma; wir haben Tierschutzgesetze seit 200 Jahren. Und wir nutzen mehr Tiere und in schrecklicherer Weise als zu irgendeiner Zeit in der Geschichte der Menschheit.

Jene Frage unterstellt ebenfalls, dass Abolitionisten, die Tierschutzreformen ablehnen, kein Programm für die Verminderung von Tierleid haben, während wir uns in Richtung Abschaffung der Tiernutzung bewegen. Diese Unterstellung ist ebenso falsch.

Der abolitionistische Ansatz muss sich darin, den Veganismus als einzige moralisch akzeptable Grundlinie der Tierrechtsbewegung ausdrücklich und vorbehaltlos zu fördern, mit Volldampf voraus bewegen. Je mehr Menschen den Veganismus annehmen, um so geringer ist die Nachfrage nach Tierprodukten; je weniger Tiere für den menschlichen Konsum produziert werden, um so weniger Tierleid gibt es. Und anders als der Ansatz des Tierschutzes, der den Eigentumsstatus der Tiere verstärkt und der Öffentlichkeit ein gutes Gefühl bei der Tiernutzung vermittelt, macht der vegane Ansatz deutlich, dass wir keine moralische Rechtfertigung dafür haben, Tiere auszubeuten – wie "human" auch immer die Behandlung sei mag. Abolitionismus strebt einen Paradigmenwechsel an; Tierschutz bleibt durchdrungen vom und verstrickt in den Status Quo.

Die Ankündigung der Konferenz fragt außerdem:
Und was ist mit Begriffen wie "Bio-Fleisch", "Mitgefühl-Standards" und "Sieg"? Welche Botschaft senden sie der Öffentlichkeit?
Diese Frage bezieht sich auf die Tatsache, dass Tierschützer in den USA und GB Labels fördern, die der Öffentlichkeit versichern, dass die Leichen und Tierprodukte, die sie kauft, auf "humane" Art und Weise produziert worden sind. Das heißt, die Tierschützer haben sich mit der Tierausbeutungsindustrie zusammengetan, um eine Partnerschaft zu bilden, die einschließt, dass die Tierschützer ihren "Stempel der Billigung" auf Fleisch, Milchprodukte und Eier drücken.

Zum Beispiel gibt es in GB das Freedom-Food-Label [Freiheitsnahrung], in den USA gibt es das Certified-Humane-Raised-and-Handled-Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt] sowie das Animal-Compassionate-Label [Mitgefühl für Tiere], vermarktet von Whole Foods Market [Bio-Supermarktkette].

Eine solche Strategie kann nur in eine Richtung führen – Tierausbeutung akzeptabler zu machen.

Und wer sind die Sprecher auf der United-Poultry-Konferenz, die eine "Diskussion" der Streitfrage von Labels und der Wünschbarkeit von Tierschutzreformen liefern werden?

Werfen wir einen Blick auf das Aufgebot an Rednern:

— Karen Davis vom Verein United Poultry Concerns, der "die mitleidige und respektvolle Behandlung von heimischem Geflügel" fördert sowie Tierschutzgesetzgebung, "käfig-freie" Eier [Eier aus Bodenhaltung) und größere Käfige für Batteriehühner unterstützt;

— Harold Brown, früher von Farm Sanctuary, Bruce Friedrich von People for the Ethical Treatment of Animals und Christine Morrissey, allesamt Unterstützer des Animal-Compassionate-Standards von Whole Foods;

— Paul Shapiro von der Humane Society of the United States, die ein Co-Sponsor des Certified- Humane-Raised-and-Handled-Labels ist, den Animal-Compassionate-Standard unterstützt und gnadenlos "käfig-freie" Eier und andere Formen von Tierschutzpolitik fördert;

— Roberta Schiff von der Mid-Hudson Vegetarian Society, die ineffektive Tierschutzreformen wie das beantragte "Verbot" von Foie Gras (Gänsestopfleber) in New York und das Werk von Michael Pollan fördert, einem der Hauptarchitekten der "Bio-Fleisch"-Bewegung, und

— Patty Mark von Animal Liberation Victoria, die Tierschutzreformen ablehnt und diese Bemühungen, Tod und Elend als "human" zu etikettieren, als inakzeptabel betrachtet.

Sechs dafür, eine dagegen. Sehr ausgewogen.

Wir können deshalb die Frage "Was ist das Problem?" wie folgt beantworten.

Das Problem ist die Annahme, dass die Reform des Tierschutzes funktioniert.

Das Problem ist die Annahme, dass der abolitionistische Ansatz kein wirksames Programm für die schrittweise Verminderung von Tierleid habe, das die Nachfrage nach Tierprodukten sinken lässt.

