Tuesday, 8 September 2009

Kommentar (7): Ein nahe gehende und persönliche Begegnung mit moralischer Schizophrenie

von Gary L. Francione Blog

Liebe KollegInnen,

Ich spreche von dem sozialen und moralischen Sachverhalt der wahnhaften und verdrehten Art und Weise unseres Denkens in Bezug auf Tiere als ''moralische Schizophrenie'' darstellend.

Kürzlich hatte ich eine Begegnung mit moralischer Schizophrenie, als ich es mit einem Reh zu tun hatte, das von einem Auto angefahren worden war, und mit Jägern, die anhielten, um dem Reh zu helfen.

In diesem Kommentar beschreibe und erörtere ich, was geschehen war.

Gary L. Francione
© 2009 Gary L. Francione

Tuesday, 1 September 2009

Hey, ist das Milch auf deiner Balaklava?

von Gary L. Francione Blog

Liebe KollegInnen,

wie Sie wissen, bin ich ein Gegner aller Gewalt. Siehe zum Beispiel Ein Kommentar zu Gewalt(Podcast), Ein Kommentar zur Gewaltfrage, Mehr zur Frage von Gewalt und Tierrechten und Zu Tierversuchen und Gewalt. Das ist ein ständiges Thema in meinem Werk seit vielen Jahren. Ich lehne jede Gewalt ab – einschließlich Gewalt gegen Eigentum. Jene, die behaupten, dass es so etwas wie das Zerstören eines Gebäudes oder einen Einbruch gibt, der nicht einen Schaden oder das Risiko eines Schadens für empfindungsfähige Wesen (Menschen und Tiere gleichermaßen) zur Folge hat, machen sich schlicht etwas vor.

Aus den Gründen, die ich bei zahlreichen Gelegenheiten dargelegt habe, betrachte ich Gewalt als das Problem und nicht als irgendeinen Teil der Lösung, und ich ermuntere jene, die über Tierausbeutung besorgt sind, vegan zu leben und sich in kreativer, gewaltloser Aufklärung über Veganismus zu betätigen.

Ich habe gerade einen Blick auf die Website der Animal Liberation Front geworfen, die ich schon eine Weile nicht angeschaut hatte.

Sie ist wirklich ziemlich bemerkenswert. Laut ihrem ''Credo''
(führt) die Animal Liberation Front (ALF).. direkte Aktionen gegen Tiermissbrauch in Form von Tierrettungen und der Verursachung finanzieller Verluste für Tierausbeuter aus, üblicherweise durch das Beschädigen und Zerstören von Eigentum.
Das Credo besagt außerdem:
Jede Gruppe von Menschen, die Vegetarier oder Veganer sind und Aktionen gemäß den ALF-Richtlinien ausführen, haben das Recht, sich als Teil der ALF zu betrachten.
Okay, lassen Sie mich sehen, ob ich dieses Recht habe. Wenn Sie Vegetarier sind – wenn Sie Milch, Eis, Käse, Eier konsumieren –, haben Sie den Segen der ALF dazu, Eigentum in ihrem Nahmen zu zerstören.

Nun, ich denke nicht, das Sie sich in Gewalt betätigen sollten, selbst wenn Sie Veganer sind, aber es ist mehr als verwirrend für mich, dass jemand der Meinung sein kann, dass Menschen, die dadurch, dass sie nicht vegan leben, selbst aktiv an Tierausbeutung beteiligt sind, es für auch nur entfernt zulässig erachten könnten, Akte der Gewalt gegen andere begehen zu sollen, die an Tierausbeutung beteiligt sind.

Aber warten Sie. Da ist noch mehr. Da ist ein Link zu Saints Alive [Lebende Heilige], wo viele nichtvegane (oder nichtvegetarische) Prominente und Figuren des öffentlichen Lebens präsentiert werden, einschließlich jener, die für Tierprodukte werben oder sie billigen.

Und es gibt Links zu fast jeder Tierschutzorganisation, die für ''Bio-Fleisch/Milch/Eier'' wirbt. Also behaupten Menschen, die Tiere ausbeuten oder andere Tierausbeuter unterstützen, Kämpfer zu sein mit dem Recht, Gewalt gegen andere Tierausbeuter auszuüben. Das Niveau der Konfusion hier ist schwerwiegend.

