Saturday, 1 September 2007

''Jene, die sich nicht an die Vergangenheit erinnern, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen''

von Gary L. Francione Blog

Diese von dem Philosophen George Santayana geschriebenen Worte scheinen heutzutage mit besonderer Relevanz nachzuklingen, da wir eine in Gewalt versunkene Welt sehen. Aber Santayana hat auch der abolitionistischen Bewegung etwas Wichtiges zu sagen.

Die meisten der großen Organisationen des Neuen Tierschutzes sowohl in Großbritannien als auch in den USA behaupten, Veganismus zu befürworten, fördern ihn aber nicht als Grundlinie der Bewegung aus dem Bedenken heraus, dass Veganismus für die breite Öffentlichkeit zu ''radikal'' erscheint. Deshalb fördern diese Organisationen ''Bio-Fleisch'' und ''Bio''-Milch/ Eier'', die das Certified-Humane-Raised-and-Handled-Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt] oder das Freedom-Food-Label [Freiheitsnahrung] tragen oder mit den Farm Animal Compassionate Standards [Normen des Mitgefühls für Nutztiere] von Whole Foods [Whole Foods Market: ''Bio''-Supermarktkette] übereinstimmen, nun auf beiden Seiten des Atlantik. Und Peter Singer erinnert uns daran, dass ein konsequenter Veganer zu sein ''fanatisch'' ist und dass wir eigentlich dazu verpflichtet sind, kein Veganer zu sein, wenn Veganer zu sein andere verstimmt.

Jenen, die daran festhalten, dass Veganismus eine klare und unzweideutige moralische Grundlinie der Bewegung sein sollte, wird von den Neuen Tierschützern eindringlich erzählt, dass die Öffentlichkeit noch nicht bereit dafür ist, die Botschaft des Veganismus zu hören. Stattdessen sollten wir uns auf ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung] und ''Freiland-Fleisch'' konzentrieren.

Und inwiefern ist Santayanas Botschaft in diesen Kontext relevant?

Im Jahr 1944 gründete Donald Watson die Vegan Society in Großbritannien. Er prägte das Wort ''Veganer'' als Bezeichnung für jemanden, der keine Tierprodukte konsumiert. In der ersten Ausgabe von The Vegan News – vor 66 Jahren – schrieb Watson:
Eine übliche Kritik ist, dass die Zeit noch nicht reif für unsere Reform sei. Aber kann die Zeit für irgendeine Reform jemals reif sein, wenn sie nicht durch die Entschlossenheit von Menschen reift?
Watson wies darauf hin, dass die Gegner der Sklaverei nicht darauf gewartet haben, dass die Zeit ''reif'' war, und dass [auch] die Befürworter sauberen Trinkwassers und sanitärer Einrichtungen heftiger Ablehnung begegneten und nicht auf den ''nicht existierenden Moment'' warteten, da die Zeit ''reif'' sein würde.

Watson fährt fort:
Es liegt eine offensichtliche Gefahr darin, die Erfüllung unserer Ideale der Nachwelt zu überlassen, da die Nachwelt vielleicht nicht unsere Ideale hat. Evolution kann ebenso rückschrittlich wie fortschrittlich sein, allerdings scheint immer der falsche Weg eine starke Gravitation zu haben, wenn nicht bestehende Standards geschützt und neue Visionen eingelöst werden.
Das Problem, dem jene, die über unsere Ausbeutung von Tieren besorgt sind, gegenüberstehen, ist, dass die großen Organisationen des Neuen Tierschutzes, welche die Szene beherrschen, Veganismus nicht als eine einzulösende neue Vision betrachten, sondern als eine ''fanatische'' Position, die es zu marginalisieren gilt zugunsten des fortgesetzten Konsumierens von Tierprodukten – vermeintlich ''human'' produziert – als Standardposition. Durch das Bewerben von ''Bio-Fleisch'' und ''Bio-Milch/ Eiern'' verstärken die Neuen Tierschützer lediglich das Paradigma, demzufolge das Konsumieren von Tieren moralisch akzeptabel ist, wenn wir ''gütig'' zu unseren Opfern sind. Diese Vorgehensweise wird und kann nicht in Richtung Veganismus führen; er kann nur dazu dienen, Vegansmus als ''radikale' oder ''fanatische'' Position erscheinen zu lassen.

Wie Watson notierte ''(kann) Evolution .. ebenso rückschrittlich wie fortschrittlich sein'.'' Wir können nicht auf den ''nicht existierenden Moment'', in dem die Zeit ''reif'' ist, warten. Wir müssen diesen Moment durch unsere eigene Entschlossenheit eintreten lassen. Diese Entschlossenheit, ausgedrückt durch unseren eigenen konsequenten Veganismus und unser Engagement für klare, unzweideutige, gewaltlose Aufklärung über Veganismus – und unsere Ablehnung kontraproduktiver Tierschutzkampagnen – ist das Fundament der abolitionistischen Bewegung.

Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione

Tuesday, 28 August 2007

Einige weitere Gedanken über Michael Vick

von Gary L. Francione Blog

Am 02. August postete ich einen Blogessay mit dem Titel Eine Anmerkung zu Michael Vick. Vicks Verhalten war offensichtlich verwerflich. Ich schrieb den Blog, weil ich es müde war, Vick von selbstgerechten Leuten kritisieren zu hören, die Fleisch essen, Rodeos besuchen, jagen oder sich an den vielen anderen Formen der Tierausbeutung beteiligen, die, anders als Hundekämpfe, von den meisten Menschen als legitime Aktivitäten akzeptiert werden, die aber den betroffenen Tieren genauso viel Leiden verursachen.

Offen gesagt dachte ich nicht, dass es einen großen Widerhall geben würde. Immerhin habe ich seit einigen Jahren in meinen Schriften dieselbe Feststellung getroffen – wir leiden an einer Art "moralischer Schizophrenie", wo es um Tiere geht. Auf der einen Seite behandeln wir einige Tiere, wie Hunde und Katzen, als Mitglieder unserer Familie und reagieren aufgebracht auf Geschichten vom Quälen solcher Tiere. Auf der anderen Seite ignorieren wir andere Formen des Tiergebrauchs vollständig – nehmen wir tatsächlich daran teil –, die das Quälen anderer Tiere zur Folge haben, die wir nicht als "besondere" betrachten. Dies war der zentrale Gedanke in meinem Buch Introduction to Animal Rights: Your Child or the Dog?

Nun, bezüglich der Reaktion auf meinen Blogessay habe ich mich geirrt.

