von Gary L. Francione Blog
Kürzlich gab es eine Debatte auf den hervorragenden und immer lebendigen Vegan Freak Foren zwischen denen, die allgemein als "postmoderne FeministInnen" (nachfolgend PF] und jenen, die als "radikale FeministInnen" [nachfolgend RF] bezeichnet werden können. PF vertreten die Auffassung, dass die Entscheidung einer Frau, sich selbst zur sexuellen Ware zu machen, eine Handlung gesellschaftlicher Ermächtigung sein und nicht definitiv negativ beurteilt werden könne.
Diese FeministInnen sprechen sich oftmals für Pornografie oder doch zumindest nicht dagegen aus. RF sind eher geneigt, die Verdinglichung von Frauen als an sich problematisch zurückzuweisen. Sie sind allgemein gegen Pornografie und lehnen insbesondere solche Pornografie ab, in der Frauen als gewalttätig oder missbräuchlich Behandelte gezeichnet werden. Sie betrachten die meisten Stereotypen des sozialen Geschlechts (gender) als schädlich sowohl für Männer als auch für Frauen und versuchen, diese Stereotypen zu untergraben. PF argumentieren oft, dass "feminine" Stereotypen helfen können, Frauen gesellschaftlich besser zu stellen.
Diese Debatte hat einige interessante und wichtige Parallelen mit der Debatte über Abschaffung der Tierausbeutung (Abolition) versus Tierschutz. In der Tat sind postmoderner Feminismus und Tierschutz ein und dieselbe Theorie, angewendet auf verschiedene Kontexte.
I. "Glückliche" Verdinglichung: Die postmodern feministische Position hat den Effekt, dass Menschen sich bei der Ausbeutung von Frauen wohler fühlen. Wenn eine Frau sich dafür entscheidet, Sexarbeiterin zu werden, dann wird das als eine sie ermächtigende Wahl betrachtet, die FeministInnen unterstützen sollten. PF lehnen esa ab, irgendein negatives normatives Urteil über sexuell ausbeuterische Institutionen oder darüber abzugeben, wie diese Frauen in unteren sozioökonomischen Schichten der Gesellschaft beeinträchtigen, Frauen, die nicht die Privilegien postmoderner FeministInnen genießen, welche im Großen und Ganzen weiß, der Mittelklasse zugehörig und gut ausgebildet sind.
Angesichts der offenen Zustimmung, welche die Selbstverdinglichung seitens postmoderner FeministInnen erfährt, ist es leicht, die Reaktion von Männern zu verstehen, wenn die Streitfrage der Pornografie oder anderer Formen der Ausbeutung aufkommt: "Was ist falsch daran? Die FeministInnen sagen, es sei in Ordnung." Letzte Woche wurde mir von einem Vertreter des postmodernen Feminismus auf dem Vegan Freak Forum mitgeteilt, ich sei anti-feministisch wegen meiner "vernehmlichen Geringschätzung" von Stripbars. Jeder, der den Thread las und darüber nachdachte, ob er einen solchen Ort besuchen sollte, empfing die Billigung dessen von jemandem, der sich selbst "Feminist" nennt – von einem, der behauptet, nichts Geringeres als Student im Aufbaustudium eines Frauenstudien-Programms zu sein. In der Tat, die Botschaft war klar: Eine Stripbar zu unterstützen, ist eine Weg, zu zeigen, dass man die Entscheidung einer Frau, sich in solcher Art und Weise zu betätigen, respektiert. Es ist nicht nur in Ordnung, in Stripbars zu gehen; es ist feministisch. Bemerkenswert.
Ich möchte betonen, dass keine Rede davon ist, individuelle Frauen, die solche selbstverdinglichenden Entscheidungen treffen, zu kritisieren oder zu verurteilen. Die Streitfrage ist nur, ob jene, die gegen Sexismus sind, gegen diese ausbeuterischen Institutionen sein sollten. Die PF sagen, dass wir es nicht sollten; die RF verfechten, dass wir es sollten.
Es ist keine Überraschung, dass PETA den postmodernen Ansatz begrüßt und Frauen dazu ermuntert, sich "für die Tiere" in ausbeuterischen Aktionen zu betätigen. Wir haben Jahrzehnte mit PETAs sexistischen Werbegags erlebt, von "Lieber nackt als [füllen Sie die Leerstelle mit nahezu allem]" bis zum "State of the Union Undress" mit voller frontaler Nacktheit. Auf die PF kann stets als PETAs Beifalltruppe gezählt werden, wenn die RF betonen, dass eine Bewegung, die der Verdinglichung von Tieren entgegen tritt, ebenso der Verdinglichung von Menschen widersprechen sollte.
Und wir können das gleiche Denken, das hinter dem postmodernen Ansatz steht, direkt im Kontext der Tiere gespiegelt sehen – mit verheerenden Resultaten. Wir haben Peter Singer, PETA, HSUS und praktisch alle großen Tierschutzgruppen, von denen viele behaupten, die "Tierrechtsposition" zu vertreten, die argumentieren, dass Tierausbeutung moralisch vertretbar sein kann, wenn unsere Behandlung der ausgebeuteten Tiere "human" ist. Wir können "pflichtbewusste Allesesser" sein und dem "Luxus" des Konsums von Tierprodukten frönen, solange wir in von PETAs Preissiegerin Temple Grandin gutgeheißenen Schlachthäusern getötete oder bei Whole Foods verkaufte Tiere essen, dem Unternehmen, von dem PETA erklärt, es habe strikte Tierschutzstandards, oder in "käfig-freien" Ställen produzierte Eier etc.
Angesichts der offenen Zustimmung durch Singer, PETA etc. ist es leicht zu verstehen, warum uns, wenn wir versuchen, Veganismus voranzutreiben, oft die Antwort begegnet: "Was ist verkehrt am Fleischessen (Essen von Eiern, Käse etc.)? Die Tierrechtsleute sagen, es ist okay." PETA sagt, McDonald's sei "wegweisend" in der Reform des Fast-Food-Tierschutzes, und die Ikone Jane Goodall ist eine prominente Unterstützerin von Stonyfield Dairy. Die Tierschutzbewegung vermittelt den Menschen ein besseres Gefühl beim Ausbeuten von Tieren, gerade so wie der postmoderne Feminismus den Menschen ein besseres Gefühl dabei vermittelt, sich an der Ausbeutung von Frauen zu beteiligen. Sie können ein "Feminist" sein, wenn Sie einen aufreizenden Tanz in einer Stripbar genießen; Sie können ein "Tierrechtsvertreter" sein, wenn Sie ihre "käfig-freien" Eier konsumieren oder von Tierschutzorganisationen gutgeheißenes Fleisch.
Mit einem Wort, die PF haben eine Marke "glücklicher" Verdinglichung für Frauen kreiert, gerade so wie die TierschützerInnen das Phänomen "Bio-Fleisch" und ''Bio''-Tierprodukte kreiert haben. Die PF ignorieren oft bequemerweise die Tatsache, dass Frauen, welche in die Sexindustrie eingespannt sind, vergewaltigt, geschlagen und drogenabhängig gemacht werden, so wie die TierschützerInnen bequemerweise ignorieren, dass Tierprodukte – einschließlich der unter den "humansten" Umständen produzierten – entsetzliches Tierleid mit sich bringen. Und beide Gruppen ignorieren, dass die Verdinglichung von Frauen und Tieren ungeachtet der Behandlung per se verwerflich ist.
Die postmodern feministische Position und die Position des Neuen Tierschutzes sind beide durchdrungen von der Ideologie des Status Quo. Beide verstärken die Standardeinstellung gegenüber Tieren als Eigentum und Frauen als Dingen, deren Personsein reduziert ist auf welche Körper(teile) und Körperbilder auch immer wir fetischisieren. Beide machen nur lächelnde Miene zu etwas, das im Wesentlichen eine sehr reaktionäre Botschaft ist.
Ich sollte eine weitere direkte Beziehung benennen, die zwischen zumindest einigen FeministInnen und den TierschützerInnen besteht. Erstere haben zeitweilig behauptet, Rechte für Tiere abzulehnen, weil Rechte "patriarchalisch" seien und wir uns stattdessen einer "Ethik der Fürsorge" bedienen sollten, um unsere Pflichten Tieren gegenüber einzuschätzen. Das heißt, diese FeministInnen leugnen die Gegebenheit allgemeingültiger Regeln, die unseren Gebrauch von Tieren unter allen Umständen moralisch verbieten; vielmehr sei die Moralität der Nutzung von Tieren durch die Betrachtung der Besonderheiten der Situation bestimmt, um zu ermessen, ob bestimmten Werten der Fürsorge entsprochen worden ist. Interessanterweise ist anzumerken, dass keine mir bekannte Feministin behauptet, die Immoralität von Vergewaltigung sei von einer Ethik der Fürsorge abhängig; alle machen rechtmäßigerweise geltend, dass Vergewaltigung niemals gerechtfertigt ist. Aber das heißt nichts anderes als zu sagen, dass Frauen das Recht haben, nicht vergewaltigt zu werden. Also erkennen FeministInnen rechtstypischen Schutz an, wo Menschen betroffen sind, aber nicht, wo es um Tiere geht. Nicht alle FeministInnen vertreten diesen Standpunkt, aber einige, die sich als AnwältInnen der Tiere verstehen, behaupten, eine Ethik der Fürsorge als Alternative zu Tierrechten zu begrüßen. Es gibt ein Kapitel zu Feminismus und die Ethik der Fürsorge in meinem in Kürze erscheinenden Buch Animals as Persons. Essays on the Abolition of Animal Exploitation.
II. Die Regeln des erlaubten Diskurses. Es gibt ebenfalls Parallelen zwischen den Regeln des Diskurses, die von den PF und den TierschützerInnen verhängt werden. Beide Gruppen haben die Tendenz, jegliche Kritik ihrer Sichtweise als inakzeptabel zu betrachten. Die PF beschuldigen die RF, "patriarchalisch", "repressiv", "ausfallend", "entmächtigend" etc. zu sein, wenn letztere mit dem "Selbstverdinglichung als Feminismus"-Ansatz nicht einverstanden sind. Die TierschützerInnen betrachten jegliche Kritik von Tierschutzreformen als ein auf sie "Eindreschen", "spaltend" und "den Tieren schadend". Beide Gruppen rufen häufig zur "Einheit der Bewegung" auf, was ein Code für die Position ist, dass jene, die anderer Meinung sind, aufhören sollen, anderer Meinung zu sein, und den Standpunkt des postmodernen Feminismus bzw. Tierschutzes unterstützen sollen. Versuche seitens RF oder AbolitionistInnen, einen begründeten Diskurs über diese Streitfragen zu führen, werden als nutzlose, elitäre "intellektuelle" oder "akademische" Bemühungen zurückgewiesen, welche lediglich die Anstrengungen zur Befreiung von Frauen und Tieren vereiteln.
Dieser Diskursstil spiegelt die Taktik der reaktionären Rechten wider. Jeder Dissens wird automatisch dämonisiert und Versuche, mit Gründen zu streiten, werden abgewiesen zugunsten von Slogans und anderer leerer Rhetorik, die nichts leisten außer die dominante Ideologie der Ausbeutung aufrechtzuerhalten.
Es ist eine Schande, aber keine Überraschung, dass solche Taktiken ihren Weg in vermeintlich fortschrittliche soziale Bewegungen gefunden haben.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 5 December 2007
Saturday, 10 November 2007
Ein "Lichtblick"?
von Gary L. Francione Blog
In einer Presseerklärung (25. Oktober 2007) von Animal Rights International(ARI) hat der Präsident der Organisation, Peter Singer, bekanntgegeben, dass ARI für einen Monat eine großflächige Werbung auf New Yorker Bussen platziert hat, die zeigt, wie Legebatterie-Eier produziert werden. In der Presseerklärung erläutert Singer, wie grausam die Haltung von Hühnern in Batteriekäfigen ist. Er stellt fest: "In Europa werden Batteriekäfige stufenweise abgebaut – warum hinken wir hinterher?" Singer behauptet, es gebe "einen Lichtblick in diesem dunklen Kapitel."
Erstens: Obwohl die Europäische Union die traditionellen Legebatterien mit Wirkung ab 2012 verboten hat, strebt die europäische Eierindustrie derzeit eine Verzögerung des Inkrafttretens dieses Verbots an. Überdies ist es den Eierproduzenten unter dem europäischen Verbot freigestellt, sogenannte "ausgestaltete Käfige" zu verwenden, die, wie sogar konservative Tierschutzorganisationen wie Compassion in World Farming erklären, "außerstande sind, die dem Batteriekäfigsystem innewohnenden Tierschutzprobleme zu überwinden".
Patty Mark von Animal Liberation Victoria weist darauf hin, dass eine große, 2002 in New South Wales errichtete Legebatterie (in der gegenwärtig schätzungsweise eine Million Vögel eingesperrt ist) –
Patty Mark notiert:
Mit diese Art Denkansatz wird nichts anderes erreicht, als die Öffentlichkeit sich besser bei der Tierausbeutung fühlen zu lassen – und für ARI und Singer Werbung zu machen. Die Menschen können nun ein "gutes Gefühl" beim Essen von Eiern haben, weil der "Tierrechte"-Gewährsmann Peter Singer ihnen erzählt, dass "käfig-freie" Eier eine moralisch akzeptable Alternative zu Batterie-Eiern darstellen.
Dies ist nicht der Weg, das moralische Leitbild in Richtung Abschaffung der Tierausbeutung zu verschieben. Dann aber ist es nicht wirklich ehrlich zu sagen, Singer strebe dieses Ziel wahrhaftig an. Schließlich ist er der Meinung, ein "pflichtbewusster Allesesser" zu sein sei eine "ethisch vertretbare Position" und Tierausbeutung ein "Luxus", dem zu frönen wir uns moralisch leisten können – zumindest gelegentlich.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
In einer Presseerklärung (25. Oktober 2007) von Animal Rights International(ARI) hat der Präsident der Organisation, Peter Singer, bekanntgegeben, dass ARI für einen Monat eine großflächige Werbung auf New Yorker Bussen platziert hat, die zeigt, wie Legebatterie-Eier produziert werden. In der Presseerklärung erläutert Singer, wie grausam die Haltung von Hühnern in Batteriekäfigen ist. Er stellt fest: "In Europa werden Batteriekäfige stufenweise abgebaut – warum hinken wir hinterher?" Singer behauptet, es gebe "einen Lichtblick in diesem dunklen Kapitel."
Obwohl Eier, die nicht aus Käfighaltung stammen, gegenwärtig nur fünf Prozent des Verkaufs ausmachen, sind sie das am schnellsten wachsende Marktsegment. Indem mehr Menschen sich des enormen Leidens bewusst werden, welches in Käfige gesperrten Legehennen zugefügt wird, entscheiden sie sich oft dafür, ein paar Cent mehr für ein humaner produziertes Ei auszugeben. ARI hofft, dass die New Yorker, wenn sie daran erinnert werden, dass ihr Frühstücksei seinen Preis für Hennen hat, viele ein wenig mehr Geld ausgeben, um um dazu beizutragen, dass die Haltung von Hennen in Käfigen abgeschafft wird.Die Erklärung Singers ist in mindestens dreifacher Hinsicht problematisch.
Erstens: Obwohl die Europäische Union die traditionellen Legebatterien mit Wirkung ab 2012 verboten hat, strebt die europäische Eierindustrie derzeit eine Verzögerung des Inkrafttretens dieses Verbots an. Überdies ist es den Eierproduzenten unter dem europäischen Verbot freigestellt, sogenannte "ausgestaltete Käfige" zu verwenden, die, wie sogar konservative Tierschutzorganisationen wie Compassion in World Farming erklären, "außerstande sind, die dem Batteriekäfigsystem innewohnenden Tierschutzprobleme zu überwinden".
Patty Mark von Animal Liberation Victoria weist darauf hin, dass eine große, 2002 in New South Wales errichtete Legebatterie (in der gegenwärtig schätzungsweise eine Million Vögel eingesperrt ist) –
ihre glänzenden neuen Batteriekäfige aus Europa importiert und sichergestellt hat, dass sie die dem Verbot für das Jahr 2012 entsprechend konstruierten Käfige erhielt, die leicht in "ausgestaltete Käfige" umgewandelt werden können, sollte Australien ebenfalls Batteriekäfige "verbieten". Das heißt, sie müssen einfach ein paar geringfügige Anpassungen vornehmen – eine oder zwei Hennen herausnehmen und stattdessen einen Krallenkürzer und einen 'Nistkasten' hinzufügen. Nach wie vor werden Reihe um Reihe Batteriehühner sechs Etagen hoch gestapelt sein in denselben trübe beleuchteten stinkenden Verschlägen.Zweitens: Singer behauptet, dass "käfig-freie" Eier der "Lichtblick" in dieser trostlosen Geschichte der Batteriekäfige seien. Sie sind es nicht. "Kafig-freie" Eier gehen damit einher, dass Tausende von Hühnern in einen einzigen großen Käfig zusammengepfercht werden. Den Vögeln wird immer noch die Schnabelspitze abgeschnitten, und sie werden immer noch einer erzwungenen Mauser [durch bis zu 18-tägiges Hungernlassen] unterworfen. In einem Artikel im Christian Science Monitor aus dem Jahr 2004 wird angemerkt: "Aber 'käfig-frei' bedeutet nicht unbedingt viel im Hinblick auf die Lebensqualität von Hennen. Als 'käfig-frei' etikettierte Eier kommen oft von dicht nebeneinander gepackten Hennen in gewaltigen Verschlägen." Und der zitierte Sachverständige hierfür war kein anderer als Paul Shapiro, leitender Direktor der Kampagne landwirtschaftliche Tierhaltung der Humane Society of the United States (HSUS). Dies war natürlich, bevor Paul für HSUS arbeitete, wo er jetzt erklärt, dass "käfig-freie" Eier und andere Arten von "Bio''-Tierprodukten" und "Bio-Fleisch" eine "wahre Flutwelle des Fortschritts" darstellen.
Patty Mark notiert:
Und keine Erwähnung finden jemals die Eltern von 'käfig-freien' Legehennen. Hennen und Hähne sind in riesigen fensterlosen Verschlägen zusammengepfercht, wo die Hennen über ein Jahr wiederholt begattet werden, bis ihr Rücken buchstäblich bis aufs rohe Fleisch wund gescheuert ist; diese Elterntiere werden bis zu totalen Erschöpfung getrieben, ihre Eier werden ihnen jeden Tag weggenommen und in einen Brutkasten gelegt, um "käfig-freie" Legehennen zu werden. Die Mütter werden niemals auf ihren Eiern sitzen können, die Väter werden niemals über ihre Familie wachen können. Weder Hennen noch Hähne werden jemals ihre Küken kennen, von denen die Hälfte – nämlich die männlichen Babys – in einem industriellen Mixer lebendig zermahlen und verflüssigt werden.Drittens: In der Presseerklärung wird Singers Animal Liberation als das Werk beschrieben, dem "oft das Verdienst angerechnet wird, die moderne Tierrechtsbewegung in Gang gesetzt zu haben." Hier also haben wir noch einmal den sogenannten "Vater der Tierrechtsbewegung", welcher der Öffentlichkeit erzählt, dass der "Lichtblick" in einer Geschichte der Tierquälerei und Tierausbeutung eine geringfügig modifizierte Form des Qälens und Ausbeutens ist.
Mit diese Art Denkansatz wird nichts anderes erreicht, als die Öffentlichkeit sich besser bei der Tierausbeutung fühlen zu lassen – und für ARI und Singer Werbung zu machen. Die Menschen können nun ein "gutes Gefühl" beim Essen von Eiern haben, weil der "Tierrechte"-Gewährsmann Peter Singer ihnen erzählt, dass "käfig-freie" Eier eine moralisch akzeptable Alternative zu Batterie-Eiern darstellen.
Dies ist nicht der Weg, das moralische Leitbild in Richtung Abschaffung der Tierausbeutung zu verschieben. Dann aber ist es nicht wirklich ehrlich zu sagen, Singer strebe dieses Ziel wahrhaftig an. Schließlich ist er der Meinung, ein "pflichtbewusster Allesesser" zu sein sei eine "ethisch vertretbare Position" und Tierausbeutung ein "Luxus", dem zu frönen wir uns moralisch leisten können – zumindest gelegentlich.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Sunday, 28 October 2007
Ein klassisches Beispiel "moralischer Schizophrenie"
von Gary L. Francione Blog
Ein zentrales Thema meiner Arbeit seit etwa einem Jahrzehnt ist die Untersuchung unserer kognitiven Verwirrung – unserer moralischen Schizophrenie –, wenn es um Tiere geht. Kürzlich kommentierte ich, wie Entertainerin Ellen Degeneres in ihrer TV Show über einen Hund schluchzte, den sie adoptiert und wieder weggegeben hatte, während sie gleichzeitig für ihr Totes-Tier-Mittagsmenü auf ihrer Website Werbung machte. Footballspieler Michael Vick wurde für seine Verwicklung in Hundekämpfe von einer Öffentlichkeit scharf angegriffen, die sich nichts beim Essen von Tieren denkt, die ganz genauso gequält wurden wie einer von Vicks Hunden.
Viele von uns teilen ihr Zuhause mit Tieren, die wir lieben und als Mitglieder unserer Familie betrachten, während wir gleichzeitig andere Tieren essen, die sich in keiner moralisch relevanten Weise von denen unterscheiden, die wir lieben und als Personen anerkennen.
Über ein phänomenales Beispiel "moralischer Schizophrenie" wurde am Freitag den 26. Oktober von der BBC berichtet. Ein weißer Hirsch, anscheinend neun Jahre alt, wurde auf der Grenze zwischen Devon und Cornwall von Wilderern getötet.
Die Reaktion: Die Tötung des Hirsches war "abscheulich".
Und wer fühlte Abscheu?
Die "Landwirte und Wildhüter, die über den Aufenthalt des Hirsches seit Jahren Stillschweigen in dem Versuch bewahrt hatten, ihn zu schützen."
Pat Carey, "dessen Job es ist, Rothirsche in der Region auszusondern", beschrieb das Tier als "heilig" und seine Tötung als "nicht in Worte zu fassen". Mr. Carey bemerkte, dass "es einen herzlosen Menschen braucht, um fähig zu sein, dieses schöne Geschöpf durch das Zielfernrohr eines Hochleistungsgewehrs zu betrachten und einfach sein Leben zu beenden."
Es ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, dass Mr. Carey sich nicht selbst für "herzlos" hält, wenn er einen Rothirsch "durch das Zielfernrohr eines Hochleistungsgewehrs (betrachtet) und einfach sein Leben (beendet)."
Während ich dies schreibe, schaue ich von meinem Bürofenster in den Wald, der unser Haus umgibt. Ich kann zwei Rehe ausmachen – Zwillingsgeißen, die in diesem Frühling auf unserem Grundstück geboren wurden –, an Büschen knabbernd. Zurzeit ist Jagdsaison, und es gibt viele Menschen in dieser Region, die Rehe töten, meistens mit Pfeil und Bogen.
Ich kenne einige dieser Jäger; sie würden nicht zögern, Stunden darauf zu verwenden, ein Reh "außerhalb der Saison" aus einer Gefahr zu retten. Aber sie haben kein Problem damit, einen Pfeil auf dasselbe Reh einen Monat später abzuschießen, sobald es legal ist. Beim Auftreffen öffnen sich vier messerscharfe Widerhaken, die sich in Organen oder Muskeln des Opfers buchstäblich “verhaken“.
Wie Mr. Carey sagt, es ist "nicht in Worte zu fassen".
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Ein zentrales Thema meiner Arbeit seit etwa einem Jahrzehnt ist die Untersuchung unserer kognitiven Verwirrung – unserer moralischen Schizophrenie –, wenn es um Tiere geht. Kürzlich kommentierte ich, wie Entertainerin Ellen Degeneres in ihrer TV Show über einen Hund schluchzte, den sie adoptiert und wieder weggegeben hatte, während sie gleichzeitig für ihr Totes-Tier-Mittagsmenü auf ihrer Website Werbung machte. Footballspieler Michael Vick wurde für seine Verwicklung in Hundekämpfe von einer Öffentlichkeit scharf angegriffen, die sich nichts beim Essen von Tieren denkt, die ganz genauso gequält wurden wie einer von Vicks Hunden.
Viele von uns teilen ihr Zuhause mit Tieren, die wir lieben und als Mitglieder unserer Familie betrachten, während wir gleichzeitig andere Tieren essen, die sich in keiner moralisch relevanten Weise von denen unterscheiden, die wir lieben und als Personen anerkennen.
Über ein phänomenales Beispiel "moralischer Schizophrenie" wurde am Freitag den 26. Oktober von der BBC berichtet. Ein weißer Hirsch, anscheinend neun Jahre alt, wurde auf der Grenze zwischen Devon und Cornwall von Wilderern getötet.
Die Reaktion: Die Tötung des Hirsches war "abscheulich".
Und wer fühlte Abscheu?
Die "Landwirte und Wildhüter, die über den Aufenthalt des Hirsches seit Jahren Stillschweigen in dem Versuch bewahrt hatten, ihn zu schützen."
Pat Carey, "dessen Job es ist, Rothirsche in der Region auszusondern", beschrieb das Tier als "heilig" und seine Tötung als "nicht in Worte zu fassen". Mr. Carey bemerkte, dass "es einen herzlosen Menschen braucht, um fähig zu sein, dieses schöne Geschöpf durch das Zielfernrohr eines Hochleistungsgewehrs zu betrachten und einfach sein Leben zu beenden."
Es ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, dass Mr. Carey sich nicht selbst für "herzlos" hält, wenn er einen Rothirsch "durch das Zielfernrohr eines Hochleistungsgewehrs (betrachtet) und einfach sein Leben (beendet)."
Während ich dies schreibe, schaue ich von meinem Bürofenster in den Wald, der unser Haus umgibt. Ich kann zwei Rehe ausmachen – Zwillingsgeißen, die in diesem Frühling auf unserem Grundstück geboren wurden –, an Büschen knabbernd. Zurzeit ist Jagdsaison, und es gibt viele Menschen in dieser Region, die Rehe töten, meistens mit Pfeil und Bogen.
Ich kenne einige dieser Jäger; sie würden nicht zögern, Stunden darauf zu verwenden, ein Reh "außerhalb der Saison" aus einer Gefahr zu retten. Aber sie haben kein Problem damit, einen Pfeil auf dasselbe Reh einen Monat später abzuschießen, sobald es legal ist. Beim Auftreffen öffnen sich vier messerscharfe Widerhaken, die sich in Organen oder Muskeln des Opfers buchstäblich “verhaken“.
Wie Mr. Carey sagt, es ist "nicht in Worte zu fassen".
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Saturday, 27 October 2007
Abenteuer der (Ir)rationalität
von Gary L. Francione Blog
Wir Menschen beanspruchen, über eine Art ''besonderer Eigenschaft" zu verfügen, die unsere Ausbeutung von Tieren rechtfertige. Eine dieser angenommenen Eigenschaften ist, dass wir vermeintlich rational handeln und sie vermeintlich nicht. Wenn wir bedenken, dass es Menschen sind, die Nuklearwaffen bauen und die eben jene Umwelt zerstören, die notwendig ist, um das Leben zu erhalten, einschließlich unseres Lebens – um nur zwei irrationale menschliche Verhaltensweisen aufzuzeigen –, klingt der Rationalitätsanspruch eher unglaubwürdig. Aber immer wieder sind es einzelne Beispiele dafür, was für eine seltsame Spezies wir sind, die mich erschüttern. Eine kürzlich gemachte Erfahrung möchte ich Ihnen mitteilen:
Verkauf von Brustkrebs-Armbändern und Verkauf von Brustkrebs
Ich habe keine andere Wahl mehr, als mein Bio-Gemüse bei Whole Foods Market zu kaufen, weil mein örtliches Reformhaus, das sich buchstäblich zwischen zwei Whole Foods Läden befand, zugemacht hat. Neulich war ich bei Whole Foods, um Grünkohl und Mangold zu kaufen, und an der Kasse war eine Auslage, welche die Kunden daran erinnerte, dass Oktober der nationale Brustkrebs-Monat sei. Die Kunden wurden ermuntert, rosa Armbänder zu kaufen, um damit die "Heilung" zu unterstützen. Whole Foods spendet einen Teil der Gewinne aus dem Verkauf von Pink-United-Produkten, um die Erforschung von Brustkrebs und das Bewusstsein für das Problem zu unerstützen und sponsert Seminare über Brustgesundheit.
Whole Foods ist ein Laden – eine Ladenkette –, die Tonnen von Fleisch und Milchprodukten verkauft. Sicher, Whole Foods verkauft "Bio-Fleisch", "Bio-Milch" und "Bio–Eier" und wird dabei von führenden Anwälten der Tiere unterstützt, aber soweit mir bekannt ist, gibt es keinen Hinweis darauf, dass ''Bio''-Tierprodukte nicht mit Krebs in Verbindung stehen, einschließlich Brustkrebs, ebenso wie mit vielen anderen Krankheiten, die in anderen Monaten gefeiert werden.
Die Frau vor mir an der Kasse hatte einen Einkaufswagen voll mit Fleisch und diversen Milchprodukten, darunter Stonyfield Joghurt, das den Stempel der Billigung von niemand anderem als der Vorkämpferin für Tiere, Jane Goodall, trägt. Die Frau vor mir an der Kasse kaufte eines der rosa Armbänder.
Aber wir sind rational; sie sind es nicht.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wir Menschen beanspruchen, über eine Art ''besonderer Eigenschaft" zu verfügen, die unsere Ausbeutung von Tieren rechtfertige. Eine dieser angenommenen Eigenschaften ist, dass wir vermeintlich rational handeln und sie vermeintlich nicht. Wenn wir bedenken, dass es Menschen sind, die Nuklearwaffen bauen und die eben jene Umwelt zerstören, die notwendig ist, um das Leben zu erhalten, einschließlich unseres Lebens – um nur zwei irrationale menschliche Verhaltensweisen aufzuzeigen –, klingt der Rationalitätsanspruch eher unglaubwürdig. Aber immer wieder sind es einzelne Beispiele dafür, was für eine seltsame Spezies wir sind, die mich erschüttern. Eine kürzlich gemachte Erfahrung möchte ich Ihnen mitteilen:
Verkauf von Brustkrebs-Armbändern und Verkauf von Brustkrebs
Ich habe keine andere Wahl mehr, als mein Bio-Gemüse bei Whole Foods Market zu kaufen, weil mein örtliches Reformhaus, das sich buchstäblich zwischen zwei Whole Foods Läden befand, zugemacht hat. Neulich war ich bei Whole Foods, um Grünkohl und Mangold zu kaufen, und an der Kasse war eine Auslage, welche die Kunden daran erinnerte, dass Oktober der nationale Brustkrebs-Monat sei. Die Kunden wurden ermuntert, rosa Armbänder zu kaufen, um damit die "Heilung" zu unterstützen. Whole Foods spendet einen Teil der Gewinne aus dem Verkauf von Pink-United-Produkten, um die Erforschung von Brustkrebs und das Bewusstsein für das Problem zu unerstützen und sponsert Seminare über Brustgesundheit.
Whole Foods ist ein Laden – eine Ladenkette –, die Tonnen von Fleisch und Milchprodukten verkauft. Sicher, Whole Foods verkauft "Bio-Fleisch", "Bio-Milch" und "Bio–Eier" und wird dabei von führenden Anwälten der Tiere unterstützt, aber soweit mir bekannt ist, gibt es keinen Hinweis darauf, dass ''Bio''-Tierprodukte nicht mit Krebs in Verbindung stehen, einschließlich Brustkrebs, ebenso wie mit vielen anderen Krankheiten, die in anderen Monaten gefeiert werden.
Die Frau vor mir an der Kasse hatte einen Einkaufswagen voll mit Fleisch und diversen Milchprodukten, darunter Stonyfield Joghurt, das den Stempel der Billigung von niemand anderem als der Vorkämpferin für Tiere, Jane Goodall, trägt. Die Frau vor mir an der Kasse kaufte eines der rosa Armbänder.
Aber wir sind rational; sie sind es nicht.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Thursday, 18 October 2007
Ellen Degeneres und Iggy das "Etwas"
von Gary L. Fancione Blog
Am 16. Oktober berichtete die beliebte amerikanische Entertainerin Ellen Degeneres ihrem Talk-Show-Publikum – und der Welt –, dass sie im September einen Hund, Iggy, adoptiert hatte. Sie behauptete, dass Iggy sich nicht mit ihren Katzen vertragen habe, weshalb sie ihn ihrer Friseurin überließ, deren zwei Töchter den Hund haben wollten. Dies verletzte offenbar den Adoptionsvertrag, den der Tierrettungsverein Mutts and Moms, verwendete, von dem Frau Degeneres Iggy übernommen hatte. Da dieser Vertrag offenbar von ihr verlangte, den Hund an den Verein zurückzugeben, wenn sie ihn nicht länger wollte, nahm der Tierrettungsverein der Friseurin den Hund weg. Frau Degeneres brach zusammen und schluchzte, als sie Mutts and Moms flehentlich bat, den Hund zurückzugeben.
Der "Fall Iggy" hat einen unglaublichen Mediensturm entfacht, der die amerikanischen "Nachrichten" für die letzten Tage mit Berichten darüber beschäftigt hat; praktisch jede Hauptnachrichtensendung hat die Story gebracht. Laut dem Anwalt von Mutts and Moms erhielt der Verein Morddrohungen, und er spielte telefonische Botschaften ab, in denen eine Pressesprecherin von Frau Degeneres mit rechtlichen Schritten und schlechter Publicity droht, falls Iggy Frau Degeneres Friseurin nicht zurückgegeben werde.
Die jüngste Meldung ist, dass Mutts and Moms Iggy in einer anderen Familie untergebracht hat. Ich bin froh, dass die Geschichte für den kleinen Iggy augenscheinlich ein gutes Ende genommen hat.
Ich verstehe die Besorgnis von Tierrettungsvereinen wie Mutts and Moms. Es gibt Menschen, die Tiere aufnehmen und sie dann am Straßenrand abladen oder in einem Tierheim, das sie möglicherweise tötet, oder sie bringen das Tier zu einem Tierarzt, um es töten zu lassen, weil sie es nicht länger wollen. Es gibt sogar Menschen, die adoptierte Tiere an Versuchslabors verkauft haben. Über die Jahre, in denen ich als Anwalt an Tiere betreffenden Streitfällen arbeitete, hatte ich mit vielen Tierrettungsvereinen zu tun, die sich bemühten, für die Formulierung von Adoptionsverträgen eine Sprache zu finden, die das Tier schützte, den Vertrag aber nicht so schwierig und aufdringlich machte, dass potenzielle Abnehmer sich weigerten, ihn zu unterzeichnen, und sich statt dessen zur nächsten Tierhandlung aufmachten, um einen Hund, eine Katze oder ein anderes Tier zu kaufen.
Zum Beispiel entsinne ich mich mehrerer Fälle, in denen Tierrettungsvereine eine Klausel in ihrem Vertrag hatten, die ihnen das Recht gab, Abnehmer ihrer Tiere jederzeit, Tag oder Nacht, 365 Tage im Jahr zuhause aufzusuchen, um zu überprüfen, ob für das Tier ordnungsgemäß gesorgt würde, selbst wenn es keinen Grund gab, etwas anderes anzunehmen. Es gibt sehr wenige potenzielle Abnehmer, die einer solchen Bedingung zustimmen. Es muss eine Balance dazwischen geben, die Tiere zu schützen und ein Zuhause für die Hunderttausende von Tieren zu finden, die eines brauchen. Auf der Website von Petfinder allein gibt es zur Zeit 265.000 Tiere, die ein Zuhause suchen. Das Problem ist gewaltig.
Im Fall Deneneres liegt die Schuld wahrscheinlich auf beiden Seiten. Ich denke, dass Frau Degeneres falsch handelte, indem sie nicht das tat, was nötig war, um Iggy und ihre Katzen dazu zu bringen, miteinander auszukommen. Frau Degeneres lebt in Los Angeles und hat die Möglichkeit und die Mittel, jemanden wie Cesar Millan zu konsultieren, der in dieser Hinsicht sicherlich hätte helfen können. Und wenn sie darauf erpicht war, Iggy loszuwerden, verstehe ich nicht, weshalb sie nicht zuerst Mutts and Moms benachrichtigen konnte, um die Übergabe des Hundes an die Friseurin zu erleichtern. Auf der anderen Seite verstehe ich nicht, weshalb Mutts and Moms in einer offensichtlich übellaunigen Weise reagierten und Iggy der Familie der Friseurin aus Prinzip wegnahmen. Wenn Iggy in einem guten Heim war, dann wäre es angesichts der Millionen von Tieren, die ein Zuhause brauchen, besser gewesen, ihn dort zu belassen und die Energie auf die anderen zu verwenden. Und ich bin zutiefst angewidert davon, dass irgendjemand, der behauptet, dass ihm etwas an Tieren liegt, Mutts and Moms mit Mord oder sonstwie mit Gewalt droht.
Was mir allerdings auffiel, war, dass Frau Degeneres von Iggy ständig als von einem "Es" sprach. Warum bezog sie sich auf einen "Ihn" als auf ein "Es", insbesondere da sie versicherte, während sie die Geschichte mit Iggy erzählte, "Ich liebe Tiere, ich liebe Tiere" ?
Also begann ich, die verschiedenen Seiten auf Frau Degeneres Website zu lesen, und entdeckte, dass sie in der Tat einen fast täglichen Bericht darüber abgibt, was ihr persönlicher Koch, Sean, für sie zu Mittag kocht.
Die Speisekarte enthält:
- "geangelter Columbia River Lachs, leicht gesalzen und in der Pfanne gebraten";
- "geweidetes Bio-Freiland-Steak Art New York";
- "schön gewürzter Hühnerschenkel, braun gebraten und dann im Ofen mit frischen Feigen und Zwiebeln geschmort";
- "pochierte Meeresfrüchte-Platte mit Shrimps, Krabben, Jakobsmuscheln und Hummer";
- "köstlicher Kabeljau Au Gratin. Ein klassisches Gericht mit Nordostatlantischem Kabeljau, ofenpochiert in einer Béchamelsauce mit Kanadischem Bio-Cheddar und Brotkrumen, gerade lang genug gekocht, um den Käse völlig schmelzen zu lassen";
- "schöner Colorado Lammrücken, nach Trennen der Koteletts und des Fleisches vom Knochen";
- "Bio-Hühnersalat-Sandwich mit Walnüssen, Sellerie, Preiselbeeren und Alfalfasprossen auf 14-Kornbrot";
- "biologisch gewachsene Freiland-Hühnerbrust Milanese aus der Region (wenn ich 'aus der Region' sage, meine ich damit, dass das Huhn mein Nachbar gewesen sein könnte). Die Brust ist geklopft, dann paniert, dann braun gebraten und im Ofen mit Tomaten-Basilikumsauce, Mozzarellakäse und nur ein wenig Parmesan überbacken"; (ihr "Nachbar"?);
- "ofengeschmorte Lende vom Schwein, gefüllt mit Preiselbeeren, Zwiebeln, Sellerie, Pistazien und Vollkornbrotkrumen, beträufelt mit Portwein und bestreut mit kleingehackter Schalotte";
- "Petit Filet Mignon mit einer herrlichen Basilikum-Buttersauce";
- "Würziger Albacore-Thunfischsalat, garniert mit Avocados und einer pikanten cremigen Vinaigrette";
- "in meinem Bürogarten gewachsener Salat mit etwas Zitronenhuhn, auf meinem Tischgrill gegrillt", Spinatsalat, "gekrönt, wie Sie sehen können, mit einem Schöpflöffel Thunfisch, gefangen aus einem Schwarm, der gerade begonnen hatte, über den Winter gen Süden zu schwimmen" und
- ein "wunderbarer Thunfischsalat, umrahmt von köstlichen scharfen Treibhaus-Tomatenscheiben".
Und das ist nur das, was auf der Seite von heute steht. Wir können lediglich darüber spekulieren, welche Tierkörper und Körpersekrete Sean für die kommenden Monate auf Lager hat.
Ich finde es absolut faszinierend und einigermaßen bizarr, dass es die Öffentlichkeit kümmert, was Frau Degeneres zu Mittag isst, oder dass sie zumindest denkt, dies sei der Fall. Wichtiger ist allerdings, und darüber bin ich bestürzt, dass sie ins Nationalfernsehen kommen und über Iggy schluchzen kann, sich aber den Teufel um die fühlenden, über Bewusstsein verfügenden Wesen schert, die Sean für ihr Mittagessen zubereiitet.
Ein Herz für Tiere hat Frau Degeneres offenbar auf einer gewissen Ebene. Aber etwas ist hier verkehrt.
Vielleicht zeigt sich ein Anhaltspunkt für ihre moralische Schizophrenie in ihrem wiederholten Gebrauch von "Es", wenn sie von Iggy spricht. Am Ende sind Tiere schlicht Dinge – "Etwas". Auf einer Ebene erkennt sie, dass Iggy Eigenschaften einer Person besitzt. Aber sie schluchzt über ein "Etwas", das sich nicht wirklich von den anderen "Etwas" unterscheidet, die auszubeuten sie für akzeptabel hält.
Ellen Degeneres ist offensichtlich kein dummer Mensch. Warum kann sie die Verbindung nicht herstellen?
Komm schon, Ellen, go vegan.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Am 16. Oktober berichtete die beliebte amerikanische Entertainerin Ellen Degeneres ihrem Talk-Show-Publikum – und der Welt –, dass sie im September einen Hund, Iggy, adoptiert hatte. Sie behauptete, dass Iggy sich nicht mit ihren Katzen vertragen habe, weshalb sie ihn ihrer Friseurin überließ, deren zwei Töchter den Hund haben wollten. Dies verletzte offenbar den Adoptionsvertrag, den der Tierrettungsverein Mutts and Moms, verwendete, von dem Frau Degeneres Iggy übernommen hatte. Da dieser Vertrag offenbar von ihr verlangte, den Hund an den Verein zurückzugeben, wenn sie ihn nicht länger wollte, nahm der Tierrettungsverein der Friseurin den Hund weg. Frau Degeneres brach zusammen und schluchzte, als sie Mutts and Moms flehentlich bat, den Hund zurückzugeben.
Der "Fall Iggy" hat einen unglaublichen Mediensturm entfacht, der die amerikanischen "Nachrichten" für die letzten Tage mit Berichten darüber beschäftigt hat; praktisch jede Hauptnachrichtensendung hat die Story gebracht. Laut dem Anwalt von Mutts and Moms erhielt der Verein Morddrohungen, und er spielte telefonische Botschaften ab, in denen eine Pressesprecherin von Frau Degeneres mit rechtlichen Schritten und schlechter Publicity droht, falls Iggy Frau Degeneres Friseurin nicht zurückgegeben werde.
Die jüngste Meldung ist, dass Mutts and Moms Iggy in einer anderen Familie untergebracht hat. Ich bin froh, dass die Geschichte für den kleinen Iggy augenscheinlich ein gutes Ende genommen hat.
Ich verstehe die Besorgnis von Tierrettungsvereinen wie Mutts and Moms. Es gibt Menschen, die Tiere aufnehmen und sie dann am Straßenrand abladen oder in einem Tierheim, das sie möglicherweise tötet, oder sie bringen das Tier zu einem Tierarzt, um es töten zu lassen, weil sie es nicht länger wollen. Es gibt sogar Menschen, die adoptierte Tiere an Versuchslabors verkauft haben. Über die Jahre, in denen ich als Anwalt an Tiere betreffenden Streitfällen arbeitete, hatte ich mit vielen Tierrettungsvereinen zu tun, die sich bemühten, für die Formulierung von Adoptionsverträgen eine Sprache zu finden, die das Tier schützte, den Vertrag aber nicht so schwierig und aufdringlich machte, dass potenzielle Abnehmer sich weigerten, ihn zu unterzeichnen, und sich statt dessen zur nächsten Tierhandlung aufmachten, um einen Hund, eine Katze oder ein anderes Tier zu kaufen.
Zum Beispiel entsinne ich mich mehrerer Fälle, in denen Tierrettungsvereine eine Klausel in ihrem Vertrag hatten, die ihnen das Recht gab, Abnehmer ihrer Tiere jederzeit, Tag oder Nacht, 365 Tage im Jahr zuhause aufzusuchen, um zu überprüfen, ob für das Tier ordnungsgemäß gesorgt würde, selbst wenn es keinen Grund gab, etwas anderes anzunehmen. Es gibt sehr wenige potenzielle Abnehmer, die einer solchen Bedingung zustimmen. Es muss eine Balance dazwischen geben, die Tiere zu schützen und ein Zuhause für die Hunderttausende von Tieren zu finden, die eines brauchen. Auf der Website von Petfinder allein gibt es zur Zeit 265.000 Tiere, die ein Zuhause suchen. Das Problem ist gewaltig.
Im Fall Deneneres liegt die Schuld wahrscheinlich auf beiden Seiten. Ich denke, dass Frau Degeneres falsch handelte, indem sie nicht das tat, was nötig war, um Iggy und ihre Katzen dazu zu bringen, miteinander auszukommen. Frau Degeneres lebt in Los Angeles und hat die Möglichkeit und die Mittel, jemanden wie Cesar Millan zu konsultieren, der in dieser Hinsicht sicherlich hätte helfen können. Und wenn sie darauf erpicht war, Iggy loszuwerden, verstehe ich nicht, weshalb sie nicht zuerst Mutts and Moms benachrichtigen konnte, um die Übergabe des Hundes an die Friseurin zu erleichtern. Auf der anderen Seite verstehe ich nicht, weshalb Mutts and Moms in einer offensichtlich übellaunigen Weise reagierten und Iggy der Familie der Friseurin aus Prinzip wegnahmen. Wenn Iggy in einem guten Heim war, dann wäre es angesichts der Millionen von Tieren, die ein Zuhause brauchen, besser gewesen, ihn dort zu belassen und die Energie auf die anderen zu verwenden. Und ich bin zutiefst angewidert davon, dass irgendjemand, der behauptet, dass ihm etwas an Tieren liegt, Mutts and Moms mit Mord oder sonstwie mit Gewalt droht.
Was mir allerdings auffiel, war, dass Frau Degeneres von Iggy ständig als von einem "Es" sprach. Warum bezog sie sich auf einen "Ihn" als auf ein "Es", insbesondere da sie versicherte, während sie die Geschichte mit Iggy erzählte, "Ich liebe Tiere, ich liebe Tiere" ?
Also begann ich, die verschiedenen Seiten auf Frau Degeneres Website zu lesen, und entdeckte, dass sie in der Tat einen fast täglichen Bericht darüber abgibt, was ihr persönlicher Koch, Sean, für sie zu Mittag kocht.
Die Speisekarte enthält:
- "geangelter Columbia River Lachs, leicht gesalzen und in der Pfanne gebraten";
- "geweidetes Bio-Freiland-Steak Art New York";
- "schön gewürzter Hühnerschenkel, braun gebraten und dann im Ofen mit frischen Feigen und Zwiebeln geschmort";
- "pochierte Meeresfrüchte-Platte mit Shrimps, Krabben, Jakobsmuscheln und Hummer";
- "köstlicher Kabeljau Au Gratin. Ein klassisches Gericht mit Nordostatlantischem Kabeljau, ofenpochiert in einer Béchamelsauce mit Kanadischem Bio-Cheddar und Brotkrumen, gerade lang genug gekocht, um den Käse völlig schmelzen zu lassen";
- "schöner Colorado Lammrücken, nach Trennen der Koteletts und des Fleisches vom Knochen";
- "Bio-Hühnersalat-Sandwich mit Walnüssen, Sellerie, Preiselbeeren und Alfalfasprossen auf 14-Kornbrot";
- "biologisch gewachsene Freiland-Hühnerbrust Milanese aus der Region (wenn ich 'aus der Region' sage, meine ich damit, dass das Huhn mein Nachbar gewesen sein könnte). Die Brust ist geklopft, dann paniert, dann braun gebraten und im Ofen mit Tomaten-Basilikumsauce, Mozzarellakäse und nur ein wenig Parmesan überbacken"; (ihr "Nachbar"?);
- "ofengeschmorte Lende vom Schwein, gefüllt mit Preiselbeeren, Zwiebeln, Sellerie, Pistazien und Vollkornbrotkrumen, beträufelt mit Portwein und bestreut mit kleingehackter Schalotte";
- "Petit Filet Mignon mit einer herrlichen Basilikum-Buttersauce";
- "Würziger Albacore-Thunfischsalat, garniert mit Avocados und einer pikanten cremigen Vinaigrette";
- "in meinem Bürogarten gewachsener Salat mit etwas Zitronenhuhn, auf meinem Tischgrill gegrillt", Spinatsalat, "gekrönt, wie Sie sehen können, mit einem Schöpflöffel Thunfisch, gefangen aus einem Schwarm, der gerade begonnen hatte, über den Winter gen Süden zu schwimmen" und
- ein "wunderbarer Thunfischsalat, umrahmt von köstlichen scharfen Treibhaus-Tomatenscheiben".
Und das ist nur das, was auf der Seite von heute steht. Wir können lediglich darüber spekulieren, welche Tierkörper und Körpersekrete Sean für die kommenden Monate auf Lager hat.
Ich finde es absolut faszinierend und einigermaßen bizarr, dass es die Öffentlichkeit kümmert, was Frau Degeneres zu Mittag isst, oder dass sie zumindest denkt, dies sei der Fall. Wichtiger ist allerdings, und darüber bin ich bestürzt, dass sie ins Nationalfernsehen kommen und über Iggy schluchzen kann, sich aber den Teufel um die fühlenden, über Bewusstsein verfügenden Wesen schert, die Sean für ihr Mittagessen zubereiitet.
Ein Herz für Tiere hat Frau Degeneres offenbar auf einer gewissen Ebene. Aber etwas ist hier verkehrt.
Vielleicht zeigt sich ein Anhaltspunkt für ihre moralische Schizophrenie in ihrem wiederholten Gebrauch von "Es", wenn sie von Iggy spricht. Am Ende sind Tiere schlicht Dinge – "Etwas". Auf einer Ebene erkennt sie, dass Iggy Eigenschaften einer Person besitzt. Aber sie schluchzt über ein "Etwas", das sich nicht wirklich von den anderen "Etwas" unterscheidet, die auszubeuten sie für akzeptabel hält.
Ellen Degeneres ist offensichtlich kein dummer Mensch. Warum kann sie die Verbindung nicht herstellen?
Komm schon, Ellen, go vegan.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Saturday, 6 October 2007
Gleichheit und Gleichartigkeit
von Gary L. Francione Blog
Paola Cavalieri, zusammen mit Peter Singer Herausgeberin von The Great Ape Project. Equality Beyond Humanity hat einen Essay über die kürzliche Erschießung eines etwa vierzigjährigen Schimpansen, Johnny, im Whipsnade Zoo in Bedfordshire, nördlich von London, geschrieben.
Cavalieri zufolge wurde Johnny erschossen, weil er, wie es ein Zoowärter beschrieb, “ein kleiner Gangster” war. Die
Times behauptet, dass Johnny und ein anderer Schimpanse, Koko, geflüchtet waren; Koko “ergab sich einem Wärter in einem nahe gelegenen Feld”, während Johnny dies offenbar nicht tat, und es wurde beschlossen, ihn aus Gründen der “öffentlichen Sicherheit” zu erschießen.
Die Erschießung Johnnys ist in jedem Fall eine schreckliche Tragödie – auf mehreren Ebenen. Erstens verbrachte Johnny Jahrzehnte seines Lebens in einem Zoo, der – unter den besten Umständen – nichts anderes als ein jämmerliches Gefängnis für die dort gefangen gehaltenen Tiere ist. Bevor sie letztes Jahr nach Bedfordshire verbracht wurden, waren Johnny und Koko im Regent’s Park Zoo in London eingesperrt. Es gibt schlicht keinen Vergleich zwischen dem natürlichen Leben von Schimpansen und den Bedingungen, unter denen sie in diesen nichtmenschlichen Freakshows, die wir Zoo nennen, gehalten werden. Zweitens ist es nicht klar, warum, wenn Johnny gegen seine Wiederergreifung Widerstand leistete, auf ihn nicht mit einem Betäubungsgewehr geschossen werden konnte, obwohl einige sagten, dass er immer noch eine Gefahr für Zoobesucher dargestellt hätte, bevor das Betäubungsmittel hätte wirken können.
Cavalieri ist darauf bedacht, den “hierarchischen Ansatz” zurückzuweisen, dass “das reichere innere Leben von Menschen sie zu stärkerer moralischer Berücksichtigung berechtigt.” Ein solcher Ansatz, argumentiert sie, würde dazu führen zu sagen, dass “wir intellektuell beeinträchtigte Menschen anders behandeln können.” Aber ihr Hauptargument ist, dass “Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans.. unsere nächsten Verwandten (sind), die 98 – 99% unserer DNA mit uns teilen, und ‘Menschenaffe‘ (1) .. nur solange eine natürliche Kategorie (ist), solange sie Menschen einschließt.”
Cavalieri argumentiert, dass Schimpansen “uns gleich” sind insofern sie kognitiv wie wir sind und unser “reicheres inneres Leben” teilen. Sie sind fähig zu komplexer Kooperation und sozialer Manipulation, zu kultureller Übertragung einschließlich des Lehrens von Fertigkeiten wie das Herstellen und den Gebrauch von Werkzeug, verfügen über Vernunft, “dieses lange begünstigte Merkmal unserer Überlegenheit”, bedienen sich symbolischer Kommunikation und sie haben ein reflexives Selbst-Bewusstsein.
Ich habe vier Antworten auf Cavalieris Analyse:
Erstens ist es problematisch zu unterstellen, dass Menschen ein “reicheres inneres Leben” hätten, und dass Tiere in irgendeiner Weise “intellektuell beeinträchtigten Menschen” gleichzustellen seien. Jede Spezies hat eine Art Leben, das durch die Angehörigen dieser Spezies bewertet wird. Ich habe keine Ahnung, ob meine vor der Tötung geretteten Hunde ein Leben haben, das weniger “reich” als das meine ist. Ich weiß nicht einmal, was das heißt. Mein inneres Leben mag verschieden von dem eines Hundes oder einer Maus sein, aber das bedeutet nicht, dass mein Leben “reicher” ist.
Ich verstehe durchaus das Argument, dass wir, falls der Mangel eines moralisch überlegenen Merkmals bei einem Tier uns dazu berechtigt, diesem eine geringere oder keine moralische Berücksichtigung zuzusprechen, jenes Merkmals gleichermaßen entbehrende, wie etwa “intellektuell beeinträchtigte”, Menschen in derselben Art und Weise behandeln müssten, wollen wir nicht speziesistisch sein.
Das Problem ist aber, dass wir von Anbeginn unterstellen, dass Menschen moralisch überlegene Eigenschaften haben, und dass menschliches Leben deshalb “reicher” als nichtmenschliches Leben ist. Dies ist ein gewöhnlicher Trugschluss auf Seiten vieler Tierethiker, einschließlich Tom Regan. Wie ich in einem Essay im New Scientist diskutiert habe, gibt es keinen Grund dafür, anzunehmen, dass Eigenschaften, die als einzigartig menschlich begriffen werden, uns zu der normativen Schlussfolgerung berechtigen, dass die Inhaber solcher Eigenschaften ein “reicheres” Leben hätten.
Zweitens stellt der “hierarchische Ansatz” kein Problem für Utilitaristen wie [Peter] Singer dar, die gewillt wären, “intellektuell beeinträchtigten” Menschen geringere moralische Berücksichtigung zu gewähren.
Drittens deutet die Tatsache, dass jeder seit langem verstanden hat, wie ähnlich uns Schimpansen und andere Menschenaffen sind, und dass wir [dem zum Trotz] immer noch fortfahren, ihre Verdinglichung zu unterstützen, darauf hin, dass “Gleichartigkeit” ein äußerst schwer zu fassendes Konzept ist, das nicht viel bewegt in Richtung einer Änderung menschlichen Verhaltens. Wie ich in Introduction to Animal Rights: Your Child or the Dog? argumentiert habe, ist das Spiel mit der “Gleichartigkeit” eines, das Tiere niemals gewinnen können. Sie werden niemals als des “speziellen” Charakteristikums in jenem Grad teilhaftig angesehen werden, der notwendig wäre, uns zu veranlassen, ihre Ausbeutung zu beenden, wenn wir damit fortfahren wollen.
Wir vergeuden unsere Zeit damit zu denken, die Lösung des Problems der Tierausbeutung bestehe darin, dass Verhaltensforscher Experimente machen, die, ironischerweise, Vivisektion einschließen mögen, um zu zeigen, zu welchem Grad Menschenaffen und andere Primaten, Delfine, Papageien usw. über ein “spezielles” Charakteristikum verfügen. Empirische Gleichartigkeit ist wirklich nicht das Problem; das Problem ist Moraltheorie. Jane Goodall, die das Eingangskapitel zu The Great Ape Project schrieb, weiß besser als irgendeiner von uns, wie ähnlich Menschenaffen Menschen sind;(2) dennoch ist sie nicht gewillt, die Verwendung von Menschenaffen in der biomedizinischen Forschung unzweideutig zu verdammen und zu seiner sofortigen Abschaffung aufzurufen.
Viertens: Wie ich in meinem Kapitel in The Great Ape Project argumentierte und seither wiederholt gesagt habe, ist das Recht auf volle Mitgliedschaft in der moralischen Gemeinschaft und das Recht, nicht als Eigentum behandelt zu werden, von nur einer Eigenschaft abhängig – Empfindungsfähigkeit. Wenn ein Tier empfindungsfähig ist, dann haben wir die moralische Verpflichtung, dieses Wesen nicht als eine Ressource oder Ware zu behandeln. Der Umstand, dass ein Hund nicht dieselbe Art reflexiven Selbst-Bewusstseins wie ein Schimpanse haben mag, bedeutet nicht, dass der Hund und der Schimpanse nicht gleich wären in dem Sinne, dass ihre fundamentalen Interessen zu leben und nicht zu leiden nicht zu missachten sind, nur weil es zu jemandes Vorteil ist.
In Zoos (und an vielen, vielen anderen Orten) werden Tiere jeden Tag aus verschiedenen Gründen getötet. Die Erschießung des armen Johnny ist zweifellos tragisch, aber dies ist gleichermaßen der Tod von Tieren, die uns nicht “gleich” sind in der Art, in der es Johnny war, abgesehen davon, Wesen zu sein, die ein subjektives Bewusstsein hatten, und die ihr Leben in ihrer eigenen Art und Weise schätzten.
Werden Sie VeganerIn, unterstützen Sie niemals Zoos, und widerstehen Sie der Schaffung neuer Hierarchien, die auf humanozentrischen Werten gegründet sind. Menschen sind nicht das Maß aller Dinge; wir sind nur ein Maß unter vielen.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Anm. d. Übers.
1 lat. Hominoidea; im Orig.: “great apes”; der Begriff umfasst große Menschenaffen und Menschen.
2 Im Orig.:“how similar nonhuman great apes are to human great apes”, s. Anm. 1
Paola Cavalieri, zusammen mit Peter Singer Herausgeberin von The Great Ape Project. Equality Beyond Humanity hat einen Essay über die kürzliche Erschießung eines etwa vierzigjährigen Schimpansen, Johnny, im Whipsnade Zoo in Bedfordshire, nördlich von London, geschrieben.
Cavalieri zufolge wurde Johnny erschossen, weil er, wie es ein Zoowärter beschrieb, “ein kleiner Gangster” war. Die
Times behauptet, dass Johnny und ein anderer Schimpanse, Koko, geflüchtet waren; Koko “ergab sich einem Wärter in einem nahe gelegenen Feld”, während Johnny dies offenbar nicht tat, und es wurde beschlossen, ihn aus Gründen der “öffentlichen Sicherheit” zu erschießen.
Die Erschießung Johnnys ist in jedem Fall eine schreckliche Tragödie – auf mehreren Ebenen. Erstens verbrachte Johnny Jahrzehnte seines Lebens in einem Zoo, der – unter den besten Umständen – nichts anderes als ein jämmerliches Gefängnis für die dort gefangen gehaltenen Tiere ist. Bevor sie letztes Jahr nach Bedfordshire verbracht wurden, waren Johnny und Koko im Regent’s Park Zoo in London eingesperrt. Es gibt schlicht keinen Vergleich zwischen dem natürlichen Leben von Schimpansen und den Bedingungen, unter denen sie in diesen nichtmenschlichen Freakshows, die wir Zoo nennen, gehalten werden. Zweitens ist es nicht klar, warum, wenn Johnny gegen seine Wiederergreifung Widerstand leistete, auf ihn nicht mit einem Betäubungsgewehr geschossen werden konnte, obwohl einige sagten, dass er immer noch eine Gefahr für Zoobesucher dargestellt hätte, bevor das Betäubungsmittel hätte wirken können.
Cavalieri ist darauf bedacht, den “hierarchischen Ansatz” zurückzuweisen, dass “das reichere innere Leben von Menschen sie zu stärkerer moralischer Berücksichtigung berechtigt.” Ein solcher Ansatz, argumentiert sie, würde dazu führen zu sagen, dass “wir intellektuell beeinträchtigte Menschen anders behandeln können.” Aber ihr Hauptargument ist, dass “Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans.. unsere nächsten Verwandten (sind), die 98 – 99% unserer DNA mit uns teilen, und ‘Menschenaffe‘ (1) .. nur solange eine natürliche Kategorie (ist), solange sie Menschen einschließt.”
Cavalieri argumentiert, dass Schimpansen “uns gleich” sind insofern sie kognitiv wie wir sind und unser “reicheres inneres Leben” teilen. Sie sind fähig zu komplexer Kooperation und sozialer Manipulation, zu kultureller Übertragung einschließlich des Lehrens von Fertigkeiten wie das Herstellen und den Gebrauch von Werkzeug, verfügen über Vernunft, “dieses lange begünstigte Merkmal unserer Überlegenheit”, bedienen sich symbolischer Kommunikation und sie haben ein reflexives Selbst-Bewusstsein.
Ich habe vier Antworten auf Cavalieris Analyse:
Erstens ist es problematisch zu unterstellen, dass Menschen ein “reicheres inneres Leben” hätten, und dass Tiere in irgendeiner Weise “intellektuell beeinträchtigten Menschen” gleichzustellen seien. Jede Spezies hat eine Art Leben, das durch die Angehörigen dieser Spezies bewertet wird. Ich habe keine Ahnung, ob meine vor der Tötung geretteten Hunde ein Leben haben, das weniger “reich” als das meine ist. Ich weiß nicht einmal, was das heißt. Mein inneres Leben mag verschieden von dem eines Hundes oder einer Maus sein, aber das bedeutet nicht, dass mein Leben “reicher” ist.
Ich verstehe durchaus das Argument, dass wir, falls der Mangel eines moralisch überlegenen Merkmals bei einem Tier uns dazu berechtigt, diesem eine geringere oder keine moralische Berücksichtigung zuzusprechen, jenes Merkmals gleichermaßen entbehrende, wie etwa “intellektuell beeinträchtigte”, Menschen in derselben Art und Weise behandeln müssten, wollen wir nicht speziesistisch sein.
Das Problem ist aber, dass wir von Anbeginn unterstellen, dass Menschen moralisch überlegene Eigenschaften haben, und dass menschliches Leben deshalb “reicher” als nichtmenschliches Leben ist. Dies ist ein gewöhnlicher Trugschluss auf Seiten vieler Tierethiker, einschließlich Tom Regan. Wie ich in einem Essay im New Scientist diskutiert habe, gibt es keinen Grund dafür, anzunehmen, dass Eigenschaften, die als einzigartig menschlich begriffen werden, uns zu der normativen Schlussfolgerung berechtigen, dass die Inhaber solcher Eigenschaften ein “reicheres” Leben hätten.
Zweitens stellt der “hierarchische Ansatz” kein Problem für Utilitaristen wie [Peter] Singer dar, die gewillt wären, “intellektuell beeinträchtigten” Menschen geringere moralische Berücksichtigung zu gewähren.
Drittens deutet die Tatsache, dass jeder seit langem verstanden hat, wie ähnlich uns Schimpansen und andere Menschenaffen sind, und dass wir [dem zum Trotz] immer noch fortfahren, ihre Verdinglichung zu unterstützen, darauf hin, dass “Gleichartigkeit” ein äußerst schwer zu fassendes Konzept ist, das nicht viel bewegt in Richtung einer Änderung menschlichen Verhaltens. Wie ich in Introduction to Animal Rights: Your Child or the Dog? argumentiert habe, ist das Spiel mit der “Gleichartigkeit” eines, das Tiere niemals gewinnen können. Sie werden niemals als des “speziellen” Charakteristikums in jenem Grad teilhaftig angesehen werden, der notwendig wäre, uns zu veranlassen, ihre Ausbeutung zu beenden, wenn wir damit fortfahren wollen.
Wir vergeuden unsere Zeit damit zu denken, die Lösung des Problems der Tierausbeutung bestehe darin, dass Verhaltensforscher Experimente machen, die, ironischerweise, Vivisektion einschließen mögen, um zu zeigen, zu welchem Grad Menschenaffen und andere Primaten, Delfine, Papageien usw. über ein “spezielles” Charakteristikum verfügen. Empirische Gleichartigkeit ist wirklich nicht das Problem; das Problem ist Moraltheorie. Jane Goodall, die das Eingangskapitel zu The Great Ape Project schrieb, weiß besser als irgendeiner von uns, wie ähnlich Menschenaffen Menschen sind;(2) dennoch ist sie nicht gewillt, die Verwendung von Menschenaffen in der biomedizinischen Forschung unzweideutig zu verdammen und zu seiner sofortigen Abschaffung aufzurufen.
Viertens: Wie ich in meinem Kapitel in The Great Ape Project argumentierte und seither wiederholt gesagt habe, ist das Recht auf volle Mitgliedschaft in der moralischen Gemeinschaft und das Recht, nicht als Eigentum behandelt zu werden, von nur einer Eigenschaft abhängig – Empfindungsfähigkeit. Wenn ein Tier empfindungsfähig ist, dann haben wir die moralische Verpflichtung, dieses Wesen nicht als eine Ressource oder Ware zu behandeln. Der Umstand, dass ein Hund nicht dieselbe Art reflexiven Selbst-Bewusstseins wie ein Schimpanse haben mag, bedeutet nicht, dass der Hund und der Schimpanse nicht gleich wären in dem Sinne, dass ihre fundamentalen Interessen zu leben und nicht zu leiden nicht zu missachten sind, nur weil es zu jemandes Vorteil ist.
In Zoos (und an vielen, vielen anderen Orten) werden Tiere jeden Tag aus verschiedenen Gründen getötet. Die Erschießung des armen Johnny ist zweifellos tragisch, aber dies ist gleichermaßen der Tod von Tieren, die uns nicht “gleich” sind in der Art, in der es Johnny war, abgesehen davon, Wesen zu sein, die ein subjektives Bewusstsein hatten, und die ihr Leben in ihrer eigenen Art und Weise schätzten.
Werden Sie VeganerIn, unterstützen Sie niemals Zoos, und widerstehen Sie der Schaffung neuer Hierarchien, die auf humanozentrischen Werten gegründet sind. Menschen sind nicht das Maß aller Dinge; wir sind nur ein Maß unter vielen.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Anm. d. Übers.
1 lat. Hominoidea; im Orig.: “great apes”; der Begriff umfasst große Menschenaffen und Menschen.
2 Im Orig.:“how similar nonhuman great apes are to human great apes”, s. Anm. 1
Saturday, 1 September 2007
''Jene, die sich nicht an die Vergangenheit erinnern, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen''
von Gary L. Francione Blog
Diese von dem Philosophen George Santayana geschriebenen Worte scheinen heutzutage mit besonderer Relevanz nachzuklingen, da wir eine in Gewalt versunkene Welt sehen. Aber Santayana hat auch der abolitionistischen Bewegung etwas Wichtiges zu sagen.
Die meisten der großen Organisationen des Neuen Tierschutzes sowohl in Großbritannien als auch in den USA behaupten, Veganismus zu befürworten, fördern ihn aber nicht als Grundlinie der Bewegung aus dem Bedenken heraus, dass Veganismus für die breite Öffentlichkeit zu ''radikal'' erscheint. Deshalb fördern diese Organisationen ''Bio-Fleisch'' und ''Bio''-Milch/ Eier'', die das Certified-Humane-Raised-and-Handled-Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt] oder das Freedom-Food-Label [Freiheitsnahrung] tragen oder mit den Farm Animal Compassionate Standards [Normen des Mitgefühls für Nutztiere] von Whole Foods [Whole Foods Market: ''Bio''-Supermarktkette] übereinstimmen, nun auf beiden Seiten des Atlantik. Und Peter Singer erinnert uns daran, dass ein konsequenter Veganer zu sein ''fanatisch'' ist und dass wir eigentlich dazu verpflichtet sind, kein Veganer zu sein, wenn Veganer zu sein andere verstimmt.
Jenen, die daran festhalten, dass Veganismus eine klare und unzweideutige moralische Grundlinie der Bewegung sein sollte, wird von den Neuen Tierschützern eindringlich erzählt, dass die Öffentlichkeit noch nicht bereit dafür ist, die Botschaft des Veganismus zu hören. Stattdessen sollten wir uns auf ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung] und ''Freiland-Fleisch'' konzentrieren.
Und inwiefern ist Santayanas Botschaft in diesen Kontext relevant?
Im Jahr 1944 gründete Donald Watson die Vegan Society in Großbritannien. Er prägte das Wort ''Veganer'' als Bezeichnung für jemanden, der keine Tierprodukte konsumiert. In der ersten Ausgabe von The Vegan News – vor 66 Jahren – schrieb Watson:
Watson fährt fort:
Wie Watson notierte ''(kann) Evolution .. ebenso rückschrittlich wie fortschrittlich sein'.'' Wir können nicht auf den ''nicht existierenden Moment'', in dem die Zeit ''reif'' ist, warten. Wir müssen diesen Moment durch unsere eigene Entschlossenheit eintreten lassen. Diese Entschlossenheit, ausgedrückt durch unseren eigenen konsequenten Veganismus und unser Engagement für klare, unzweideutige, gewaltlose Aufklärung über Veganismus – und unsere Ablehnung kontraproduktiver Tierschutzkampagnen – ist das Fundament der abolitionistischen Bewegung.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Diese von dem Philosophen George Santayana geschriebenen Worte scheinen heutzutage mit besonderer Relevanz nachzuklingen, da wir eine in Gewalt versunkene Welt sehen. Aber Santayana hat auch der abolitionistischen Bewegung etwas Wichtiges zu sagen.
Die meisten der großen Organisationen des Neuen Tierschutzes sowohl in Großbritannien als auch in den USA behaupten, Veganismus zu befürworten, fördern ihn aber nicht als Grundlinie der Bewegung aus dem Bedenken heraus, dass Veganismus für die breite Öffentlichkeit zu ''radikal'' erscheint. Deshalb fördern diese Organisationen ''Bio-Fleisch'' und ''Bio''-Milch/ Eier'', die das Certified-Humane-Raised-and-Handled-Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt] oder das Freedom-Food-Label [Freiheitsnahrung] tragen oder mit den Farm Animal Compassionate Standards [Normen des Mitgefühls für Nutztiere] von Whole Foods [Whole Foods Market: ''Bio''-Supermarktkette] übereinstimmen, nun auf beiden Seiten des Atlantik. Und Peter Singer erinnert uns daran, dass ein konsequenter Veganer zu sein ''fanatisch'' ist und dass wir eigentlich dazu verpflichtet sind, kein Veganer zu sein, wenn Veganer zu sein andere verstimmt.
Jenen, die daran festhalten, dass Veganismus eine klare und unzweideutige moralische Grundlinie der Bewegung sein sollte, wird von den Neuen Tierschützern eindringlich erzählt, dass die Öffentlichkeit noch nicht bereit dafür ist, die Botschaft des Veganismus zu hören. Stattdessen sollten wir uns auf ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung] und ''Freiland-Fleisch'' konzentrieren.
Und inwiefern ist Santayanas Botschaft in diesen Kontext relevant?
Im Jahr 1944 gründete Donald Watson die Vegan Society in Großbritannien. Er prägte das Wort ''Veganer'' als Bezeichnung für jemanden, der keine Tierprodukte konsumiert. In der ersten Ausgabe von The Vegan News – vor 66 Jahren – schrieb Watson:
Eine übliche Kritik ist, dass die Zeit noch nicht reif für unsere Reform sei. Aber kann die Zeit für irgendeine Reform jemals reif sein, wenn sie nicht durch die Entschlossenheit von Menschen reift?Watson wies darauf hin, dass die Gegner der Sklaverei nicht darauf gewartet haben, dass die Zeit ''reif'' war, und dass [auch] die Befürworter sauberen Trinkwassers und sanitärer Einrichtungen heftiger Ablehnung begegneten und nicht auf den ''nicht existierenden Moment'' warteten, da die Zeit ''reif'' sein würde.
Watson fährt fort:
Es liegt eine offensichtliche Gefahr darin, die Erfüllung unserer Ideale der Nachwelt zu überlassen, da die Nachwelt vielleicht nicht unsere Ideale hat. Evolution kann ebenso rückschrittlich wie fortschrittlich sein, allerdings scheint immer der falsche Weg eine starke Gravitation zu haben, wenn nicht bestehende Standards geschützt und neue Visionen eingelöst werden.Das Problem, dem jene, die über unsere Ausbeutung von Tieren besorgt sind, gegenüberstehen, ist, dass die großen Organisationen des Neuen Tierschutzes, welche die Szene beherrschen, Veganismus nicht als eine einzulösende neue Vision betrachten, sondern als eine ''fanatische'' Position, die es zu marginalisieren gilt zugunsten des fortgesetzten Konsumierens von Tierprodukten – vermeintlich ''human'' produziert – als Standardposition. Durch das Bewerben von ''Bio-Fleisch'' und ''Bio-Milch/ Eiern'' verstärken die Neuen Tierschützer lediglich das Paradigma, demzufolge das Konsumieren von Tieren moralisch akzeptabel ist, wenn wir ''gütig'' zu unseren Opfern sind. Diese Vorgehensweise wird und kann nicht in Richtung Veganismus führen; er kann nur dazu dienen, Vegansmus als ''radikale' oder ''fanatische'' Position erscheinen zu lassen.
Wie Watson notierte ''(kann) Evolution .. ebenso rückschrittlich wie fortschrittlich sein'.'' Wir können nicht auf den ''nicht existierenden Moment'', in dem die Zeit ''reif'' ist, warten. Wir müssen diesen Moment durch unsere eigene Entschlossenheit eintreten lassen. Diese Entschlossenheit, ausgedrückt durch unseren eigenen konsequenten Veganismus und unser Engagement für klare, unzweideutige, gewaltlose Aufklärung über Veganismus – und unsere Ablehnung kontraproduktiver Tierschutzkampagnen – ist das Fundament der abolitionistischen Bewegung.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
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