Ich habe oft argumentiert, dass jene, die Gewalt unterstützen, nicht schlüssig vertreten können, dass wir institutionelle Ausbeuter zur Zielscheibe machen sollen, weil wir, die Konsumenten, es sind, die die Nachfrage für Tierprodukte schaffen. Die Lösung ist Aufklärung, um das Paradigma zu verändern. Es gibt keine andere realistische Option.

Die Gewaltbefürworter werden gewaltig ärgerlich, wenn ich so argumentiere, und beschimpfen mich auf jede erdenkliche Weise, und bedauerlicherweise bedrohen und belästigen einige von ihnen jene, die ihre Unterstützung für Gewaltlosigkeit zum Ausdruck bringen.

Ich sehe jetzt, warum. Sie müssten alle ihre Balaclava anziehen und Gewalt gegeneinander verüben, wenn Sie meinen Standpunkt [dass es nicht vertretbar ist, die Anbieter von Tierprodukten eher als die Nachfrager anzugreifen] akzeptieren würden.

Leben Sie vegan. Es ist besser für Sie; es ist besser für den Planeten und, was das Wichtigste ist, es ist das moralisch Richtige. Und zumindest was mich betrifft, sind Tierrechte und ethischer Veganismus eine Verpflichtung zur Gewaltlosigkeit.

Gary L. Francione
©2009 Gary L. Francione

Saturday, 29 August 2009

Kommentar (6): Aspekte der Vegetarier/eganer-Debatte

von Gary L. Francione Blog

Liebe KollegInnen,

Unser erster Kommentar zu Vegetarismus als ein ''Einstieg'' in den Veganismus hat eine anhaltende Kontroverse provoziert und in diesem Kommentar spreche ich drei Streitfragen an.

1. Bedeutet mein Standpunkt, dass wir keine moralische Unterscheidung zwischen Fleisch und anderen Tierprodukten machen können, dass wir auf Konfrontationskurs gehen sollten, wenn wir mit Menschen reden, die keine Veganer sind, oder sie verurteilen sollten?

Die knappe Antwort: nein, natürlich nicht.

2. Was machen wir, wenn jemand sagt, dass ihm das Problem der Tierausbeutung nicht egal ist, dass er aber Tierprodukte schlicht nicht aufgeben wird?

Die knappe Antwort: Das ist im Allgemeinen eine Reaktion, die in Wirklichkeit zu mehr Diskussion einlädt.

3. Warum weisen Neue Tierschützer Veganismus als moralische Grundlinie so vehement zurück?

Die knappe Antwort: Ein Schlüsselprinzip der Tierschutztheorie ist, dass es vertretbar ist, Tiere zu nutzen und zu töten, solange wir sie nicht leiden machen. Veganismus ist einfach ein Weg – unter vielen anderen, einschließlich ''Bio-Fleisch/Milch/Eier'' –, Leiden zu vermindern. Veganismus hat keine größere Bedeutung denn als ein Weg, Leiden zu vermindern.

Ich hoffe, dieser Kommentar klärt einige der ausgezeichneten Fragen, die ich erhalten habe.

Gary L. Francione
©2009 Gary L. Francione

Saturday, 22 August 2009

Kommentar (5): Zum Thema Gewalt

von Gary L. Francione Blog

Liebe KollegInnen,

ich bin ein Gegner von Gewalt. Ich betrachte Gewalt als an sich unmoralisch. Ich habe oft über dieses Thema geschrieben und es erörtert, einschließlich in Essays (1, 2)auf dieser Website.

Ich nehme zur Kenntnis, dass viele von Ihnen mit meiner Ablehnung von Gewalt nicht übereinstimmen.

Aber das ist unerheblich. Selbst wenn Sie glauben, dass Gewalt gerechtfertigt werden kann, gibt es immer noch zwingende Gründe, daran festzuhalten, dass Gewalt im Zusammenhang des Kampfes um Tierrechte nicht den geringsten Sinn macht.

Ich vertrete die Auffassung, dass das Einzige, was einen praktischen Sinn macht, kreative gewaltlose Aufklärung über Veganismus ist. Diese Strategie ist alles andere als passiv, sie bedeutet unser aktives und beständiges Arbeiten daran, ein grundlegendes Paradigma zu verändern – die Vorstellung, dass Tiere Sachen, Ressourcen, Eigentum sind, dass sie ausschließlich Mittel zu menschlichen Zwecken sind.

Bis wir eine kritische Masse von Menschen, die dieses Paradigma ablehnen, gebildet haben, wird sich nichts verändern.

In diesem Kommentar diskutiere ich das Thema Gewalt.

Gary L. Francione
©2009 Gary L. Francione

Monday, 17 August 2009

Kommentar (4): Nichtvegane Katzen

Folgekommentar zu ''Heimtieren''

von Gary L. Francione Blog

Liebe KollegInnen,

eine Reihe von Leuten hat mir als Reaktion auf meinen Kommentar zu ''Heimtieren'' geschrieben und mich zum Problem nichtveganer Katzen befragt.

Nach meinem Verständnis können viele Katzen mit veganer Ernährung gesund leben, aber was machen wir, wenn es Katzen gibt, die unbedingt Tierprodukte konsumieren müssen?

In diesem Kommentar biete ich einige Ideen an, die Sie, wie ich hoffe, zum Nachdenken über diese Streitfrage anregen werden.

Gary L. Francione
© 2009 Gary L. Francione

Friday, 14 August 2009

Kommentar (3): Zu Michael Vick

von Gary L. Francione Blog

Liebe KollegInnen,

wie Sie wissen, frage ich mich mich seit 2007, warum irgendjemand denkt, Michael Vick sei schlimmer als irgendein anderer, der Tierprodukte konsumiert oder gebraucht.
(Siehe 1, 2, 3)

Vick wurde jedenfalls im Mai 2009 aus dem Gefängnis entlassen und am 27. Juli 2009 hat der Vorsitzende der NFL [National Football League], Roger Goodell, Vick bedingt wieder eingesetzt. Die Philadelphia Eagles haben Vick einen Ein-Jahres-Vertrag mit der Option eines zweiten Jahres gegeben.

Nach den Medienberichten und Blogessays zu urteilen, sind viele Anwälte der Tiere darüber empört und einige rufen zu einem Boykott der NFL auf.

In diesem Kommentar erkläre ich, warum ich denke, dass es sich bei der Sache mit Michael Vick nicht wirklich um Michael Vick oder Hundekampf handelt. Es geht um grundlegende moralische Prinzipien, die wir als Gesellschaft zu bejahen behaupten.

Gary L. Francione
© 2009 Gary L. Francione

Thursday, 13 August 2009

Einige Bemerkungen zu Vegetarismus als ''Einstieg'' in den Veganismus

von Gary L. Francione Blog

Liebe KollegInnen,

Die Folge meiner Kommentare (hier, auf Facebook und im Podcast-Kommentar) war, dass ich mit privaten Mitteilungen überschwemmt wurde, die alle dieselben Themen hatten: (1) ''aber viele Veganer haben als Vegetarier angefangen'' und (2) ''für Veganismus zu werben ist elitär''.

Was die Frage, ob viele Veganer als Vegetarier angefangen haben, betrifft, lassen Sie es mich klar sagen: Darum geht es nicht.

Die relevante Frage ist erstens, ob Vegetarismus ein sinnvoller moralischer Standpunkt ist. Das heißt, können wir eine belangvolle moralische Unterscheidung zwischen Tierfleisch und anderen Tierprodukten machen? Wenn wir das nicht können, wie ich behaupte, dann sollten wir Vegetarismus nicht mehr fördern als wir es als moralisch erheblich fördern sollten, eher rotes als weißes Kalbfleisch, käfig-freie Eier [Eier aus Bodenhaltung] eher als Batterieeier etc. zu essen. Wenn alle diese Produkte unmoralisch sind, dann sollen wir deutlich und ehrlich sein und dies auch sagen.

Andere Tierprodukte als Fleisch sind oft mit mehr Leiden und Tod verbunden als Fleisch. Zum Beispiel werden Tiere, die für Milchprodukte verwendet werden, länger am Leben gehalten, aber schlimmer behandelt (einschließlich dessen, dass ihnen ihre Babys weggenommen und für Kalbfleisch getötet werden) und alle Milchkühe landen im selben Schlachthaus wie die ihres Fleisches wegen genutzten Tiere. Der Vegetarier, der fortfährt, Milchprodukte zu konsumieren, ist noch immer am Leiden und Sterben von Tieren mitschuldig. Was ist die moralische Rechtfertigung für das Fördern fortgesetzter Mitschuld an Leiden und Sterben? In der Tat mag die Vegetarierin, die ihren Konsum von Milchprodukten erhöht, wie es viele tun, für mehr Leiden und Tod verantwortlich sein, als bevor sie Vegetarierin wurde.

Zweitens lässt die Beobachtung, dass viele Veganer vorher Vegetarier waren, selbst wenn dies zutrifft, die Frage offen, warum das der Fall ist. Viele geben an, dass sie nicht Veganer wurden gerade wegen des von großen Tierschutzorganisationen gelegten Nachdrucks auf Vegetarismus als moralisch wünschenswert. Das Fördern von Vegetarismus behindert die Menschen tatsächlich darin, Veganer zu werden.

Klar ist, wenn Sie erklären, dass es keinen Unterschied zwischen Fleisch und anderen Tierprodukten gibt und warum wir vegan leben sollten, und die Person, mit der Sie sprechen, sich über das Problem Gedanken macht, sie entweder (1) sofort Veganer wird oder (2) dies in Stadien tut oder (3) nicht Veganer wird und irgendeine Version von Vegetarismus annimmt (oder zum Konsum von ''Bio-Fleisch/Milch/Eiern'' übergeht). Aber sie wird wenigstens verstehen, dass Veganismus dasjenige ist, worauf es hinzuarbeiten gilt. Sie wird verstehen, dass die Grenzziehung zwischen Fleisch und Milch gänzlich willkürlich ist. Wenn Sie behaupten, dass vegetarisch zu leben moralisch bedeutsam ist und dass es einen Unterschied zwischen Fleisch und anderen Tierprodukten gibt, dann erhöhen Sie damit die Chancen, dass das Fortschreiten anderer in Richtung Veganismus erschwert wird.

Mit anderen Worten, Sie brauchen nicht für Vegetarismus zu werben. Es ist völlig unnötig, moralisch sinnlos und es hemmt in praktischer Hinsicht den Übergang zum Veganismus.

Was den vermeintlichen ''Elitarismus'' angeht, so fahre ich fort, diesen Kommentar verwirrend zu finden.

Gibt es etwas Elitäreres als zu glauben, dass die Menschen zu dumm sind, um die Argumente gegen Tierausbeutung und das Nichtvorhandensein jeglichen bedeutsamen Unterschiedes zwischen Fleisch und Milch zu verstehen?

Gibt es etwas Elitäreres, als die Vorstellung zu fördern, dass es moralisch vertretbar ist, Milch, Eier oder andere Tierprodukte zu konsumieren und die Ausbeutung der Wehrlosesten fortzusetzen?

Wir würden niemals das Eintreten für ein vollständiges Verbot von Vergewaltigung als ''elitär*'etikettieren (obwohl Vergewaltigung in einer patriarchalen Welt ein häufiges Vorkommnis ist, gewesen ist und weiterhin sein wird). Aber wenn es um Tiere geht, wird das Eintreten für ein vollständiges Verbot ihres Konsums und ihrer Nutzung als elitär angesehen.

Was unterscheidet diese beiden Situationen?

Das ist eine rhetorische Frage. Die Antwort ist klar: die Artzugehörigkeit.

Es tut mir Leid, dass ich nicht auf alle privaten Emails und Facebook-Mitteilungen antworten kann. Aber ich habe dies so klar gesagt, wie es mir möglich ist. Ich habe keine künstlerischen Fähigkeiten und kann keine Bilder zeichnen.

Leben Sie vegan. Es ist leicht. Es ist besser für Ihre Gesundheit; es ist besser für den Planeten und, was die Hauptsache ist, es ist das moralisch Richtige.

Und denken Sie bitte daran: Gewalt ist das Problem; sie ist nicht irgendein Teil der Lösung. Abschaffung der Tierausbeutung, Veganismus und Gewaltlosigkeit sind verschiedene Aspekte ein und desselben Konzepts.

Gary L. Francione
© 2009 Gary L. Francione