Ich erhielt Dutzende von Emails. Da die meisten Leser schrieben, nachdem sie den Essay auf meiner oder auf anderen pro-abolitionistischen Websites gelesen hatten, die ihn übernommen hatten, waren die Kommentare größtenteils zustimmend, aber es gab dennoch einige "Tierschutzleute", die mit meiner Analyse der Situation nicht einverstanden waren.

Und dann, am 22. August, brachte die Philadelphia Daily News den Essay und wurde mit Kommentaren überschwemmt. Am 23. August war ich Gast in der Michael Smerconish Morning Show, die in der Gegend um Philadelphia sehr populär ist und live im Internet gesendet wird. Seit letzter Woche habe ich etwa 200 Emails und Anrufe in meinem Büro in der Rutgers Universität erhalten.

Diese Kommentare kamen eher von der allgemeinen Öffentlichkeit als von "Tierschutzleuten", und obwohl viele mich unterstützten und sich an einem Blickwinkel, den sie zuvor nicht bedacht hatten, interessiert zeigten, waren viele auch kritisch – beinahe feindselig.

Die Kommentare fallen in zwei verschiedene Kategorien:

1. Religion: Ich würde sagen, dass annähernd 60% der Kommentare, die ich erhielt, geltend machten, dass ich das Wesentliche nicht begriffen hätte, dass Gott uns dazu bestimmt habe, Tiere zu essen, während Gott nicht viel von Hundekämpfen hielt. Obwohl viele meiner europäischen Leser dies nicht völlig verstehen können, in den USA werden moralische Fragen, soweit sie überhaupt diskutiert werden, im Kontext der Bibel diskutiert. Für viele Amerikaner liefert die Bibel – und nur die Bibel – die Antwort auf jegliche Frage.

Ich habe zwei Antworten:

Erstens, wenn Sie einen Blick in die Genesis, das erste Buch der Bibel, werfen, dort heißt es in Kapitel 1, Vers 29-30:
Und Gott sprach: 'Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise. Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben.'
Wieviel deutlicher kann dies sein? In der ursprünglichen Schöpfungsgeschichte sind alle lebenden Wesen vegan.

Töten und Fleisch essen treten erst später auf, nachdem die Menschheit den Bund mit Gott gebrochen hat und aus dem Paradies vertrieben worden ist.

Zweitens ist es schwierig, die Bibel, und besonders das Alte Testament, als eine Quelle moralischer Autorität heranzuziehen, weil Sie darin Unterstützung für so gut wie alles finden können, und Selektivität, zwangsläufig willkürlich, ist erforderlich.

Zum Beispiel wird die Bibel oft zur Unterstützung der Todesstrafe gebraucht. Und obgleich die Bibel sicherlich die Todesstrafe für Mord vorschreibt, schreibt sie sie ebenso für eine Vielzahl anderer Handlungen vor, einschließlich des Verfluchens der eigenen Eltern, Blasphemie, Homosexualität, Ehebruch, Hexerei. Wie können wir auswählen und sagen, dass laut der Bibel dieses Verbrechen den Tod verdient, aber andere Verbrechen, welche die Bibel mit dem Tod zu bestrafen vorschreibt, außer Acht lassen?

Überdies entschuldigt die Bibel eine Reihe von Institutionen und Handlungen, welche die meisten von uns klar als unmoralisch verwerfen. Zum Beispiel duldet das Alte Testament klar Menschensklaverei und gestattet auf Sklaven angewendet abweichende Regeln. Wenn zum Beispiel ein Herr seinen Sklaven so schwer prügelt, dass dieser stirbt, wird jener bestraft – aber nicht mit dem Tod. Wenn der Sklave ein oder zwei Tage am Leben bleibt, bevor er an den Folgen der Misshandlung stirbt, wird der Herr nicht bestraft, weil der Sklave "sein Eigentum ist". (Exodus 21:20-21) Wir alle verwerfen Menschensklaverei, aber, so scheint es, wären wir bibeltreu, täten wir es nicht.

2. Ernährungsweise: Eine Anzahl Anrufer und Leserbriefschreiber scheint zu denken, dass wir Tiere als Nahrungsmittel essen müssen. Ich finde dies einigermaßen verwunderlich. Wir schreiben das Jahr 2007, und es ist schwer zu glauben, dass irgendjemand daran zweifelt, dass wir – auf sehr gesunde Art und Weise – von pflanzlicher Kost leben können. In der Tat scheint es, dass etablierte Gesundheitsexperten uns jeden Tag erzählen, dass Fleisch und Tierprodukte wie Milch und Eier verschiedene menschliche Krankheiten verursachen. Und landwirtschaftliche Tierhaltung ist ein komplettes Desaster für die Umwelt.

3. Evolution: Einige Menschen denken, dass wir, weil wir uns zu Omnivoren [Allesfressern] entwickelt haben, Allesesser sein sollten. Wir sind sicherlich fähig, Fleisch und Tierprodukte zu essen, obwohl unsere Zahnstruktur ungleich der der meisten Carnivoren [Fleischfresser] ist, insofern wir kein ungekochtes Fleisch vom Knochen reißen können. Überdies haben wir, anders als die meisten Carnivoren, einen langen Darm. In jedem Fall ist es ziemlich klar angesichts der wachsenden Zahl von Krankheiten, die allem Anschein nach mit dem Verzehr von Fleisch und Tierprodukten in Verbindung stehen, dass wir nicht damit fortfahren sollten, sie zu konsumieren, wie auch immer wir uns entwickelt haben. Und Fakten der Evolution regeln keine moralischen Sachverhalte. Man könnte argumentieren, dass wir uns dazu entwickelt haben, eine gewalttätige Spezies zu sein. Macht das Gewalt moralisch richtig? Mike Tyson kann jemandes Ohr abbeißen; heißt das, dass er es tun sollte?

4. Legalität: Eine überraschend hohe Anzahl Menschen rief an oder schrieb und sagte, dass was Vick tat, illegal war, Fleischessen aber legal sei.

Na und?

Menschensklaverei war einst legal; das machte sie nicht moralisch richtig. Mein Argument ist, dass wir moralisch schizophren sind, weil wir Hundekämpfe für illegal erklären, aber das Essen, Jagen und Gebrauchen von Tieren in Rodeos als legal und "normal" behandeln. Die Tatsache, dass wir in solch verdrehter Art und Weise handeln, ist keine Rechtfertigung dafür, es zu tun.

Wir können Vick verurteilen, soviel wir wollen, aber was er tat, unterscheidet sich nicht von dem, woran die meisten von uns sich direkt oder indirekt an jedem Tag ihres Lebens beteiligen. Ich stehe zu dem, was ich sagte: Wir alle sind Michael Vick. Wir müssen erkennen, dass unsere Kritik an ihm eine Kritik an uns selbst ist und an dem Leiden und Sterben von Tieren, das wir alle verursachen und für das wir alle moralisch verantwortlich sind.

Leben Sie vegan.

Gary L. Francione
©2007 Gary L. Francione

Sunday, 19 August 2007

Pharmazeutische Produkte und tierliche Inhaltsstoffe

von Gary L. Francione Blog

Obschon wir alle den Gebrauch pharmazeutischer Produkte zugunsten natürlicherer Heilweisen vermeiden sollten, kann es bei Gelegenheit ratsam oder sogar notwendig sein, ein Medikament zu nehmen.

Abgesehen von anderen Problemen mit diesen Produkten, sind sie oft nicht vegan, insofern sie verschiedene tierliche Produkte als ''inaktive'' Inhaltsstoffe enthalten. Zum Beispiel enthalten viele Tabletten Stearat oder Glyzerin, die oft aus tierlichen Quellen stammen, oder Laktose, ein Milchderivat. Und Kapseln werden üblicherweise natürlich aus Gelatine hergestellt.

Ich höre oft Veganer sagen, dass sie unter solchen Umständen keine Wahl haben, als von ihren veganen Prinzipien abzuweichen und Medikamente zu nehmen, die Tierprodukte enthalten.

An den meisten Orten, einschließlich kleinerer Städte, gibt es ''mischende Apotheken''. Diese Apotheken existieren in erster Linie, um verschriebene Medikamente zu liefern, die nicht kommerziell verfügbar sind. Zum Beispiel haben ältere Menschen zuweilen Schwierigkeiten, getrennte Arzneimittel einzunehmen, und eine mischende Apotheke kann die Arzneimittel in einer Kapsel kombinieren, um das Befolgen der Verordnung zu erleichtern. Manche Menschen sind allergisch gegen Farbstoffe, Bindemittel und Füllstoffe und manche können Medikamente nur in flüssiger Form einnehmen oder bevorzugen dies sehr.

Eine mischende Apotheke ist der perfekte Ort für Veganer, um ihnen zu helfen, tierliche Inhaltsstoffe zu vermeiden, selbst wenn sie ein pharmazeutisches Produkt nehmen müssen. Sie kann den aktiven Inhaltsstoff erhalten und nichttierliche Bindemittel und Füllstoffe verwenden, alles in einer veganen Kapsel. Die Tierversuche, die mit der Pharmaindustrie verbunden und gewiss nicht zu rechtfertigen sind, sind eine andere Sache, aber der mischende Apotheker kann zumindest sicherstellen, dass das Endprodukt keine tierlichen Bestandteile enthält.

Er kann nicht nur eine vegane verordnete Arznei für Sie herstellen, er kann außerdem eine vegane Alternative zu nicht verschreibungspflichtigen Präparaten bereiten. Wenn also zu viel Bloggen zu Sehnenentzündung führt und Bewegung, Akupunktur und Eispackung nicht funktioniert haben, können Sie Ibuprofen in veganer Form bekommen!

Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione

Monday, 13 August 2007

Ein Kommentar zur Gewaltfrage

von Gary L. Francione Blog

Ich werde oft zu meinen Ansichten über jene gefragt, die Gewalt gegen Tierausbeuter befürworten.

Meine Antwort ist simpel: Ich bin ein entschiedener Gegner von Gewalt.

Für meine Position habe ich drei Gründe:

Erstens ist meiner Ansicht nach die Tierrechtsposition die endgültige Verwerfung von Gewalt. Sie ist die äußerste Bejahung des Friedens. Ich sehe die Tierrechtsbewegung als die logische Fortsetzung der Friedensbewegung, die Konflikte zwischen Menschen zu beenden sucht. Die Tierrechtsbewegung sucht idealerweise einen Schritt weiter zu gehen und Konflikte zwischen Menschen und Tieren zu beenden.

Der Grund dafür, warum wir uns in dem globalen Schlamassel befinden, in dem wir uns jetzt befinden, ist, dass wir uns die Geschichte hindurch auf gewaltsame Handlungen eingelassen haben und einzulassen fortfahren, die wir als unerwünschtes Mittel zu einem erwünschten Zweck zu rechtfertigen gesucht haben bzw. suchen. Jeder, der jemals Gewalt angewendet hat, behauptet, zu bedauern, seine Zuflucht zu ihr suchen zu müssen, argumentiert aber, dass irgendein erstrebenswertes Ziel ihren Gebrauch vermeintlich rechtfertigt. Das Problem ist, dass dies einen endlosen Kreislauf von Gewalt fördert, in dem jeder, dem es Ernst mit etwas ist, sich nur zu leicht der Gewalt gegen andere als Mittel, das größere Gut zu erreichen, bedienen kann, und jene, die Opfer der Gewalt sind, können eine Rechtfertigung für ihre gewalttätige Reaktion finden. Und so geht es immer weiter.

Dies ist konsequentialistisches moralisches Denken und es zerstört die Welt wie es auch zu einigen höchst sonderbaren Widersprüchen führt. Der größte Teil der westlichen Welt nimmt in Anspruch, das Christentum angenommen zu haben. Wie unklar auch immer das Neue Testament zu einigen Streitfragen stehen mag, klar ist mit Sicherheit, dass Gewalt abzulehnen ist. Nichtsdestoweniger rechtfertigen angeblich christliche Führer und ihre angeblich christlichen Wähler mit bekundetem großem Widerstreben die gewalttätigsten Handlungen, um ein angeblich größeres Gut zu erreichen, was immer das sein mag. Jene, gegen die sich die Gewalt richtet, behaupten ebenfalls, Religionen anzuhängen, die Gewalt ablehnen, tun sich aber keinen Zwang an, mit Gewalt zu antworten. So haben wir Menschen, die sich in Gewaltanwendung betätigen, während sie alle behaupten, Gewalt als eine grundlegende religiöse Sche abzulehnen. Und wir sagen, Menschen seien rational und Tiere seine es nicht!

Gewalt behandelt andere als Mittel zu Zwecken anstatt als Zweck an sich. Wenn wir Gewalt gegen andere ausüben – ob es sich um Menschen oder um Tiere handelt – ignorieren wir ihren ihnen innewohnenden Wert. Wir behandeln sie lediglich als Dinge, die keinen Wert haben außer dem, den wir ihnen zu geben entscheiden. Dies ist es, was Menschen dazu führt, sich in Gwältkriminalität gegen farbige Menschen, Frauen, Schwule und Lesben zu betätigen. Es ist das, was uns dazu führt, Tiere zu verdinglichen und als Ressourcen zu behandeln, die einzig zu unserem Gebrauch da sind. Alles das ist falsch und sollte zurückgewiesen werden.

Zweitens, an jene gerichtet, die Gewalt befürworten: gegen wen genau ist sie zu richten? Der Landwirt züchtet Tiere, weil die überwältigende Zahl von Menschen Fleisch und Tierprodukte zu konsumieren verlangt. Der Landwirt zieht die Tiere unter Bedingungen der Intensivhaltung auf, weil die Konsumenten wollen, dass Fleisch und Tierprodukte so billig wie möglich sind. Aber ist der Landwirt der einzige Schuldige hier? Oder wird die Verantwortung vom Rest derjenigen von uns geteilt, die Tierprodukte essen, einschließlich all jener ''pflichtbewussten Allesesser'', der nichtveganen ''Tierschutzleute'', die ''käfig-freie'' Eier und ''Bio-Fleisch'' konsumieren, welche die Nachfrage schaffen, ohne die der Landwirt etwas anderes mit seinem Leben anfinge? Ich vermute, dass es leichter ist, Landwirte als ''den Feind'' zu charakterisieren, aber dies ignoriert die Realität der Situation.

Was ist mit dem Tierexperimentator, einer üblichen Zielscheibe derer, die Gewalt befürworten? Die Frage einmal beiseite legend, ob Tierversuche wirklich Daten produzieren, die für die Lösung von Problemen menschlicher Gesundheit von Nutzen sind, [lässt sich feststellen, dass]die meisten Krankheiten, für deren Erforschung Tiere verwendet werden, sind solche, die gänzlich vermieden oder drastisch reduziert werden könnten, wenn die Menschen aufhörten, Nahrungsmittel tierlicher Herkunft zu essen und sich in solch destruktiven Verhaltensweisen wie Rauchen, exzessivrm Alkoholkonsum, Drogenkonsum und mangelnde Bewegung zu ergehen.

Nochmals gefragt, wer ist der wahre Schuldige? Ich denke gewiss nicht, dass Tierversuche aus irgendeinem Grund zu rechtfertigen seien, aber ich finde es merkwürdig, dass jene, die sich für Gewalt aussprechen, Tierexperimenatatoren als von den sozialen Bedingungen losgelöst sehen können, die Tierversuche hervorbringen – und an diesen Bedingungen sind wir alle mitschuldig.

Überdies dürfen wir nicht vergessen, dass es immer mehrere Wege gibt, Gesundheitsprobleme anzugehen. Tierversuche sind ein Weg und eine in den Augen vieler (einschließlich meiner) nicht sonderlich effektive Wahl. Die Entscheidung, soziale Ressourcen eher in Tierversuche als in andere, wirksamere Wege zu investieren, spiegelt ebenso sehr und wahrscheinlich mehr eine politische Entscheidung wider als eine wissenschaftliche.

Zum Beispiel hat der erhebliche Aufwand Tiere verbrauchender AIDS-Forschung wenig Nutzen für an AIDS leidende Menschen gebracht, und das meiste dessen, was in ein längeres und besseres Leben für die von HIV und AIDS Betroffenen resultierte, kam von klinischen Versuchen mit Menschen, die diesen Versuchen zugestimmt hatten. Es ist sicherlich plausibel, geltend zu machen, dass, würde das auf Tierversuche verwendete Geld stattdessen auf öffentliche Safe-Sex-Aufklärungskampagnen, den Austausch von Injektionsnadeln und die Verteilung von Kondomen verwendet werden, die Rate neuer HIV-Fälle dramatisch fallen würde. Tierversuche werden als akzeptable Art und Weise, das Problem AIDS zu lösen, angesehen, während der Austausch von Nadeln, das Verteilen von Kondomen und Safe-Sex-Aufklärung politisch kontrovers sind.

Der Tierexperimentator ist also wiederum nicht der einzige Schuldige hier. In der Tat kann sehr wohl argumentiert werden, dass die Hauptverantwortlichen für den Gebrauch von Tieren in der AIDS-Forschung die reaktionären Politiker sind, die auf eine reaktionäre Basis antworten, welche effektivere Wege, mit AIDS umzugehen, ablehnt.

Drittens ist mir nicht klar, was jene, die Gewalt unterstützen, in praktischer Hinsicht zu erreichen hoffen. Sie veranlassen die Öffentlichkeit sicherlich nicht dazu, mitfühlender mit der Not von Tieren zu werden. Eher ist das Gegenteil wahr, und diese Aktionen haben eine höchst negative Wirkung im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung. Wir leben in einer Welt, in der praktisch jeder, der es sich leisten kann, Tierprodukte konsumiert. In einer solchen Welt gibt es keinen Kontext, in der Gewalt für Tiere in irgend einer anderen als negativen Weise interpretiert werden kann.

Mit anderen Worten, in einer Welt, in der das Konsumieren von Tierprodukten von den meisten Menschen als ebenso ''natürlich'' und ''normal'' betrachtet wird wie Wasser trinken oder Atmen, wird Gewalt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit als nichts anderes denn als ein Akt des Wahnsinn gesehen und leistet nichts dazu, ein progressiveres Denken über das Problem der Tierausbeutung zu befördern.

Tierausbeutung ist beherrschend in unserer Gesellschaft. Dies ist so, weil wir denken, dass die Zwecke (die vermeintlichen Vorteile, die wir aus dem Gebrauch von Tieren ziehen) die Mittel rechtfertigen (jedes Jahr Milliarden von Tieren Leiden und Tod zuzufügen) und weil wir Tiere ausschließlich als Wirtschaftsartikel behandeln und ihren Eigenwert missachten. Diese Situation kann nicht sinnvollerweise dadurch angegangen werden, diese Vorstellungen zu verwenden, um Gewalt gegen Menschen zu rechtfertigen.

Die Tatsache, dass zumindest einige ''Anwälte der Tiere'', die Gewalt befürworten, nicht vegan sind, ist wahrhaftig verwirrend. Diese Leute sind solchermaßen um Tiere besorgt, dass sie sich dafür aussprechen, anderen Menschen Schaden zuzufügen, die Tiere ausbeuten, während sie anscheinend außerstande sind, aufzuhören, selbst Tiere auszubeuten.

Das Fazit ist klar: Der einzige Weg, auf dem wir jemals einen bedeutungsvollen Einfluss auf das Problem haben werden, ist der durch gewaltlose Aufklärung. Das fängt damit an, dass wir selbst Veganer werden und Gewalt gegen Tiere in unserem eigenen Leben ablehnen, und verbreitet sich durch kreative gewaltlose Aufklärung über Veganismus.

Ich plane, dieses Problem in größerem Umfang in meinen kommenden Schriften anzusprechen, und wollte eigne einleitende Gedanken mit Ihnen teilen.

Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione

Thursday, 2 August 2007

Eine Anmerkung zu Michael Vick

von Gary L. Francione Blog

Es hat eine gewaltige Menge Berichterstattung über das angebliche Hundekampf-Geschäft, gesponsert von Atlanta Falcons Quarterback Michael Vick, gegeben. Vick und drei weitere Männer wurden unter bundesstaatliche Anklage eines Verbrechens gestellt, derzufolge Vick illegale Hundekämpfe gesponsert, Glücksspiel mit Hundekämpfen betrieben und tierquälerische Handlungen auf seinem Grundstück gestattet hatte. Die Talkshows sind voll mit TV-Sprechern der "humanen Gemeinde", die Hundekämpfe verdammen und fordern, dass Vick bestraft wird, falls er wirklich schuldig ist. Nike und Reebok haben den Verkauf von Vick gutgeheißener Produkte ausgesetzt.

Lassen Sie mich bitte sehr deutlich feststellen: Ich denke, dass Hundekämpfe eine schreckliche Sache sind.

Aber ich muss sagen, dass der Fall Vick eine ziemlich dramatische Demonstration dessen ist, was ich unsere "moralische Schizophrenie" in Bezug auf Tiere nenne. Das heißt, wenn etwas klar ist, dann ist es dies, dass wir hinsichtlich unserer moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber nicht klar denken.

Allein in diesem Land töten wir über 10 Milliarden landlebender Tiere jährlich für Nahrungszwecke. Die Tiere, die wir essen – selbst die, welche angeblich "human" aufgezogen werden –, leiden genauso wie die Hunde, die für Hundekämpfe benutzt werden. Es gibt keine "Notwendigkeit" für uns, Fleisch, Milch oder Eier zu essen. Tatsächlich werden diese Nahrungsmittel zunehmend mit verschiedenen menschlichen Krankheiten in Verbindung gebracht, und landwirtschaftliche Tierhaltung ist ein Umweltdesaster für den Planeten. Wir erlegen diesen Milliarden fühlender Wesen Schmerz, Leiden und Tod auf, weil wir es genießen, ihr Fleisch und die Produkte, die wir aus ihnen machen, zu essen.

Es hat etwas ausgesprochen Bizarres, Michael Vick dafür zu verdammen, Hunde für eine abscheuliche Art der Unterhaltung zu benutzen, wenn 99% von uns ebenfalls Tiere, die ganz genauso empfindungsfähig wie Hunde sind, für eine andere abscheuliche Form der Unterhaltung benutzen, die nicht anders als Hundekämpfe zu rechtfertigen ist: Tiere und Tierprodukte zu essen.

Es hat etwas ausgesprochen Bizarres, dass viele "Tierliebhaber" zu Tisch sitzen und Fleisch essen, das das Certified-Humane-Raised-and-Handled Label (Zertifiziert human aufgezogen und behandelt) trägt, empfohlen von der Humane Society of the United States, während HSUS uns erzählt, was für ein übler Kerl Michael Vick ist.

HSUS und PETA fordern, dass Michael Vick von der NFL [National Football League] suspendiert wird. Soweit ich weiß, forderte keine dieser Organisationen, dass Michael Jordan von der NBL [National Basketball Association] suspendiert wird, weil er für Ball Park Franks [Frankfurter Würstchen] warb.

Es liegt etwas Bizarres darin, dass Reebok und Nike, die für ihre Schuhe Leder verwenden, von Vick empfohlene Produkte verbannen. Sie erlauben einem Kerl, der angeblich Hunde martert, nicht, Produkte zu empfehlen, die gemarterte Kühe enthalten.

In Introduction to Animal Rights: Your Child or the Dog? stellte ich Simon den Sadisten vor, der Vergnügen daran findet, Hunde mit einer Lötlampe zu verbrennen. Wir alle würden ein solches Verhalten als monströs betrachten, weil wir alle darin übereinstimmen, dass es falsch ist, Tieren "unnötiges" Leiden zuzufügen, und Vergnügen, Zeitvertreib und Bequemlichkeit können nicht als die Bedingung der "Notwendigkeit" erfüllend zählen. Aber dann stellte ich die weitergehende Frage – inwiefern unterscheiden sich jene von uns, die Tierfleisch oder Tierprodukte essen, denn von Simon? Er genießt es, Hunde mit einer Lötlampe zu verbrennen; wir genießen den Geschmack von Fleisch, Milch und Eiern. Aber sowohl wir als auch Simon töten empfindungsfähige Wesen (wir mögen andere dafür bezahlen, die schmutzige Arbeit zu erledigen), weil wir einen Genuss daraus ziehen.

Den Berichten zufolge beschlagnahmten die Behörden ein "Vergewaltigunsgestell" auf Vicks Grundstück, das dazu verwendet wird, Hündinnen für die Paarung festzuhalten. Und "Vergewaltigunsgerüste" werden gebraucht, um Kühe bei der Schwängerung festzuhalten. Wenn es um einen Hund geht, sind wir besorgt; wenn es um eine Kuh geht, ignorieren wir es.

Michael Vick mag es genießen, Hundekämpfe anzuschauen; ein anderer mag dies widerwärtig finden, sieht aber nichts Falsches darin, ein Tier zu essen, das ein Leben hatte, das ebenso voller Schmerz und Leiden war wie das der kämpfenden Hunde. Es ist sonderbar, dass wir letzteres als moralisch verschieden von ersterem und als moralisch höher stehend betrachten. Wie weit entfernt ist die johlende Menge um eine Hundekampfarena von der lachenden Gruppe bei einer sommerlichen Steak-Grillparty?

Wir alle sind Simon. Wir alle sind Michael Vick.

Leben Sie vegan.

Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione

Wednesday, 13 June 2007

Das Versagen von Tierschutzgesetzen

von Gary L. Francione Blog

Wir arbeiten immer noch hart an der Neugestaltung dieser Website. Wir sind davon sehr begeistert und hoffen, dass die Website Ihnen gefällt und dass Sie sie für Ihr abolitionistisches Eintreten für Tiere nützlich finden.