Das Problem ist, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass Sie eine "Diskussion" über diese Streitfragen führen werden, während was Sie tatsächlich tun, darin besteht, die Tierschutzpropaganda zu präsentieren, die, wie die Konferenzankündigung klarmacht, den abolitionistischen Ansatz verdreht und verzerrt.

Gary L. Francione
© 2008 Gary L. Francione

P. S. Nachdem dieser Essay gepostet worden war, erhielt ich eine Email von Harold Brown. Er stellte unter anderem fest: "Es ist wahr, dass ich für Farm Sanctuary gearbeitet habe, aber ich habe vor einigen Monaten gekündigt, weil ich als Stimme für Tierrechte in eine Sackgasse geraten war." Er sagte auch, er sei "nun als abolitionistischer Fundamentalist etikettiert, und man setzt meine Ideen in einem Atemzug mit Ihren gleich." Und: "Ich bin ein Abolitionist und werde nicht klein beigeben vor der Orwellschen Rhetorik und Übertreibung, die diese Organisationen verbreiten..."

Vielleicht also wird Patty Mark auf dieser Feier des Tierschutzes nicht allein sein.

Tuesday, 1 January 2008

Ein schlichter Vorsatz zum neuen Jahr

von Gary L. Francione Blog

Das neue Jahr hat begonnen. Ein guter Anlass, gute Vorsätze zu machen

Ein einfacher Vorschlag: Wenn Sie noch nicht vegan leben, entschließen Sie sich und hören Sie auf, Tiere auszubeuten.

Wenn Sie bereits vegan leben, informieren Sie sich über die relevanten moralischen Argumente ebenso wie über die umweltbezogenen und gesundheitlichen Vorteile Ihrer Lebensweise und versuchen Sie, Veganismus in jedes Gespräch soweit Sie können einzuflechten. Betrachten Sie jeden Allesesser (einschließlich Vegetarier), dem Sie begegnen, als jemanden, den Sie überzeugen können, wenn Sie hart genug daran arbeiten. Viele werden Ihnen nicht zuhören; einige werden es. Und jeder, der Veganer wird, verändert etwas.

Veganismus ist die bedeutendste persönliche Veränderung, die Sie vornehmen können; andere über Veganismus aufzuklären, ist die bedeutendste Form von Aktivismus, in der Sie sich engagieren können.

Frohes neues Jahr.

Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione

Wednesday, 5 December 2007

Postmoderner Feminismus und Tierschutz: Hand in Hand

von Gary L. Francione Blog

Kürzlich gab es eine Debatte auf den hervorragenden und immer lebendigen Vegan Freak Foren zwischen denen, die allgemein als "postmoderne FeministInnen" (nachfolgend PF] und jenen, die als "radikale FeministInnen" [nachfolgend RF] bezeichnet werden können. PF vertreten die Auffassung, dass die Entscheidung einer Frau, sich selbst zur sexuellen Ware zu machen, eine Handlung gesellschaftlicher Ermächtigung sein und nicht definitiv negativ beurteilt werden könne.

Diese FeministInnen sprechen sich oftmals für Pornografie oder doch zumindest nicht dagegen aus. RF sind eher geneigt, die Verdinglichung von Frauen als an sich problematisch zurückzuweisen. Sie sind allgemein gegen Pornografie und lehnen insbesondere solche Pornografie ab, in der Frauen als gewalttätig oder missbräuchlich Behandelte gezeichnet werden. Sie betrachten die meisten Stereotypen des sozialen Geschlechts (gender) als schädlich sowohl für Männer als auch für Frauen und versuchen, diese Stereotypen zu untergraben. PF argumentieren oft, dass "feminine" Stereotypen helfen können, Frauen gesellschaftlich besser zu stellen.

Diese Debatte hat einige interessante und wichtige Parallelen mit der Debatte über Abschaffung der Tierausbeutung (Abolition) versus Tierschutz. In der Tat sind postmoderner Feminismus und Tierschutz ein und dieselbe Theorie, angewendet auf verschiedene Kontexte.

I. "Glückliche" Verdinglichung: Die postmodern feministische Position hat den Effekt, dass Menschen sich bei der Ausbeutung von Frauen wohler fühlen. Wenn eine Frau sich dafür entscheidet, Sexarbeiterin zu werden, dann wird das als eine sie ermächtigende Wahl betrachtet, die FeministInnen unterstützen sollten. PF lehnen esa ab, irgendein negatives normatives Urteil über sexuell ausbeuterische Institutionen oder darüber abzugeben, wie diese Frauen in unteren sozioökonomischen Schichten der Gesellschaft beeinträchtigen, Frauen, die nicht die Privilegien postmoderner FeministInnen genießen, welche im Großen und Ganzen weiß, der Mittelklasse zugehörig und gut ausgebildet sind.

Angesichts der offenen Zustimmung, welche die Selbstverdinglichung seitens postmoderner FeministInnen erfährt, ist es leicht, die Reaktion von Männern zu verstehen, wenn die Streitfrage der Pornografie oder anderer Formen der Ausbeutung aufkommt: "Was ist falsch daran? Die FeministInnen sagen, es sei in Ordnung." Letzte Woche wurde mir von einem Vertreter des postmodernen Feminismus auf dem Vegan Freak Forum mitgeteilt, ich sei anti-feministisch wegen meiner "vernehmlichen Geringschätzung" von Stripbars. Jeder, der den Thread las und darüber nachdachte, ob er einen solchen Ort besuchen sollte, empfing die Billigung dessen von jemandem, der sich selbst "Feminist" nennt – von einem, der behauptet, nichts Geringeres als Student im Aufbaustudium eines Frauenstudien-Programms zu sein. In der Tat, die Botschaft war klar: Eine Stripbar zu unterstützen, ist eine Weg, zu zeigen, dass man die Entscheidung einer Frau, sich in solcher Art und Weise zu betätigen, respektiert. Es ist nicht nur in Ordnung, in Stripbars zu gehen; es ist feministisch. Bemerkenswert.

Ich möchte betonen, dass keine Rede davon ist, individuelle Frauen, die solche selbstverdinglichenden Entscheidungen treffen, zu kritisieren oder zu verurteilen. Die Streitfrage ist nur, ob jene, die gegen Sexismus sind, gegen diese ausbeuterischen Institutionen sein sollten. Die PF sagen, dass wir es nicht sollten; die RF verfechten, dass wir es sollten.

Es ist keine Überraschung, dass PETA den postmodernen Ansatz begrüßt und Frauen dazu ermuntert, sich "für die Tiere" in ausbeuterischen Aktionen zu betätigen. Wir haben Jahrzehnte mit PETAs sexistischen Werbegags erlebt, von "Lieber nackt als [füllen Sie die Leerstelle mit nahezu allem]" bis zum "State of the Union Undress" mit voller frontaler Nacktheit. Auf die PF kann stets als PETAs Beifalltruppe gezählt werden, wenn die RF betonen, dass eine Bewegung, die der Verdinglichung von Tieren entgegen tritt, ebenso der Verdinglichung von Menschen widersprechen sollte.

Und wir können das gleiche Denken, das hinter dem postmodernen Ansatz steht, direkt im Kontext der Tiere gespiegelt sehen – mit verheerenden Resultaten. Wir haben Peter Singer, PETA, HSUS und praktisch alle großen Tierschutzgruppen, von denen viele behaupten, die "Tierrechtsposition" zu vertreten, die argumentieren, dass Tierausbeutung moralisch vertretbar sein kann, wenn unsere Behandlung der ausgebeuteten Tiere "human" ist. Wir können "pflichtbewusste Allesesser" sein und dem "Luxus" des Konsums von Tierprodukten frönen, solange wir in von PETAs Preissiegerin Temple Grandin gutgeheißenen Schlachthäusern getötete oder bei Whole Foods verkaufte Tiere essen, dem Unternehmen, von dem PETA erklärt, es habe strikte Tierschutzstandards, oder in "käfig-freien" Ställen produzierte Eier etc.

Angesichts der offenen Zustimmung durch Singer, PETA etc. ist es leicht zu verstehen, warum uns, wenn wir versuchen, Veganismus voranzutreiben, oft die Antwort begegnet: "Was ist verkehrt am Fleischessen (Essen von Eiern, Käse etc.)? Die Tierrechtsleute sagen, es ist okay." PETA sagt, McDonald's sei "wegweisend" in der Reform des Fast-Food-Tierschutzes, und die Ikone Jane Goodall ist eine prominente Unterstützerin von Stonyfield Dairy. Die Tierschutzbewegung vermittelt den Menschen ein besseres Gefühl beim Ausbeuten von Tieren, gerade so wie der postmoderne Feminismus den Menschen ein besseres Gefühl dabei vermittelt, sich an der Ausbeutung von Frauen zu beteiligen. Sie können ein "Feminist" sein, wenn Sie einen aufreizenden Tanz in einer Stripbar genießen; Sie können ein "Tierrechtsvertreter" sein, wenn Sie ihre "käfig-freien" Eier konsumieren oder von Tierschutzorganisationen gutgeheißenes Fleisch.

Mit einem Wort, die PF haben eine Marke "glücklicher" Verdinglichung für Frauen kreiert, gerade so wie die TierschützerInnen das Phänomen "Bio-Fleisch" und ''Bio''-Tierprodukte kreiert haben. Die PF ignorieren oft bequemerweise die Tatsache, dass Frauen, welche in die Sexindustrie eingespannt sind, vergewaltigt, geschlagen und drogenabhängig gemacht werden, so wie die TierschützerInnen bequemerweise ignorieren, dass Tierprodukte – einschließlich der unter den "humansten" Umständen produzierten – entsetzliches Tierleid mit sich bringen. Und beide Gruppen ignorieren, dass die Verdinglichung von Frauen und Tieren ungeachtet der Behandlung per se verwerflich ist.

Die postmodern feministische Position und die Position des Neuen Tierschutzes sind beide durchdrungen von der Ideologie des Status Quo. Beide verstärken die Standardeinstellung gegenüber Tieren als Eigentum und Frauen als Dingen, deren Personsein reduziert ist auf welche Körper(teile) und Körperbilder auch immer wir fetischisieren. Beide machen nur lächelnde Miene zu etwas, das im Wesentlichen eine sehr reaktionäre Botschaft ist.

Ich sollte eine weitere direkte Beziehung benennen, die zwischen zumindest einigen FeministInnen und den TierschützerInnen besteht. Erstere haben zeitweilig behauptet, Rechte für Tiere abzulehnen, weil Rechte "patriarchalisch" seien und wir uns stattdessen einer "Ethik der Fürsorge" bedienen sollten, um unsere Pflichten Tieren gegenüber einzuschätzen. Das heißt, diese FeministInnen leugnen die Gegebenheit allgemeingültiger Regeln, die unseren Gebrauch von Tieren unter allen Umständen moralisch verbieten; vielmehr sei die Moralität der Nutzung von Tieren durch die Betrachtung der Besonderheiten der Situation bestimmt, um zu ermessen, ob bestimmten Werten der Fürsorge entsprochen worden ist. Interessanterweise ist anzumerken, dass keine mir bekannte Feministin behauptet, die Immoralität von Vergewaltigung sei von einer Ethik der Fürsorge abhängig; alle machen rechtmäßigerweise geltend, dass Vergewaltigung niemals gerechtfertigt ist. Aber das heißt nichts anderes als zu sagen, dass Frauen das Recht haben, nicht vergewaltigt zu werden. Also erkennen FeministInnen rechtstypischen Schutz an, wo Menschen betroffen sind, aber nicht, wo es um Tiere geht. Nicht alle FeministInnen vertreten diesen Standpunkt, aber einige, die sich als AnwältInnen der Tiere verstehen, behaupten, eine Ethik der Fürsorge als Alternative zu Tierrechten zu begrüßen. Es gibt ein Kapitel zu Feminismus und die Ethik der Fürsorge in meinem in Kürze erscheinenden Buch Animals as Persons. Essays on the Abolition of Animal Exploitation.

II. Die Regeln des erlaubten Diskurses. Es gibt ebenfalls Parallelen zwischen den Regeln des Diskurses, die von den PF und den TierschützerInnen verhängt werden. Beide Gruppen haben die Tendenz, jegliche Kritik ihrer Sichtweise als inakzeptabel zu betrachten. Die PF beschuldigen die RF, "patriarchalisch", "repressiv", "ausfallend", "entmächtigend" etc. zu sein, wenn letztere mit dem "Selbstverdinglichung als Feminismus"-Ansatz nicht einverstanden sind. Die TierschützerInnen betrachten jegliche Kritik von Tierschutzreformen als ein auf sie "Eindreschen", "spaltend" und "den Tieren schadend". Beide Gruppen rufen häufig zur "Einheit der Bewegung" auf, was ein Code für die Position ist, dass jene, die anderer Meinung sind, aufhören sollen, anderer Meinung zu sein, und den Standpunkt des postmodernen Feminismus bzw. Tierschutzes unterstützen sollen. Versuche seitens RF oder AbolitionistInnen, einen begründeten Diskurs über diese Streitfragen zu führen, werden als nutzlose, elitäre "intellektuelle" oder "akademische" Bemühungen zurückgewiesen, welche lediglich die Anstrengungen zur Befreiung von Frauen und Tieren vereiteln.

Dieser Diskursstil spiegelt die Taktik der reaktionären Rechten wider. Jeder Dissens wird automatisch dämonisiert und Versuche, mit Gründen zu streiten, werden abgewiesen zugunsten von Slogans und anderer leerer Rhetorik, die nichts leisten außer die dominante Ideologie der Ausbeutung aufrechtzuerhalten.

Es ist eine Schande, aber keine Überraschung, dass solche Taktiken ihren Weg in vermeintlich fortschrittliche soziale Bewegungen gefunden haben.

Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione