von Gary L. Francione Blog
Ich werde oft zu meinen Ansichten über jene gefragt, die Gewalt gegen Tierausbeuter befürworten.
Meine Antwort ist simpel: Ich bin ein entschiedener Gegner von Gewalt.
Für meine Position habe ich drei Gründe:
Erstens ist meiner Ansicht nach die Tierrechtsposition die endgültige Verwerfung von Gewalt. Sie ist die äußerste Bejahung des Friedens. Ich sehe die Tierrechtsbewegung als die logische Fortsetzung der Friedensbewegung, die Konflikte zwischen Menschen zu beenden sucht. Die Tierrechtsbewegung sucht idealerweise einen Schritt weiter zu gehen und Konflikte zwischen Menschen und Tieren zu beenden.
Der Grund dafür, warum wir uns in dem globalen Schlamassel befinden, in dem wir uns jetzt befinden, ist, dass wir uns die Geschichte hindurch auf gewaltsame Handlungen eingelassen haben und einzulassen fortfahren, die wir als unerwünschtes Mittel zu einem erwünschten Zweck zu rechtfertigen gesucht haben bzw. suchen. Jeder, der jemals Gewalt angewendet hat, behauptet, zu bedauern, seine Zuflucht zu ihr suchen zu müssen, argumentiert aber, dass irgendein erstrebenswertes Ziel ihren Gebrauch vermeintlich rechtfertigt. Das Problem ist, dass dies einen endlosen Kreislauf von Gewalt fördert, in dem jeder, dem es Ernst mit etwas ist, sich nur zu leicht der Gewalt gegen andere als Mittel, das größere Gut zu erreichen, bedienen kann, und jene, die Opfer der Gewalt sind, können eine Rechtfertigung für ihre gewalttätige Reaktion finden. Und so geht es immer weiter.
Dies ist konsequentialistisches moralisches Denken und es zerstört die Welt wie es auch zu einigen höchst sonderbaren Widersprüchen führt. Der größte Teil der westlichen Welt nimmt in Anspruch, das Christentum angenommen zu haben. Wie unklar auch immer das Neue Testament zu einigen Streitfragen stehen mag, klar ist mit Sicherheit, dass Gewalt abzulehnen ist. Nichtsdestoweniger rechtfertigen angeblich christliche Führer und ihre angeblich christlichen Wähler mit bekundetem großem Widerstreben die gewalttätigsten Handlungen, um ein angeblich größeres Gut zu erreichen, was immer das sein mag. Jene, gegen die sich die Gewalt richtet, behaupten ebenfalls, Religionen anzuhängen, die Gewalt ablehnen, tun sich aber keinen Zwang an, mit Gewalt zu antworten. So haben wir Menschen, die sich in Gewaltanwendung betätigen, während sie alle behaupten, Gewalt als eine grundlegende religiöse Sche abzulehnen. Und wir sagen, Menschen seien rational und Tiere seine es nicht!
Gewalt behandelt andere als Mittel zu Zwecken anstatt als Zweck an sich. Wenn wir Gewalt gegen andere ausüben – ob es sich um Menschen oder um Tiere handelt – ignorieren wir ihren ihnen innewohnenden Wert. Wir behandeln sie lediglich als Dinge, die keinen Wert haben außer dem, den wir ihnen zu geben entscheiden. Dies ist es, was Menschen dazu führt, sich in Gwältkriminalität gegen farbige Menschen, Frauen, Schwule und Lesben zu betätigen. Es ist das, was uns dazu führt, Tiere zu verdinglichen und als Ressourcen zu behandeln, die einzig zu unserem Gebrauch da sind. Alles das ist falsch und sollte zurückgewiesen werden.
Zweitens, an jene gerichtet, die Gewalt befürworten: gegen wen genau ist sie zu richten? Der Landwirt züchtet Tiere, weil die überwältigende Zahl von Menschen Fleisch und Tierprodukte zu konsumieren verlangt. Der Landwirt zieht die Tiere unter Bedingungen der Intensivhaltung auf, weil die Konsumenten wollen, dass Fleisch und Tierprodukte so billig wie möglich sind. Aber ist der Landwirt der einzige Schuldige hier? Oder wird die Verantwortung vom Rest derjenigen von uns geteilt, die Tierprodukte essen, einschließlich all jener ''pflichtbewussten Allesesser'', der nichtveganen ''Tierschutzleute'', die ''käfig-freie'' Eier und ''Bio-Fleisch'' konsumieren, welche die Nachfrage schaffen, ohne die der Landwirt etwas anderes mit seinem Leben anfinge? Ich vermute, dass es leichter ist, Landwirte als ''den Feind'' zu charakterisieren, aber dies ignoriert die Realität der Situation.
Was ist mit dem Tierexperimentator, einer üblichen Zielscheibe derer, die Gewalt befürworten? Die Frage einmal beiseite legend, ob Tierversuche wirklich Daten produzieren, die für die Lösung von Problemen menschlicher Gesundheit von Nutzen sind, [lässt sich feststellen, dass]die meisten Krankheiten, für deren Erforschung Tiere verwendet werden, sind solche, die gänzlich vermieden oder drastisch reduziert werden könnten, wenn die Menschen aufhörten, Nahrungsmittel tierlicher Herkunft zu essen und sich in solch destruktiven Verhaltensweisen wie Rauchen, exzessivrm Alkoholkonsum, Drogenkonsum und mangelnde Bewegung zu ergehen.
Nochmals gefragt, wer ist der wahre Schuldige? Ich denke gewiss nicht, dass Tierversuche aus irgendeinem Grund zu rechtfertigen seien, aber ich finde es merkwürdig, dass jene, die sich für Gewalt aussprechen, Tierexperimenatatoren als von den sozialen Bedingungen losgelöst sehen können, die Tierversuche hervorbringen – und an diesen Bedingungen sind wir alle mitschuldig.
Überdies dürfen wir nicht vergessen, dass es immer mehrere Wege gibt, Gesundheitsprobleme anzugehen. Tierversuche sind ein Weg und eine in den Augen vieler (einschließlich meiner) nicht sonderlich effektive Wahl. Die Entscheidung, soziale Ressourcen eher in Tierversuche als in andere, wirksamere Wege zu investieren, spiegelt ebenso sehr und wahrscheinlich mehr eine politische Entscheidung wider als eine wissenschaftliche.
Zum Beispiel hat der erhebliche Aufwand Tiere verbrauchender AIDS-Forschung wenig Nutzen für an AIDS leidende Menschen gebracht, und das meiste dessen, was in ein längeres und besseres Leben für die von HIV und AIDS Betroffenen resultierte, kam von klinischen Versuchen mit Menschen, die diesen Versuchen zugestimmt hatten. Es ist sicherlich plausibel, geltend zu machen, dass, würde das auf Tierversuche verwendete Geld stattdessen auf öffentliche Safe-Sex-Aufklärungskampagnen, den Austausch von Injektionsnadeln und die Verteilung von Kondomen verwendet werden, die Rate neuer HIV-Fälle dramatisch fallen würde. Tierversuche werden als akzeptable Art und Weise, das Problem AIDS zu lösen, angesehen, während der Austausch von Nadeln, das Verteilen von Kondomen und Safe-Sex-Aufklärung politisch kontrovers sind.
Der Tierexperimentator ist also wiederum nicht der einzige Schuldige hier. In der Tat kann sehr wohl argumentiert werden, dass die Hauptverantwortlichen für den Gebrauch von Tieren in der AIDS-Forschung die reaktionären Politiker sind, die auf eine reaktionäre Basis antworten, welche effektivere Wege, mit AIDS umzugehen, ablehnt.
Drittens ist mir nicht klar, was jene, die Gewalt unterstützen, in praktischer Hinsicht zu erreichen hoffen. Sie veranlassen die Öffentlichkeit sicherlich nicht dazu, mitfühlender mit der Not von Tieren zu werden. Eher ist das Gegenteil wahr, und diese Aktionen haben eine höchst negative Wirkung im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung. Wir leben in einer Welt, in der praktisch jeder, der es sich leisten kann, Tierprodukte konsumiert. In einer solchen Welt gibt es keinen Kontext, in der Gewalt für Tiere in irgend einer anderen als negativen Weise interpretiert werden kann.
Mit anderen Worten, in einer Welt, in der das Konsumieren von Tierprodukten von den meisten Menschen als ebenso ''natürlich'' und ''normal'' betrachtet wird wie Wasser trinken oder Atmen, wird Gewalt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit als nichts anderes denn als ein Akt des Wahnsinn gesehen und leistet nichts dazu, ein progressiveres Denken über das Problem der Tierausbeutung zu befördern.
Tierausbeutung ist beherrschend in unserer Gesellschaft. Dies ist so, weil wir denken, dass die Zwecke (die vermeintlichen Vorteile, die wir aus dem Gebrauch von Tieren ziehen) die Mittel rechtfertigen (jedes Jahr Milliarden von Tieren Leiden und Tod zuzufügen) und weil wir Tiere ausschließlich als Wirtschaftsartikel behandeln und ihren Eigenwert missachten. Diese Situation kann nicht sinnvollerweise dadurch angegangen werden, diese Vorstellungen zu verwenden, um Gewalt gegen Menschen zu rechtfertigen.
Die Tatsache, dass zumindest einige ''Anwälte der Tiere'', die Gewalt befürworten, nicht vegan sind, ist wahrhaftig verwirrend. Diese Leute sind solchermaßen um Tiere besorgt, dass sie sich dafür aussprechen, anderen Menschen Schaden zuzufügen, die Tiere ausbeuten, während sie anscheinend außerstande sind, aufzuhören, selbst Tiere auszubeuten.
Das Fazit ist klar: Der einzige Weg, auf dem wir jemals einen bedeutungsvollen Einfluss auf das Problem haben werden, ist der durch gewaltlose Aufklärung. Das fängt damit an, dass wir selbst Veganer werden und Gewalt gegen Tiere in unserem eigenen Leben ablehnen, und verbreitet sich durch kreative gewaltlose Aufklärung über Veganismus.
Ich plane, dieses Problem in größerem Umfang in meinen kommenden Schriften anzusprechen, und wollte eigne einleitende Gedanken mit Ihnen teilen.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Monday, 13 August 2007
Thursday, 2 August 2007
Eine Anmerkung zu Michael Vick
von Gary L. Francione Blog
Es hat eine gewaltige Menge Berichterstattung über das angebliche Hundekampf-Geschäft, gesponsert von Atlanta Falcons Quarterback Michael Vick, gegeben. Vick und drei weitere Männer wurden unter bundesstaatliche Anklage eines Verbrechens gestellt, derzufolge Vick illegale Hundekämpfe gesponsert, Glücksspiel mit Hundekämpfen betrieben und tierquälerische Handlungen auf seinem Grundstück gestattet hatte. Die Talkshows sind voll mit TV-Sprechern der "humanen Gemeinde", die Hundekämpfe verdammen und fordern, dass Vick bestraft wird, falls er wirklich schuldig ist. Nike und Reebok haben den Verkauf von Vick gutgeheißener Produkte ausgesetzt.
Lassen Sie mich bitte sehr deutlich feststellen: Ich denke, dass Hundekämpfe eine schreckliche Sache sind.
Aber ich muss sagen, dass der Fall Vick eine ziemlich dramatische Demonstration dessen ist, was ich unsere "moralische Schizophrenie" in Bezug auf Tiere nenne. Das heißt, wenn etwas klar ist, dann ist es dies, dass wir hinsichtlich unserer moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber nicht klar denken.
Allein in diesem Land töten wir über 10 Milliarden landlebender Tiere jährlich für Nahrungszwecke. Die Tiere, die wir essen – selbst die, welche angeblich "human" aufgezogen werden –, leiden genauso wie die Hunde, die für Hundekämpfe benutzt werden. Es gibt keine "Notwendigkeit" für uns, Fleisch, Milch oder Eier zu essen. Tatsächlich werden diese Nahrungsmittel zunehmend mit verschiedenen menschlichen Krankheiten in Verbindung gebracht, und landwirtschaftliche Tierhaltung ist ein Umweltdesaster für den Planeten. Wir erlegen diesen Milliarden fühlender Wesen Schmerz, Leiden und Tod auf, weil wir es genießen, ihr Fleisch und die Produkte, die wir aus ihnen machen, zu essen.
Es hat etwas ausgesprochen Bizarres, Michael Vick dafür zu verdammen, Hunde für eine abscheuliche Art der Unterhaltung zu benutzen, wenn 99% von uns ebenfalls Tiere, die ganz genauso empfindungsfähig wie Hunde sind, für eine andere abscheuliche Form der Unterhaltung benutzen, die nicht anders als Hundekämpfe zu rechtfertigen ist: Tiere und Tierprodukte zu essen.
Es hat etwas ausgesprochen Bizarres, dass viele "Tierliebhaber" zu Tisch sitzen und Fleisch essen, das das Certified-Humane-Raised-and-Handled Label (Zertifiziert human aufgezogen und behandelt) trägt, empfohlen von der Humane Society of the United States, während HSUS uns erzählt, was für ein übler Kerl Michael Vick ist.
HSUS und PETA fordern, dass Michael Vick von der NFL [National Football League] suspendiert wird. Soweit ich weiß, forderte keine dieser Organisationen, dass Michael Jordan von der NBL [National Basketball Association] suspendiert wird, weil er für Ball Park Franks [Frankfurter Würstchen] warb.
Es liegt etwas Bizarres darin, dass Reebok und Nike, die für ihre Schuhe Leder verwenden, von Vick empfohlene Produkte verbannen. Sie erlauben einem Kerl, der angeblich Hunde martert, nicht, Produkte zu empfehlen, die gemarterte Kühe enthalten.
In Introduction to Animal Rights: Your Child or the Dog? stellte ich Simon den Sadisten vor, der Vergnügen daran findet, Hunde mit einer Lötlampe zu verbrennen. Wir alle würden ein solches Verhalten als monströs betrachten, weil wir alle darin übereinstimmen, dass es falsch ist, Tieren "unnötiges" Leiden zuzufügen, und Vergnügen, Zeitvertreib und Bequemlichkeit können nicht als die Bedingung der "Notwendigkeit" erfüllend zählen. Aber dann stellte ich die weitergehende Frage – inwiefern unterscheiden sich jene von uns, die Tierfleisch oder Tierprodukte essen, denn von Simon? Er genießt es, Hunde mit einer Lötlampe zu verbrennen; wir genießen den Geschmack von Fleisch, Milch und Eiern. Aber sowohl wir als auch Simon töten empfindungsfähige Wesen (wir mögen andere dafür bezahlen, die schmutzige Arbeit zu erledigen), weil wir einen Genuss daraus ziehen.
Den Berichten zufolge beschlagnahmten die Behörden ein "Vergewaltigunsgestell" auf Vicks Grundstück, das dazu verwendet wird, Hündinnen für die Paarung festzuhalten. Und "Vergewaltigunsgerüste" werden gebraucht, um Kühe bei der Schwängerung festzuhalten. Wenn es um einen Hund geht, sind wir besorgt; wenn es um eine Kuh geht, ignorieren wir es.
Michael Vick mag es genießen, Hundekämpfe anzuschauen; ein anderer mag dies widerwärtig finden, sieht aber nichts Falsches darin, ein Tier zu essen, das ein Leben hatte, das ebenso voller Schmerz und Leiden war wie das der kämpfenden Hunde. Es ist sonderbar, dass wir letzteres als moralisch verschieden von ersterem und als moralisch höher stehend betrachten. Wie weit entfernt ist die johlende Menge um eine Hundekampfarena von der lachenden Gruppe bei einer sommerlichen Steak-Grillparty?
Wir alle sind Simon. Wir alle sind Michael Vick.
Leben Sie vegan.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Es hat eine gewaltige Menge Berichterstattung über das angebliche Hundekampf-Geschäft, gesponsert von Atlanta Falcons Quarterback Michael Vick, gegeben. Vick und drei weitere Männer wurden unter bundesstaatliche Anklage eines Verbrechens gestellt, derzufolge Vick illegale Hundekämpfe gesponsert, Glücksspiel mit Hundekämpfen betrieben und tierquälerische Handlungen auf seinem Grundstück gestattet hatte. Die Talkshows sind voll mit TV-Sprechern der "humanen Gemeinde", die Hundekämpfe verdammen und fordern, dass Vick bestraft wird, falls er wirklich schuldig ist. Nike und Reebok haben den Verkauf von Vick gutgeheißener Produkte ausgesetzt.
Lassen Sie mich bitte sehr deutlich feststellen: Ich denke, dass Hundekämpfe eine schreckliche Sache sind.
Aber ich muss sagen, dass der Fall Vick eine ziemlich dramatische Demonstration dessen ist, was ich unsere "moralische Schizophrenie" in Bezug auf Tiere nenne. Das heißt, wenn etwas klar ist, dann ist es dies, dass wir hinsichtlich unserer moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber nicht klar denken.
Allein in diesem Land töten wir über 10 Milliarden landlebender Tiere jährlich für Nahrungszwecke. Die Tiere, die wir essen – selbst die, welche angeblich "human" aufgezogen werden –, leiden genauso wie die Hunde, die für Hundekämpfe benutzt werden. Es gibt keine "Notwendigkeit" für uns, Fleisch, Milch oder Eier zu essen. Tatsächlich werden diese Nahrungsmittel zunehmend mit verschiedenen menschlichen Krankheiten in Verbindung gebracht, und landwirtschaftliche Tierhaltung ist ein Umweltdesaster für den Planeten. Wir erlegen diesen Milliarden fühlender Wesen Schmerz, Leiden und Tod auf, weil wir es genießen, ihr Fleisch und die Produkte, die wir aus ihnen machen, zu essen.
Es hat etwas ausgesprochen Bizarres, Michael Vick dafür zu verdammen, Hunde für eine abscheuliche Art der Unterhaltung zu benutzen, wenn 99% von uns ebenfalls Tiere, die ganz genauso empfindungsfähig wie Hunde sind, für eine andere abscheuliche Form der Unterhaltung benutzen, die nicht anders als Hundekämpfe zu rechtfertigen ist: Tiere und Tierprodukte zu essen.
Es hat etwas ausgesprochen Bizarres, dass viele "Tierliebhaber" zu Tisch sitzen und Fleisch essen, das das Certified-Humane-Raised-and-Handled Label (Zertifiziert human aufgezogen und behandelt) trägt, empfohlen von der Humane Society of the United States, während HSUS uns erzählt, was für ein übler Kerl Michael Vick ist.
HSUS und PETA fordern, dass Michael Vick von der NFL [National Football League] suspendiert wird. Soweit ich weiß, forderte keine dieser Organisationen, dass Michael Jordan von der NBL [National Basketball Association] suspendiert wird, weil er für Ball Park Franks [Frankfurter Würstchen] warb.
Es liegt etwas Bizarres darin, dass Reebok und Nike, die für ihre Schuhe Leder verwenden, von Vick empfohlene Produkte verbannen. Sie erlauben einem Kerl, der angeblich Hunde martert, nicht, Produkte zu empfehlen, die gemarterte Kühe enthalten.
In Introduction to Animal Rights: Your Child or the Dog? stellte ich Simon den Sadisten vor, der Vergnügen daran findet, Hunde mit einer Lötlampe zu verbrennen. Wir alle würden ein solches Verhalten als monströs betrachten, weil wir alle darin übereinstimmen, dass es falsch ist, Tieren "unnötiges" Leiden zuzufügen, und Vergnügen, Zeitvertreib und Bequemlichkeit können nicht als die Bedingung der "Notwendigkeit" erfüllend zählen. Aber dann stellte ich die weitergehende Frage – inwiefern unterscheiden sich jene von uns, die Tierfleisch oder Tierprodukte essen, denn von Simon? Er genießt es, Hunde mit einer Lötlampe zu verbrennen; wir genießen den Geschmack von Fleisch, Milch und Eiern. Aber sowohl wir als auch Simon töten empfindungsfähige Wesen (wir mögen andere dafür bezahlen, die schmutzige Arbeit zu erledigen), weil wir einen Genuss daraus ziehen.
Den Berichten zufolge beschlagnahmten die Behörden ein "Vergewaltigunsgestell" auf Vicks Grundstück, das dazu verwendet wird, Hündinnen für die Paarung festzuhalten. Und "Vergewaltigunsgerüste" werden gebraucht, um Kühe bei der Schwängerung festzuhalten. Wenn es um einen Hund geht, sind wir besorgt; wenn es um eine Kuh geht, ignorieren wir es.
Michael Vick mag es genießen, Hundekämpfe anzuschauen; ein anderer mag dies widerwärtig finden, sieht aber nichts Falsches darin, ein Tier zu essen, das ein Leben hatte, das ebenso voller Schmerz und Leiden war wie das der kämpfenden Hunde. Es ist sonderbar, dass wir letzteres als moralisch verschieden von ersterem und als moralisch höher stehend betrachten. Wie weit entfernt ist die johlende Menge um eine Hundekampfarena von der lachenden Gruppe bei einer sommerlichen Steak-Grillparty?
Wir alle sind Simon. Wir alle sind Michael Vick.
Leben Sie vegan.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 13 June 2007
Das Versagen von Tierschutzgesetzen
von Gary L. Francione Blog
Wir arbeiten immer noch hart an der Neugestaltung dieser Website. Wir sind davon sehr begeistert und hoffen, dass die Website Ihnen gefällt und dass Sie sie für Ihr abolitionistisches Eintreten für Tiere nützlich finden.
Ich möchte diese Woche einen Rechtsfall aus jüngster Zeit, der durch die Nachrichten ging, kurz kommentieren. Im Dezember 2005 behauptete ein Ermittler einer Tierschutzorganisation, verschiedene Fälle von Tierquälerei auf Esbenshade Farms, einer großen Eierfabrik in Pennsylvania, gefilmt zu haben. Der Eigentümer und der Manager wurden beide wegen 35 Fällen des Verstoßes gegen das in Pennsylvania gültige Tierschutzgesetz belangt. Das Video zeigte den Angaben zufolge auf dem Draht ihrer Käfige aufgespießte Hennen, unfähig, Futter oder Wasser zu erreichen, und zusammen mit den verwesenden Körpern anderer Hennen eingesperrt.
Am 01. Juni 2007 befand der Richter am Gerichtshof des Bundesstaates beide [Angeklagten] nicht schuldig in allen Anklagepunkten. Die Eierbauern behaupteten, dass das Video in Wirklichkeit nicht ihren Hof zeigte. Aber der Richter fertigte offensichtlich keine schriftliche Meinung aus, so dass die Grundlage der Entscheidung unklar ist.
Die Gemeinde der Anwälte der Tiere ist schockiert.
Warum?
Dies ist genau die Art und Weise, wie Tierschutzgesetze funktionieren. Nämlich gar nicht.
In meinem Buch Animals, Property, and the Law habe ich gezeigt, dass Tierschutzgesetze nicht funktionieren und darin versagen, den Interessen von Tieren bedeutsamen Schutz zu bieten. Es handelt sich um Strafrechtsbestimmungen, welche erfordern, dass der Staat jenen, die gegen sie verstoßen, eine kriminelle Absicht nachweist. Angesichts des Umstandes, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der fast jeder Tierausbeutung als normal betrachtet, ist es schwierig, jemandem ohne einen vernünftigen Zweifel nachzuweisen, dass er in krimineller Absicht gehandelt hat, wenn er einem Tier Leiden zugefügt und es getötet hat.
Darüber hinaus enthalten viele Tierschutzbestimmungen entweder ausdrücklich Ausnahmen für anerkannte Arten der institutionellen Tiernutzung oder sie interpretieren das Verbot des Zufügens ''unnötigen'' oder ''ungerechtfertigten'' Leidens von Tieren unter Verweis auf solche Nutzungsarten. Dies bedeutet, dass als ''notwendiges'' und ''gerechtfertigtes'' Leiden das erachtet wird, was in den Ausbeutungsindustrien gebräuchlich ist. Zum Beispiel verletzt laut den in Pennsylvania gültigen Bestimmungen eine ''im normalen landwirtschaftlichen Arbeitsablauf vorgenommene Handlung'' das Tierschutzgesetz nicht.
Aber viele Handlungen, die in landwirtschaftlicher Tierhaltung ''normal'' sind, sind ''grausam'' gemäß dem, wie wir den Begriff im nicht-rechtlichem Kontext verwenden. Die Verletzung von Hennen in Batteriekäfigen, ihre Unfähigkeit, Futter und Wasser zu erreichen, und tote Vögel in den Käfigen sind allesamt Teil ''normaler'' landwirtschaftlicher Eierproduktion.
Wir sollten also nicht überrascht sein, dass der Richter die Angeklagten von allen Vorwürfen freisprach. Selbst wenn sie taten, was getan zu haben sie beschuldigt werden, wäre es schwierig zu argumentieren, dass das, was auf dem Esbenshade-Hof auftrat, sich in irgendeiner bedeutsamen Weise von dem unterscheidet, was auf jeder anderen Eierfarm mit Massentierhaltung vor sich geht. Alle sind grässliche Orte, die Tiere für wirtschaftlichen Gewinn quälen. Aber sie existieren nur, weil wir Eier essen. In dem Maß, in dem die Eierbauern schuldig sind, sind es auch die Konsumenten. Wenn es keine Nachfrage [nach Eiern] gäbe, wären die Produzenten nicht im Geschäft.
In gewissem Sinne ist die strafrechtliche Verfolgung wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz irreführend und schädlich. Sie ist irreführend, weil sie suggeriert, dass es einen Unterschied zwischen [Betrieben wie] Esbenshade Farms und anderen Eierproduktionsanlagen gibt. Es gibt keinen. Alle sind fürchterliche Orte. Die strafrechtliche Verfolgung ist schädlich, weil sie als Lösung des Problems nahe legt, Eier zu konsumieren, die unter ''humaneren'' Umständen produziert werden wie ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung], die von der Humane Society of the United States und anderen Tierschutz-Körperschaften beworben werden.
Die Lösung ist nicht: mehr ''humane'' Eier.
Die Lösung ist: keine Eier.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wir arbeiten immer noch hart an der Neugestaltung dieser Website. Wir sind davon sehr begeistert und hoffen, dass die Website Ihnen gefällt und dass Sie sie für Ihr abolitionistisches Eintreten für Tiere nützlich finden.
Ich möchte diese Woche einen Rechtsfall aus jüngster Zeit, der durch die Nachrichten ging, kurz kommentieren. Im Dezember 2005 behauptete ein Ermittler einer Tierschutzorganisation, verschiedene Fälle von Tierquälerei auf Esbenshade Farms, einer großen Eierfabrik in Pennsylvania, gefilmt zu haben. Der Eigentümer und der Manager wurden beide wegen 35 Fällen des Verstoßes gegen das in Pennsylvania gültige Tierschutzgesetz belangt. Das Video zeigte den Angaben zufolge auf dem Draht ihrer Käfige aufgespießte Hennen, unfähig, Futter oder Wasser zu erreichen, und zusammen mit den verwesenden Körpern anderer Hennen eingesperrt.
Am 01. Juni 2007 befand der Richter am Gerichtshof des Bundesstaates beide [Angeklagten] nicht schuldig in allen Anklagepunkten. Die Eierbauern behaupteten, dass das Video in Wirklichkeit nicht ihren Hof zeigte. Aber der Richter fertigte offensichtlich keine schriftliche Meinung aus, so dass die Grundlage der Entscheidung unklar ist.
Die Gemeinde der Anwälte der Tiere ist schockiert.
Warum?
Dies ist genau die Art und Weise, wie Tierschutzgesetze funktionieren. Nämlich gar nicht.
In meinem Buch Animals, Property, and the Law habe ich gezeigt, dass Tierschutzgesetze nicht funktionieren und darin versagen, den Interessen von Tieren bedeutsamen Schutz zu bieten. Es handelt sich um Strafrechtsbestimmungen, welche erfordern, dass der Staat jenen, die gegen sie verstoßen, eine kriminelle Absicht nachweist. Angesichts des Umstandes, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der fast jeder Tierausbeutung als normal betrachtet, ist es schwierig, jemandem ohne einen vernünftigen Zweifel nachzuweisen, dass er in krimineller Absicht gehandelt hat, wenn er einem Tier Leiden zugefügt und es getötet hat.
Darüber hinaus enthalten viele Tierschutzbestimmungen entweder ausdrücklich Ausnahmen für anerkannte Arten der institutionellen Tiernutzung oder sie interpretieren das Verbot des Zufügens ''unnötigen'' oder ''ungerechtfertigten'' Leidens von Tieren unter Verweis auf solche Nutzungsarten. Dies bedeutet, dass als ''notwendiges'' und ''gerechtfertigtes'' Leiden das erachtet wird, was in den Ausbeutungsindustrien gebräuchlich ist. Zum Beispiel verletzt laut den in Pennsylvania gültigen Bestimmungen eine ''im normalen landwirtschaftlichen Arbeitsablauf vorgenommene Handlung'' das Tierschutzgesetz nicht.
Aber viele Handlungen, die in landwirtschaftlicher Tierhaltung ''normal'' sind, sind ''grausam'' gemäß dem, wie wir den Begriff im nicht-rechtlichem Kontext verwenden. Die Verletzung von Hennen in Batteriekäfigen, ihre Unfähigkeit, Futter und Wasser zu erreichen, und tote Vögel in den Käfigen sind allesamt Teil ''normaler'' landwirtschaftlicher Eierproduktion.
Wir sollten also nicht überrascht sein, dass der Richter die Angeklagten von allen Vorwürfen freisprach. Selbst wenn sie taten, was getan zu haben sie beschuldigt werden, wäre es schwierig zu argumentieren, dass das, was auf dem Esbenshade-Hof auftrat, sich in irgendeiner bedeutsamen Weise von dem unterscheidet, was auf jeder anderen Eierfarm mit Massentierhaltung vor sich geht. Alle sind grässliche Orte, die Tiere für wirtschaftlichen Gewinn quälen. Aber sie existieren nur, weil wir Eier essen. In dem Maß, in dem die Eierbauern schuldig sind, sind es auch die Konsumenten. Wenn es keine Nachfrage [nach Eiern] gäbe, wären die Produzenten nicht im Geschäft.
In gewissem Sinne ist die strafrechtliche Verfolgung wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz irreführend und schädlich. Sie ist irreführend, weil sie suggeriert, dass es einen Unterschied zwischen [Betrieben wie] Esbenshade Farms und anderen Eierproduktionsanlagen gibt. Es gibt keinen. Alle sind fürchterliche Orte. Die strafrechtliche Verfolgung ist schädlich, weil sie als Lösung des Problems nahe legt, Eier zu konsumieren, die unter ''humaneren'' Umständen produziert werden wie ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung], die von der Humane Society of the United States und anderen Tierschutz-Körperschaften beworben werden.
Die Lösung ist nicht: mehr ''humane'' Eier.
Die Lösung ist: keine Eier.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 30 May 2007
Meine Antwort an Johanna
von Gary L. Francione Blog
Letzte Woche erhielt ich eine Email von einer Person, die ich mit ihrer Erlaubnis nur Johanna nennen werde. Johanna schrieb (Auszug):
Es gibt im Wesentlichen drei Gruppen von Menschen:
Die erste Gruppe besteht aus jenen, die, wie Sie zu bedenken geben, Tiere nicht kümmern und die niemals Veganer werden, zumindest nicht aus aus ethischen Gründen. Diejenigen, welche in diese Gruppe fallen, sind erklärtermaßen nicht bereit, mehr für Nahrungsmittel zu zahlen, die als in ''humanerer'' Art und Weise produziert vermarktet werden.
Falls Ihnen vorschwebt, dass besagte Leute wirksam dazu gezwungen werden könnten, ''humaner'' produzierte Nahrungsmittel zu kaufen, wenn wir bestimmte Reformen in nationaler Gesetzgebung realisieren, dann gibt es hierzu mindestens zwei Überlegungen:
Zunächst ist jede Tierschutzmaßnahme, die das Leiden von Tieren in irgendeiner bedeutsamen Weise vermindert und auf alle inländisch produzierten Nahrungsmittel anwendbar ist (und nicht auf eine Marktnische für wohlhabende Konsumenten abzielt), kostenträchtig und hat einen erheblichen Preisanstieg zur Folge. Dies würde eine politische Reaktion hervorrufen, die sicherstellen würde, dass die Reform entweder nicht in Kraft träte oder bis zu völliger Bedeutungslosigkeit abgeschwächt würde.
Zweitens ist es, selbst wenn Reformen gesetzlich realisiert würden, nicht klar, dass unter den verschiedenen Freihandelsabkommen der Import von Tierprodukten, die unter konventionellen Bedingungen produziert werden, blockiert werden könnte. Soweit Menschen in dieser ersten Gruppe sich um Tiere keine Gedanken machen und sie nicht bereit sind, einen Preisaufschlag für vermeintlich ''humanere'' Produkte zu zahlen, werden sie einfach Produkte von einer konventionellen Quelle kaufen.
Ihnen dürfte bekannt sein, dass es in Europa einen beträchtlichen Widerstand gegen inländische Gesetzgebung, mit der beabsichtigt ist, Tierschutzdirektiven der EU einzuführen, gegeben hat.
Die zweite Gruppe umfasst jene, die um Tiere besorgt sind und Veganer werden würden, wenn ihnen ein gutes Argument dafür präsentiert würde, dass wir keinerlei Tierprodukte essen sollen und dass es keinen moralischen Unterschied zwischen Fleisch und Milch oder Eiern gibt.
Wenn Sie diesen Menschen erzählen, sie könnten ihre moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber damit erfüllen, käfig-freie Eier [Eier aus Bodenhaltung] zu essen oder Fleisch mit dem Certified-Humane-Raised-&-Handled-Label [Zertifiziert aufgezogen und behandelt], dem Animal-Compassionate-Label [Mitgefühl für Tiere] oder mit irgendeinem der anderen ''Bio-Fleisch''-Etiketts oder dass sie, laut Kommentatoren wie Peter Singer, ''sich gelegentlich den Luxus von Freilandeiern oder vielleicht sogar von Fleisch von Tieren leisten (können), die ein gutes Leben unter artgerechten Bedingungen hatten und dann human auf dem Hof getötet werden''; wenn Sie ihnen das erzählen, anstatt an sie mit einer klaren veganen Botschaft heranzutreten, dann kann es gut sein, dass diese Menschen nicht Veganer werden.
Ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft Anwälte der Tiere mir sagten, sie seien jahrelang Vegetarier gewesen, hätten aber angefangen, vegan zu leben, nachdem sie eine Vorlesung von mir oder ein Interview mit mir gehört oder etwas von dem gelesen hätten, was ich darüber geschrieben habe, dass es keinen [moralisch relevanten ] Unterschied zwischen Fleisch und Milch gibt und alles andere als Veganismus Tierausbeutung ist.
Zum Beispiel schrieb mir als Reaktion auf ein Seminar über Tierrechte, das ich in einem Tierheim gegeben hatte, ein dort ehrenamtlich Tätiger:
Als Reaktion auf mein Interview in The Vegan schreib eine Leserin:
Die dritte Gruppe besteht aus jenen, die nicht auf der Stelle Veganer werden, selbst wenn Sie sie mit einer überzeugenden veganen Botschaft ansprechen.
Sollten wir diese Leute dazu ermutigen, käfig-freie Eier oder ''Bio-Fleisch'' zu konsumieren, oder Fleisch wegzulassen, aber nicht Mich, als Schritt in Richtung Veganismus?
Meiner Meinung nach nicht.
Manche Tierschützer denken, dass wenn Sie jemandem die Botschaft, vegan zu leben, vermitteln, der nicht sofort bereit ist, es zu tun, derjenige gar nichts tun wird. Worauf gründet sich diese Annahme? Tatsächlich sagt uns der gesunde Menschenverstand das Gegenteil. Wenn Sie die Botschaft des Veganismus an jemanden richten, der sich über Tierethik Gedanken macht, aber noch nicht bereit ist, vegan zu leben, wird dieser Mensch höchstwahrscheinlich weniger tun, als vegan zu leben, aber er wird nicht nichts tun. Aber Sie können absolut sicher sein, dass er, wenn Sie jemandem erzählen, er brauche nicht vegan zu leben, um seine moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber zu erfüllen, es auch nicht tun wird. Wenn Sie Leuten in dieser Gruppe sagen, es sei moralisch akzeptabel, käfig-freie Eier oder ''Bio-Fleisch'' zu essen oder ''pflichtbewusste Allesesser'' zu sein, dann ist dies genau das und alles, was sie tun werden.
Wenn Sie die vegane Position verständlich erklären, wird jemand, der wirklich nicht gleichgültig ist, aber nicht umgehend Veganer werden will, etwas tun, das weniger als Veganismus ist. Die Frage ist, was sollte er tun?
Wenn wir es mit einem Anwalt der Tiere zu tun haben, der, nachdem er die Argumente für Veganismus erwogen hat, erklärt, dass er nicht auf der Stelle Veganer wird, ist die Antwort nicht, ihm vorzuschlagen, käfig-freie Eier oder ''Bio-Fleisch'' von Whole Foods zu essen.
Indem Sie diesen Vorschlag machen, ermutigen Sie ihn, zu glauben, es gebe einen Unterschied zwischen Eiern aus einer Legebatterie und solchen aus Bodenhaltung oder zwischen ''Bio-Fleisch'' von Whole Foods und konventionellem Fleisch. Es gibt keinen bedeutsamen Unterschied. Es ist alles grässlich. Die ''Bio-Fleisch''-Bewegung lässt die Menschen sich wohler beim Konsumieren von Tieren und Tierprodukten fühlen und ermutigt sie, Tiere und Tierprodukte zu konsumieren.
Es gibt keinen Unterschied zwischen Fleisch und Milch. Zu sagen, Sie äßen kein Fleisch, aber Milchprodukte oder Eier, ist wie zu sagen, Sie äßen große Kühe, aber keine kleinen. In einem Glas Milch steckt ebenso viel Leid wie in einem Pfund Steak, und alle diese Tiere enden im selben Schlachthaus, wonach wir sie ohnehin essen.
Zudem tendieren viele Menschen, wenn sie Fleisch aufgeben, dazu, mehr Milchprodukte und Eier zu essen. Was für ein ''Fortschritt'' ist das?
Wir sollten immer klarstellen, dass es keinen moralischen Unterschied zwischen Fleisch und allem anderen gibt. Es ist alles schlimm. Es ist alles Teil der Ausbeutung von Tieren, und nichts davon kann moralisch gerechtfertigt werden.
Eine bessere praktische Lösung ist es, einen schrittweisen Zugang vorzuschlagen, der stärker mit der Vorstellung übereinstimmt, dass wir keine Tierprodukte essen sollten.
Oft schlage ich jemandem in dieser dritten Gruppe vor, eine vegane Mahlzeit pro Tag für ein oder zwei Wochen zu essen. Und dann zwei Mahlzeiten in der dritten und vierten Woche und drei Mahlzeiten in der fünften und sechsten Woche. Ich versorge ihn mit Informationen über vegane Ernährung und leite ihn zu einigen der hervorragenden Websites, die so deutlich demonstrieren, wie einfach es ist, vegan zu leben, und die eine breite Palette der vorzüglichen und nahrhaften Angebote, die erhältlich sind, bieten.
Ich denke, es ist sehr wichtig, ehrlich zu den Menschen zu sein und ihnen zu erklären, dass in unserer Gesellschaft, die von Tierausbeutung durchdrungen ist, es unmöglich ist, Tierausbeutung komplett zu vermeiden. Was aber absolut sicher ist, ist dies, dass Sie, wenn Sie nicht vegan leben, Tierausbeuter sind. Es ist unerlässlich, dass jenen, die um Tiere besorgt sind, deutlich gesagt wird, dass dies nicht genug ist. Sie müssen Ihren Prinzipien entsprechend handeln.
Obwohl der von mir beschriebene schrittweise Zugang besser ist, als käfig-freie Eier und ''Bio-Fleisch'' zu konsumieren und mehr Profit in die Taschen von Tierausbeutern zu stecken, deren Produkte mehr kosten, aber nicht ''humaner'' sind als konventionelle, ist es wichtig, jedem, den diese Probleme kümmern, vor Augen zu führen, dass alles, was weniger als Veganismus ist, bedeutet, den eigenen Genuss über das Leben und Leiden der Tiere zu stellen, die sie weiterhin essen. Wir sollten niemals das Essen irgendeines Tierproduktes unter irgendwelchen Umständen ''billigen''. Wir sollten stets deutlich und unzweideutig Singers Ansicht zurückweisen, dass ein konsequenter Veganer zu sein ''fanatisch'' ist oder dass wir die Verpflichtung haben, nicht vegan zu essen, wenn dies zu tun andere zu der Reaktion veranlasst, zu sagen: ''Oh mein Gott, diese Veganer...''
Das eine, was ich niemals tue, ist die Vorstellung zu verstärken – die von den großen Tierschutzgruppen befördert wird –, dass Veganismus einen schwierige Veränderung des Lifestyles bedeutet und nur für jene realisierbar ist, die gut darin sind, sich selbst aufzuopfern, und über mönchische Selbstdisziplin verfügen. Ich sage ihnen die Wahrheit: Veganismus ist leicht. Delikates, nahrhaftes veganes Essen muss nicht teuer sein. Und ich betone, dass es, wenn es ihnen mit Tierethik ernst ist, keine andere Wahl gibt.
Und was unsere Öffentlichkeitsarbeit anbelangt, bedenken Sie, dass es ein Nullsummenspiel ist. Unsere Zeit und unsere Ressourcen sind begrenzt. Die Zeit und Ressourcen, die Sie darauf verwenden, für Bio-Fleisch und [andere] Bio-Tierprodukte Werbung zu machen, verwenden Sie nicht auf klare, unzweideutige Aufklärung über Veganismus. Letzteres zu tun ist der beste Weg, die Nutzung und das Leiden [von Tieren] kurzfristig zu vermindern, und es ist der einzige Weg, langfristig eine abolitionistische Bewegung aufzubauen, die das moralische Leitbild weg vom Status von Tieren als Eigentum verändern kann.
Die ''Bio-Fleisch/ Milch/ Eier''-Bewegung schließt eine notwendige Allianz zwischen Anwälten der Tiere und institutionellen Ausbeutern ein, in der Tierschützer quasi die Partner der Tierindustrie sind, Werber für ''humanes'' Fleisch, ''humane'' Milch und ''humane'' Eier''. Der abolitionistische Ansatz lehnt diese Allianz ab.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Letzte Woche erhielt ich eine Email von einer Person, die ich mit ihrer Erlaubnis nur Johanna nennen werde. Johanna schrieb (Auszug):
Sie vertreten die Auffassung, dass wir alle unsere Zeit und Energie daransetzen sollen, Menschen zu überzeugen, Veganer zu werden. Ich denke, das ist eine wunderbare Idee, aber was ist mit all den Leuten, die Tiere überhaupt nicht kümmern und die niemals Veganer werden? Was ist mit denen, die vielleicht irgendwann einmal Veganer werden, aber nicht auf der Stelle dazu bereit sind?Johannas Bedenken sind recht typisch unter denen, die Tierschutzreformen und den ''Bio-Fleisch/ Mich/ Eier''-Ansatz unterstützen. Ich poste meine Antwort an Johanna in der Hoffnung, dass andere sie ihrem Nachdenken über diese Streitfragen dienlich finden werden.
Macht es mit Blick auf diese Menschen nicht Sinn, Tierschutzreformen zu verfolgen? Ist es nicht besser, sie zu ermutigen, Nahrungsmittel [tierlicher Herkunft] zu essen, die auf humanere Art und Weise produziert werden, selbst wenn der Unterschied zwischen diesen und solchen Nahrungsmitteln, die konventionell erzeugt werden, nicht sehr groß sein mag?
Es gibt im Wesentlichen drei Gruppen von Menschen:
Die erste Gruppe besteht aus jenen, die, wie Sie zu bedenken geben, Tiere nicht kümmern und die niemals Veganer werden, zumindest nicht aus aus ethischen Gründen. Diejenigen, welche in diese Gruppe fallen, sind erklärtermaßen nicht bereit, mehr für Nahrungsmittel zu zahlen, die als in ''humanerer'' Art und Weise produziert vermarktet werden.
Falls Ihnen vorschwebt, dass besagte Leute wirksam dazu gezwungen werden könnten, ''humaner'' produzierte Nahrungsmittel zu kaufen, wenn wir bestimmte Reformen in nationaler Gesetzgebung realisieren, dann gibt es hierzu mindestens zwei Überlegungen:
Zunächst ist jede Tierschutzmaßnahme, die das Leiden von Tieren in irgendeiner bedeutsamen Weise vermindert und auf alle inländisch produzierten Nahrungsmittel anwendbar ist (und nicht auf eine Marktnische für wohlhabende Konsumenten abzielt), kostenträchtig und hat einen erheblichen Preisanstieg zur Folge. Dies würde eine politische Reaktion hervorrufen, die sicherstellen würde, dass die Reform entweder nicht in Kraft träte oder bis zu völliger Bedeutungslosigkeit abgeschwächt würde.
Zweitens ist es, selbst wenn Reformen gesetzlich realisiert würden, nicht klar, dass unter den verschiedenen Freihandelsabkommen der Import von Tierprodukten, die unter konventionellen Bedingungen produziert werden, blockiert werden könnte. Soweit Menschen in dieser ersten Gruppe sich um Tiere keine Gedanken machen und sie nicht bereit sind, einen Preisaufschlag für vermeintlich ''humanere'' Produkte zu zahlen, werden sie einfach Produkte von einer konventionellen Quelle kaufen.
Ihnen dürfte bekannt sein, dass es in Europa einen beträchtlichen Widerstand gegen inländische Gesetzgebung, mit der beabsichtigt ist, Tierschutzdirektiven der EU einzuführen, gegeben hat.
Die zweite Gruppe umfasst jene, die um Tiere besorgt sind und Veganer werden würden, wenn ihnen ein gutes Argument dafür präsentiert würde, dass wir keinerlei Tierprodukte essen sollen und dass es keinen moralischen Unterschied zwischen Fleisch und Milch oder Eiern gibt.
Wenn Sie diesen Menschen erzählen, sie könnten ihre moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber damit erfüllen, käfig-freie Eier [Eier aus Bodenhaltung] zu essen oder Fleisch mit dem Certified-Humane-Raised-&-Handled-Label [Zertifiziert aufgezogen und behandelt], dem Animal-Compassionate-Label [Mitgefühl für Tiere] oder mit irgendeinem der anderen ''Bio-Fleisch''-Etiketts oder dass sie, laut Kommentatoren wie Peter Singer, ''sich gelegentlich den Luxus von Freilandeiern oder vielleicht sogar von Fleisch von Tieren leisten (können), die ein gutes Leben unter artgerechten Bedingungen hatten und dann human auf dem Hof getötet werden''; wenn Sie ihnen das erzählen, anstatt an sie mit einer klaren veganen Botschaft heranzutreten, dann kann es gut sein, dass diese Menschen nicht Veganer werden.
Ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft Anwälte der Tiere mir sagten, sie seien jahrelang Vegetarier gewesen, hätten aber angefangen, vegan zu leben, nachdem sie eine Vorlesung von mir oder ein Interview mit mir gehört oder etwas von dem gelesen hätten, was ich darüber geschrieben habe, dass es keinen [moralisch relevanten ] Unterschied zwischen Fleisch und Milch gibt und alles andere als Veganismus Tierausbeutung ist.
Zum Beispiel schrieb mir als Reaktion auf ein Seminar über Tierrechte, das ich in einem Tierheim gegeben hatte, ein dort ehrenamtlich Tätiger:
Ich war 12 Jahre lang Vegetarier und bin Veganer, seit ich das Tierheim nach Ihrem Besuch verlassen habe. Ich denke, es war das von Ihnen gegebene Beispiel von Simon dem Sadisten, das wirklich gesessen hat. In jedem Fall möchte ich Ihnen danken dafür, dass Sie gekommen sind, um hier zu sprechen. Veganer geworden zu sein hat mich wirklich dafür geöffnet, die Widersprüche in meinem Leben neu zu bewerten, ganz abgesehen von all dem tollen Essen, das ich sonst nicht ausprobiert hätte, weil es so leicht war, ein [Käse-]Pizza bestellender Vegetarier zu sein.(Sie können das Simon-der-Sadist-Beispiel hier nachlesen.)
Als Reaktion auf mein Interview in The Vegan schreib eine Leserin:
Am Ende des Interviews sagen Sie: ''Ich verwende eine Menge Zeit darauf, mit meinen Freunden über Veganismus zu sprechen, und bin froh, dass die meisten von ihnen Veganer geworden sind. Und ich höre niemals auf, zu versuchen, die anderen zu überzeugen. Niemals.''Ich bekomme Dutzende solcher Mitteilungen. Das Gleiche passiert Bob und Jenna Torres auf Vegan Freaks. Wir sprechen fast wöchentlich über Emails und Anrufe, die wir von Leuten erhalten, die Veganer werden, weil sie es schließlich ''kapieren''. Sie dachten, weniger zu tun, als vegan zu leben, sei moralisch vertretbar, weil dies genau das war, was die ''Bewegung'' ihnen erzählte.
Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass ich ein von Ihnen Bekehrter bin! Vegetarierin seit 30 Jahren, bin ich vor einem Jahr Veganerin geworden, nachdem ich einige Online-Texte von Ihnen gelesen hatte, auf die meine vegane Tochter mich aufmerksam gemacht hatte. Meine Reaktion war: ''Ja, das ist vollkommen richtig'', und ich bedauere, nicht schon vor Jahrzehnten Veganerin geworden zu sein.
Ich unterstütze voll und ganz Ihre Einstellung, die so offenkundig richtig, wahr und klarsichtig ist, dass es manchmal schwer fällt zu verstehen, warum das nicht jeder sehen kann.
Die dritte Gruppe besteht aus jenen, die nicht auf der Stelle Veganer werden, selbst wenn Sie sie mit einer überzeugenden veganen Botschaft ansprechen.
Sollten wir diese Leute dazu ermutigen, käfig-freie Eier oder ''Bio-Fleisch'' zu konsumieren, oder Fleisch wegzulassen, aber nicht Mich, als Schritt in Richtung Veganismus?
Meiner Meinung nach nicht.
Manche Tierschützer denken, dass wenn Sie jemandem die Botschaft, vegan zu leben, vermitteln, der nicht sofort bereit ist, es zu tun, derjenige gar nichts tun wird. Worauf gründet sich diese Annahme? Tatsächlich sagt uns der gesunde Menschenverstand das Gegenteil. Wenn Sie die Botschaft des Veganismus an jemanden richten, der sich über Tierethik Gedanken macht, aber noch nicht bereit ist, vegan zu leben, wird dieser Mensch höchstwahrscheinlich weniger tun, als vegan zu leben, aber er wird nicht nichts tun. Aber Sie können absolut sicher sein, dass er, wenn Sie jemandem erzählen, er brauche nicht vegan zu leben, um seine moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber zu erfüllen, es auch nicht tun wird. Wenn Sie Leuten in dieser Gruppe sagen, es sei moralisch akzeptabel, käfig-freie Eier oder ''Bio-Fleisch'' zu essen oder ''pflichtbewusste Allesesser'' zu sein, dann ist dies genau das und alles, was sie tun werden.
Wenn Sie die vegane Position verständlich erklären, wird jemand, der wirklich nicht gleichgültig ist, aber nicht umgehend Veganer werden will, etwas tun, das weniger als Veganismus ist. Die Frage ist, was sollte er tun?
Wenn wir es mit einem Anwalt der Tiere zu tun haben, der, nachdem er die Argumente für Veganismus erwogen hat, erklärt, dass er nicht auf der Stelle Veganer wird, ist die Antwort nicht, ihm vorzuschlagen, käfig-freie Eier oder ''Bio-Fleisch'' von Whole Foods zu essen.
Indem Sie diesen Vorschlag machen, ermutigen Sie ihn, zu glauben, es gebe einen Unterschied zwischen Eiern aus einer Legebatterie und solchen aus Bodenhaltung oder zwischen ''Bio-Fleisch'' von Whole Foods und konventionellem Fleisch. Es gibt keinen bedeutsamen Unterschied. Es ist alles grässlich. Die ''Bio-Fleisch''-Bewegung lässt die Menschen sich wohler beim Konsumieren von Tieren und Tierprodukten fühlen und ermutigt sie, Tiere und Tierprodukte zu konsumieren.
Es gibt keinen Unterschied zwischen Fleisch und Milch. Zu sagen, Sie äßen kein Fleisch, aber Milchprodukte oder Eier, ist wie zu sagen, Sie äßen große Kühe, aber keine kleinen. In einem Glas Milch steckt ebenso viel Leid wie in einem Pfund Steak, und alle diese Tiere enden im selben Schlachthaus, wonach wir sie ohnehin essen.
Zudem tendieren viele Menschen, wenn sie Fleisch aufgeben, dazu, mehr Milchprodukte und Eier zu essen. Was für ein ''Fortschritt'' ist das?
Wir sollten immer klarstellen, dass es keinen moralischen Unterschied zwischen Fleisch und allem anderen gibt. Es ist alles schlimm. Es ist alles Teil der Ausbeutung von Tieren, und nichts davon kann moralisch gerechtfertigt werden.
Eine bessere praktische Lösung ist es, einen schrittweisen Zugang vorzuschlagen, der stärker mit der Vorstellung übereinstimmt, dass wir keine Tierprodukte essen sollten.
Oft schlage ich jemandem in dieser dritten Gruppe vor, eine vegane Mahlzeit pro Tag für ein oder zwei Wochen zu essen. Und dann zwei Mahlzeiten in der dritten und vierten Woche und drei Mahlzeiten in der fünften und sechsten Woche. Ich versorge ihn mit Informationen über vegane Ernährung und leite ihn zu einigen der hervorragenden Websites, die so deutlich demonstrieren, wie einfach es ist, vegan zu leben, und die eine breite Palette der vorzüglichen und nahrhaften Angebote, die erhältlich sind, bieten.
Ich denke, es ist sehr wichtig, ehrlich zu den Menschen zu sein und ihnen zu erklären, dass in unserer Gesellschaft, die von Tierausbeutung durchdrungen ist, es unmöglich ist, Tierausbeutung komplett zu vermeiden. Was aber absolut sicher ist, ist dies, dass Sie, wenn Sie nicht vegan leben, Tierausbeuter sind. Es ist unerlässlich, dass jenen, die um Tiere besorgt sind, deutlich gesagt wird, dass dies nicht genug ist. Sie müssen Ihren Prinzipien entsprechend handeln.
Obwohl der von mir beschriebene schrittweise Zugang besser ist, als käfig-freie Eier und ''Bio-Fleisch'' zu konsumieren und mehr Profit in die Taschen von Tierausbeutern zu stecken, deren Produkte mehr kosten, aber nicht ''humaner'' sind als konventionelle, ist es wichtig, jedem, den diese Probleme kümmern, vor Augen zu führen, dass alles, was weniger als Veganismus ist, bedeutet, den eigenen Genuss über das Leben und Leiden der Tiere zu stellen, die sie weiterhin essen. Wir sollten niemals das Essen irgendeines Tierproduktes unter irgendwelchen Umständen ''billigen''. Wir sollten stets deutlich und unzweideutig Singers Ansicht zurückweisen, dass ein konsequenter Veganer zu sein ''fanatisch'' ist oder dass wir die Verpflichtung haben, nicht vegan zu essen, wenn dies zu tun andere zu der Reaktion veranlasst, zu sagen: ''Oh mein Gott, diese Veganer...''
Das eine, was ich niemals tue, ist die Vorstellung zu verstärken – die von den großen Tierschutzgruppen befördert wird –, dass Veganismus einen schwierige Veränderung des Lifestyles bedeutet und nur für jene realisierbar ist, die gut darin sind, sich selbst aufzuopfern, und über mönchische Selbstdisziplin verfügen. Ich sage ihnen die Wahrheit: Veganismus ist leicht. Delikates, nahrhaftes veganes Essen muss nicht teuer sein. Und ich betone, dass es, wenn es ihnen mit Tierethik ernst ist, keine andere Wahl gibt.
Und was unsere Öffentlichkeitsarbeit anbelangt, bedenken Sie, dass es ein Nullsummenspiel ist. Unsere Zeit und unsere Ressourcen sind begrenzt. Die Zeit und Ressourcen, die Sie darauf verwenden, für Bio-Fleisch und [andere] Bio-Tierprodukte Werbung zu machen, verwenden Sie nicht auf klare, unzweideutige Aufklärung über Veganismus. Letzteres zu tun ist der beste Weg, die Nutzung und das Leiden [von Tieren] kurzfristig zu vermindern, und es ist der einzige Weg, langfristig eine abolitionistische Bewegung aufzubauen, die das moralische Leitbild weg vom Status von Tieren als Eigentum verändern kann.
Die ''Bio-Fleisch/ Milch/ Eier''-Bewegung schließt eine notwendige Allianz zwischen Anwälten der Tiere und institutionellen Ausbeutern ein, in der Tierschützer quasi die Partner der Tierindustrie sind, Werber für ''humanes'' Fleisch, ''humane'' Milch und ''humane'' Eier''. Der abolitionistische Ansatz lehnt diese Allianz ab.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 23 May 2007
''Oh mein Gott, diese Veganer...'
von Gary L. Francione Blog
In der andauernden Debatte zwischen denen, die den abolitionistischen Ansatz fördern, und jenen, die den Tierschutzansatz vorantreiben, behaupten einige der Tierschützer, dass sie Veganismus unterstützen, und dass es deshalb hinsichtlich des Essens und Gebrauchs von Tierprodukten in Wirklichkeit wenig Unterschied zwischen den beiden Ansätzen gebe.
Es ist wichtig zu verstehen, dass in dem Maß, in dem Tierschützer Veganismus unterstützen, die abolitionistische Position zum Veganismus sich sehr von der des Tierschutzes unterscheidet.
Abolitionisten sehen Veganismus als nicht verhandelbare moralische Grundlinie einer Bewegung, die den Standpunkt vertritt, dass wir alle Tiernutzung abschaffen sollten, wie immer ''human'' unsere Behandlung von Tieren sein mag. Die abolitionistische Position ist die, dass Tiere einen ihnen innewohnenden Eigenwert haben und dass wir sie niemals töten und essen sollten, selbst wenn sie ''human'' aufgezogen und getötet worden sind. Abolitionisten betrachten Veganismus als einen Selbstzweck – als einen Ausdruck des Prinzips der Abolition im Leben des Einzelnen.
Abolitionistische Veganer kämpfen nicht für Tierschutzreformen, die Tierausbeutung vermeintlich ''humaner'' machen. Es ist natürlich ''besser'', jemandem weniger Schaden zuzufügen als mehr Schaden, aber wir haben keine moralische Rechtfertigung dafür, Tieren überhaupt erst einen Schaden zuzufügen. Es ist ''besser'', wenn ein Vergewaltiger das Vergewaltigungsopfer nicht prügelt, aber das macht Vergewaltigung ohne Prügel nicht moralisch akzeptabel oder eine Kampagne für ''humane'' Vergewaltigung zu etwas, das wir tun sollten.
Abolitionisten betrachten Veganismus als die wichtigste Form des schrittweisen Wandels und sie verwenden ihre Zeit und Ressourcen eher darauf, andere über Veganismus aufzuklären und über die Notwendigkeit, damit aufzuhören, Tiere insgesamt zu nutzen, als damit, zu versuchen, Menschen dazu zu überreden, ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung] oder Fleisch von Tieren zu kaufen, die in großen Zellen eingesperrt waren.
Soweit Tierschützer irgendeine Form von Veganismus befürworten (und viele tun das nicht), sehen sie ihn nicht als Selbstzweck, sondern lediglich als ein Mittel zu dem Zweck, Tierleid zu vermindern. Sie sehen Tiernutzung nicht als das Hauptproblem; sie denken, dass es für Menschen zulässig sein kann, Tiere zu töten und zu essen, und dass das Hauptproblem darin besteht, wie wir Tiere behandeln. Tierschützer, die Veganismus fördern, argumentieren,, dass wir wegen der Schwierigkeit, tierliche Nahrungsmittel zu bekommen, die auf eine moralisch akzeptable Weise produziert worden sind, überwiegend vegan leben sollten, dass es aber zulässig sei, ''flexibler'' Veganer zu sein und auch nichtvegan zu essen. Da Tierschützer sich eher auf die Behandlung von Tieren als auf ihr Genutztwerden konzentrieren, kämpfen sie für Dinge wie ''käfig-freie'' Eier oder Alternativen zum Kastenstand für schwangere Sauen.
Die meisten derjenigen, die diese Sichtweise unterschreiben, stimmen mit der Position des utilitaristischen Theoretikers Peter Singer überein, der ein hervorragendes Beispiel von Tierschutz-''Veganismus'' liefert.
Singer denkt nicht, dass es notwendigerweise ein Problem ist, dass wir Tiere für menschliche Zwecke nutzen, weil er das Töten von Tieren nicht als notwendigerweise unmoralisch erachtet. Laut Singer sind Tiere (mit der Ausnahme der Großen Menschenaffen und vielleicht einiger weniger anderer Spezies) nicht selbst-bewusst und spielt es für sie nicht wirklich eine Rolle, dass wir sie nutzen, sondern nur, wie wir sie nutzen. Dies führt Singer dahin zu sagen, dass es moralisch akzeptabel sein kann, ein ''Allesesser mit gutem Gewissen'' zu sein, wenn wir sorgfältig darauf achten, nur Tiere zu essen, die in einer ''humanen'' Weise aufgezogen und getötet worden sind.
Zum Beispiel stellt Singer in seinem Interview in The Vegan 2006 fest:
Ich erörtere Singers Ansicht zu der Frage des Tötens von Tieren ausführlich in meinem Essay Tödlicher ''Luxus''.
Singers Fokus auf der Behandlung, nicht auf dem Töten von Tieren führt zu der Position, dass Veganismus einfach ein Weg unter einer Anzahl anderer ist, Leiden zu vermindern, dass es aber nichts zwingend Verpflichtendes oder Erforderliches am Veganismus gibt, weil nichts per se Falsches im Töten von Tieren ist. Tatsächlich betrachtet Singer es, konsequent vegan zu leben, als ''fanatisch''.
Und viele Tierschützer sprechen von Veganismus in dieser Weise. Zum Beispiel stellt Paul Shapiro, Direktor der HSUS-Kampagne gegen Masssentierhaltung, fest:
Für die Tierschützer ist das grundlegende Problem die Behandlung , nicht die Nutzung von Tieren. Wie Singer feststellt:
Aber wie die Debatte peinlich deutlich gemacht hat, übertreibt Marcustrotz seiner mangelnden Kenntnis der relevanten Fakten den Tieren durch Tierschutzregulierungen gebotenen Schutz. Darüber hinaus ist ihm anscheinend nicht bewusst, wie Tierschutzreformen die soziale Akzeptanz von Tierausbeutung und den Konsum von Tierprodukten erhöhen, und auch nicht, inwiefern diese Reformen im wirtschaftlichen Interesse der institutionellen Tierausbeuter sind. Ein Essay des britischen Soziologen Dr. Roger Yates enthüllt die verblüffende Ahnungslosigkeit von Marcus und seiner Kollegen bei HSUS über die Grundlagen institutioneller Tierausbeutung.
Wie andere Tierschutz-''Veganer'' behauptet Marcus, dass es zulässig ist, Nahrungsmittel zu essen, die nicht vegan sind, solange sie ''im Wesentlichen vegan'' sind, und er macht regelmäßig Werbung für Produkte, die angeblich ''humaner'' produziert wurden. Ich bezweifle nicht Marcus' Redlichkeit, aber ich bin entschieden anderer Meinung als er.
Diese ursächliche Einstellung zum Veganismus ist für Tierschützer charakteristisch. In einem Artikel vom Dezember 2006 über Dan Matthews von PETA gehen Matthews und der Autor zu McDonald's essen und der Autor fragt, ob es OK sei, wenn er einen Cheeseburger bestelle. Matthews wird mit der Antwort zitiert: ''Bestellen Sie, was Sie wollen... Die Hälfte unserer Mitglieder ist Vegetarier, die andere Hälfte hält es für eine gute Idee.'' Einmal beiseite lassend, dass Matthews bei McDonald's isst und dem Reporter anheim stellt, zu bestellen, was dieser wolle, und ohne erkennbare Betroffenheit verkündet, dass PETAs Mitglieder nur zur Hälfte ''Vegetarier'' (geschweige Veganer) sind, Matthews aß selbst ein Produkt – den sogenannten ''Veggieburger'' –, von dem nicht einmal McDonald's behauptet, dass er vegetarisch sei angesichts des Umstandes, dass er auf demselben Grill wie Fleischprodukte und zusammen mit Tierprodukten zubereitet wird.
Abolitionisten weisen die Tierschutzposition zum Veganismus zurück, sowohl weil diese ausdrücklich Speziesismus und Ausbeutung billigt, als auch weil sie in strategischer Hinsicht kontraproduktiv ist. Wenn Sie jemandem erklären, dass es keine moralische Rechtfertigung für das Essen irgendeines tierlichen Nahrungsmittels gibt, mag er nicht auf der Stelle alle aufgeben, aber Sie vertreten einen klaren und konsequenten Standpunkt, und Sie geben ein klares Ziel vor, das es anzustreben gilt. Wenn Sie ihm aber sagen, dass es moralisch zulässig ist, weniger zu tun, als vegan zu leben, können Sie sicher sein, dass er höchstwahrscheinlich keinen Grund sehen wird, weiter zu gehen. Wenn Sie Leute wie Singer, den sogenannten ''Vater'' der Bewegung haben, die den Menschen erzählen, dass sie moralisch handeln können dadurch, ''Allesesser mit gutem Gewissen'' zu sein, dann ist dies genau das, was viele tun werden.
Zum Abschluss: Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen abolitionistischem Veganismus und dem ''Veganismus'' der Tierschützer. Letztere sehen Veganismus als ein Mittel, um Leiden zu mindern, nicht aber als moralische Grundlinie.
Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen einer Person, der den Standpunkt vertritt, dass Sexismus immer falsch ist, und einer, die sagt, wir sollten in Bezug auf Sexismus ''flexibel'' sein und uns die ''Schwäche'' gönnen, ein wenig sexistisch zu sein, oder dass wir sogar eine moralische Verpflichtung haben, uns unter bestimmten Umständen sexistisch zu betätigen, weil wir es vermeiden sollten, die Reaktion hervorzurufen:''Oh mein Gott, diese FeministInnen...''
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
In der andauernden Debatte zwischen denen, die den abolitionistischen Ansatz fördern, und jenen, die den Tierschutzansatz vorantreiben, behaupten einige der Tierschützer, dass sie Veganismus unterstützen, und dass es deshalb hinsichtlich des Essens und Gebrauchs von Tierprodukten in Wirklichkeit wenig Unterschied zwischen den beiden Ansätzen gebe.
Es ist wichtig zu verstehen, dass in dem Maß, in dem Tierschützer Veganismus unterstützen, die abolitionistische Position zum Veganismus sich sehr von der des Tierschutzes unterscheidet.
Abolitionisten sehen Veganismus als nicht verhandelbare moralische Grundlinie einer Bewegung, die den Standpunkt vertritt, dass wir alle Tiernutzung abschaffen sollten, wie immer ''human'' unsere Behandlung von Tieren sein mag. Die abolitionistische Position ist die, dass Tiere einen ihnen innewohnenden Eigenwert haben und dass wir sie niemals töten und essen sollten, selbst wenn sie ''human'' aufgezogen und getötet worden sind. Abolitionisten betrachten Veganismus als einen Selbstzweck – als einen Ausdruck des Prinzips der Abolition im Leben des Einzelnen.
Abolitionistische Veganer kämpfen nicht für Tierschutzreformen, die Tierausbeutung vermeintlich ''humaner'' machen. Es ist natürlich ''besser'', jemandem weniger Schaden zuzufügen als mehr Schaden, aber wir haben keine moralische Rechtfertigung dafür, Tieren überhaupt erst einen Schaden zuzufügen. Es ist ''besser'', wenn ein Vergewaltiger das Vergewaltigungsopfer nicht prügelt, aber das macht Vergewaltigung ohne Prügel nicht moralisch akzeptabel oder eine Kampagne für ''humane'' Vergewaltigung zu etwas, das wir tun sollten.
Abolitionisten betrachten Veganismus als die wichtigste Form des schrittweisen Wandels und sie verwenden ihre Zeit und Ressourcen eher darauf, andere über Veganismus aufzuklären und über die Notwendigkeit, damit aufzuhören, Tiere insgesamt zu nutzen, als damit, zu versuchen, Menschen dazu zu überreden, ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung] oder Fleisch von Tieren zu kaufen, die in großen Zellen eingesperrt waren.
Soweit Tierschützer irgendeine Form von Veganismus befürworten (und viele tun das nicht), sehen sie ihn nicht als Selbstzweck, sondern lediglich als ein Mittel zu dem Zweck, Tierleid zu vermindern. Sie sehen Tiernutzung nicht als das Hauptproblem; sie denken, dass es für Menschen zulässig sein kann, Tiere zu töten und zu essen, und dass das Hauptproblem darin besteht, wie wir Tiere behandeln. Tierschützer, die Veganismus fördern, argumentieren,, dass wir wegen der Schwierigkeit, tierliche Nahrungsmittel zu bekommen, die auf eine moralisch akzeptable Weise produziert worden sind, überwiegend vegan leben sollten, dass es aber zulässig sei, ''flexibler'' Veganer zu sein und auch nichtvegan zu essen. Da Tierschützer sich eher auf die Behandlung von Tieren als auf ihr Genutztwerden konzentrieren, kämpfen sie für Dinge wie ''käfig-freie'' Eier oder Alternativen zum Kastenstand für schwangere Sauen.
Die meisten derjenigen, die diese Sichtweise unterschreiben, stimmen mit der Position des utilitaristischen Theoretikers Peter Singer überein, der ein hervorragendes Beispiel von Tierschutz-''Veganismus'' liefert.
Singer denkt nicht, dass es notwendigerweise ein Problem ist, dass wir Tiere für menschliche Zwecke nutzen, weil er das Töten von Tieren nicht als notwendigerweise unmoralisch erachtet. Laut Singer sind Tiere (mit der Ausnahme der Großen Menschenaffen und vielleicht einiger weniger anderer Spezies) nicht selbst-bewusst und spielt es für sie nicht wirklich eine Rolle, dass wir sie nutzen, sondern nur, wie wir sie nutzen. Dies führt Singer dahin zu sagen, dass es moralisch akzeptabel sein kann, ein ''Allesesser mit gutem Gewissen'' zu sein, wenn wir sorgfältig darauf achten, nur Tiere zu essen, die in einer ''humanen'' Weise aufgezogen und getötet worden sind.
Zum Beispiel stellt Singer in seinem Interview in The Vegan 2006 fest:
[U]m zu vermeiden, Tieren Leiden zuzufügen – ganz abgesehen von den Umweltkosten der intensiven Tierproduktion – müssen wir die Tierprodukte, die wir konsumieren, drastisch einschränken. Aber bedeutet das ein vegane Welt? Dies ist eine Lösung, aber nicht notwendigerweise die einzige. Wenn es eher das Zufügen von Leiden als das Töten ist, über das wir besorgt sind, dann kann ich mir auch eine Welt vorstellen, in der die Menschen größtenteils pflanzliche Nahrungsmittel essen, aber sich gelegentlich den Luxus von Freilandeiern gönnen oder möglicherweise sogar das Fleisch von Tieren, die ein gutes Leben unter artgerechten Bedingungen haben und dann human auf dem Hof getötet werden.In seinem Interview in Mother Jones vom Mai 2006 stellt Singer fest:
[E]s gibt ein klein wenig Spielraum für Schwächen in unser aller Leben. Ich kenne einige Menschen, die zuhause vegan sind, aber wenn sie ausgehen, in ein schickes Restaurant gehen, erlauben sie sich den Luxus, an diesem Abend nicht vegan zu essen. Ich sehe daran nichts wirklich Verkehrtes.
Ich esse kein Fleisch; ich bin seit 1971 Vegetarier. Ich bin schrittweise zunehmend vegan geworden. Ich bin weitgehend vegan, aber ich bin ein flexibler Veganer. Ich gehe nicht in einen Supermarkt und kaufe für mich selbst nichtvegane Sachen. Aber wenn ich auf Reisen bin oder Leute zuhause besuche, bin ich durchaus bereit, vegetarisch statt vegan zu essen.In einem Interview in dem Neuen-Tierschutz-Magazin Satya vom Oktober 2006 bemerkt Singer:
Wenn ich für mich selbst einkaufe, ist das, was ich kaufe, vegan. Aber wenn ich reise und es schwer ist, an einigen Orten veganes Essen zu bekommen oder was auch immer, bin ich Vegetarier.Ich esse keine Eier, wenn sie nicht aus Freilandhaltung sind, aber ich esse Freilandeier. Ich bestelle kein Gericht mit viel Käse drauf, aber es macht mir nichts aus, wenn sagen wir ein indisches Gemüsecurry mit Ghee gekocht wurde.Singer argumentiert, dass es Gelegenheiten gibt, wo wir eine moralische Verpflichtung haben, nicht Veganer zu sein:
Ich denke, es ist wichtiger zu versuchen, eine Veränderung in die richtige Richtung herbeizuführen, als selbst persönlich rein zu sein. Wenn Sie also mit jemandem in ein Restaurant essen gehen und etwas Veganes bestellen, aber es wird mit ein bisschen geriebenem Käse oder dergleichen serviert, dann machen Veganer manchmal einen Riesenaufstand und schicken es zurück, und das dürfte bedeuten, dass das Essen weggeworfen wird. Und ich denke, wenn Sie in Gesellschaft von Leuten sind, die nicht Veganer oder nicht einmal Vegetarier sind, ist es wahrscheinlich falsch, sich so zu verhalten. Es wäre besser, das Gericht zu essen, weil die Leute sonst denken: 'Oh mein Gott, diese Veganer...'Es kann natürlich kein moralischer Unterschied zwischen Fleisch und Milchprodukten oder Eiern gemacht werden. Deshalb wäre Singer zu dem Standpunkt verpflichtet, dass wenn Sie mit Nichtvegetariern n einem Restaurant wären und bestellten ein vegetarisches Gericht, nur um es mit ein bisschen Schinken oder anderem Fleisch darauf serviert zu bekommen, oder wenn Ihr nichtvegetarischer Gastgeber Ihnen auf einer Dinnerparty Fleisch serviert, Sie sehr wohl verpflichtet sein könnten, es zu essen, um die Leute davon abzuhalten zu denken: ''Oh mein Gott, diese Vegetarier...''
Ich erörtere Singers Ansicht zu der Frage des Tötens von Tieren ausführlich in meinem Essay Tödlicher ''Luxus''.
Singers Fokus auf der Behandlung, nicht auf dem Töten von Tieren führt zu der Position, dass Veganismus einfach ein Weg unter einer Anzahl anderer ist, Leiden zu vermindern, dass es aber nichts zwingend Verpflichtendes oder Erforderliches am Veganismus gibt, weil nichts per se Falsches im Töten von Tieren ist. Tatsächlich betrachtet Singer es, konsequent vegan zu leben, als ''fanatisch''.
Und viele Tierschützer sprechen von Veganismus in dieser Weise. Zum Beispiel stellt Paul Shapiro, Direktor der HSUS-Kampagne gegen Masssentierhaltung, fest:
Der Grund, warum ich vegan lebe, ist der, dass ich es als ein Instrument sehe, um Tierleid vermindern zu helfen. Vegan Outreach hat darüber ausführlich geschrieben und ich stimme mit ihnen überein. Sie schreiben, dass vegan zu essen 'kein Selbstzweck (ist).Es ist kein Dogma, keine Religion, auch keine Liste verbotener Inhaltsstoffe oder unveränderlicher Gesetze – es ist nur ein Instrument der Ablehnung von Grausamkeit und der Verminderung von Leiden.'Mit anderen Worten, Veganismus ist nur eine Art und Weise, neben größeren Käfigen und anderen Tierscutzreformen, Leiden zu mindern. Damit rechtfertigt Shapiro offenbar das Bewerben von ''käfig-freien'' Eiern als ''sozial verantwortlich'', das Führen von Kampagnen für andere Tierschutzreformen und das Arbeiten als Teil der Koalition, die das Certified-Humane-Raised-and-Handled-Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt] unterstützt.
Für die Tierschützer ist das grundlegende Problem die Behandlung , nicht die Nutzung von Tieren. Wie Singer feststellt:
Es ist ziemlich schwierig, ein Allesesser mit gutem Gewissen zu sein, und alle ethischen Probleme zu vermeiden, aber wenn Sie wirklich kompromisslos darin wären, nur Tiere zu essen, die ein gutes Leben hatten, dann könnte dies eine ethisch vertretbare Position sein.Im Februar 2007 hatte ich eine Podcast-Debatte mit Erik Marcus von Erik's Diner. Marcus ist ein enthusiastischer Befürworter von bedeutungslosen Tierschutzreformen, einschließlich ''käfig-freien'' Eiern.
Aber wie die Debatte peinlich deutlich gemacht hat, übertreibt Marcustrotz seiner mangelnden Kenntnis der relevanten Fakten den Tieren durch Tierschutzregulierungen gebotenen Schutz. Darüber hinaus ist ihm anscheinend nicht bewusst, wie Tierschutzreformen die soziale Akzeptanz von Tierausbeutung und den Konsum von Tierprodukten erhöhen, und auch nicht, inwiefern diese Reformen im wirtschaftlichen Interesse der institutionellen Tierausbeuter sind. Ein Essay des britischen Soziologen Dr. Roger Yates enthüllt die verblüffende Ahnungslosigkeit von Marcus und seiner Kollegen bei HSUS über die Grundlagen institutioneller Tierausbeutung.
Wie andere Tierschutz-''Veganer'' behauptet Marcus, dass es zulässig ist, Nahrungsmittel zu essen, die nicht vegan sind, solange sie ''im Wesentlichen vegan'' sind, und er macht regelmäßig Werbung für Produkte, die angeblich ''humaner'' produziert wurden. Ich bezweifle nicht Marcus' Redlichkeit, aber ich bin entschieden anderer Meinung als er.
Diese ursächliche Einstellung zum Veganismus ist für Tierschützer charakteristisch. In einem Artikel vom Dezember 2006 über Dan Matthews von PETA gehen Matthews und der Autor zu McDonald's essen und der Autor fragt, ob es OK sei, wenn er einen Cheeseburger bestelle. Matthews wird mit der Antwort zitiert: ''Bestellen Sie, was Sie wollen... Die Hälfte unserer Mitglieder ist Vegetarier, die andere Hälfte hält es für eine gute Idee.'' Einmal beiseite lassend, dass Matthews bei McDonald's isst und dem Reporter anheim stellt, zu bestellen, was dieser wolle, und ohne erkennbare Betroffenheit verkündet, dass PETAs Mitglieder nur zur Hälfte ''Vegetarier'' (geschweige Veganer) sind, Matthews aß selbst ein Produkt – den sogenannten ''Veggieburger'' –, von dem nicht einmal McDonald's behauptet, dass er vegetarisch sei angesichts des Umstandes, dass er auf demselben Grill wie Fleischprodukte und zusammen mit Tierprodukten zubereitet wird.
Abolitionisten weisen die Tierschutzposition zum Veganismus zurück, sowohl weil diese ausdrücklich Speziesismus und Ausbeutung billigt, als auch weil sie in strategischer Hinsicht kontraproduktiv ist. Wenn Sie jemandem erklären, dass es keine moralische Rechtfertigung für das Essen irgendeines tierlichen Nahrungsmittels gibt, mag er nicht auf der Stelle alle aufgeben, aber Sie vertreten einen klaren und konsequenten Standpunkt, und Sie geben ein klares Ziel vor, das es anzustreben gilt. Wenn Sie ihm aber sagen, dass es moralisch zulässig ist, weniger zu tun, als vegan zu leben, können Sie sicher sein, dass er höchstwahrscheinlich keinen Grund sehen wird, weiter zu gehen. Wenn Sie Leute wie Singer, den sogenannten ''Vater'' der Bewegung haben, die den Menschen erzählen, dass sie moralisch handeln können dadurch, ''Allesesser mit gutem Gewissen'' zu sein, dann ist dies genau das, was viele tun werden.
Zum Abschluss: Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen abolitionistischem Veganismus und dem ''Veganismus'' der Tierschützer. Letztere sehen Veganismus als ein Mittel, um Leiden zu mindern, nicht aber als moralische Grundlinie.
Es gibt einen himmelweiten Unterschied zwischen einer Person, der den Standpunkt vertritt, dass Sexismus immer falsch ist, und einer, die sagt, wir sollten in Bezug auf Sexismus ''flexibel'' sein und uns die ''Schwäche'' gönnen, ein wenig sexistisch zu sein, oder dass wir sogar eine moralische Verpflichtung haben, uns unter bestimmten Umständen sexistisch zu betätigen, weil wir es vermeiden sollten, die Reaktion hervorzurufen:''Oh mein Gott, diese FeministInnen...''
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 2 May 2007
Die vier Probleme des Tierschutzes: kurz und bündig
von Gary L. Francione Blog
Eine Anzahl von Lesern hat mich gebeten, etwas zu schreiben, das sie herunterladen und als kurze Antwort für jene Anwälte der Tiere verwenden können, die den Tierschutzansatz fördern und nicht verstehen, weshalb dieser Ansatz unvereinbar mit einer Rechtsposition/ abolitionistischen Position ist.
Ich hoffe, dies hier ist dienlich.
Es gibt mindestens vier Probleme mit der tierethischen Herangehensweise des Tierschutzes.
Erstens bieten tierschützerische Maßnahmen einen geringen Schutz tierlicher Interessen, wenn überhaupt. Zum Beispiel führte der Verein People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) eine Kampagne, um McDonald's und andere Fast-Food-Ketten dazu zu bewegen, Temple Grandins Handhabungs- und Schlachtmethoden zu übernehmen. Aber ein Schlachthaus, das Grandins Richtlinien folgt und eines, das es nicht tut, sind beide grässliche Orte. Es grenzt an Wahnvorstellungen, etwas anderes zu behaupten.
Eine Anzahl von Tierschutzgruppen kämpfen für Alternativen zum Kastenstand für Schweine. Aber bei näherer Betrachtung laufen diese Maßnahmen, die kostspielige Kampagnen einschließen, nicht wirklich auf viel hinaus, insofern es beträchtliche Schlupflöcher gibt, die es den institutionellen Ausbeutern erlauben, in jedem Fall zu machen, was sie wollen. Ich habe einen Blogessay: Ein ''Triumph'' des Tierschutzes? über die Kampagne gegen den Kastenstand für schwangere Sauen in Florida geschrieben, der die Grenzen solcher Reformen veranschaulicht.
Das Gleiche kann über die meisten "Verbesserungen" im Tierschutz gesagt werden: Sie mögen bewirken, dass wir uns besser fühlen, aber sie erreichen sehr wenig für die Tiere.
Zweitens lassen tierschützerische Maßnahmen die Öffentlichkeit sich bei der Tierausbeutung wohler fühlen, und dies ermutigt dir fortgesetzte Nutzung von Tieren. In der Tat ist es klar, dass Menschen, die Nahrungsmittel tierlichen Ursprungs wegen Besorgnis über die Behandlung von Tieren gemieden haben, dazu zurückkehren, sie zu essen, nachdem ihnen von großen Tierschutzorganisationen erklärt worden ist, dass Tiere "humaner" behandelt werden. Ich diskutiere dieses Problem in meinem Blogessay zu ''Bio-Fleisch''
Ironischerweise können Tierschutzreformen Tierleid tatsächlich vergrößern. Angenommen, wir beuten 5 Tiere aus und erlegen ihnen 10 Einheiten Leiden auf. Das sind insgesamt 50 Einheiten Leiden. Eine Tierschutzmaßnahme resultiert in einer Verringerung um eine Einheit Leiden für jedes Tier, aber der Konsum steigt auf 6 Tiere. Das sind insgesamt 54 Einheiten Leiden – eine Nettozunahme. Es steht außer Frage, dass dieses Phänomen auftritt. Zum Beispiel ist in Europa der Konsum von Kalbfleisch gestiegen infolge von Regulierungen des Einsperrens von Kälbern.
Drittens leistet Tierschutz nichts, um den Eigentumsstatus von Tieren zu beseitigen. Tierschutzstandards sind generell mit dem verknüpft, was erforderlich ist, um Tiere in effizienter Weise auszubeuten. Das heißt, Tierschutz schützt tierliche Interessen allgemein nur in dem Maß, in dem er wirtschaftliche Vorteile für Menschen bietet. Dies bekräftigt ausdrücklich den Status von Tieren als Wirtschaftsgüter, Waren, Eigentum.
Zum Beispiel fördert die Humane Society of the United States (HSUS) Tierschutzreformen, die ausdrücklich auf dem wirtschaftlichen Nutzen basieren, der aus einem effizienteren Gebrauch von Tieren als Wirtschaftsgütern resultiert. Werfen Sie einen Blick in den HSUS-Bericht über die Wirtschaftlichkeit der Übernahme von alternativen Produktionssystemen gegenüber dem Kastenstand fur schwangere Sauen, der argumentiert, dass diese Alternativsysteme die Produktivität und die Profite erhöhen, oder in den HSUS-Bericht über die Wirtschaftlichkeit der Einführung alternativer Produktionsmethoden gegenüber der Schlachtung von Geflügel mit elektrischer Betäubung, der argumentiert, dass die Vergasung der Tiere "in Kostenersparnissen und erhöhten Einnahmen resultiert durch die Verminderung der Herunterstufung der Schlachtkörper, der Verunreinigung und Kühlungskosten, die Steigerung der Fleischerträge, der Qualität und Lagerfähigkeit des Fleisches sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen."
Dieser Ansatz ist nicht auf traditionelle Tierschutzgruppen wie HSUS beschränkt. Auch die Gruppen des Neuen Tierschutzes wie PETA haben ihn übernommen. In PETAs Analyse des Tötens in kontrollierter Atmosphäre vs. elektrischer Immobilisierung vom wirtschaftlichen Standpunkt argumentiert der Verein für das Vergasen oder ''Töten in kontrollierter Atmosphäre [controlled atmosphere killing](CAK)'' von Geflügel mit der Behauptung, dass die Schlachtmethode der elektrischen Betäubung ''die Fleischqualität und den Ertrag senkt, weil die Vögel Knochenbrüche erleiden und das Verfahren zu Verunreinigungen führt, die die menschliche Gesundheit gefährden. '' Die Methode der elektrischen Betäubung ''erhöht [zudem] die Arbeitskosten'' in verschiedener Weise. PETA argumentiert, dass ''CAK die Fleischqualität und den Ertrag erhöht'', weil Knochenbrüche, Blutergüsse und Quetschungen angeblich ausgeschlossen und Verunreinigungen reduziert werden, die ''Lagerfähigkeit des Fleisches'' erhöht und ''zarteres Brustfleisch'' produziert wird. PETA macht außerdem geltend, dass ''CAK die Arbeitskosten senkt'' durch die Verminderung der Notwendigkeit gewisser Inspektionen, die Verminderung von Unfällen und geringere Arbeiterfluktuation. CAK bietet noch ''andere wirtschaftliche Vorteile'' für die Geflügelindustrie, indem sie Produzenten erlaubt, bei den Energiekosten und durch die Reduzierung des Ausschusses von Nebenprodukten und des Wasserverbrauchs Geld zu sparen.
Mit anderen Worten, HSUS, PETA und andere sind effektiv zu Beratern der Fleischindustrie geworden, um ihr dabei behilflich zu sein, Arten und Weisen der Erhöhung von Profiten aus Tierausbeutung zu ermitteln. Selbst wenn dies zu geringfügigen Verbesserungen des Tierschutzes führt, leistet es absolut nichts, um das Eigentumsparadigma in Frage zu stellen. In der Tat bekräftigt es den Status von Tieren als nichts anderes als Wirtschaftsgüter. Und es lässt Menschen sich wohler bei der Ausbeutung von Tieren fühlen.
Viertens ist es ein Nullsummenspiel. Jede Sekunde der Zeit und jeder Cent des Geldes, dafür verwendet, Tierausbeutung ''humaner'' zu machen, ist weniger Geld und Zeit, die bzw. das für Aufklärung über Veganismus/ Abolitionismus verwendet wird. Sehen Sie mal es von dieser Seite.
Nehmen wir an, Sie haben morgen zwei Stunden Zeit, für die Sache der Tiere einzutreten. Sie haben die Wahl. Sie können Literatur verbreiten, die Menschen dazu anhält, ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung] zu kaufen, oder Sie können Literatur verteilen, die Menschen dazu auffordert, überhaupt keine Eier zu essen, weil ''käfig-frei'' immer noch qualvolles Leiden und schließlich den Tod bedeutet. Sie können nicht beides tun, und selbst wenn Sie es könnten, würden sich Ihre Botschaften widersprechen und wären hoffnungslos verwirrend.
Menschen über Veganismus aufzuklären ist ein wesentlich wirksamerer Weg, Leiden kurzfristig zu reduzieren und dazu, eine abolitionistische Bewegung aufzubauen, die für bedeutsame Veränderungen in der Zukunft eintreten und diese unterstützen kann. Tierschutzreformen bieten keinen wesentlichen Schutz für die Interessen von Tieren, geben der Öffentlichkeit ein besseres Gefühl bei der Ausbeutung von Tieren, können tatsächlich die Nettobilanz des Leidens erhöhen und ziehen Ressourcen von abolitionistischer Aufklärungsarbeit ab.
Je eher die Menschen sehen, dass die Gruppen des Neuen Tierschutzes nichts mit einer abolitionistischen Perspektive zu tun haben, um so besser sind wir dran. Die Neuen Tierschützer sind zu Partnern der institutionellen Ausbeuter beim Verkauf von Tierprodukten geworden. Es ist nicht weniger als obszön, dass die Neuen Tierschützer Labels wie das Certified-Humane-Raised-&-Handled Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt], das Freedom-Food-Label [Freiheitsnahrung] und das Animal-Compassionate-Label [Mitgefühl für Tiere] entwickelt haben, um den institutionellen Ausbeutern dabei zu helfen, Tierleichen und Tierprodukte zu vermarkten. Diese Bemühungen haben nichts mit Tierrechten oder Abolitionismus zu tun. Tatsächlich sind sie genau das, dem die abolitionistische Bewegung entgegentritt.
Ja, es ist in gewissem Sinne ''besser'' , wenn Sie jemanden, den Sie umbringen, nicht foltern. Aber das macht Mord ohne Folter nicht ''mitfühlend''. Es ist ''besser, wenn Sie jemanden, den Sie vergewaltigen, nicht prügeln. Aber das macht Vergewaltigung ohne Prügeln nicht ''human''. Die Tierschutzbewegung unterstützt die Vorstellung, dass ''humanere'' Ausbeutung moralisch akzeptable Ausbeutung ist. Das ist nicht der abolitionistische Ansatz.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Eine Anzahl von Lesern hat mich gebeten, etwas zu schreiben, das sie herunterladen und als kurze Antwort für jene Anwälte der Tiere verwenden können, die den Tierschutzansatz fördern und nicht verstehen, weshalb dieser Ansatz unvereinbar mit einer Rechtsposition/ abolitionistischen Position ist.
Ich hoffe, dies hier ist dienlich.
Es gibt mindestens vier Probleme mit der tierethischen Herangehensweise des Tierschutzes.
Erstens bieten tierschützerische Maßnahmen einen geringen Schutz tierlicher Interessen, wenn überhaupt. Zum Beispiel führte der Verein People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) eine Kampagne, um McDonald's und andere Fast-Food-Ketten dazu zu bewegen, Temple Grandins Handhabungs- und Schlachtmethoden zu übernehmen. Aber ein Schlachthaus, das Grandins Richtlinien folgt und eines, das es nicht tut, sind beide grässliche Orte. Es grenzt an Wahnvorstellungen, etwas anderes zu behaupten.
Eine Anzahl von Tierschutzgruppen kämpfen für Alternativen zum Kastenstand für Schweine. Aber bei näherer Betrachtung laufen diese Maßnahmen, die kostspielige Kampagnen einschließen, nicht wirklich auf viel hinaus, insofern es beträchtliche Schlupflöcher gibt, die es den institutionellen Ausbeutern erlauben, in jedem Fall zu machen, was sie wollen. Ich habe einen Blogessay: Ein ''Triumph'' des Tierschutzes? über die Kampagne gegen den Kastenstand für schwangere Sauen in Florida geschrieben, der die Grenzen solcher Reformen veranschaulicht.
Das Gleiche kann über die meisten "Verbesserungen" im Tierschutz gesagt werden: Sie mögen bewirken, dass wir uns besser fühlen, aber sie erreichen sehr wenig für die Tiere.
Zweitens lassen tierschützerische Maßnahmen die Öffentlichkeit sich bei der Tierausbeutung wohler fühlen, und dies ermutigt dir fortgesetzte Nutzung von Tieren. In der Tat ist es klar, dass Menschen, die Nahrungsmittel tierlichen Ursprungs wegen Besorgnis über die Behandlung von Tieren gemieden haben, dazu zurückkehren, sie zu essen, nachdem ihnen von großen Tierschutzorganisationen erklärt worden ist, dass Tiere "humaner" behandelt werden. Ich diskutiere dieses Problem in meinem Blogessay zu ''Bio-Fleisch''
Ironischerweise können Tierschutzreformen Tierleid tatsächlich vergrößern. Angenommen, wir beuten 5 Tiere aus und erlegen ihnen 10 Einheiten Leiden auf. Das sind insgesamt 50 Einheiten Leiden. Eine Tierschutzmaßnahme resultiert in einer Verringerung um eine Einheit Leiden für jedes Tier, aber der Konsum steigt auf 6 Tiere. Das sind insgesamt 54 Einheiten Leiden – eine Nettozunahme. Es steht außer Frage, dass dieses Phänomen auftritt. Zum Beispiel ist in Europa der Konsum von Kalbfleisch gestiegen infolge von Regulierungen des Einsperrens von Kälbern.
Drittens leistet Tierschutz nichts, um den Eigentumsstatus von Tieren zu beseitigen. Tierschutzstandards sind generell mit dem verknüpft, was erforderlich ist, um Tiere in effizienter Weise auszubeuten. Das heißt, Tierschutz schützt tierliche Interessen allgemein nur in dem Maß, in dem er wirtschaftliche Vorteile für Menschen bietet. Dies bekräftigt ausdrücklich den Status von Tieren als Wirtschaftsgüter, Waren, Eigentum.
Zum Beispiel fördert die Humane Society of the United States (HSUS) Tierschutzreformen, die ausdrücklich auf dem wirtschaftlichen Nutzen basieren, der aus einem effizienteren Gebrauch von Tieren als Wirtschaftsgütern resultiert. Werfen Sie einen Blick in den HSUS-Bericht über die Wirtschaftlichkeit der Übernahme von alternativen Produktionssystemen gegenüber dem Kastenstand fur schwangere Sauen, der argumentiert, dass diese Alternativsysteme die Produktivität und die Profite erhöhen, oder in den HSUS-Bericht über die Wirtschaftlichkeit der Einführung alternativer Produktionsmethoden gegenüber der Schlachtung von Geflügel mit elektrischer Betäubung, der argumentiert, dass die Vergasung der Tiere "in Kostenersparnissen und erhöhten Einnahmen resultiert durch die Verminderung der Herunterstufung der Schlachtkörper, der Verunreinigung und Kühlungskosten, die Steigerung der Fleischerträge, der Qualität und Lagerfähigkeit des Fleisches sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen."
Dieser Ansatz ist nicht auf traditionelle Tierschutzgruppen wie HSUS beschränkt. Auch die Gruppen des Neuen Tierschutzes wie PETA haben ihn übernommen. In PETAs Analyse des Tötens in kontrollierter Atmosphäre vs. elektrischer Immobilisierung vom wirtschaftlichen Standpunkt argumentiert der Verein für das Vergasen oder ''Töten in kontrollierter Atmosphäre [controlled atmosphere killing](CAK)'' von Geflügel mit der Behauptung, dass die Schlachtmethode der elektrischen Betäubung ''die Fleischqualität und den Ertrag senkt, weil die Vögel Knochenbrüche erleiden und das Verfahren zu Verunreinigungen führt, die die menschliche Gesundheit gefährden. '' Die Methode der elektrischen Betäubung ''erhöht [zudem] die Arbeitskosten'' in verschiedener Weise. PETA argumentiert, dass ''CAK die Fleischqualität und den Ertrag erhöht'', weil Knochenbrüche, Blutergüsse und Quetschungen angeblich ausgeschlossen und Verunreinigungen reduziert werden, die ''Lagerfähigkeit des Fleisches'' erhöht und ''zarteres Brustfleisch'' produziert wird. PETA macht außerdem geltend, dass ''CAK die Arbeitskosten senkt'' durch die Verminderung der Notwendigkeit gewisser Inspektionen, die Verminderung von Unfällen und geringere Arbeiterfluktuation. CAK bietet noch ''andere wirtschaftliche Vorteile'' für die Geflügelindustrie, indem sie Produzenten erlaubt, bei den Energiekosten und durch die Reduzierung des Ausschusses von Nebenprodukten und des Wasserverbrauchs Geld zu sparen.
Mit anderen Worten, HSUS, PETA und andere sind effektiv zu Beratern der Fleischindustrie geworden, um ihr dabei behilflich zu sein, Arten und Weisen der Erhöhung von Profiten aus Tierausbeutung zu ermitteln. Selbst wenn dies zu geringfügigen Verbesserungen des Tierschutzes führt, leistet es absolut nichts, um das Eigentumsparadigma in Frage zu stellen. In der Tat bekräftigt es den Status von Tieren als nichts anderes als Wirtschaftsgüter. Und es lässt Menschen sich wohler bei der Ausbeutung von Tieren fühlen.
Viertens ist es ein Nullsummenspiel. Jede Sekunde der Zeit und jeder Cent des Geldes, dafür verwendet, Tierausbeutung ''humaner'' zu machen, ist weniger Geld und Zeit, die bzw. das für Aufklärung über Veganismus/ Abolitionismus verwendet wird. Sehen Sie mal es von dieser Seite.
Nehmen wir an, Sie haben morgen zwei Stunden Zeit, für die Sache der Tiere einzutreten. Sie haben die Wahl. Sie können Literatur verbreiten, die Menschen dazu anhält, ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung] zu kaufen, oder Sie können Literatur verteilen, die Menschen dazu auffordert, überhaupt keine Eier zu essen, weil ''käfig-frei'' immer noch qualvolles Leiden und schließlich den Tod bedeutet. Sie können nicht beides tun, und selbst wenn Sie es könnten, würden sich Ihre Botschaften widersprechen und wären hoffnungslos verwirrend.
Menschen über Veganismus aufzuklären ist ein wesentlich wirksamerer Weg, Leiden kurzfristig zu reduzieren und dazu, eine abolitionistische Bewegung aufzubauen, die für bedeutsame Veränderungen in der Zukunft eintreten und diese unterstützen kann. Tierschutzreformen bieten keinen wesentlichen Schutz für die Interessen von Tieren, geben der Öffentlichkeit ein besseres Gefühl bei der Ausbeutung von Tieren, können tatsächlich die Nettobilanz des Leidens erhöhen und ziehen Ressourcen von abolitionistischer Aufklärungsarbeit ab.
Je eher die Menschen sehen, dass die Gruppen des Neuen Tierschutzes nichts mit einer abolitionistischen Perspektive zu tun haben, um so besser sind wir dran. Die Neuen Tierschützer sind zu Partnern der institutionellen Ausbeuter beim Verkauf von Tierprodukten geworden. Es ist nicht weniger als obszön, dass die Neuen Tierschützer Labels wie das Certified-Humane-Raised-&-Handled Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt], das Freedom-Food-Label [Freiheitsnahrung] und das Animal-Compassionate-Label [Mitgefühl für Tiere] entwickelt haben, um den institutionellen Ausbeutern dabei zu helfen, Tierleichen und Tierprodukte zu vermarkten. Diese Bemühungen haben nichts mit Tierrechten oder Abolitionismus zu tun. Tatsächlich sind sie genau das, dem die abolitionistische Bewegung entgegentritt.
Ja, es ist in gewissem Sinne ''besser'' , wenn Sie jemanden, den Sie umbringen, nicht foltern. Aber das macht Mord ohne Folter nicht ''mitfühlend''. Es ist ''besser, wenn Sie jemanden, den Sie vergewaltigen, nicht prügeln. Aber das macht Vergewaltigung ohne Prügeln nicht ''human''. Die Tierschutzbewegung unterstützt die Vorstellung, dass ''humanere'' Ausbeutung moralisch akzeptable Ausbeutung ist. Das ist nicht der abolitionistische Ansatz.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 18 April 2007
Simon der Sadist, Jeffrey Dahmer, die Liga gegen grausame Sportarten und das “Oxford“- Zentrum für Tierschutz
von Gary L. Francione Blog
Im September 2007 werden zwei Tierschutzorganisationen, die League Against Cruel Sports und das Oxford Centre for Animal Ethics die “Internationale Konferenz zur Beziehung zwischen Tiermissbrauch und der Gewalt gegenüber Menschen“ veranstalten. Obwohl die Konferenz an der Oxford Universität abgehalten wird, ist das Oxford-Zentrum für Tierethik laut dem Assistenten des Direktors für öffentliche Angelegenheiten, “kein offizielles oder angeschlossenes Zentrum“ der Universität.
Die Informationen zur Konferenz sagen aus:
Die Konferenz will die Bedeutung der Tierethik durch Erforschung der folgenden Fragen hervorheben:
- Gibt es empirische Evidenz [einen auf Erfahrung beruhenden Beweis] für den Zusammenhang zwischen Tiermissbrauch und Gewalt gegen Menschen oder antisozialem Verhalten?
- Wie sollten wir diese Evidenz interpretieren?
- Wenn es einen Zusammenhang gibt, welche ethischen Implikationen hat er? [welche Folgerungen sind daraus zu ziehen?]
- Was sind die Implikationen für Sozial- und Rechtspolitik?
Zweck der Konferenz ist es, den Menschen ein besseres Verständnis der Natur des Tiermissbrauchs, der Motive, die zu grausamen Handlungen führen, und der Implikationen für den Schutz sowohl von Menschen als auch von Tieren zu vermitteln. Ein “Schlüsselforschungsgebiet“ des Zentrums ist der Zusammenhang zwischen Tiermissbrauch und der Gewalt gegen Menschen.
Es gibt zwei – ernsthafte und zusammenhängende – Probleme damit, an Tierethik in dieser Weise heranzugehen:
Erstens bedeutet die Verknüpfung von Tierethik mit der Gewalt gegenüber Menschen einen Rückschritt dahin, wie wir über den moralischen Status von Tieren dachten, bevor der Tierschutz im 19. Jahrhundert in Erscheinung trat. Vor dem 19. Jahrhundert war die vorherrschende Sichtweise, zumindest im Westen, dass Tiere völlig außerhalb der moralischen Gemeinschaft ständen und dass weder ihre Nutzung noch ihre Behandlung durch uns von moralischem oder rechtlichem Belang wären.
Das heißt, wir konnten Tiere gebrauchen, für welchen Zweck auf immer wir wollten, und ihnen diesem Gebrauch gemäße Schmerzen und Leiden zufügen, ohne damit ein moralisches oder rechtliches Problem aufzuwerfen. Tiere wurden als Sachen angesehen, die ununterscheidbar von unbelebten Objekten waren und denen gegenüber wir deshalb keine moralischen oder rechtlichen Verpflichtungen haben konnten. Obwohl Vorschriften bestanden, die Tiere betrafen – wie etwa nicht die Kuh des Nachbarn zu verletzen –, war dies nur eine dem Nachbarn geschuldete Verpflichtung, nicht sein Eigentum zu beschädigen, und hatte nichts mit einer Verpflichtung gegenüber der Kuh selbst zu tun.
In dem begrenzten Maß, in dem man dachte, dass das Quälen von Tieren ein moralisches Problem aufwarf, war es allein wegen der Besorgnis, dass Menschen, die Tiere quälten, mit größerer Wahrscheinlichkeit auch andere Menschen misshandeln würden. Thomas von Aquin, John Locke, Immanuel Kant und andere Philosophen argumentierten, dass es falsch sei, grundlos Grausamkeit an Tieren zu verüben, weil dieses Verhalten es wahrscheinlicher machen würde, dass Menschen grausam gegeneinander wären. Aber diese Sichtweise hatte nichts damit zu tun, anzuerkennen, dass Tiere moralische Bedeutung haben. Es hatte mit der Sorge bezüglich Menschen zu tun und mit der Verbindung zwischen der grausamen Behandlung von Tieren und dem daraus resultierenden Missbrauch anderer Menschen.
Die Konferenz will untersuchen, ob der Missbrauch von Tieren mit dem Missbrauch von Menschen in Zusammenhang steht. Was ist, wenn tatsächlich beides zusammenhängt? Dies könnte ein gutes Argument für bescheidene Änderungen von Gesetzen gegen Tierquälerei oder für die Beratung von Jugendlichen liefern, die wegen Tierquälerei an Hunden und Katzen verurteilt wurden, weil man sich Sorgen wegen ihres möglichen antisozialen Verhaltens in der Zukunft macht.
Aber was hat dies mit den Tieren zu tun? Was sagt dies über den moralischen Status von Tieren aus?
Die Antwort ist natürlich, dass es nichts aussagt jenseits dessen, was schon im 19. Jahrhundert gesagt worden ist – dass der hauptsächliche Grund für die Besorgnis über Tierquälerei ist, dass jene, die Tiere in rücksichtsloser Weise behandelten, wahrscheinlich auch andere Menschen in rücksichtsloser Weise behandeln würden. Dies könnte die moralische oder rechtliche Verpflichtung stützen, Tiere nicht in “grausamer“ Art und Weise zu behandeln, aber dies wäre nicht den Tieren als Mitgliedern der moralischen Gemeinschaft geschuldet – es wäre anderen Menschen geschuldet.
Dies ist nicht ein Schritt vorwärts im Denken über Tierethik, es ist ein bezeichnender Schritt rückwärts. Dieser Ansatz bewegt sich weiter weg von der Vorstellung eines inhärenten [innewohnenden, eigenen] Wertes von Tieren und näher hin zu der Vorstellung, dass Tiere nur extrinsischen [von außen kommenden] Wert haben, der in erster Linie davon abhängt, wie ihre Nutzung und Behandlung sich auf Menschen auswirkt.
Zweitens und wichtiger: Das Verknüpfen des Missbrauchs von Tieren mit der an Menschen verübten Gewalt geht mit einer sehr engen Definition dessen einher, was “Missbrauch“ ausmacht. Wir neigen dazu, extreme Handlungen einer kleinen Zahl von Individuen in den Mittelpunkt zu rücken und nicht zu erkennen, dass unsere Nutzung von Tieren in akzeptierten institutionalisierten Zusammenhängen ebenfalls einen “Missbrauch“ darstellt.
Mit anderen Worten: Wir beschränken “Tiermissbrauch“ auf den psychisch gestörten Menschen, der einen Hund “zum Spaß“ quält, und ignorieren die Tatsache, dass jeder, der irgendwelche Tierprodukte konsumiert, sich ebenfalls am “Tiermissbrauch“ beteiligt, der sich tatsächlich in nichts von dem unterscheidet, was die Person tut, die den Hund quält.
Um diesen Gedankengang zu verstehen, lassen Sie mich Ihnen Simon den Sadisten vorstellen, der erstmals in meinem Buch Introduction to Animal rights – Your Child or the Dog? auftrat. Stellen wir uns vor, Simon zu begegnen, der einen Hund quält, indem er ihn mit einer Lötlampe verbrennt. Simons einzige Begründung für das Quälen des Hundes ist, dass er Vergnügen aus dieser Art von Tätigkeit gewinnt. Simon repräsentiert genau die Sorte Mensch, die für jene von Interesse ist, die sich über den Zusammenhang zwischen “Tiermissbrauch“ und Gewalt gegen Menschen Sorgen machen.
Warum? Was tut Simon, das so beunruhigend ist?
Simon verletzt eine moralische und rechtliche Norm, mit der nahezu jeder übereinstimmt – dass es falsch ist, Tieren unnötiges Leiden zuzufügen oder sie unnötigerweise zu töten. Und was meinen wir mit “unnötig“? Wir sind der Auffassung, dass es falsch ist, Tieren lediglich deshalb Leiden zuzufügen oder sie zu töten, weil es uns Vergnügen bereitet, weil wir es amüsant finden. Simon fügt dem Hund unnötiges Leiden zu; er quält und tötet ein Tier aus keinem anderen Grund als zu seiner Belustigung.
Das Problem ist: Inwiefern unterscheidet Simon sich von allen denen, die Fleisch, Milch oder Eier essen?
Wir töten jährlich weltweit mehr als 50 Milliarden Tiere für unser Essen. Es kann keinen Zweifel geben, dass Nahrungsmittel tierlicher Herkunft ein ungeheures Ausmaß an Schmerzen und Leiden und Tod mit sich bringen. Tierliche Nahrungsmittel, unter “humansten“ Bedingungen produziert, sind damit verbunden, Tiere in Arten und Weisen zu behandeln, die, auf Menschen angewendet, den Tatbestand der Folter konstituieren würden.
Niemand behauptet, dass wir Fleisch, Milch oder Eier essen müssen, um uns optimaler Gesundheit zu erfreuen. Tatsächlich sind den Mainstream vertretende Gesundheitsexperten zunehmend der Ansicht, dass tierliche Nahrungsmittel schädlich für die menschliche Gesundheit sind. Und landwirtschaftliche Tierhaltung ist eine Katastrophe für die Umwelt.
Was ist die beste Rechtfertigung, die wir dafür haben, 50 Milliarden empfindungsfähigen Tieren Schmerzen, Leiden und den Tod zuzufügen?
Die Antwort: Wir genießen den Geschmack von Tierprodukten. Wir gewinnen Vergmügen aus der Nutzung von Tieren, selbst wenn sie nichts mit Notwendigkeit zu tun hat.
Inwiefern unterscheiden wir uns also von Simon dem Sadisten?
Antwort: Gar nicht.
Wir bezahlen jemand anderen dafür, zu töten und das Tierfleisch, die Milchprodukte und Eier, die wir genießen wollen, bereitzustellen. Na und? Wir sind moralisch ganz genauso verantwortlich wie Simon der Sadist. Nur sind wir in der Überzahl, und unser Handeln gilt als akzeptabel.
Vor zwei Wochen sah ich im Fernsehen ein Interview mit dem verstorbenen Jeffrey Dahmer, in dem es um die Entwicklung seines Zwangs zu Gewalt ging, der in Mord und Kannibalismus mündete. Dahmer beschrieb das Töten und Zerstückeln von Tieren in seiner Jugend. Er bemerkte, ein wenig wehmütig, dass die Dinge so anders gewesen wären, hätte er jenen Impuls nur in eine akzeptable Beschäftigung kanalisieren können, wie etwa die Taxidermie [Ausstopfen von Tieren]. Wenn Dahmers gewalttätige Impulse durch das Töten von Tieren hätten befriedigt werden können, was würden die Ethiker dazu zu sagen haben? Sozialwissenschaftler haben bemerkt, dass das Vorkommen von Vergewaltigungen während der Jagdsaison zurückgeht.
Das Problem mit der von der Liga und dem “Oxford“-Zentrum gesponserten Konferenz ist, dass sie suggeriert, es gebe einen Unterschied zwischen Simon dem Sadisten, der Tiere “missbraucht“, und jenen, die nicht vegan leben und sich an der “normalen“ Tätigkeit, Tierprodukte zu konsumieren, beteiligen. Ich vermute, dass viele Teilnehmer der Konferenz keine Veganer sind. Diese Nichtveganer, die sich in sozial akzeptierter Tierausbeutung betätigen, werden herumsitzen und über Leute wie Simon den Sadisten reden, der Tiere “missbraucht“, und werden nicht die große Ironie der Situation erkennen.
Diese Konferenz wird lediglich einen gefährlichen Mythos verstärken, einen, der von zentraler Bedeutung für die Verblendung im Tierschutz ist, dass nämlich “Tiermissbrauch“ etwas ist, das andere tun.
Es ist extrem schwierig – vielleicht unmöglich – als Konsument in einer von Tierausbeutung getragenen Gesellschaft nicht zumindest indirekt Komplize der Tierausbeutung zu sein. Aber uns muss nichtsdestoweniger klar sein, dass wir, wenn wir nicht vegan leben, mit Sicherheit Tierausbeuter sind. Es gibt keinen logischen oder moralischen Unterschied zwischen der Person, die einen Hund zum Spaß mit einer Lötlampe verbrennt, und der Person, die einen Hamburger isst, eine Käsepizza, ein Eis oder ein Ei. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das Verbrennen des Hundes mit einer Lötlampe “Missbrauch“ genannt wird, und das Essen von Tierprodukten “normal“ heißt.
Denken Sie darüber nach.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Im September 2007 werden zwei Tierschutzorganisationen, die League Against Cruel Sports und das Oxford Centre for Animal Ethics die “Internationale Konferenz zur Beziehung zwischen Tiermissbrauch und der Gewalt gegenüber Menschen“ veranstalten. Obwohl die Konferenz an der Oxford Universität abgehalten wird, ist das Oxford-Zentrum für Tierethik laut dem Assistenten des Direktors für öffentliche Angelegenheiten, “kein offizielles oder angeschlossenes Zentrum“ der Universität.
Die Informationen zur Konferenz sagen aus:
Die Konferenz will die Bedeutung der Tierethik durch Erforschung der folgenden Fragen hervorheben:
- Gibt es empirische Evidenz [einen auf Erfahrung beruhenden Beweis] für den Zusammenhang zwischen Tiermissbrauch und Gewalt gegen Menschen oder antisozialem Verhalten?
- Wie sollten wir diese Evidenz interpretieren?
- Wenn es einen Zusammenhang gibt, welche ethischen Implikationen hat er? [welche Folgerungen sind daraus zu ziehen?]
- Was sind die Implikationen für Sozial- und Rechtspolitik?
Zweck der Konferenz ist es, den Menschen ein besseres Verständnis der Natur des Tiermissbrauchs, der Motive, die zu grausamen Handlungen führen, und der Implikationen für den Schutz sowohl von Menschen als auch von Tieren zu vermitteln. Ein “Schlüsselforschungsgebiet“ des Zentrums ist der Zusammenhang zwischen Tiermissbrauch und der Gewalt gegen Menschen.
Es gibt zwei – ernsthafte und zusammenhängende – Probleme damit, an Tierethik in dieser Weise heranzugehen:
Erstens bedeutet die Verknüpfung von Tierethik mit der Gewalt gegenüber Menschen einen Rückschritt dahin, wie wir über den moralischen Status von Tieren dachten, bevor der Tierschutz im 19. Jahrhundert in Erscheinung trat. Vor dem 19. Jahrhundert war die vorherrschende Sichtweise, zumindest im Westen, dass Tiere völlig außerhalb der moralischen Gemeinschaft ständen und dass weder ihre Nutzung noch ihre Behandlung durch uns von moralischem oder rechtlichem Belang wären.
Das heißt, wir konnten Tiere gebrauchen, für welchen Zweck auf immer wir wollten, und ihnen diesem Gebrauch gemäße Schmerzen und Leiden zufügen, ohne damit ein moralisches oder rechtliches Problem aufzuwerfen. Tiere wurden als Sachen angesehen, die ununterscheidbar von unbelebten Objekten waren und denen gegenüber wir deshalb keine moralischen oder rechtlichen Verpflichtungen haben konnten. Obwohl Vorschriften bestanden, die Tiere betrafen – wie etwa nicht die Kuh des Nachbarn zu verletzen –, war dies nur eine dem Nachbarn geschuldete Verpflichtung, nicht sein Eigentum zu beschädigen, und hatte nichts mit einer Verpflichtung gegenüber der Kuh selbst zu tun.
In dem begrenzten Maß, in dem man dachte, dass das Quälen von Tieren ein moralisches Problem aufwarf, war es allein wegen der Besorgnis, dass Menschen, die Tiere quälten, mit größerer Wahrscheinlichkeit auch andere Menschen misshandeln würden. Thomas von Aquin, John Locke, Immanuel Kant und andere Philosophen argumentierten, dass es falsch sei, grundlos Grausamkeit an Tieren zu verüben, weil dieses Verhalten es wahrscheinlicher machen würde, dass Menschen grausam gegeneinander wären. Aber diese Sichtweise hatte nichts damit zu tun, anzuerkennen, dass Tiere moralische Bedeutung haben. Es hatte mit der Sorge bezüglich Menschen zu tun und mit der Verbindung zwischen der grausamen Behandlung von Tieren und dem daraus resultierenden Missbrauch anderer Menschen.
Die Konferenz will untersuchen, ob der Missbrauch von Tieren mit dem Missbrauch von Menschen in Zusammenhang steht. Was ist, wenn tatsächlich beides zusammenhängt? Dies könnte ein gutes Argument für bescheidene Änderungen von Gesetzen gegen Tierquälerei oder für die Beratung von Jugendlichen liefern, die wegen Tierquälerei an Hunden und Katzen verurteilt wurden, weil man sich Sorgen wegen ihres möglichen antisozialen Verhaltens in der Zukunft macht.
Aber was hat dies mit den Tieren zu tun? Was sagt dies über den moralischen Status von Tieren aus?
Die Antwort ist natürlich, dass es nichts aussagt jenseits dessen, was schon im 19. Jahrhundert gesagt worden ist – dass der hauptsächliche Grund für die Besorgnis über Tierquälerei ist, dass jene, die Tiere in rücksichtsloser Weise behandelten, wahrscheinlich auch andere Menschen in rücksichtsloser Weise behandeln würden. Dies könnte die moralische oder rechtliche Verpflichtung stützen, Tiere nicht in “grausamer“ Art und Weise zu behandeln, aber dies wäre nicht den Tieren als Mitgliedern der moralischen Gemeinschaft geschuldet – es wäre anderen Menschen geschuldet.
Dies ist nicht ein Schritt vorwärts im Denken über Tierethik, es ist ein bezeichnender Schritt rückwärts. Dieser Ansatz bewegt sich weiter weg von der Vorstellung eines inhärenten [innewohnenden, eigenen] Wertes von Tieren und näher hin zu der Vorstellung, dass Tiere nur extrinsischen [von außen kommenden] Wert haben, der in erster Linie davon abhängt, wie ihre Nutzung und Behandlung sich auf Menschen auswirkt.
Zweitens und wichtiger: Das Verknüpfen des Missbrauchs von Tieren mit der an Menschen verübten Gewalt geht mit einer sehr engen Definition dessen einher, was “Missbrauch“ ausmacht. Wir neigen dazu, extreme Handlungen einer kleinen Zahl von Individuen in den Mittelpunkt zu rücken und nicht zu erkennen, dass unsere Nutzung von Tieren in akzeptierten institutionalisierten Zusammenhängen ebenfalls einen “Missbrauch“ darstellt.
Mit anderen Worten: Wir beschränken “Tiermissbrauch“ auf den psychisch gestörten Menschen, der einen Hund “zum Spaß“ quält, und ignorieren die Tatsache, dass jeder, der irgendwelche Tierprodukte konsumiert, sich ebenfalls am “Tiermissbrauch“ beteiligt, der sich tatsächlich in nichts von dem unterscheidet, was die Person tut, die den Hund quält.
Um diesen Gedankengang zu verstehen, lassen Sie mich Ihnen Simon den Sadisten vorstellen, der erstmals in meinem Buch Introduction to Animal rights – Your Child or the Dog? auftrat. Stellen wir uns vor, Simon zu begegnen, der einen Hund quält, indem er ihn mit einer Lötlampe verbrennt. Simons einzige Begründung für das Quälen des Hundes ist, dass er Vergnügen aus dieser Art von Tätigkeit gewinnt. Simon repräsentiert genau die Sorte Mensch, die für jene von Interesse ist, die sich über den Zusammenhang zwischen “Tiermissbrauch“ und Gewalt gegen Menschen Sorgen machen.
Warum? Was tut Simon, das so beunruhigend ist?
Simon verletzt eine moralische und rechtliche Norm, mit der nahezu jeder übereinstimmt – dass es falsch ist, Tieren unnötiges Leiden zuzufügen oder sie unnötigerweise zu töten. Und was meinen wir mit “unnötig“? Wir sind der Auffassung, dass es falsch ist, Tieren lediglich deshalb Leiden zuzufügen oder sie zu töten, weil es uns Vergnügen bereitet, weil wir es amüsant finden. Simon fügt dem Hund unnötiges Leiden zu; er quält und tötet ein Tier aus keinem anderen Grund als zu seiner Belustigung.
Das Problem ist: Inwiefern unterscheidet Simon sich von allen denen, die Fleisch, Milch oder Eier essen?
Wir töten jährlich weltweit mehr als 50 Milliarden Tiere für unser Essen. Es kann keinen Zweifel geben, dass Nahrungsmittel tierlicher Herkunft ein ungeheures Ausmaß an Schmerzen und Leiden und Tod mit sich bringen. Tierliche Nahrungsmittel, unter “humansten“ Bedingungen produziert, sind damit verbunden, Tiere in Arten und Weisen zu behandeln, die, auf Menschen angewendet, den Tatbestand der Folter konstituieren würden.
Niemand behauptet, dass wir Fleisch, Milch oder Eier essen müssen, um uns optimaler Gesundheit zu erfreuen. Tatsächlich sind den Mainstream vertretende Gesundheitsexperten zunehmend der Ansicht, dass tierliche Nahrungsmittel schädlich für die menschliche Gesundheit sind. Und landwirtschaftliche Tierhaltung ist eine Katastrophe für die Umwelt.
Was ist die beste Rechtfertigung, die wir dafür haben, 50 Milliarden empfindungsfähigen Tieren Schmerzen, Leiden und den Tod zuzufügen?
Die Antwort: Wir genießen den Geschmack von Tierprodukten. Wir gewinnen Vergmügen aus der Nutzung von Tieren, selbst wenn sie nichts mit Notwendigkeit zu tun hat.
Inwiefern unterscheiden wir uns also von Simon dem Sadisten?
Antwort: Gar nicht.
Wir bezahlen jemand anderen dafür, zu töten und das Tierfleisch, die Milchprodukte und Eier, die wir genießen wollen, bereitzustellen. Na und? Wir sind moralisch ganz genauso verantwortlich wie Simon der Sadist. Nur sind wir in der Überzahl, und unser Handeln gilt als akzeptabel.
Vor zwei Wochen sah ich im Fernsehen ein Interview mit dem verstorbenen Jeffrey Dahmer, in dem es um die Entwicklung seines Zwangs zu Gewalt ging, der in Mord und Kannibalismus mündete. Dahmer beschrieb das Töten und Zerstückeln von Tieren in seiner Jugend. Er bemerkte, ein wenig wehmütig, dass die Dinge so anders gewesen wären, hätte er jenen Impuls nur in eine akzeptable Beschäftigung kanalisieren können, wie etwa die Taxidermie [Ausstopfen von Tieren]. Wenn Dahmers gewalttätige Impulse durch das Töten von Tieren hätten befriedigt werden können, was würden die Ethiker dazu zu sagen haben? Sozialwissenschaftler haben bemerkt, dass das Vorkommen von Vergewaltigungen während der Jagdsaison zurückgeht.
Das Problem mit der von der Liga und dem “Oxford“-Zentrum gesponserten Konferenz ist, dass sie suggeriert, es gebe einen Unterschied zwischen Simon dem Sadisten, der Tiere “missbraucht“, und jenen, die nicht vegan leben und sich an der “normalen“ Tätigkeit, Tierprodukte zu konsumieren, beteiligen. Ich vermute, dass viele Teilnehmer der Konferenz keine Veganer sind. Diese Nichtveganer, die sich in sozial akzeptierter Tierausbeutung betätigen, werden herumsitzen und über Leute wie Simon den Sadisten reden, der Tiere “missbraucht“, und werden nicht die große Ironie der Situation erkennen.
Diese Konferenz wird lediglich einen gefährlichen Mythos verstärken, einen, der von zentraler Bedeutung für die Verblendung im Tierschutz ist, dass nämlich “Tiermissbrauch“ etwas ist, das andere tun.
Es ist extrem schwierig – vielleicht unmöglich – als Konsument in einer von Tierausbeutung getragenen Gesellschaft nicht zumindest indirekt Komplize der Tierausbeutung zu sein. Aber uns muss nichtsdestoweniger klar sein, dass wir, wenn wir nicht vegan leben, mit Sicherheit Tierausbeuter sind. Es gibt keinen logischen oder moralischen Unterschied zwischen der Person, die einen Hund zum Spaß mit einer Lötlampe verbrennt, und der Person, die einen Hamburger isst, eine Käsepizza, ein Eis oder ein Ei. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das Verbrennen des Hundes mit einer Lötlampe “Missbrauch“ genannt wird, und das Essen von Tierprodukten “normal“ heißt.
Denken Sie darüber nach.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
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