Ich möchte diese Woche einen Rechtsfall aus jüngster Zeit, der durch die Nachrichten ging, kurz kommentieren. Im Dezember 2005 behauptete ein Ermittler einer Tierschutzorganisation, verschiedene Fälle von Tierquälerei auf Esbenshade Farms, einer großen Eierfabrik in Pennsylvania, gefilmt zu haben. Der Eigentümer und der Manager wurden beide wegen 35 Fällen des Verstoßes gegen das in Pennsylvania gültige Tierschutzgesetz belangt. Das Video zeigte den Angaben zufolge auf dem Draht ihrer Käfige aufgespießte Hennen, unfähig, Futter oder Wasser zu erreichen, und zusammen mit den verwesenden Körpern anderer Hennen eingesperrt.

Am 01. Juni 2007 befand der Richter am Gerichtshof des Bundesstaates beide [Angeklagten] nicht schuldig in allen Anklagepunkten. Die Eierbauern behaupteten, dass das Video in Wirklichkeit nicht ihren Hof zeigte. Aber der Richter fertigte offensichtlich keine schriftliche Meinung aus, so dass die Grundlage der Entscheidung unklar ist.

Die Gemeinde der Anwälte der Tiere ist schockiert.

Warum?

Dies ist genau die Art und Weise, wie Tierschutzgesetze funktionieren. Nämlich gar nicht.

In meinem Buch Animals, Property, and the Law habe ich gezeigt, dass Tierschutzgesetze nicht funktionieren und darin versagen, den Interessen von Tieren bedeutsamen Schutz zu bieten. Es handelt sich um Strafrechtsbestimmungen, welche erfordern, dass der Staat jenen, die gegen sie verstoßen, eine kriminelle Absicht nachweist. Angesichts des Umstandes, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der fast jeder Tierausbeutung als normal betrachtet, ist es schwierig, jemandem ohne einen vernünftigen Zweifel nachzuweisen, dass er in krimineller Absicht gehandelt hat, wenn er einem Tier Leiden zugefügt und es getötet hat.

Darüber hinaus enthalten viele Tierschutzbestimmungen entweder ausdrücklich Ausnahmen für anerkannte Arten der institutionellen Tiernutzung oder sie interpretieren das Verbot des Zufügens ''unnötigen'' oder ''ungerechtfertigten'' Leidens von Tieren unter Verweis auf solche Nutzungsarten. Dies bedeutet, dass als ''notwendiges'' und ''gerechtfertigtes'' Leiden das erachtet wird, was in den Ausbeutungsindustrien gebräuchlich ist. Zum Beispiel verletzt laut den in Pennsylvania gültigen Bestimmungen eine ''im normalen landwirtschaftlichen Arbeitsablauf vorgenommene Handlung'' das Tierschutzgesetz nicht.
Aber viele Handlungen, die in landwirtschaftlicher Tierhaltung ''normal'' sind, sind ''grausam'' gemäß dem, wie wir den Begriff im nicht-rechtlichem Kontext verwenden. Die Verletzung von Hennen in Batteriekäfigen, ihre Unfähigkeit, Futter und Wasser zu erreichen, und tote Vögel in den Käfigen sind allesamt Teil ''normaler'' landwirtschaftlicher Eierproduktion.

Wir sollten also nicht überrascht sein, dass der Richter die Angeklagten von allen Vorwürfen freisprach. Selbst wenn sie taten, was getan zu haben sie beschuldigt werden, wäre es schwierig zu argumentieren, dass das, was auf dem Esbenshade-Hof auftrat, sich in irgendeiner bedeutsamen Weise von dem unterscheidet, was auf jeder anderen Eierfarm mit Massentierhaltung vor sich geht. Alle sind grässliche Orte, die Tiere für wirtschaftlichen Gewinn quälen. Aber sie existieren nur, weil wir Eier essen. In dem Maß, in dem die Eierbauern schuldig sind, sind es auch die Konsumenten. Wenn es keine Nachfrage [nach Eiern] gäbe, wären die Produzenten nicht im Geschäft.

In gewissem Sinne ist die strafrechtliche Verfolgung wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz irreführend und schädlich. Sie ist irreführend, weil sie suggeriert, dass es einen Unterschied zwischen [Betrieben wie] Esbenshade Farms und anderen Eierproduktionsanlagen gibt. Es gibt keinen. Alle sind fürchterliche Orte. Die strafrechtliche Verfolgung ist schädlich, weil sie als Lösung des Problems nahe legt, Eier zu konsumieren, die unter ''humaneren'' Umständen produziert werden wie ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung], die von der Humane Society of the United States und anderen Tierschutz-Körperschaften beworben werden.

Die Lösung ist nicht: mehr ''humane'' Eier.

Die Lösung ist: keine Eier.

Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione

Wednesday, 30 May 2007

Meine Antwort an Johanna

von Gary L. Francione Blog

Letzte Woche erhielt ich eine Email von einer Person, die ich mit ihrer Erlaubnis nur Johanna nennen werde. Johanna schrieb (Auszug):
Sie vertreten die Auffassung, dass wir alle unsere Zeit und Energie daransetzen sollen, Menschen zu überzeugen, Veganer zu werden. Ich denke, das ist eine wunderbare Idee, aber was ist mit all den Leuten, die Tiere überhaupt nicht kümmern und die niemals Veganer werden? Was ist mit denen, die vielleicht irgendwann einmal Veganer werden, aber nicht auf der Stelle dazu bereit sind?

Macht es mit Blick auf diese Menschen nicht Sinn, Tierschutzreformen zu verfolgen? Ist es nicht besser, sie zu ermutigen, Nahrungsmittel [tierlicher Herkunft] zu essen, die auf humanere Art und Weise produziert werden, selbst wenn der Unterschied zwischen diesen und solchen Nahrungsmitteln, die konventionell erzeugt werden, nicht sehr groß sein mag?
Johannas Bedenken sind recht typisch unter denen, die Tierschutzreformen und den ''Bio-Fleisch/ Mich/ Eier''-Ansatz unterstützen. Ich poste meine Antwort an Johanna in der Hoffnung, dass andere sie ihrem Nachdenken über diese Streitfragen dienlich finden werden.

Es gibt im Wesentlichen drei Gruppen von Menschen:

Die erste Gruppe besteht aus jenen, die, wie Sie zu bedenken geben, Tiere nicht kümmern und die niemals Veganer werden, zumindest nicht aus aus ethischen Gründen. Diejenigen, welche in diese Gruppe fallen, sind erklärtermaßen nicht bereit, mehr für Nahrungsmittel zu zahlen, die als in ''humanerer'' Art und Weise produziert vermarktet werden.

Falls Ihnen vorschwebt, dass besagte Leute wirksam dazu gezwungen werden könnten, ''humaner'' produzierte Nahrungsmittel zu kaufen, wenn wir bestimmte Reformen in nationaler Gesetzgebung realisieren, dann gibt es hierzu mindestens zwei Überlegungen:

Zunächst ist jede Tierschutzmaßnahme, die das Leiden von Tieren in irgendeiner bedeutsamen Weise vermindert und auf alle inländisch produzierten Nahrungsmittel anwendbar ist (und nicht auf eine Marktnische für wohlhabende Konsumenten abzielt), kostenträchtig und hat einen erheblichen Preisanstieg zur Folge. Dies würde eine politische Reaktion hervorrufen, die sicherstellen würde, dass die Reform entweder nicht in Kraft träte oder bis zu völliger Bedeutungslosigkeit abgeschwächt würde.

Zweitens ist es, selbst wenn Reformen gesetzlich realisiert würden, nicht klar, dass unter den verschiedenen Freihandelsabkommen der Import von Tierprodukten, die unter konventionellen Bedingungen produziert werden, blockiert werden könnte. Soweit Menschen in dieser ersten Gruppe sich um Tiere keine Gedanken machen und sie nicht bereit sind, einen Preisaufschlag für vermeintlich ''humanere'' Produkte zu zahlen, werden sie einfach Produkte von einer konventionellen Quelle kaufen.

Ihnen dürfte bekannt sein, dass es in Europa einen beträchtlichen Widerstand gegen inländische Gesetzgebung, mit der beabsichtigt ist, Tierschutzdirektiven der EU einzuführen, gegeben hat.

Die zweite Gruppe umfasst jene, die um Tiere besorgt sind und Veganer werden würden, wenn ihnen ein gutes Argument dafür präsentiert würde, dass wir keinerlei Tierprodukte essen sollen und dass es keinen moralischen Unterschied zwischen Fleisch und Milch oder Eiern gibt.

Wenn Sie diesen Menschen erzählen, sie könnten ihre moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber damit erfüllen, käfig-freie Eier [Eier aus Bodenhaltung] zu essen oder Fleisch mit dem Certified-Humane-Raised-&-Handled-Label [Zertifiziert aufgezogen und behandelt], dem Animal-Compassionate-Label [Mitgefühl für Tiere] oder mit irgendeinem der anderen ''Bio-Fleisch''-Etiketts oder dass sie, laut Kommentatoren wie Peter Singer, ''sich gelegentlich den Luxus von Freilandeiern oder vielleicht sogar von Fleisch von Tieren leisten (können), die ein gutes Leben unter artgerechten Bedingungen hatten und dann human auf dem Hof getötet werden''; wenn Sie ihnen das erzählen, anstatt an sie mit einer klaren veganen Botschaft heranzutreten, dann kann es gut sein, dass diese Menschen nicht Veganer werden.

Ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft Anwälte der Tiere mir sagten, sie seien jahrelang Vegetarier gewesen, hätten aber angefangen, vegan zu leben, nachdem sie eine Vorlesung von mir oder ein Interview mit mir gehört oder etwas von dem gelesen hätten, was ich darüber geschrieben habe, dass es keinen [moralisch relevanten ] Unterschied zwischen Fleisch und Milch gibt und alles andere als Veganismus Tierausbeutung ist.

Zum Beispiel schrieb mir als Reaktion auf ein Seminar über Tierrechte, das ich in einem Tierheim gegeben hatte, ein dort ehrenamtlich Tätiger:
Ich war 12 Jahre lang Vegetarier und bin Veganer, seit ich das Tierheim nach Ihrem Besuch verlassen habe. Ich denke, es war das von Ihnen gegebene Beispiel von Simon dem Sadisten, das wirklich gesessen hat. In jedem Fall möchte ich Ihnen danken dafür, dass Sie gekommen sind, um hier zu sprechen. Veganer geworden zu sein hat mich wirklich dafür geöffnet, die Widersprüche in meinem Leben neu zu bewerten, ganz abgesehen von all dem tollen Essen, das ich sonst nicht ausprobiert hätte, weil es so leicht war, ein [Käse-]Pizza bestellender Vegetarier zu sein.
(Sie können das Simon-der-Sadist-Beispiel hier nachlesen.)

Als Reaktion auf mein Interview in The Vegan schreib eine Leserin:
Am Ende des Interviews sagen Sie: ''Ich verwende eine Menge Zeit darauf, mit meinen Freunden über Veganismus zu sprechen, und bin froh, dass die meisten von ihnen Veganer geworden sind. Und ich höre niemals auf, zu versuchen, die anderen zu überzeugen. Niemals.''

Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass ich ein von Ihnen Bekehrter bin! Vegetarierin seit 30 Jahren, bin ich vor einem Jahr Veganerin geworden, nachdem ich einige Online-Texte von Ihnen gelesen hatte, auf die meine vegane Tochter mich aufmerksam gemacht hatte. Meine Reaktion war: ''Ja, das ist vollkommen richtig'', und ich bedauere, nicht schon vor Jahrzehnten Veganerin geworden zu sein.

Ich unterstütze voll und ganz Ihre Einstellung, die so offenkundig richtig, wahr und klarsichtig ist, dass es manchmal schwer fällt zu verstehen, warum das nicht jeder sehen kann.
Ich bekomme Dutzende solcher Mitteilungen. Das Gleiche passiert Bob und Jenna Torres auf Vegan Freaks. Wir sprechen fast wöchentlich über Emails und Anrufe, die wir von Leuten erhalten, die Veganer werden, weil sie es schließlich ''kapieren''. Sie dachten, weniger zu tun, als vegan zu leben, sei moralisch vertretbar, weil dies genau das war, was die ''Bewegung'' ihnen erzählte.

Die dritte Gruppe besteht aus jenen, die nicht auf der Stelle Veganer werden, selbst wenn Sie sie mit einer überzeugenden veganen Botschaft ansprechen.

Sollten wir diese Leute dazu ermutigen, käfig-freie Eier oder ''Bio-Fleisch'' zu konsumieren, oder Fleisch wegzulassen, aber nicht Mich, als Schritt in Richtung Veganismus?

Meiner Meinung nach nicht.

Manche Tierschützer denken, dass wenn Sie jemandem die Botschaft, vegan zu leben, vermitteln, der nicht sofort bereit ist, es zu tun, derjenige gar nichts tun wird. Worauf gründet sich diese Annahme? Tatsächlich sagt uns der gesunde Menschenverstand das Gegenteil. Wenn Sie die Botschaft des Veganismus an jemanden richten, der sich über Tierethik Gedanken macht, aber noch nicht bereit ist, vegan zu leben, wird dieser Mensch höchstwahrscheinlich weniger tun, als vegan zu leben, aber er wird nicht nichts tun. Aber Sie können absolut sicher sein, dass er, wenn Sie jemandem erzählen, er brauche nicht vegan zu leben, um seine moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber zu erfüllen, es auch nicht tun wird. Wenn Sie Leuten in dieser Gruppe sagen, es sei moralisch akzeptabel, käfig-freie Eier oder ''Bio-Fleisch'' zu essen oder ''pflichtbewusste Allesesser'' zu sein, dann ist dies genau das und alles, was sie tun werden.

Wenn Sie die vegane Position verständlich erklären, wird jemand, der wirklich nicht gleichgültig ist, aber nicht umgehend Veganer werden will, etwas tun, das weniger als Veganismus ist. Die Frage ist, was sollte er tun?

Wenn wir es mit einem Anwalt der Tiere zu tun haben, der, nachdem er die Argumente für Veganismus erwogen hat, erklärt, dass er nicht auf der Stelle Veganer wird, ist die Antwort nicht, ihm vorzuschlagen, käfig-freie Eier oder ''Bio-Fleisch'' von Whole Foods zu essen.

Indem Sie diesen Vorschlag machen, ermutigen Sie ihn, zu glauben, es gebe einen Unterschied zwischen Eiern aus einer Legebatterie und solchen aus Bodenhaltung oder zwischen ''Bio-Fleisch'' von Whole Foods und konventionellem Fleisch. Es gibt keinen bedeutsamen Unterschied. Es ist alles grässlich. Die ''Bio-Fleisch''-Bewegung lässt die Menschen sich wohler beim Konsumieren von Tieren und Tierprodukten fühlen und ermutigt sie, Tiere und Tierprodukte zu konsumieren.

Es gibt keinen Unterschied zwischen Fleisch und Milch. Zu sagen, Sie äßen kein Fleisch, aber Milchprodukte oder Eier, ist wie zu sagen, Sie äßen große Kühe, aber keine kleinen. In einem Glas Milch steckt ebenso viel Leid wie in einem Pfund Steak, und alle diese Tiere enden im selben Schlachthaus, wonach wir sie ohnehin essen.

Zudem tendieren viele Menschen, wenn sie Fleisch aufgeben, dazu, mehr Milchprodukte und Eier zu essen. Was für ein ''Fortschritt'' ist das?

Wir sollten immer klarstellen, dass es keinen moralischen Unterschied zwischen Fleisch und allem anderen gibt. Es ist alles schlimm. Es ist alles Teil der Ausbeutung von Tieren, und nichts davon kann moralisch gerechtfertigt werden.

Eine bessere praktische Lösung ist es, einen schrittweisen Zugang vorzuschlagen, der stärker mit der Vorstellung übereinstimmt, dass wir keine Tierprodukte essen sollten.

Oft schlage ich jemandem in dieser dritten Gruppe vor, eine vegane Mahlzeit pro Tag für ein oder zwei Wochen zu essen. Und dann zwei Mahlzeiten in der dritten und vierten Woche und drei Mahlzeiten in der fünften und sechsten Woche. Ich versorge ihn mit Informationen über vegane Ernährung und leite ihn zu einigen der hervorragenden Websites, die so deutlich demonstrieren, wie einfach es ist, vegan zu leben, und die eine breite Palette der vorzüglichen und nahrhaften Angebote, die erhältlich sind, bieten.

Ich denke, es ist sehr wichtig, ehrlich zu den Menschen zu sein und ihnen zu erklären, dass in unserer Gesellschaft, die von Tierausbeutung durchdrungen ist, es unmöglich ist, Tierausbeutung komplett zu vermeiden. Was aber absolut sicher ist, ist dies, dass Sie, wenn Sie nicht vegan leben, Tierausbeuter sind. Es ist unerlässlich, dass jenen, die um Tiere besorgt sind, deutlich gesagt wird, dass dies nicht genug ist. Sie müssen Ihren Prinzipien entsprechend handeln.

Obwohl der von mir beschriebene schrittweise Zugang besser ist, als käfig-freie Eier und ''Bio-Fleisch'' zu konsumieren und mehr Profit in die Taschen von Tierausbeutern zu stecken, deren Produkte mehr kosten, aber nicht ''humaner'' sind als konventionelle, ist es wichtig, jedem, den diese Probleme kümmern, vor Augen zu führen, dass alles, was weniger als Veganismus ist, bedeutet, den eigenen Genuss über das Leben und Leiden der Tiere zu stellen, die sie weiterhin essen. Wir sollten niemals das Essen irgendeines Tierproduktes unter irgendwelchen Umständen ''billigen''. Wir sollten stets deutlich und unzweideutig Singers Ansicht zurückweisen, dass ein konsequenter Veganer zu sein ''fanatisch'' ist oder dass wir die Verpflichtung haben, nicht vegan zu essen, wenn dies zu tun andere zu der Reaktion veranlasst, zu sagen: ''Oh mein Gott, diese Veganer...''

Das eine, was ich niemals tue, ist die Vorstellung zu verstärken – die von den großen Tierschutzgruppen befördert wird –, dass Veganismus einen schwierige Veränderung des Lifestyles bedeutet und nur für jene realisierbar ist, die gut darin sind, sich selbst aufzuopfern, und über mönchische Selbstdisziplin verfügen. Ich sage ihnen die Wahrheit: Veganismus ist leicht. Delikates, nahrhaftes veganes Essen muss nicht teuer sein. Und ich betone, dass es, wenn es ihnen mit Tierethik ernst ist, keine andere Wahl gibt.

Und was unsere Öffentlichkeitsarbeit anbelangt, bedenken Sie, dass es ein Nullsummenspiel ist. Unsere Zeit und unsere Ressourcen sind begrenzt. Die Zeit und Ressourcen, die Sie darauf verwenden, für Bio-Fleisch und [andere] Bio-Tierprodukte Werbung zu machen, verwenden Sie nicht auf klare, unzweideutige Aufklärung über Veganismus. Letzteres zu tun ist der beste Weg, die Nutzung und das Leiden [von Tieren] kurzfristig zu vermindern, und es ist der einzige Weg, langfristig eine abolitionistische Bewegung aufzubauen, die das moralische Leitbild weg vom Status von Tieren als Eigentum verändern kann.

Die ''Bio-Fleisch/ Milch/ Eier''-Bewegung schließt eine notwendige Allianz zwischen Anwälten der Tiere und institutionellen Ausbeutern ein, in der Tierschützer quasi die Partner der Tierindustrie sind, Werber für ''humanes'' Fleisch, ''humane'' Milch und ''humane'' Eier''. Der abolitionistische Ansatz lehnt diese Allianz ab.

Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione