von Gary L. Francione Blog
Eine Anzahl von Lesern hat mich gebeten, etwas zu schreiben, das sie herunterladen und als kurze Antwort für jene Anwälte der Tiere verwenden können, die den Tierschutzansatz fördern und nicht verstehen, weshalb dieser Ansatz unvereinbar mit einer Rechtsposition/ abolitionistischen Position ist.
Ich hoffe, dies hier ist dienlich.
Es gibt mindestens vier Probleme mit der tierethischen Herangehensweise des Tierschutzes.
Erstens bieten tierschützerische Maßnahmen einen geringen Schutz tierlicher Interessen, wenn überhaupt. Zum Beispiel führte der Verein People for the Ethical Treatment of Animals (PETA) eine Kampagne, um McDonald's und andere Fast-Food-Ketten dazu zu bewegen, Temple Grandins Handhabungs- und Schlachtmethoden zu übernehmen. Aber ein Schlachthaus, das Grandins Richtlinien folgt und eines, das es nicht tut, sind beide grässliche Orte. Es grenzt an Wahnvorstellungen, etwas anderes zu behaupten.
Eine Anzahl von Tierschutzgruppen kämpfen für Alternativen zum Kastenstand für Schweine. Aber bei näherer Betrachtung laufen diese Maßnahmen, die kostspielige Kampagnen einschließen, nicht wirklich auf viel hinaus, insofern es beträchtliche Schlupflöcher gibt, die es den institutionellen Ausbeutern erlauben, in jedem Fall zu machen, was sie wollen. Ich habe einen Blogessay: Ein ''Triumph'' des Tierschutzes? über die Kampagne gegen den Kastenstand für schwangere Sauen in Florida geschrieben, der die Grenzen solcher Reformen veranschaulicht.
Das Gleiche kann über die meisten "Verbesserungen" im Tierschutz gesagt werden: Sie mögen bewirken, dass wir uns besser fühlen, aber sie erreichen sehr wenig für die Tiere.
Zweitens lassen tierschützerische Maßnahmen die Öffentlichkeit sich bei der Tierausbeutung wohler fühlen, und dies ermutigt dir fortgesetzte Nutzung von Tieren. In der Tat ist es klar, dass Menschen, die Nahrungsmittel tierlichen Ursprungs wegen Besorgnis über die Behandlung von Tieren gemieden haben, dazu zurückkehren, sie zu essen, nachdem ihnen von großen Tierschutzorganisationen erklärt worden ist, dass Tiere "humaner" behandelt werden. Ich diskutiere dieses Problem in meinem Blogessay zu ''Bio-Fleisch''
Ironischerweise können Tierschutzreformen Tierleid tatsächlich vergrößern. Angenommen, wir beuten 5 Tiere aus und erlegen ihnen 10 Einheiten Leiden auf. Das sind insgesamt 50 Einheiten Leiden. Eine Tierschutzmaßnahme resultiert in einer Verringerung um eine Einheit Leiden für jedes Tier, aber der Konsum steigt auf 6 Tiere. Das sind insgesamt 54 Einheiten Leiden – eine Nettozunahme. Es steht außer Frage, dass dieses Phänomen auftritt. Zum Beispiel ist in Europa der Konsum von Kalbfleisch gestiegen infolge von Regulierungen des Einsperrens von Kälbern.
Drittens leistet Tierschutz nichts, um den Eigentumsstatus von Tieren zu beseitigen. Tierschutzstandards sind generell mit dem verknüpft, was erforderlich ist, um Tiere in effizienter Weise auszubeuten. Das heißt, Tierschutz schützt tierliche Interessen allgemein nur in dem Maß, in dem er wirtschaftliche Vorteile für Menschen bietet. Dies bekräftigt ausdrücklich den Status von Tieren als Wirtschaftsgüter, Waren, Eigentum.
Zum Beispiel fördert die Humane Society of the United States (HSUS) Tierschutzreformen, die ausdrücklich auf dem wirtschaftlichen Nutzen basieren, der aus einem effizienteren Gebrauch von Tieren als Wirtschaftsgütern resultiert. Werfen Sie einen Blick in den HSUS-Bericht über die Wirtschaftlichkeit der Übernahme von alternativen Produktionssystemen gegenüber dem Kastenstand fur schwangere Sauen, der argumentiert, dass diese Alternativsysteme die Produktivität und die Profite erhöhen, oder in den HSUS-Bericht über die Wirtschaftlichkeit der Einführung alternativer Produktionsmethoden gegenüber der Schlachtung von Geflügel mit elektrischer Betäubung, der argumentiert, dass die Vergasung der Tiere "in Kostenersparnissen und erhöhten Einnahmen resultiert durch die Verminderung der Herunterstufung der Schlachtkörper, der Verunreinigung und Kühlungskosten, die Steigerung der Fleischerträge, der Qualität und Lagerfähigkeit des Fleisches sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen."
Dieser Ansatz ist nicht auf traditionelle Tierschutzgruppen wie HSUS beschränkt. Auch die Gruppen des Neuen Tierschutzes wie PETA haben ihn übernommen. In PETAs Analyse des Tötens in kontrollierter Atmosphäre vs. elektrischer Immobilisierung vom wirtschaftlichen Standpunkt argumentiert der Verein für das Vergasen oder ''Töten in kontrollierter Atmosphäre [controlled atmosphere killing](CAK)'' von Geflügel mit der Behauptung, dass die Schlachtmethode der elektrischen Betäubung ''die Fleischqualität und den Ertrag senkt, weil die Vögel Knochenbrüche erleiden und das Verfahren zu Verunreinigungen führt, die die menschliche Gesundheit gefährden. '' Die Methode der elektrischen Betäubung ''erhöht [zudem] die Arbeitskosten'' in verschiedener Weise. PETA argumentiert, dass ''CAK die Fleischqualität und den Ertrag erhöht'', weil Knochenbrüche, Blutergüsse und Quetschungen angeblich ausgeschlossen und Verunreinigungen reduziert werden, die ''Lagerfähigkeit des Fleisches'' erhöht und ''zarteres Brustfleisch'' produziert wird. PETA macht außerdem geltend, dass ''CAK die Arbeitskosten senkt'' durch die Verminderung der Notwendigkeit gewisser Inspektionen, die Verminderung von Unfällen und geringere Arbeiterfluktuation. CAK bietet noch ''andere wirtschaftliche Vorteile'' für die Geflügelindustrie, indem sie Produzenten erlaubt, bei den Energiekosten und durch die Reduzierung des Ausschusses von Nebenprodukten und des Wasserverbrauchs Geld zu sparen.
Mit anderen Worten, HSUS, PETA und andere sind effektiv zu Beratern der Fleischindustrie geworden, um ihr dabei behilflich zu sein, Arten und Weisen der Erhöhung von Profiten aus Tierausbeutung zu ermitteln. Selbst wenn dies zu geringfügigen Verbesserungen des Tierschutzes führt, leistet es absolut nichts, um das Eigentumsparadigma in Frage zu stellen. In der Tat bekräftigt es den Status von Tieren als nichts anderes als Wirtschaftsgüter. Und es lässt Menschen sich wohler bei der Ausbeutung von Tieren fühlen.
Viertens ist es ein Nullsummenspiel. Jede Sekunde der Zeit und jeder Cent des Geldes, dafür verwendet, Tierausbeutung ''humaner'' zu machen, ist weniger Geld und Zeit, die bzw. das für Aufklärung über Veganismus/ Abolitionismus verwendet wird. Sehen Sie mal es von dieser Seite.
Nehmen wir an, Sie haben morgen zwei Stunden Zeit, für die Sache der Tiere einzutreten. Sie haben die Wahl. Sie können Literatur verbreiten, die Menschen dazu anhält, ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung] zu kaufen, oder Sie können Literatur verteilen, die Menschen dazu auffordert, überhaupt keine Eier zu essen, weil ''käfig-frei'' immer noch qualvolles Leiden und schließlich den Tod bedeutet. Sie können nicht beides tun, und selbst wenn Sie es könnten, würden sich Ihre Botschaften widersprechen und wären hoffnungslos verwirrend.
Menschen über Veganismus aufzuklären ist ein wesentlich wirksamerer Weg, Leiden kurzfristig zu reduzieren und dazu, eine abolitionistische Bewegung aufzubauen, die für bedeutsame Veränderungen in der Zukunft eintreten und diese unterstützen kann. Tierschutzreformen bieten keinen wesentlichen Schutz für die Interessen von Tieren, geben der Öffentlichkeit ein besseres Gefühl bei der Ausbeutung von Tieren, können tatsächlich die Nettobilanz des Leidens erhöhen und ziehen Ressourcen von abolitionistischer Aufklärungsarbeit ab.
Je eher die Menschen sehen, dass die Gruppen des Neuen Tierschutzes nichts mit einer abolitionistischen Perspektive zu tun haben, um so besser sind wir dran. Die Neuen Tierschützer sind zu Partnern der institutionellen Ausbeuter beim Verkauf von Tierprodukten geworden. Es ist nicht weniger als obszön, dass die Neuen Tierschützer Labels wie das Certified-Humane-Raised-&-Handled Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt], das Freedom-Food-Label [Freiheitsnahrung] und das Animal-Compassionate-Label [Mitgefühl für Tiere] entwickelt haben, um den institutionellen Ausbeutern dabei zu helfen, Tierleichen und Tierprodukte zu vermarkten. Diese Bemühungen haben nichts mit Tierrechten oder Abolitionismus zu tun. Tatsächlich sind sie genau das, dem die abolitionistische Bewegung entgegentritt.
Ja, es ist in gewissem Sinne ''besser'' , wenn Sie jemanden, den Sie umbringen, nicht foltern. Aber das macht Mord ohne Folter nicht ''mitfühlend''. Es ist ''besser, wenn Sie jemanden, den Sie vergewaltigen, nicht prügeln. Aber das macht Vergewaltigung ohne Prügeln nicht ''human''. Die Tierschutzbewegung unterstützt die Vorstellung, dass ''humanere'' Ausbeutung moralisch akzeptable Ausbeutung ist. Das ist nicht der abolitionistische Ansatz.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 2 May 2007
Wednesday, 18 April 2007
Simon der Sadist, Jeffrey Dahmer, die Liga gegen grausame Sportarten und das “Oxford“- Zentrum für Tierschutz
von Gary L. Francione Blog
Im September 2007 werden zwei Tierschutzorganisationen, die League Against Cruel Sports und das Oxford Centre for Animal Ethics die “Internationale Konferenz zur Beziehung zwischen Tiermissbrauch und der Gewalt gegenüber Menschen“ veranstalten. Obwohl die Konferenz an der Oxford Universität abgehalten wird, ist das Oxford-Zentrum für Tierethik laut dem Assistenten des Direktors für öffentliche Angelegenheiten, “kein offizielles oder angeschlossenes Zentrum“ der Universität.
Die Informationen zur Konferenz sagen aus:
Die Konferenz will die Bedeutung der Tierethik durch Erforschung der folgenden Fragen hervorheben:
- Gibt es empirische Evidenz [einen auf Erfahrung beruhenden Beweis] für den Zusammenhang zwischen Tiermissbrauch und Gewalt gegen Menschen oder antisozialem Verhalten?
- Wie sollten wir diese Evidenz interpretieren?
- Wenn es einen Zusammenhang gibt, welche ethischen Implikationen hat er? [welche Folgerungen sind daraus zu ziehen?]
- Was sind die Implikationen für Sozial- und Rechtspolitik?
Zweck der Konferenz ist es, den Menschen ein besseres Verständnis der Natur des Tiermissbrauchs, der Motive, die zu grausamen Handlungen führen, und der Implikationen für den Schutz sowohl von Menschen als auch von Tieren zu vermitteln. Ein “Schlüsselforschungsgebiet“ des Zentrums ist der Zusammenhang zwischen Tiermissbrauch und der Gewalt gegen Menschen.
Es gibt zwei – ernsthafte und zusammenhängende – Probleme damit, an Tierethik in dieser Weise heranzugehen:
Erstens bedeutet die Verknüpfung von Tierethik mit der Gewalt gegenüber Menschen einen Rückschritt dahin, wie wir über den moralischen Status von Tieren dachten, bevor der Tierschutz im 19. Jahrhundert in Erscheinung trat. Vor dem 19. Jahrhundert war die vorherrschende Sichtweise, zumindest im Westen, dass Tiere völlig außerhalb der moralischen Gemeinschaft ständen und dass weder ihre Nutzung noch ihre Behandlung durch uns von moralischem oder rechtlichem Belang wären.
Das heißt, wir konnten Tiere gebrauchen, für welchen Zweck auf immer wir wollten, und ihnen diesem Gebrauch gemäße Schmerzen und Leiden zufügen, ohne damit ein moralisches oder rechtliches Problem aufzuwerfen. Tiere wurden als Sachen angesehen, die ununterscheidbar von unbelebten Objekten waren und denen gegenüber wir deshalb keine moralischen oder rechtlichen Verpflichtungen haben konnten. Obwohl Vorschriften bestanden, die Tiere betrafen – wie etwa nicht die Kuh des Nachbarn zu verletzen –, war dies nur eine dem Nachbarn geschuldete Verpflichtung, nicht sein Eigentum zu beschädigen, und hatte nichts mit einer Verpflichtung gegenüber der Kuh selbst zu tun.
In dem begrenzten Maß, in dem man dachte, dass das Quälen von Tieren ein moralisches Problem aufwarf, war es allein wegen der Besorgnis, dass Menschen, die Tiere quälten, mit größerer Wahrscheinlichkeit auch andere Menschen misshandeln würden. Thomas von Aquin, John Locke, Immanuel Kant und andere Philosophen argumentierten, dass es falsch sei, grundlos Grausamkeit an Tieren zu verüben, weil dieses Verhalten es wahrscheinlicher machen würde, dass Menschen grausam gegeneinander wären. Aber diese Sichtweise hatte nichts damit zu tun, anzuerkennen, dass Tiere moralische Bedeutung haben. Es hatte mit der Sorge bezüglich Menschen zu tun und mit der Verbindung zwischen der grausamen Behandlung von Tieren und dem daraus resultierenden Missbrauch anderer Menschen.
Die Konferenz will untersuchen, ob der Missbrauch von Tieren mit dem Missbrauch von Menschen in Zusammenhang steht. Was ist, wenn tatsächlich beides zusammenhängt? Dies könnte ein gutes Argument für bescheidene Änderungen von Gesetzen gegen Tierquälerei oder für die Beratung von Jugendlichen liefern, die wegen Tierquälerei an Hunden und Katzen verurteilt wurden, weil man sich Sorgen wegen ihres möglichen antisozialen Verhaltens in der Zukunft macht.
Aber was hat dies mit den Tieren zu tun? Was sagt dies über den moralischen Status von Tieren aus?
Die Antwort ist natürlich, dass es nichts aussagt jenseits dessen, was schon im 19. Jahrhundert gesagt worden ist – dass der hauptsächliche Grund für die Besorgnis über Tierquälerei ist, dass jene, die Tiere in rücksichtsloser Weise behandelten, wahrscheinlich auch andere Menschen in rücksichtsloser Weise behandeln würden. Dies könnte die moralische oder rechtliche Verpflichtung stützen, Tiere nicht in “grausamer“ Art und Weise zu behandeln, aber dies wäre nicht den Tieren als Mitgliedern der moralischen Gemeinschaft geschuldet – es wäre anderen Menschen geschuldet.
Dies ist nicht ein Schritt vorwärts im Denken über Tierethik, es ist ein bezeichnender Schritt rückwärts. Dieser Ansatz bewegt sich weiter weg von der Vorstellung eines inhärenten [innewohnenden, eigenen] Wertes von Tieren und näher hin zu der Vorstellung, dass Tiere nur extrinsischen [von außen kommenden] Wert haben, der in erster Linie davon abhängt, wie ihre Nutzung und Behandlung sich auf Menschen auswirkt.
Zweitens und wichtiger: Das Verknüpfen des Missbrauchs von Tieren mit der an Menschen verübten Gewalt geht mit einer sehr engen Definition dessen einher, was “Missbrauch“ ausmacht. Wir neigen dazu, extreme Handlungen einer kleinen Zahl von Individuen in den Mittelpunkt zu rücken und nicht zu erkennen, dass unsere Nutzung von Tieren in akzeptierten institutionalisierten Zusammenhängen ebenfalls einen “Missbrauch“ darstellt.
Mit anderen Worten: Wir beschränken “Tiermissbrauch“ auf den psychisch gestörten Menschen, der einen Hund “zum Spaß“ quält, und ignorieren die Tatsache, dass jeder, der irgendwelche Tierprodukte konsumiert, sich ebenfalls am “Tiermissbrauch“ beteiligt, der sich tatsächlich in nichts von dem unterscheidet, was die Person tut, die den Hund quält.
Um diesen Gedankengang zu verstehen, lassen Sie mich Ihnen Simon den Sadisten vorstellen, der erstmals in meinem Buch Introduction to Animal rights – Your Child or the Dog? auftrat. Stellen wir uns vor, Simon zu begegnen, der einen Hund quält, indem er ihn mit einer Lötlampe verbrennt. Simons einzige Begründung für das Quälen des Hundes ist, dass er Vergnügen aus dieser Art von Tätigkeit gewinnt. Simon repräsentiert genau die Sorte Mensch, die für jene von Interesse ist, die sich über den Zusammenhang zwischen “Tiermissbrauch“ und Gewalt gegen Menschen Sorgen machen.
Warum? Was tut Simon, das so beunruhigend ist?
Simon verletzt eine moralische und rechtliche Norm, mit der nahezu jeder übereinstimmt – dass es falsch ist, Tieren unnötiges Leiden zuzufügen oder sie unnötigerweise zu töten. Und was meinen wir mit “unnötig“? Wir sind der Auffassung, dass es falsch ist, Tieren lediglich deshalb Leiden zuzufügen oder sie zu töten, weil es uns Vergnügen bereitet, weil wir es amüsant finden. Simon fügt dem Hund unnötiges Leiden zu; er quält und tötet ein Tier aus keinem anderen Grund als zu seiner Belustigung.
Das Problem ist: Inwiefern unterscheidet Simon sich von allen denen, die Fleisch, Milch oder Eier essen?
Wir töten jährlich weltweit mehr als 50 Milliarden Tiere für unser Essen. Es kann keinen Zweifel geben, dass Nahrungsmittel tierlicher Herkunft ein ungeheures Ausmaß an Schmerzen und Leiden und Tod mit sich bringen. Tierliche Nahrungsmittel, unter “humansten“ Bedingungen produziert, sind damit verbunden, Tiere in Arten und Weisen zu behandeln, die, auf Menschen angewendet, den Tatbestand der Folter konstituieren würden.
Niemand behauptet, dass wir Fleisch, Milch oder Eier essen müssen, um uns optimaler Gesundheit zu erfreuen. Tatsächlich sind den Mainstream vertretende Gesundheitsexperten zunehmend der Ansicht, dass tierliche Nahrungsmittel schädlich für die menschliche Gesundheit sind. Und landwirtschaftliche Tierhaltung ist eine Katastrophe für die Umwelt.
Was ist die beste Rechtfertigung, die wir dafür haben, 50 Milliarden empfindungsfähigen Tieren Schmerzen, Leiden und den Tod zuzufügen?
Die Antwort: Wir genießen den Geschmack von Tierprodukten. Wir gewinnen Vergmügen aus der Nutzung von Tieren, selbst wenn sie nichts mit Notwendigkeit zu tun hat.
Inwiefern unterscheiden wir uns also von Simon dem Sadisten?
Antwort: Gar nicht.
Wir bezahlen jemand anderen dafür, zu töten und das Tierfleisch, die Milchprodukte und Eier, die wir genießen wollen, bereitzustellen. Na und? Wir sind moralisch ganz genauso verantwortlich wie Simon der Sadist. Nur sind wir in der Überzahl, und unser Handeln gilt als akzeptabel.
Vor zwei Wochen sah ich im Fernsehen ein Interview mit dem verstorbenen Jeffrey Dahmer, in dem es um die Entwicklung seines Zwangs zu Gewalt ging, der in Mord und Kannibalismus mündete. Dahmer beschrieb das Töten und Zerstückeln von Tieren in seiner Jugend. Er bemerkte, ein wenig wehmütig, dass die Dinge so anders gewesen wären, hätte er jenen Impuls nur in eine akzeptable Beschäftigung kanalisieren können, wie etwa die Taxidermie [Ausstopfen von Tieren]. Wenn Dahmers gewalttätige Impulse durch das Töten von Tieren hätten befriedigt werden können, was würden die Ethiker dazu zu sagen haben? Sozialwissenschaftler haben bemerkt, dass das Vorkommen von Vergewaltigungen während der Jagdsaison zurückgeht.
Das Problem mit der von der Liga und dem “Oxford“-Zentrum gesponserten Konferenz ist, dass sie suggeriert, es gebe einen Unterschied zwischen Simon dem Sadisten, der Tiere “missbraucht“, und jenen, die nicht vegan leben und sich an der “normalen“ Tätigkeit, Tierprodukte zu konsumieren, beteiligen. Ich vermute, dass viele Teilnehmer der Konferenz keine Veganer sind. Diese Nichtveganer, die sich in sozial akzeptierter Tierausbeutung betätigen, werden herumsitzen und über Leute wie Simon den Sadisten reden, der Tiere “missbraucht“, und werden nicht die große Ironie der Situation erkennen.
Diese Konferenz wird lediglich einen gefährlichen Mythos verstärken, einen, der von zentraler Bedeutung für die Verblendung im Tierschutz ist, dass nämlich “Tiermissbrauch“ etwas ist, das andere tun.
Es ist extrem schwierig – vielleicht unmöglich – als Konsument in einer von Tierausbeutung getragenen Gesellschaft nicht zumindest indirekt Komplize der Tierausbeutung zu sein. Aber uns muss nichtsdestoweniger klar sein, dass wir, wenn wir nicht vegan leben, mit Sicherheit Tierausbeuter sind. Es gibt keinen logischen oder moralischen Unterschied zwischen der Person, die einen Hund zum Spaß mit einer Lötlampe verbrennt, und der Person, die einen Hamburger isst, eine Käsepizza, ein Eis oder ein Ei. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das Verbrennen des Hundes mit einer Lötlampe “Missbrauch“ genannt wird, und das Essen von Tierprodukten “normal“ heißt.
Denken Sie darüber nach.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Im September 2007 werden zwei Tierschutzorganisationen, die League Against Cruel Sports und das Oxford Centre for Animal Ethics die “Internationale Konferenz zur Beziehung zwischen Tiermissbrauch und der Gewalt gegenüber Menschen“ veranstalten. Obwohl die Konferenz an der Oxford Universität abgehalten wird, ist das Oxford-Zentrum für Tierethik laut dem Assistenten des Direktors für öffentliche Angelegenheiten, “kein offizielles oder angeschlossenes Zentrum“ der Universität.
Die Informationen zur Konferenz sagen aus:
Die Konferenz will die Bedeutung der Tierethik durch Erforschung der folgenden Fragen hervorheben:
- Gibt es empirische Evidenz [einen auf Erfahrung beruhenden Beweis] für den Zusammenhang zwischen Tiermissbrauch und Gewalt gegen Menschen oder antisozialem Verhalten?
- Wie sollten wir diese Evidenz interpretieren?
- Wenn es einen Zusammenhang gibt, welche ethischen Implikationen hat er? [welche Folgerungen sind daraus zu ziehen?]
- Was sind die Implikationen für Sozial- und Rechtspolitik?
Zweck der Konferenz ist es, den Menschen ein besseres Verständnis der Natur des Tiermissbrauchs, der Motive, die zu grausamen Handlungen führen, und der Implikationen für den Schutz sowohl von Menschen als auch von Tieren zu vermitteln. Ein “Schlüsselforschungsgebiet“ des Zentrums ist der Zusammenhang zwischen Tiermissbrauch und der Gewalt gegen Menschen.
Es gibt zwei – ernsthafte und zusammenhängende – Probleme damit, an Tierethik in dieser Weise heranzugehen:
Erstens bedeutet die Verknüpfung von Tierethik mit der Gewalt gegenüber Menschen einen Rückschritt dahin, wie wir über den moralischen Status von Tieren dachten, bevor der Tierschutz im 19. Jahrhundert in Erscheinung trat. Vor dem 19. Jahrhundert war die vorherrschende Sichtweise, zumindest im Westen, dass Tiere völlig außerhalb der moralischen Gemeinschaft ständen und dass weder ihre Nutzung noch ihre Behandlung durch uns von moralischem oder rechtlichem Belang wären.
Das heißt, wir konnten Tiere gebrauchen, für welchen Zweck auf immer wir wollten, und ihnen diesem Gebrauch gemäße Schmerzen und Leiden zufügen, ohne damit ein moralisches oder rechtliches Problem aufzuwerfen. Tiere wurden als Sachen angesehen, die ununterscheidbar von unbelebten Objekten waren und denen gegenüber wir deshalb keine moralischen oder rechtlichen Verpflichtungen haben konnten. Obwohl Vorschriften bestanden, die Tiere betrafen – wie etwa nicht die Kuh des Nachbarn zu verletzen –, war dies nur eine dem Nachbarn geschuldete Verpflichtung, nicht sein Eigentum zu beschädigen, und hatte nichts mit einer Verpflichtung gegenüber der Kuh selbst zu tun.
In dem begrenzten Maß, in dem man dachte, dass das Quälen von Tieren ein moralisches Problem aufwarf, war es allein wegen der Besorgnis, dass Menschen, die Tiere quälten, mit größerer Wahrscheinlichkeit auch andere Menschen misshandeln würden. Thomas von Aquin, John Locke, Immanuel Kant und andere Philosophen argumentierten, dass es falsch sei, grundlos Grausamkeit an Tieren zu verüben, weil dieses Verhalten es wahrscheinlicher machen würde, dass Menschen grausam gegeneinander wären. Aber diese Sichtweise hatte nichts damit zu tun, anzuerkennen, dass Tiere moralische Bedeutung haben. Es hatte mit der Sorge bezüglich Menschen zu tun und mit der Verbindung zwischen der grausamen Behandlung von Tieren und dem daraus resultierenden Missbrauch anderer Menschen.
Die Konferenz will untersuchen, ob der Missbrauch von Tieren mit dem Missbrauch von Menschen in Zusammenhang steht. Was ist, wenn tatsächlich beides zusammenhängt? Dies könnte ein gutes Argument für bescheidene Änderungen von Gesetzen gegen Tierquälerei oder für die Beratung von Jugendlichen liefern, die wegen Tierquälerei an Hunden und Katzen verurteilt wurden, weil man sich Sorgen wegen ihres möglichen antisozialen Verhaltens in der Zukunft macht.
Aber was hat dies mit den Tieren zu tun? Was sagt dies über den moralischen Status von Tieren aus?
Die Antwort ist natürlich, dass es nichts aussagt jenseits dessen, was schon im 19. Jahrhundert gesagt worden ist – dass der hauptsächliche Grund für die Besorgnis über Tierquälerei ist, dass jene, die Tiere in rücksichtsloser Weise behandelten, wahrscheinlich auch andere Menschen in rücksichtsloser Weise behandeln würden. Dies könnte die moralische oder rechtliche Verpflichtung stützen, Tiere nicht in “grausamer“ Art und Weise zu behandeln, aber dies wäre nicht den Tieren als Mitgliedern der moralischen Gemeinschaft geschuldet – es wäre anderen Menschen geschuldet.
Dies ist nicht ein Schritt vorwärts im Denken über Tierethik, es ist ein bezeichnender Schritt rückwärts. Dieser Ansatz bewegt sich weiter weg von der Vorstellung eines inhärenten [innewohnenden, eigenen] Wertes von Tieren und näher hin zu der Vorstellung, dass Tiere nur extrinsischen [von außen kommenden] Wert haben, der in erster Linie davon abhängt, wie ihre Nutzung und Behandlung sich auf Menschen auswirkt.
Zweitens und wichtiger: Das Verknüpfen des Missbrauchs von Tieren mit der an Menschen verübten Gewalt geht mit einer sehr engen Definition dessen einher, was “Missbrauch“ ausmacht. Wir neigen dazu, extreme Handlungen einer kleinen Zahl von Individuen in den Mittelpunkt zu rücken und nicht zu erkennen, dass unsere Nutzung von Tieren in akzeptierten institutionalisierten Zusammenhängen ebenfalls einen “Missbrauch“ darstellt.
Mit anderen Worten: Wir beschränken “Tiermissbrauch“ auf den psychisch gestörten Menschen, der einen Hund “zum Spaß“ quält, und ignorieren die Tatsache, dass jeder, der irgendwelche Tierprodukte konsumiert, sich ebenfalls am “Tiermissbrauch“ beteiligt, der sich tatsächlich in nichts von dem unterscheidet, was die Person tut, die den Hund quält.
Um diesen Gedankengang zu verstehen, lassen Sie mich Ihnen Simon den Sadisten vorstellen, der erstmals in meinem Buch Introduction to Animal rights – Your Child or the Dog? auftrat. Stellen wir uns vor, Simon zu begegnen, der einen Hund quält, indem er ihn mit einer Lötlampe verbrennt. Simons einzige Begründung für das Quälen des Hundes ist, dass er Vergnügen aus dieser Art von Tätigkeit gewinnt. Simon repräsentiert genau die Sorte Mensch, die für jene von Interesse ist, die sich über den Zusammenhang zwischen “Tiermissbrauch“ und Gewalt gegen Menschen Sorgen machen.
Warum? Was tut Simon, das so beunruhigend ist?
Simon verletzt eine moralische und rechtliche Norm, mit der nahezu jeder übereinstimmt – dass es falsch ist, Tieren unnötiges Leiden zuzufügen oder sie unnötigerweise zu töten. Und was meinen wir mit “unnötig“? Wir sind der Auffassung, dass es falsch ist, Tieren lediglich deshalb Leiden zuzufügen oder sie zu töten, weil es uns Vergnügen bereitet, weil wir es amüsant finden. Simon fügt dem Hund unnötiges Leiden zu; er quält und tötet ein Tier aus keinem anderen Grund als zu seiner Belustigung.
Das Problem ist: Inwiefern unterscheidet Simon sich von allen denen, die Fleisch, Milch oder Eier essen?
Wir töten jährlich weltweit mehr als 50 Milliarden Tiere für unser Essen. Es kann keinen Zweifel geben, dass Nahrungsmittel tierlicher Herkunft ein ungeheures Ausmaß an Schmerzen und Leiden und Tod mit sich bringen. Tierliche Nahrungsmittel, unter “humansten“ Bedingungen produziert, sind damit verbunden, Tiere in Arten und Weisen zu behandeln, die, auf Menschen angewendet, den Tatbestand der Folter konstituieren würden.
Niemand behauptet, dass wir Fleisch, Milch oder Eier essen müssen, um uns optimaler Gesundheit zu erfreuen. Tatsächlich sind den Mainstream vertretende Gesundheitsexperten zunehmend der Ansicht, dass tierliche Nahrungsmittel schädlich für die menschliche Gesundheit sind. Und landwirtschaftliche Tierhaltung ist eine Katastrophe für die Umwelt.
Was ist die beste Rechtfertigung, die wir dafür haben, 50 Milliarden empfindungsfähigen Tieren Schmerzen, Leiden und den Tod zuzufügen?
Die Antwort: Wir genießen den Geschmack von Tierprodukten. Wir gewinnen Vergmügen aus der Nutzung von Tieren, selbst wenn sie nichts mit Notwendigkeit zu tun hat.
Inwiefern unterscheiden wir uns also von Simon dem Sadisten?
Antwort: Gar nicht.
Wir bezahlen jemand anderen dafür, zu töten und das Tierfleisch, die Milchprodukte und Eier, die wir genießen wollen, bereitzustellen. Na und? Wir sind moralisch ganz genauso verantwortlich wie Simon der Sadist. Nur sind wir in der Überzahl, und unser Handeln gilt als akzeptabel.
Vor zwei Wochen sah ich im Fernsehen ein Interview mit dem verstorbenen Jeffrey Dahmer, in dem es um die Entwicklung seines Zwangs zu Gewalt ging, der in Mord und Kannibalismus mündete. Dahmer beschrieb das Töten und Zerstückeln von Tieren in seiner Jugend. Er bemerkte, ein wenig wehmütig, dass die Dinge so anders gewesen wären, hätte er jenen Impuls nur in eine akzeptable Beschäftigung kanalisieren können, wie etwa die Taxidermie [Ausstopfen von Tieren]. Wenn Dahmers gewalttätige Impulse durch das Töten von Tieren hätten befriedigt werden können, was würden die Ethiker dazu zu sagen haben? Sozialwissenschaftler haben bemerkt, dass das Vorkommen von Vergewaltigungen während der Jagdsaison zurückgeht.
Das Problem mit der von der Liga und dem “Oxford“-Zentrum gesponserten Konferenz ist, dass sie suggeriert, es gebe einen Unterschied zwischen Simon dem Sadisten, der Tiere “missbraucht“, und jenen, die nicht vegan leben und sich an der “normalen“ Tätigkeit, Tierprodukte zu konsumieren, beteiligen. Ich vermute, dass viele Teilnehmer der Konferenz keine Veganer sind. Diese Nichtveganer, die sich in sozial akzeptierter Tierausbeutung betätigen, werden herumsitzen und über Leute wie Simon den Sadisten reden, der Tiere “missbraucht“, und werden nicht die große Ironie der Situation erkennen.
Diese Konferenz wird lediglich einen gefährlichen Mythos verstärken, einen, der von zentraler Bedeutung für die Verblendung im Tierschutz ist, dass nämlich “Tiermissbrauch“ etwas ist, das andere tun.
Es ist extrem schwierig – vielleicht unmöglich – als Konsument in einer von Tierausbeutung getragenen Gesellschaft nicht zumindest indirekt Komplize der Tierausbeutung zu sein. Aber uns muss nichtsdestoweniger klar sein, dass wir, wenn wir nicht vegan leben, mit Sicherheit Tierausbeuter sind. Es gibt keinen logischen oder moralischen Unterschied zwischen der Person, die einen Hund zum Spaß mit einer Lötlampe verbrennt, und der Person, die einen Hamburger isst, eine Käsepizza, ein Eis oder ein Ei. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das Verbrennen des Hundes mit einer Lötlampe “Missbrauch“ genannt wird, und das Essen von Tierprodukten “normal“ heißt.
Denken Sie darüber nach.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 28 March 2007
Welche Schlacht gewinnen wir?
von Gary L. Francione Blog
In einem kürzlichen Blogessay (und in meinem Werk über die vergangenen 15 Jahre) habe ich argumentiert, dass Tierschutz nicht nur darin versagt, den Interessen von Tieren bedeutsamen Schutz zu bieten, sondern dass er [überdies ] kontraproduktiv ist, weil er die Menschen sich wohler bei der Ausbeutung von Tieren fühlen lässt. Dies hält die Ausbeutung aufrecht und kann unterm Strich sogar zu einer Vergrößerung von Tierleid durch erhöhten Konsum führen.
Hier ist ein schlagendes Beispiel aus jüngster Zeit für das, wovon ich rede:
Farmed Animal Net, gesponsert von People for the Ethical Treatment of Animals [PETA], The Humane Society of the United States [HSUS], Farm Sanctuary und anderen, berichtet in seiner Ausgabe vom 16 März:
*Strauss erkennt ausdrücklich an, dass Tierschutzreformen zu einem erhöhten Konsum von Kalbfleisch führen werden.
*Strauss berichtet, dass es in Europa zu erhöhtem Kalbfleischkonsum als Antwort auf Tierschutzreformen gekommen ist.
Sie können den Artikel über Strauss, ''Die Kalbfleischindustrie revolutionieren'', die Titelgeschichte in der Dezemberausgabe von Meat Processing lesen.
Tierschutzreformen führen nicht, wie einige behaupten, zur Abschaffung der Tierausbeutung; sie führen zu mehr Tierkonsum. Tierschutzreformen führen nicht dazu, den Eigentumsstatus von Tieren zu beseitigen; sie bekräftigen ihn lediglich.
Tierschutzreformen vermindern nicht einmal den Saldo des Leidens von Tieren. Rechnen Sie nach. Nehmen wir an, wir konsumieren 5 Kälber, von denen jedes über seine Lebensspanne hinweg 10 Einheiten Leiden erfährt, angefangen damit, kurz nach der Geburt seiner Mutter weggenommen zu werden, bis zur Schlachtung. Das macht insgesamt 50 Einheiten Leiden. Nehmen wir ferner an, dass eine Tierschutzreform zu einer Verminderung des Leidens um eine Einheit pro Kalb führt, so dass jedes Kalb nun 9 Einheiten Leiden erfährt. Aber weil wir uns nun beim Essen von Kalbfleisch ''gut fühlen'', steigt der Konsum auf 6 Kälber an, und nun haben wir 54 Einheiten Leiden.
Wenn wir dagegen den Konsum von 5 auf 4 Kälber reduzieren, vermindern wir den Saldo des Leidens auf 40 Einheiten.
Mit einem Wort, Tierschutzreformen genügen ihren eigenen Bedingungen ebenso wenig wie sie uns näher zur Abschaffung der Tierausbeutung führen und den Eigentumsstatus von Tieren beseitigen.
Und die Tierschützer spenden dem Beifall. Paul Shapiro, Direktor der HSUS [Humane Society of the United States]-Kampagne zur Massentierhaltung, nennt die Entscheidung von Strauss ''historisch''.
Strauss und Marcho Farms, einen anderen Produzenten, der sich verpflichtet hat, Kälberboxen in den nächsten Jahren auslaufen zu lassen, lobpreisend, zitiert HSUS darüber hinaus die Statements eines Nutztier-Wissenschaftlers:
Entgegen dem, was manche Tierschützer behaupten, sind Abolitionisten nicht gegen Maßnahmen, die das Leiden von Tieren vermindern. Wenn wir uns entschieden haben, jemandem Schaden zuzufügen, ist es es immer besser, weniger Schaden zuzufügen, als mehr. Aber Abolitionisten lehnen es ab, zu erklären, dass weniger Schaden zuzufügen moralisch akzeptabel sei. Abolitionisten sind dagegen, Ressourcen in Kampagnen zu investieren, die dazu bestimmt sind, die Öffentlichkeit sich bei der Ausbeutung von Tieren ''gut fühlen'' zu lassen, weil dies der sozialen Erkenntnis, dass die Nutzung von Tieren an sich unmoralisch ist, entgegensteht, die fortgesetzte Tierausbeutung fördert und zu einem steigenden Konsum [von Tierprodukten] führt. Gewiss, es ist ''besser'', dass ein Mörder das Opfer nicht foltert, bevor er es umbringt. Aber das macht Mord ohne Folter nicht moralisch akzeptabel. Es ist nicht etwas, wobei man sich ''wohl fühlen'' sollte.
Im Fall Strauss werden die Tiere weiterhin gequält werden; vielleicht ein bisschen weniger. Das bleibt abzuwarten. Aber die Produzenten werden einen wirtschaftlichen Nutzen haben, insofern sie sich nicht mehr die durch die gegenwärtige Situation verursachten Kosten aufladen müssen, der Konsum steigt, weil die Konsumenten sich beim Essen von Kalbfleisch wieder ''gut fühlen'', und die Produzenten einen Spitzenpreis verlangen können, damit die Konsumenten sich als ''Allesesser mit gutem Gewissen'' fühlen können.
Und gerade heute hat HSUS Neuigkeiten angekündigt, die ''mit Sicherheit Schockwellen durch die Tier-Agrarindustrie senden werden.'' HSUS und PETA haben mit Burger King verhandelt mit dem Ergebnis, dass das Unternehmen zugestimmt hat, bis zum Ende des Jahres 5% ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung] zu verwenden, und 20% seiner Schweineleichen kommen von Tieren, die in Intensiv-Haltungssystemen alternativ zu dem des Kastenstandes für schwangere Sauen eingesperrt werden. Und Burger King hat eine geschäftspolitische Richtlinie angekündigt,''Produzenten zu bevorzugen'', die ''käfig-freie'' Eier verkaufen, die ihre Schweine in anderen Intensivhaltungen als als dem Kastenstand einsperren und die ihre Hühner vergasen [anstelle sie nach elektrischer Betäubung zu schlachten].
Die Bekanntmachung von HSUS stellt fest:
Interessanterweise beendete PETA am 28. Juni 2001 seine ''Murder King''-Kampagne, als Burger King zugestimmt hatte, verschiedene bedeutungslose Tierschutzreformen einzurichten, einschließlich der, ''anzufangen, Schweinefleisch von Höfen einzukaufen, die ihre Schweine nicht in Boxen einsperren.'' Und jetzt, fast 6 Jahre später, wird uns von PETA erklärt, dass ''Burger King .. einen bahnbrechenden neuen Plan angekündigt (hat), der es hinsichtlich Tierschutz an die Spitze der Fast-Food-Industrie stellt'', weil das Unternehmen im Jahr 2007 zu tun beginnt, was es im Jahr 2001 zu tun versprochen hatte.
Das einzige, was an all dem ''historisch'' ist, ist der Umstand, dass die Tierschutzbewegung neue Höhen beim Eingehen von Partnerschaften mit institutionellen Ausbeutern erreicht und darin, diesen aktiv dabei zu helfen, Tierleichen zu verhökern.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
In einem kürzlichen Blogessay (und in meinem Werk über die vergangenen 15 Jahre) habe ich argumentiert, dass Tierschutz nicht nur darin versagt, den Interessen von Tieren bedeutsamen Schutz zu bieten, sondern dass er [überdies ] kontraproduktiv ist, weil er die Menschen sich wohler bei der Ausbeutung von Tieren fühlen lässt. Dies hält die Ausbeutung aufrecht und kann unterm Strich sogar zu einer Vergrößerung von Tierleid durch erhöhten Konsum führen.
Hier ist ein schlagendes Beispiel aus jüngster Zeit für das, wovon ich rede:
Farmed Animal Net, gesponsert von People for the Ethical Treatment of Animals [PETA], The Humane Society of the United States [HSUS], Farm Sanctuary und anderen, berichtet in seiner Ausgabe vom 16 März:
[Das Unternehmen] Strauss Veal & Lamb, welches angibt, zwischen 18% und 25% der in den USA für Kalbfleisch genutzten Kälber zu verarbeiten, hat sich das Ziel gesetzt, in den nächsten zwei bis drei Jahren komplett von der Kälberbox auf Gruppen-Staallhaltung umzusteigen.*Strauss gibt ausdrücklich zu, dass es sein Ziel ist, die Menschen sich beim Essen von Kalbfleisch ''gut fühlen'' zu lassen.
Randy Strauss, der CEO [chief executive officer: Hauptgeschäftsführer] des Unternehmens, schrieb, dass Kastenstände für Kälber ''inhuman und archaisch'' seien und ''nicht mehr tun, als ein Kalb Stress, Angst, körperlichem Schmerz und Schaden auszusetzen.'' Mit der Feststellung: ''Tierrechte sind wichtig'' führte Strauss aus: ''Wir wollen dasjenige Unternehmen sein, das die Kalbfleischindustrie revolutioniert. Es gibt eine wachsende Zahl von Menschen, die, wenn sie sich bei dem, was sie essen, gut fühlen, Kalb essen . Wenn wir den Markt erobern können, werden wir den Konsum von 0,6 Pfund pro Kopf erhöhen, was zu einer gesünderen Kalbfleischindustrie führen wird. '' Strauss stellt fest, dass der Kalbfleischkonsum in Europa, wo die Kälber-Einzelboxen jetzt illegal sind, während eines 5- bis 10jährigen Umstellungsprozesses angestiegen ist. Das Unternehmen hat ebenfalls Interesse an Freiland- und Bioproduktion bekundet.
*Strauss erkennt ausdrücklich an, dass Tierschutzreformen zu einem erhöhten Konsum von Kalbfleisch führen werden.
*Strauss berichtet, dass es in Europa zu erhöhtem Kalbfleischkonsum als Antwort auf Tierschutzreformen gekommen ist.
Sie können den Artikel über Strauss, ''Die Kalbfleischindustrie revolutionieren'', die Titelgeschichte in der Dezemberausgabe von Meat Processing lesen.
Tierschutzreformen führen nicht, wie einige behaupten, zur Abschaffung der Tierausbeutung; sie führen zu mehr Tierkonsum. Tierschutzreformen führen nicht dazu, den Eigentumsstatus von Tieren zu beseitigen; sie bekräftigen ihn lediglich.
Tierschutzreformen vermindern nicht einmal den Saldo des Leidens von Tieren. Rechnen Sie nach. Nehmen wir an, wir konsumieren 5 Kälber, von denen jedes über seine Lebensspanne hinweg 10 Einheiten Leiden erfährt, angefangen damit, kurz nach der Geburt seiner Mutter weggenommen zu werden, bis zur Schlachtung. Das macht insgesamt 50 Einheiten Leiden. Nehmen wir ferner an, dass eine Tierschutzreform zu einer Verminderung des Leidens um eine Einheit pro Kalb führt, so dass jedes Kalb nun 9 Einheiten Leiden erfährt. Aber weil wir uns nun beim Essen von Kalbfleisch ''gut fühlen'', steigt der Konsum auf 6 Kälber an, und nun haben wir 54 Einheiten Leiden.
Wenn wir dagegen den Konsum von 5 auf 4 Kälber reduzieren, vermindern wir den Saldo des Leidens auf 40 Einheiten.
Mit einem Wort, Tierschutzreformen genügen ihren eigenen Bedingungen ebenso wenig wie sie uns näher zur Abschaffung der Tierausbeutung führen und den Eigentumsstatus von Tieren beseitigen.
Und die Tierschützer spenden dem Beifall. Paul Shapiro, Direktor der HSUS [Humane Society of the United States]-Kampagne zur Massentierhaltung, nennt die Entscheidung von Strauss ''historisch''.
Strauss und Marcho Farms, einen anderen Produzenten, der sich verpflichtet hat, Kälberboxen in den nächsten Jahren auslaufen zu lassen, lobpreisend, zitiert HSUS darüber hinaus die Statements eines Nutztier-Wissenschaftlers:
Unsere Ergebnisse zeigen, dass Kälber einen sehr starken Bewegungsdrang haben, der durch andauernde enge Einsperrung blockiert ist. Unsere Studien haben auch ergeben, dass das Beibehalten der engen Einsperrung von Kälbern nachteilige physiologische Auswirkungen hat, die den Stoffwechsel verändern und die Fähigkeit des Immunsystems, auf Krankheiten zu reagieren, reduzieren. All dies sind körperliche Veränderungen, die chronischen Stress anzeigen.Mit anderen Worten, die Kälberbox abzuschaffen resultiert in weiteren Vorteilen für den Produzenten, welche die Kalbfleischproduktion für die Ausbeuter noch effizienter und profitabler machen
Die in Boxen gehaltenen Kälber benötigen etwa fünf mal mehr medizinische Behandlung als die in weniger beschränkter Umgebung gehaltenen.
Entgegen dem, was manche Tierschützer behaupten, sind Abolitionisten nicht gegen Maßnahmen, die das Leiden von Tieren vermindern. Wenn wir uns entschieden haben, jemandem Schaden zuzufügen, ist es es immer besser, weniger Schaden zuzufügen, als mehr. Aber Abolitionisten lehnen es ab, zu erklären, dass weniger Schaden zuzufügen moralisch akzeptabel sei. Abolitionisten sind dagegen, Ressourcen in Kampagnen zu investieren, die dazu bestimmt sind, die Öffentlichkeit sich bei der Ausbeutung von Tieren ''gut fühlen'' zu lassen, weil dies der sozialen Erkenntnis, dass die Nutzung von Tieren an sich unmoralisch ist, entgegensteht, die fortgesetzte Tierausbeutung fördert und zu einem steigenden Konsum [von Tierprodukten] führt. Gewiss, es ist ''besser'', dass ein Mörder das Opfer nicht foltert, bevor er es umbringt. Aber das macht Mord ohne Folter nicht moralisch akzeptabel. Es ist nicht etwas, wobei man sich ''wohl fühlen'' sollte.
Im Fall Strauss werden die Tiere weiterhin gequält werden; vielleicht ein bisschen weniger. Das bleibt abzuwarten. Aber die Produzenten werden einen wirtschaftlichen Nutzen haben, insofern sie sich nicht mehr die durch die gegenwärtige Situation verursachten Kosten aufladen müssen, der Konsum steigt, weil die Konsumenten sich beim Essen von Kalbfleisch wieder ''gut fühlen'', und die Produzenten einen Spitzenpreis verlangen können, damit die Konsumenten sich als ''Allesesser mit gutem Gewissen'' fühlen können.
Und gerade heute hat HSUS Neuigkeiten angekündigt, die ''mit Sicherheit Schockwellen durch die Tier-Agrarindustrie senden werden.'' HSUS und PETA haben mit Burger King verhandelt mit dem Ergebnis, dass das Unternehmen zugestimmt hat, bis zum Ende des Jahres 5% ''käfig-freie'' Eier [Eier aus Bodenhaltung] zu verwenden, und 20% seiner Schweineleichen kommen von Tieren, die in Intensiv-Haltungssystemen alternativ zu dem des Kastenstandes für schwangere Sauen eingesperrt werden. Und Burger King hat eine geschäftspolitische Richtlinie angekündigt,''Produzenten zu bevorzugen'', die ''käfig-freie'' Eier verkaufen, die ihre Schweine in anderen Intensivhaltungen als als dem Kastenstand einsperren und die ihre Hühner vergasen [anstelle sie nach elektrischer Betäubung zu schlachten].
Die Bekanntmachung von HSUS stellt fest:
''Mit dieser neuen Änderung seiner Geschäftspolitik signalisiert Burger King dem Agrobusiness, dass es die inhumansten Praktiken der Massentierhaltung nicht mehr lange geben wird'', sagte Wayne Pacelle, Präsident und CEO der Humane Society of the United States. ''Infolge dieser Entscheidung wird einer großen Zahl von Nutztieren überall im Land viel unnötiges Leiden erspart bleiben.''Anstatt seine $100+ Millionen Barreserven dazu zu verwenden, eine machtvolle Veganismuskampagne in Gang zu setzen, tut sich HSUS mit Burger King zusammen, um die Botschaft an die Öffentlichkeit zu senden, dass man ''pflichtbewusster Allesesser'' sein und ''mit gutem Gewissen konsumieren'' kann, wenn man bei Burger King isst. HSUS und PETA lassen die Öffentlichkeit sich beim Essen von Tieren ''gut fühlen''. Was für ein Deal für Burger King, die jetzt auf das Lob von PETA, HSUS und der Stammbesetzung der Tierschützer-''Ich-auchs'' verweisen können.
Interessanterweise beendete PETA am 28. Juni 2001 seine ''Murder King''-Kampagne, als Burger King zugestimmt hatte, verschiedene bedeutungslose Tierschutzreformen einzurichten, einschließlich der, ''anzufangen, Schweinefleisch von Höfen einzukaufen, die ihre Schweine nicht in Boxen einsperren.'' Und jetzt, fast 6 Jahre später, wird uns von PETA erklärt, dass ''Burger King .. einen bahnbrechenden neuen Plan angekündigt (hat), der es hinsichtlich Tierschutz an die Spitze der Fast-Food-Industrie stellt'', weil das Unternehmen im Jahr 2007 zu tun beginnt, was es im Jahr 2001 zu tun versprochen hatte.
Das einzige, was an all dem ''historisch'' ist, ist der Umstand, dass die Tierschutzbewegung neue Höhen beim Eingehen von Partnerschaften mit institutionellen Ausbeutern erreicht und darin, diesen aktiv dabei zu helfen, Tierleichen zu verhökern.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 21 March 2007
Ein äußerst irreführendes Etikett
von Gary L. Francione Blog
In Großbritannien gibt es eine Kontroverse über das ''Freedom-Food''-Label [Freiheitsnahrung] der RSPCA [Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals].
Laut der RSPCA
Kürzliche Exposés der BBC, auf Channel 4 und ITW, die teilweise auf der investigativen Arbeit des Hillside Animal Sanctuary in Norwich (GB) basieren, haben demonstriert, dass Tiere, die auf Freedom-Food-Höfen gezüchtet werden, ein ebenso trübes, fürchterliches Leben haben wie Tiere auf konventionellen Höfen. Der hauptsächliche Unterschied beseht darin, dass Nahrungsmittel mit dem Freedom-Food-Logo mehr kosten und die Verbraucher sich bei der Ausbeutung von Tieren wohler fühlen. Werfen Sie einen Blick auf diese Berichte und auch auf die Hillside-Dokumentation: ''Ducks in Despair'' [''Enten in Not'']. Die Story ist schockierend.
Aber sie sollte uns nicht überraschen.
Der Freedom-Food-Skandal ist ein klassisches Beispiel für das Versagen des Tierschutzes. Dessen Regulierung bietet keinen wesentlichen Schutz für Tiere. Überdies lässt sie die Öffentlichkeit sich wohler bei der Tierausbeutung fühlen und sie erleichtert deren Fortsetzung.
Und wenn dies in Großbritannien geschehen konnte – einem Land mit der wohl bedeutendsten Tierschutztradition in der Welt, wo, wie einige verlauten, Tierschutzstandards höher als überall sonst sind –, stellen Sie sich vor, was für ein desaströses Scheitern so ein Etikettierungsprogramm in den Vereinigten Staaten wäre.
Wir werden es noch früh genug erfahren.
Die Humane Society of the United States [HSUS] und verschiedene andere Tierschutzgruppen haben sich mit Humane Farm Animal Care zusammengetan, um das '''Certified Humane Raised & Handled''-Label [Zertifiziert aufgezogen und behandelt: nachfolgend CHRH-Label] zu produzieren.
Laut der Website von Humane Farm Animal Care
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die amerikanische Öffentlichkeit erkennt, was die britische Öffentlichkeit jetzt erkennt: dass diese ''ethischen'' Etiketts Unfug sind. Sie lassen Menschen sich wohler fühlen; sie leisten nichts für die Tiere. Einmal beiseite lassend, dass die Programme im Wesentlichen inhaltslos sind: es ist unmöglich, sie durchzusetzen und zu überwachen.
Die Quintessenz ist, dass Tierschutz sich auf die Behandlung von Tieren konzentriert. Infolgedessen sucht er Tierausbeutung zu regulieren, um sie ''humaner'' zu machen. Tierrechte, vertreten durch den abolitionistischen Ansatz, konzentrieren sich auf die Nutzung von Tieren und suchen Tierausbeutung abzuschaffen.
Das sind keine komplementären Positionen; es sind gegensätzliche. Indem wir ''humanerem'' Tierschutz fördern, lassen wir die Unterstützung für die Abschaffung der Tierausbeutung nicht anwachsen. Im Gegenteil bekräftigen wir die Vorstellung, dass es an unserer Nutzung von Tieren nichts an sich Falsches gibt, solange wir ''human'' handeln. Dieser Schwerpunkt auf der Behandlung, nicht auf der Nutzung führt die Tierschützer dazu, jede Maßnahme zu verfolgen, von der sie glauben, dass sie Leiden mindern und Ausbeutung ''freundlicher'' und ''sanfter'' machen.
Aber da Tiere Eigentum sind und nur äußeren oder bedingten Wert haben, ist Tierschutz in rechtlicher Hinsicht an das gebunden, was zum Schutz tierlicher Interessen erforderlich ist, um Tiere in einigermaßen effizienter Weise auszubeuten. Das bedeutet, für uns ist im Allgemeinen nur das Maß des Schutzes von Tieren erforderlich, in welchem wir daraus einen wirtschaftlichen Vorteil ziehen. Jedes höhere Niveau des Schutzes ist durch das beschränkt, was die Menschen zu kaufen gewillt sind. Und der gesunde Menschenverstand sagt uns, wenn die Menschen den Wert tierlichen Lebens als so gering erachten, dass sie gewillt sind, ohne Ernährungsnotwendigkeit und ohne moralische Rechtfertigung Tiere zu töten und zu essen – wie ''human'' auch immer diese behandelt werden –, dass die meisten kaum bereit sein werden, sehr viel mehr für mehr Tierschutz zu zahlen.
Selbst wenn Konsumenten bereit wären, mehr Tierschutz zu kaufen, wird der Status von Tieren als Wirtschaftsgüter Produzenten dahin führen, genau das zu tun, was sie in der RSPCA-Situation tun: den Profit einkassieren und die Standards ignorieren. Wer erfährt es? Es gibt nicht genug Leute, diese Programme zu überwachen.
Die führende Tierschutzkampagne in den Vereinigten Staaten such Batteriekäfige zugunsten von einem großen Käfig, genannt ''käfig-freier'' Stall [Bodenhaltung], abzuschaffen. Und die Organisation, die diese Anstrengungen anführt, ist HSUS. Aber HSUS räumt ein, dass die käfig-freie Alternative nicht mehr kostet als die größeren Käfige, für welche die Eierindustrie Werbung macht. Beachten Sie diese Statements von HSUS:
Wenn Sie die Interessen von Tieren ernst nehmen, dann ist Veganismus die einzige Lösung. Alles andere ist nur eine Art von Tierausbeutung unter anderen.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
In Großbritannien gibt es eine Kontroverse über das ''Freedom-Food''-Label [Freiheitsnahrung] der RSPCA [Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals].
Laut der RSPCA
(ist) Freedom Food das Etikettierungs- und Sicherheitssystem für Lebensmittel, dazu bestimmt, die Tierschutzstandards für die 900 Millionen Nutztiere zu verbessern, die jedes Jahr im Vereinigten Königreich für Nahrungszwecke gezüchtet werden. Wenn Sie um den Ursprung Ihres Essens und das Wohlergehen der Tiere, die es produzierten, besorgt sind, dann halten Sie bitte Ausschau nach Eiern, Fleisch, Geflügel, Fisch und Milchprodukten, die das Freedom-Food-Logo tragen.Die Realität ist, dass das Freedom-Food-Label Schwindel ist.
Kürzliche Exposés der BBC, auf Channel 4 und ITW, die teilweise auf der investigativen Arbeit des Hillside Animal Sanctuary in Norwich (GB) basieren, haben demonstriert, dass Tiere, die auf Freedom-Food-Höfen gezüchtet werden, ein ebenso trübes, fürchterliches Leben haben wie Tiere auf konventionellen Höfen. Der hauptsächliche Unterschied beseht darin, dass Nahrungsmittel mit dem Freedom-Food-Logo mehr kosten und die Verbraucher sich bei der Ausbeutung von Tieren wohler fühlen. Werfen Sie einen Blick auf diese Berichte und auch auf die Hillside-Dokumentation: ''Ducks in Despair'' [''Enten in Not'']. Die Story ist schockierend.
Aber sie sollte uns nicht überraschen.
Der Freedom-Food-Skandal ist ein klassisches Beispiel für das Versagen des Tierschutzes. Dessen Regulierung bietet keinen wesentlichen Schutz für Tiere. Überdies lässt sie die Öffentlichkeit sich wohler bei der Tierausbeutung fühlen und sie erleichtert deren Fortsetzung.
Und wenn dies in Großbritannien geschehen konnte – einem Land mit der wohl bedeutendsten Tierschutztradition in der Welt, wo, wie einige verlauten, Tierschutzstandards höher als überall sonst sind –, stellen Sie sich vor, was für ein desaströses Scheitern so ein Etikettierungsprogramm in den Vereinigten Staaten wäre.
Wir werden es noch früh genug erfahren.
Die Humane Society of the United States [HSUS] und verschiedene andere Tierschutzgruppen haben sich mit Humane Farm Animal Care zusammengetan, um das '''Certified Humane Raised & Handled''-Label [Zertifiziert aufgezogen und behandelt: nachfolgend CHRH-Label] zu produzieren.
Laut der Website von Humane Farm Animal Care
(ist) das CHRH-Label.. ein Zertifizierungs- und Etikettierungsprogramm für Verbraucher. Wenn Sie dieses Label sehen, bedeutet das, dass ein Ei, Milchprodukt, Fleisch- oder Geflügelprodukt mit dem Wohlergehen des Tieres im Sinn produziert worden ist. Nahrungsmittelprodukte, die dieses Label tragen, sind als von Betrieben stammend zertifiziert, die präzisen, objektiven Standards der Behandlung von Nutztieren genügen.
Warum sollen Produzenten sich zertifizieren lassen?
Das CHRH-Label schafft für Einzelhändler und Restaurants, Produzenten und Konsumenten eine Situation mit Gewinnern auf allen Seiten. Für Landwirte bedeutet dieser Gewinn, dass sie eine Abgrenzung [von der Konkurrenz] erreichen, ihren Marktanteil erhöhen und die Profitabilität ihres Betriebs durch die Wahl zukunftsfähiger Praktiken steigern.
Warum sollten Einzelhändler sich zertifizieren lassen?Und als ob dieses Label nicht genug wäre, können wir uns auf das Animal-Compassionate-Label [Mitgefühl für Tiere] freuen, das von Whole Foods Market entwickelt wird. Und wie wir wissen, wird das Animal-Compassionate-Programm von Whole Foods von Peter Singer, PETA, Farm Sanctuary, Vegan Outreach und einer Anzahl anderer Tierschutzgruppen unterstützt.
Natur- und Biolebensmittel gehören zu den am schnellsten wachsenden Sparten des Lebensmittelhandels in den letzten Jahren. Nun können Lebensmitelhändler, Einzelhändler, Restaurants, Speiseserviceunternehmer und Hersteller von den Verkaufs- und Profitmöglichkeiten mit Certified-Humane-Raised-&-Handled profitieren.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die amerikanische Öffentlichkeit erkennt, was die britische Öffentlichkeit jetzt erkennt: dass diese ''ethischen'' Etiketts Unfug sind. Sie lassen Menschen sich wohler fühlen; sie leisten nichts für die Tiere. Einmal beiseite lassend, dass die Programme im Wesentlichen inhaltslos sind: es ist unmöglich, sie durchzusetzen und zu überwachen.
Die Quintessenz ist, dass Tierschutz sich auf die Behandlung von Tieren konzentriert. Infolgedessen sucht er Tierausbeutung zu regulieren, um sie ''humaner'' zu machen. Tierrechte, vertreten durch den abolitionistischen Ansatz, konzentrieren sich auf die Nutzung von Tieren und suchen Tierausbeutung abzuschaffen.
Das sind keine komplementären Positionen; es sind gegensätzliche. Indem wir ''humanerem'' Tierschutz fördern, lassen wir die Unterstützung für die Abschaffung der Tierausbeutung nicht anwachsen. Im Gegenteil bekräftigen wir die Vorstellung, dass es an unserer Nutzung von Tieren nichts an sich Falsches gibt, solange wir ''human'' handeln. Dieser Schwerpunkt auf der Behandlung, nicht auf der Nutzung führt die Tierschützer dazu, jede Maßnahme zu verfolgen, von der sie glauben, dass sie Leiden mindern und Ausbeutung ''freundlicher'' und ''sanfter'' machen.
Aber da Tiere Eigentum sind und nur äußeren oder bedingten Wert haben, ist Tierschutz in rechtlicher Hinsicht an das gebunden, was zum Schutz tierlicher Interessen erforderlich ist, um Tiere in einigermaßen effizienter Weise auszubeuten. Das bedeutet, für uns ist im Allgemeinen nur das Maß des Schutzes von Tieren erforderlich, in welchem wir daraus einen wirtschaftlichen Vorteil ziehen. Jedes höhere Niveau des Schutzes ist durch das beschränkt, was die Menschen zu kaufen gewillt sind. Und der gesunde Menschenverstand sagt uns, wenn die Menschen den Wert tierlichen Lebens als so gering erachten, dass sie gewillt sind, ohne Ernährungsnotwendigkeit und ohne moralische Rechtfertigung Tiere zu töten und zu essen – wie ''human'' auch immer diese behandelt werden –, dass die meisten kaum bereit sein werden, sehr viel mehr für mehr Tierschutz zu zahlen.
Selbst wenn Konsumenten bereit wären, mehr Tierschutz zu kaufen, wird der Status von Tieren als Wirtschaftsgüter Produzenten dahin führen, genau das zu tun, was sie in der RSPCA-Situation tun: den Profit einkassieren und die Standards ignorieren. Wer erfährt es? Es gibt nicht genug Leute, diese Programme zu überwachen.
Die führende Tierschutzkampagne in den Vereinigten Staaten such Batteriekäfige zugunsten von einem großen Käfig, genannt ''käfig-freier'' Stall [Bodenhaltung], abzuschaffen. Und die Organisation, die diese Anstrengungen anführt, ist HSUS. Aber HSUS räumt ein, dass die käfig-freie Alternative nicht mehr kostet als die größeren Käfige, für welche die Eierindustrie Werbung macht. Beachten Sie diese Statements von HSUS:
[D]ie Kosten der Produktion von Eiern aus Bodenhaltung sind nicht exorbitant hoch und sind tatsächlich nicht wesentlich höher als die Kosten des Zertifizierungsprogramms der United Egg Producer.
Die Umstellung auf ein Stallhaltungssystem würde demnach die Produktionskosten zu erwartenderweise um 3 bis 12 Cent pro Dutzend Eier erhöhen. (Eier aus Bodenhaltung werden üblicherweise für erblich mehr als diesen Betrag verkauft, wenn sie als ein Nischenprodukt vermarktet werden.) Im Gegensatz dazu wurde die Erhöhung der Produktionskosten durch die relativ unbeträchtliche Vergrößerung der Käfigfläche gemäß dem United-Egg-Producer-Programm auf 6 Cent pro Dutzend Eier hochgerechnet, was sich sehr wohl innerhalb dieses Bereichs bewegt.
Angesichts des Marktanteils der Eierpreise und der geringen Preiselastizität beim Konsum von Eiern werden die gestiegenen Kosten der Bodenhaltungsproduktion durch erhöhte Einkünfte mehr als kompensiert. Die Konsumenten wiederum erhöhen ihre durchschnittlichen monatlichen Pro-Kopf-Ausgaben für Eier um 4 bis zu 24 Cents... Es ist kaum eine Überraschung, dass Eierproduktion in Bodenhaltung das am schnellsten wachsende und profitabelste Segment der Industrie ist.Das ist worum es sich beim Tierschutz handelt. Mehr Profit für Produzenten, ein reines Gewissen für Konsumenten, Spendenaktionen für Tierschutzorganisationen und das fortgesetzte Ausbeuten und Quälen von Tieren. Es ist, wie Humane Farm Animal Care sagt, ''eine Situation mit Gewinnern auf drei Seiten.'' Gewinner sind die Produzenten, die Konsumenten und die Tierschutzorganisationen. Nur die Tiere sind die Verlierer.
Wenn Sie die Interessen von Tieren ernst nehmen, dann ist Veganismus die einzige Lösung. Alles andere ist nur eine Art von Tierausbeutung unter anderen.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 14 March 2007
Tödlicher "Luxus"
von Gary L. Francione Blog
Im Blogeintrag der letzten Woche erwähnte ich, dass die Vegan Society Peter Singer, Tom Regan und mich in ihrem Magazin The Vegan interviewt hatte. In diesem Interview stellte Singer fest:
In seinem Interview in Mother Jones vom Mai 2006 führt Singer aus:
- ein "flexibler Veganer" ist – das heißt, er ist kein Veganer, wenn es ihm unbequem ist, einer zu sein. Das bedeutet, dass er kein Veganer ist, und in der Tat hat er, konsequent vegan zu leben, als fanatisch charakterisiert;
- denkt, dass eine vegane Welt nicht "notwendigerweise" die Lösung des Problems der Tierausbeutung ist und
- es als einen "Luxus" bezeichnet, Fleisch und Tierprodukte zu konsumieren.
Diese Kommentare machen jedoch eine Position deutlich, die für Singers Theorie zentral ist und die mit einer Tierrechtsperspektive/ abolitionistischen Perspektive absolut in Konflikt steht. Nach Singer ist es das Leiden von Tieren und nicht, dass wir sie töten, was das hauptsächliche und vielleicht das einzige moralische Problem aufwirft.
Das heißt, für Singer stellt es kein ernstes Problem dar, dass wir Tiere nutzen und töten; das einzige Problem ist, wie wir sie nutzen und töten. Wenn Tiere "ein gutes Leben unter artgerechten Bedingungen haben und dann auf dem Hof human getötet werden", dann handeln wir nicht unmoralisch, wenn wir Tiere nutzen und essen.
Warum vertritt Singer eine solche Position? Warum denkt er, dass ein Tier zu töten kein grundlegendes moralisches Problem aufwirft?
Obgleich Singer diese Position an verschiedenen Stellen seiner Schriften ausgeführt hat, enthält sein Interview in The Vegan die jüngste und eine kurze und klare Wiederholung seiner Sichtweise.
Wie ich in Introduction to Animal Rights: Your Child or the Dog? und an anderer Stelle argumentiere, ist Singers Sichtweise in mehrfacher Hinsicht sehr problematisch.
Erstens: Singer behauptet, dass es nur eine einzige moralisch relevante Art und Weise, selbst-bewusst zu sein, gibt:die abstrakt-begriffliche, über die ein normal entwickelter Mensch verfügt.
Es gibt viele Arten und Weisen, selbst-bewusst zu sein. Jedes Wesen, dass empfindungsfähig und subjektiv bewusst ist, ist notwendigerweise selbst-bewusst. Anna Charlton und ich leben mit fünf vor der Tötung geretteten Hunden. Wenn einer unserer Hunde sieht, dass einer der anderen ein Leckerchen bekommt, dann ist er sich bewusst, dass nicht er es ist, der das Leckerchen bekommen hat, und er kommt und setzt sich vor mich hin, bis ich ihm auch eins gebe. Das ist Selbst-Bewusstsein. Der Hund ist sich bewusst, dass es ein anderer Hund ist, der etwas Leckeres bekommen hat und nicht er selbst.
Menschen können in einen Spiegel schauen und ihr Bild erkennen; Hunde können ihren Duft an einem Busch erkennen, den sie Wochen zuvor besucht haben. Das sind einfach zwei verschiedene Arten von Selbst-Bewusstsein. Aber es ist speziesistisch zu sagen, dass eine Art besser als die andere ist.
Zweitens: Singer scheint zu denken, dass nur Menschen (und vielleicht Menschenaffen) Wünsche für die Zukunft haben. Wiederum sind Singers Ansichten speziesistisch, insofern er darauf besteht, die einzige Möglichkeit, einen zukunftsbezogenen Wunsch zu haben, sei die, ihn in exakt der gleichen Art und Weise zu haben, in der ein Mensch ihn hat. Wenn ein Wesen die Dinge nicht mittels Uhr und Kalender plant, dann hat dieses Wesen keinen zukunftsbezogenen Wunsch.
Wir leben mit einer Bordercolliehündin, deren Lieblingsbeschäftigung es ist, mit mir im Auto herumzufahren. Wenn sie meine Autoschlüssel irgendwo sieht, packt sie diese mit den Zähnen, kommt zu mir, legt sie zu meinen Füßen ab und schaut mich an. Es gibt keine andere Möglichkeit, dieses Verhalten zu interpretieren denn als Ausdruck des Wunsches, etwas zu tun. Die Tatsache, dass sie keine Arm- (oder Pfoten-)banduhr trägt und denkt: 'Ich würde gern in 15 Minuten eine Spazierfahrt machen', ist irrelevant. Sie drückt einen Wunsch bezüglich etwas aus, das sie tun will.
Drittens: Selbst wenn das Bewusstsein eines Wesens in einer "ewigen Gegenwart" wurzelt, bedeutet das nicht, dass es nicht selbst-bewusst in einem moralisch relevanten Sinne ist. Denken Sie an einen Menschen mit einem vorübergehenden umfassenden Gedächtnisverlust (transient global amnesia), eine Form der Amnesie, in der die Person eine Wahrnehmung ihrer selbst nur in der Gegenwart, keine Erinnerung an die Vergangenheit und keine Gedanken an die Zukunft hat. Dies gibt mehr oder weniger wieder, wie Singer den Geist der meisten Tiere sieht – in einer fortwährenden Gegenwart wurzelnd. Können wir zu dem Schluss kommen, dass ein Mensch mit dieser Form von Amnesie kein Selbst-Bewusstsein hat? Natürlich nicht. Ein solcher Mensch ist selbst-bewusst, auch wenn er sich seiner selbst nur in der Gegenwart bewusst ist. Gleichermaßen können wir, selbst wenn Tiere eine Wahrnehmung ihrer selbst nur in der Gegenwart haben, nicht sagen, dass sie ihr Leben nicht wertschätzen und nur darum besorgt sind, wie wir sie behandeln. Das ist speziesistisch.
Viertens, und am wichtigsten: Es gibt einfach keine logische Beziehung zwischen verschiedenen kognitiven Eigenschaften und dem Problem der Tiernutzung. Unterschiede in kognitiven Fähigkeiten mögen für einige Zwecke relevant sein. Denken Sie an den Fall eines geistig schwer behinderten Menschen. Aufgrund seiner Unfähigkeit, ein Auto zu fahren, mögen wir ihm keinen Führerschein geben wollen. Aber ist seine Beeinträchtigung relevant dafür, ob wir ihn als nicht einwilligendes Objekt in einem biomedizinischen Experiment oder zwangsweise als Organspender gebrauchen? Nein, natürlich nicht. Wohl würden viele von uns argumentieren, dass wir aufgrund der besonderen Verletzlichkeit jenes Menschen eine größere moralische Verpflichtung ihm gegenüber haben, aber diese Verletzlichkeit bedeutet sicherlich nicht, dass wir eine geringere Verpflichtung haben.
Gleichermaßen mag die Tatsache, dass eine Kuh einen Geist hat, der sich von unserem unterscheidet, bedeuten, dass wir ihr keinen Führerschein geben, aber es bedeutet nicht, dass wir die Kuh für Zwecke verwenden dürfen, für die wir keine Menschen verwenden würden.
Für Singer ist Veganismus einfach ein Weg, etwas gegen das Leiden von Tieren zu tun, aber "nicht notwendigerweise der einzige". Wir könnten ebenso gut fortfahren, uns den "Luxus" zu erlauben, Milch und Fleisch von Tieren zu essen, die ein "gutes Leben" hatten und "human getötet" werden. Angesichts des Umstandes, dass Singer aktiv Einzelhändler wie Whole Foods unterstützt, dessen Tiere mit Sicherheit kein "gutes Leben" und keinen "humanen" Tod hatten, sagt er in Wahrheit, dass es akzeptabel ist, Tiere zu essen, die (vielleicht) geringfügig weniger gequält wurden.
Und wenn wir die meiste Zeit vegan leben, können wir uns sogar den "Luxus" erlauben, konventionell erzeugtes Fleisch und ebensolche Tierprodukte zu essen, wenn wir in ein "schickes Restaurant" gehen. Gilt diese Entschuldigung nur für Leute, die genug Geld haben, um an "schicken" Orten zu essen? Sind gelegentliche Hamburger immer falsch, weil McDonald's nicht "schick" genug ist? Oder sind McDonald's Hamburger immer in Ordnung, weil McDonald's, mit Singers Lob, Temple Grandins Schlacht- und Handhabungsrichtlinien übernommen hat?
Es schwindelt einen.
Überdies ist, wenn Singer behauptet, seine Sorge gelte dem Leiden und nicht dem Töten von Tieren, sein Verhalten widersprüchlich. Singer erklärt, Veganer zu sein, wenn er für sich selbst einkauft: "Aber wenn ich auf Reisen bin oder Leute zuhause besuche, bin ich durchaus bereit, vegetarisch statt vegan zu essen." Wenn er also auf Reisen oder zum Essen eingeladen ist, konsumiert er Tierprodukte, aber kein Fleisch (ich nehme an, das ist es, was er meint, wenn er sich darauf beruft, "Vegetarier" zu sein).
Aber warum sollte Singer zwischen Fleisch und Tierprodukten unterscheiden? Fleischessen schließt das Töten des Tieres ein, doch Singer denkt nicht, dass das Töten eines Tieres moralisch von Belang ist oder zumindest nicht belangvoll genug, um Veganismus zu einem moralischen Imperativ zu machen. Wenn es das Leiden ist, um das es geht, [bleibt festzustellen, dass] Milchprodukte und Eier sicherlich genauso viel Leiden einschließen wie Fleisch, und Milchkühe und Legehennen landen, nachdem sie "verbraucht" sind, ohnehin im selben Schlachthaus wie Fleischtiere. In der Tat steckt, wie ich viele Male gesagt habe, wahrscheinlich mehr Leiden in einem Glas Milch als in einem Pfund Steak. Demnach scheint es, als sollte Singer, wenn das Leiden seine Sorge ist, nicht "flexibel" in Bezug auf fleischlose [aber nicht vegane] Nahrungsmittel sein.
Wären Singers Ansichten lediglich die Grübeleien eines verwirrten Akademikers und ohne Konsequenzen in der wirklichen Welt, wir wären versucht, seine elitären Vorstellungen darüber, was als moralisch bedeutsames Selbst-Bewusstsein zählt, zu ignorieren; Vorstellungen, die dem Zweck dienen, den ''Luxus'' des Konsums von Fleisch und Tierprodukten zu rechtfertigen. Doch unglücklicherweise bilden Singers Ansichten, so absurd und speziesistisch sie sind, die Grundlage der allgegenwärtigen "Bio-Fleisch"-Bewegung (''happy meat'' movement), die bestrebt ist, mit den institutionellen Tierausbeutern zusammenzuarbeiten, um die Tierausbeutung "humaner" zu machen, so dass wir die Gelegenheiten für Menschen vermehren, "Allesesser mit gutem Gewissen" zu werden.
Singers Ansichten werden von einer Reihe Tierschutzorganisationen in die Tat umgesetzt, von PETA, die Schlachthausdesignerin Temple Grandin und "Bio-Fleisch"-Krämern wie Whole Foods einen Preis verleihen, über die Humane Society of the United States [HSUS], die Tierschutzreformen fördert, welche die Produktivität und den Profit für Tierausbeuter steigern, und das Certified-Humane-Raised-and-Handled-Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt] sponsert, um Konsumenten zu versichern, dass sie moralisch überlegen handeln, indem sie nur bestimmte Tierleichen und Tierkörperprodukte kaufen, bis zu Vegan Outreach, der Organisation, die behauptet, dass Veganismus "nicht Zweck in sich selbst (ist). Er ist kein Dogma, keine Religion, keine Liste verbotener Zutaten oder unwandelbarer Gesetze – er ist nur ein Instrument dafür, der Grausamkeit entgegenzutreten und das Leiden zu vermindern."
Singer und diese Tierschutzorganisationen, die seinen Denkansatz übernommen haben, sind Partner der industriellen Ausbeuter geworden und dienen als Marketingabteilung der Fleisch-, Milch-, und Eierindustrien. Die Tierschutzreformen, die sie unterstützen, leisten wenig, wenn überhaupt etwas, um Tieren zu helfen. Und diese Reformen, gepaart mit der Lobpreisung und Unterstützung Singers und der "Bio-Fleisch"-Brigade, bewirken garantiert, dass Menschen sich wohler dabei fühlen, weiterhin Tierprodukte zu essen, oder zum Konsum von Tierprodukten, die sie einst vermieden hatten, zurückkehren.
Um das Problem mit Singers Herangehensweise zu sehen (falls es nicht schon sonnenklar für Sie ist), setzen Sie Ihre Prinzipien bezüglich Rassismus, Sexismus oder Homophobie in sein Denksystem ein. Wie klingt es für Sie, zu versuchen, ein gelegentliches "Aus-der-Rolle-Fallen" hinsichtlich dieser Formen der Diskriminierung zu rechtfertigen? Ist es in Ordnung, sich den "Luxus" von ein wenig Sexismus an einem Samstagabend zu gönnen? Ist es in Ordnung, sich den "Luxus" zu erlauben, an einer Ku-Klux-Klan-Versammlung teilzunehmen? Gibt es "Spielraum für Schwächen", wenn wir unsere homophoben Verunglimpfungen auf einen Tag pro Woche beschränken?
Hier ist ein weiteres Zitat aus Singers Mother Jones Interview:
Tierausbeutung ist in unserer Gesellschaft, Kultur und Geschichte so tief eingebettet, dass wir nicht gewohnt sind, sie auf derselben Ebene wie andere Formen der Diskriminierung zu sehen. Wenn sich jemals etwas ändern soll, müssen wir uns aus diesem Schlamassel denkend herausarbeiten und klarstellen, dass wir den Gebrauch von Tieren nicht rechtfertigen können – wie "human" auch immer ihre Behandlung sein mag. Solange wir nicht davor zurückschrecken, Tierleichen und -produkte als einen "Luxus" zu charakterisieren, oder akzeptieren, dass wir nicht vegan leben müssen, wenn wir es "sehr schwierig, sehr unbequem" finden, haben wir den Denkprozess nicht einmal begonnen.
Abschließend möchte ich Ihnen etwas erzählen, das mir letztes Wochenende passierte. Wir hatten einen warmen Samstag und ich ging hinüber zu Whole Foods, um etwas Bio-Gemüse zu kaufen. Ich trug ein Jeanshemd über meinem phantastischen neuen Vegan Freak T-shirt, das Bob und Jenna Torres mir kurz vorher geschickt hatten.
Ich stand in der Schlange an der Kasse hinter einer Frau mit einem Einkaufswagen voller Lebensmittel, einschließlich ziemlich viel Fleisch und Milchpodukten. Sie sah mein Shirt und fragte mich, was Vegan Freak bedeute. Ich erklärte ihr, dass es eine Website und ein Podcast ist, die sich der Aufklärung über Veganismus widmen. Sie fragte mich, ob ich Veganer sei. Ich erwiderte, ich sei es seit 25 Jahren.
Sie sagte, dass sie vor einigen Jahren Vegetarierin gewesen sei, dass aber ihr Mann und ihre Kinder Fleisch mochten und sie deshalb wieder angefangen habe, Fleisch zu essen, fügte jedoch hinzu: "Ich kaufe mein Fleisch nur hier. Ich bin Mitglied bei PETA, und die haben diesem Laden einen Preis dafür verliehen, wie gut er seine Tiere behandelt." Sie fragte mich, ob ich die Schilder an der Fleischtheke und den Eierregalen gesehen hätte, die aussagten, dass Whole Foods nur bei Produzenten kaufe, die ihre Tiere "human" aufzögen. Ich antwortete, ich hätte sie gesehen. Whole Foods hat allerdings solche Schilder – ziemlich große sogar. Ich sagte der Frau, ich dächte nicht, dass das Leben von Whole Foods-Tieren sich faktisch in irgendeiner Weise von dem Leben anderer Tiere unterscheide, und dass sie alle am Ende noch immer getötet würden. Ihre Antwort: "Ja, aber ich hoffe, sie leiden weniger."
Und das ist es, wohin Peter Singer uns gebracht hat. Veganismus ist nicht notwendig. Der "Vater der Tierrechtsbewegung" ist nicht einmal Veganer und betrachtet eine konsequente vegane Lebensweise als "fanatisch"; warum also sollte irgendein anderer Veganer sein müssen? Wir können den "Luxus" genießen, Fleisch und Produkte von Tieren zu essen, die weniger als andere gequält worden sind, und wenn wir die meiste Zeit vegan leben, sollten wir uns unbeschwert den Genuss selbst konventionell gequälter Tiere gönnen, wenn wir in einem "schicken Restaurant" prassen.
Wir können es uns erlauben, dem "Luxus" zu frönen, den nur der Tod möglich macht.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Im Blogeintrag der letzten Woche erwähnte ich, dass die Vegan Society Peter Singer, Tom Regan und mich in ihrem Magazin The Vegan interviewt hatte. In diesem Interview stellte Singer fest:
Um zu vermeiden, Tieren Leiden zuzufügen – ganz abgesehen von den Umweltkosten der intensiven Tierproduktion –, müssen wir die Tierprodukte, die wir konsumieren, drastisch einschränken. Aber bedeutet das ein vegane Welt? Dies ist eine Lösung, aber nicht notwendigerweise die einzige. Wenn es eher das Zufügen von Leiden als das Töten ist, über das wir besorgt sind, dann kann ich mir auch eine Welt vorstellen, in der die Menschen größtenteils pflanzliche Nahrungsmittel essen, aber sich gelegentlich den Luxus von Freilandeiern gönnen oder möglicherweise sogar das Fleisch von Tieren, die ein gutes Leben unter artgerechten Bedingungen haben und dann human auf dem Hof getötet werden. (The Vegan, Herbst 2006)
In seinem Interview in Mother Jones vom Mai 2006 führt Singer aus:
Es gibt ein klein wenig Spielraum für Schwächen in unser aller Leben. Ich kenne einige Menschen, die zuhause vegan sind, aber wenn sie ausgehen, in ein schickes Restaurant gehen, erlauben sie sich den Luxus, an diesem Abend nicht vegan zu essen. Ich finde daran nichts wirklich Verkehrtes.
Ich esse kein Fleisch; ich bin seit 1971 Vegetarier. Ich bin schrittweise zunehmend vegan geworden. Ich bin weitgehend vegan, aber ich bin ein flexibler Veganer. Ich gehe nicht in einen Supermarkt und kaufe für mich selbst nichtvegane Sachen. Aber wenn ich auf Reisen bin oder Leute zuhause besuche, bin ich durchaus bereit, vegetarisch statt vegan zu essen.Es ist einigermaßen verwunderlich, dass der sogenannte "Vater der Tierrechtsbewegung"
- ein "flexibler Veganer" ist – das heißt, er ist kein Veganer, wenn es ihm unbequem ist, einer zu sein. Das bedeutet, dass er kein Veganer ist, und in der Tat hat er, konsequent vegan zu leben, als fanatisch charakterisiert;
- denkt, dass eine vegane Welt nicht "notwendigerweise" die Lösung des Problems der Tierausbeutung ist und
- es als einen "Luxus" bezeichnet, Fleisch und Tierprodukte zu konsumieren.
Diese Kommentare machen jedoch eine Position deutlich, die für Singers Theorie zentral ist und die mit einer Tierrechtsperspektive/ abolitionistischen Perspektive absolut in Konflikt steht. Nach Singer ist es das Leiden von Tieren und nicht, dass wir sie töten, was das hauptsächliche und vielleicht das einzige moralische Problem aufwirft.
Das heißt, für Singer stellt es kein ernstes Problem dar, dass wir Tiere nutzen und töten; das einzige Problem ist, wie wir sie nutzen und töten. Wenn Tiere "ein gutes Leben unter artgerechten Bedingungen haben und dann auf dem Hof human getötet werden", dann handeln wir nicht unmoralisch, wenn wir Tiere nutzen und essen.
Warum vertritt Singer eine solche Position? Warum denkt er, dass ein Tier zu töten kein grundlegendes moralisches Problem aufwirft?
Obgleich Singer diese Position an verschiedenen Stellen seiner Schriften ausgeführt hat, enthält sein Interview in The Vegan die jüngste und eine kurze und klare Wiederholung seiner Sichtweise.
Ich denke allerdings, dass es moralisch relevante Unterschiede zwischen verschiedenartigen Spezies gibt, weil die kognitiven Fähigkeiten von Wesen für zum Beispiel die Unrechtmäßgigkeit ihrer Tötung relevant sind. Ich denke, dass es schlimmer ist, ein selbst-bewusstes Wesen zu töten, also eines, das sich seiner Existenz im Zeitablauf bewusst und fähig ist, Wünsche für die Zukunft zu haben, als ein Wesen, das bewusst sein mag, aber nicht selbst-bewusst ist und in einer Art ewiger Gegenwart lebt. (The Vegan, Herbst 2006)Mit anderen Worten, Singer behauptet, dass wenn ein Wesen nicht selbst-bewusst ist in der Art und Weise, in der es ein normal entwickelter Mensch ist – das heißt, wenn dieses Wesen nicht über das verfügt, was wir reflexives Bewusstsein seiner selbst nennen –, dann ist es nicht selbst-bewusst in der moralisch relevanten Weise, dass es ein Interesse an seinem Leben hätte, die das Töten dieses Wesens zu einem schwer wiegenden moralischen Unrecht machen würde.
Wie ich in Introduction to Animal Rights: Your Child or the Dog? und an anderer Stelle argumentiere, ist Singers Sichtweise in mehrfacher Hinsicht sehr problematisch.
Erstens: Singer behauptet, dass es nur eine einzige moralisch relevante Art und Weise, selbst-bewusst zu sein, gibt:die abstrakt-begriffliche, über die ein normal entwickelter Mensch verfügt.
Es gibt viele Arten und Weisen, selbst-bewusst zu sein. Jedes Wesen, dass empfindungsfähig und subjektiv bewusst ist, ist notwendigerweise selbst-bewusst. Anna Charlton und ich leben mit fünf vor der Tötung geretteten Hunden. Wenn einer unserer Hunde sieht, dass einer der anderen ein Leckerchen bekommt, dann ist er sich bewusst, dass nicht er es ist, der das Leckerchen bekommen hat, und er kommt und setzt sich vor mich hin, bis ich ihm auch eins gebe. Das ist Selbst-Bewusstsein. Der Hund ist sich bewusst, dass es ein anderer Hund ist, der etwas Leckeres bekommen hat und nicht er selbst.
Menschen können in einen Spiegel schauen und ihr Bild erkennen; Hunde können ihren Duft an einem Busch erkennen, den sie Wochen zuvor besucht haben. Das sind einfach zwei verschiedene Arten von Selbst-Bewusstsein. Aber es ist speziesistisch zu sagen, dass eine Art besser als die andere ist.
Zweitens: Singer scheint zu denken, dass nur Menschen (und vielleicht Menschenaffen) Wünsche für die Zukunft haben. Wiederum sind Singers Ansichten speziesistisch, insofern er darauf besteht, die einzige Möglichkeit, einen zukunftsbezogenen Wunsch zu haben, sei die, ihn in exakt der gleichen Art und Weise zu haben, in der ein Mensch ihn hat. Wenn ein Wesen die Dinge nicht mittels Uhr und Kalender plant, dann hat dieses Wesen keinen zukunftsbezogenen Wunsch.
Wir leben mit einer Bordercolliehündin, deren Lieblingsbeschäftigung es ist, mit mir im Auto herumzufahren. Wenn sie meine Autoschlüssel irgendwo sieht, packt sie diese mit den Zähnen, kommt zu mir, legt sie zu meinen Füßen ab und schaut mich an. Es gibt keine andere Möglichkeit, dieses Verhalten zu interpretieren denn als Ausdruck des Wunsches, etwas zu tun. Die Tatsache, dass sie keine Arm- (oder Pfoten-)banduhr trägt und denkt: 'Ich würde gern in 15 Minuten eine Spazierfahrt machen', ist irrelevant. Sie drückt einen Wunsch bezüglich etwas aus, das sie tun will.
Drittens: Selbst wenn das Bewusstsein eines Wesens in einer "ewigen Gegenwart" wurzelt, bedeutet das nicht, dass es nicht selbst-bewusst in einem moralisch relevanten Sinne ist. Denken Sie an einen Menschen mit einem vorübergehenden umfassenden Gedächtnisverlust (transient global amnesia), eine Form der Amnesie, in der die Person eine Wahrnehmung ihrer selbst nur in der Gegenwart, keine Erinnerung an die Vergangenheit und keine Gedanken an die Zukunft hat. Dies gibt mehr oder weniger wieder, wie Singer den Geist der meisten Tiere sieht – in einer fortwährenden Gegenwart wurzelnd. Können wir zu dem Schluss kommen, dass ein Mensch mit dieser Form von Amnesie kein Selbst-Bewusstsein hat? Natürlich nicht. Ein solcher Mensch ist selbst-bewusst, auch wenn er sich seiner selbst nur in der Gegenwart bewusst ist. Gleichermaßen können wir, selbst wenn Tiere eine Wahrnehmung ihrer selbst nur in der Gegenwart haben, nicht sagen, dass sie ihr Leben nicht wertschätzen und nur darum besorgt sind, wie wir sie behandeln. Das ist speziesistisch.
Viertens, und am wichtigsten: Es gibt einfach keine logische Beziehung zwischen verschiedenen kognitiven Eigenschaften und dem Problem der Tiernutzung. Unterschiede in kognitiven Fähigkeiten mögen für einige Zwecke relevant sein. Denken Sie an den Fall eines geistig schwer behinderten Menschen. Aufgrund seiner Unfähigkeit, ein Auto zu fahren, mögen wir ihm keinen Führerschein geben wollen. Aber ist seine Beeinträchtigung relevant dafür, ob wir ihn als nicht einwilligendes Objekt in einem biomedizinischen Experiment oder zwangsweise als Organspender gebrauchen? Nein, natürlich nicht. Wohl würden viele von uns argumentieren, dass wir aufgrund der besonderen Verletzlichkeit jenes Menschen eine größere moralische Verpflichtung ihm gegenüber haben, aber diese Verletzlichkeit bedeutet sicherlich nicht, dass wir eine geringere Verpflichtung haben.
Gleichermaßen mag die Tatsache, dass eine Kuh einen Geist hat, der sich von unserem unterscheidet, bedeuten, dass wir ihr keinen Führerschein geben, aber es bedeutet nicht, dass wir die Kuh für Zwecke verwenden dürfen, für die wir keine Menschen verwenden würden.
Für Singer ist Veganismus einfach ein Weg, etwas gegen das Leiden von Tieren zu tun, aber "nicht notwendigerweise der einzige". Wir könnten ebenso gut fortfahren, uns den "Luxus" zu erlauben, Milch und Fleisch von Tieren zu essen, die ein "gutes Leben" hatten und "human getötet" werden. Angesichts des Umstandes, dass Singer aktiv Einzelhändler wie Whole Foods unterstützt, dessen Tiere mit Sicherheit kein "gutes Leben" und keinen "humanen" Tod hatten, sagt er in Wahrheit, dass es akzeptabel ist, Tiere zu essen, die (vielleicht) geringfügig weniger gequält wurden.
Und wenn wir die meiste Zeit vegan leben, können wir uns sogar den "Luxus" erlauben, konventionell erzeugtes Fleisch und ebensolche Tierprodukte zu essen, wenn wir in ein "schickes Restaurant" gehen. Gilt diese Entschuldigung nur für Leute, die genug Geld haben, um an "schicken" Orten zu essen? Sind gelegentliche Hamburger immer falsch, weil McDonald's nicht "schick" genug ist? Oder sind McDonald's Hamburger immer in Ordnung, weil McDonald's, mit Singers Lob, Temple Grandins Schlacht- und Handhabungsrichtlinien übernommen hat?
Es schwindelt einen.
Überdies ist, wenn Singer behauptet, seine Sorge gelte dem Leiden und nicht dem Töten von Tieren, sein Verhalten widersprüchlich. Singer erklärt, Veganer zu sein, wenn er für sich selbst einkauft: "Aber wenn ich auf Reisen bin oder Leute zuhause besuche, bin ich durchaus bereit, vegetarisch statt vegan zu essen." Wenn er also auf Reisen oder zum Essen eingeladen ist, konsumiert er Tierprodukte, aber kein Fleisch (ich nehme an, das ist es, was er meint, wenn er sich darauf beruft, "Vegetarier" zu sein).
Aber warum sollte Singer zwischen Fleisch und Tierprodukten unterscheiden? Fleischessen schließt das Töten des Tieres ein, doch Singer denkt nicht, dass das Töten eines Tieres moralisch von Belang ist oder zumindest nicht belangvoll genug, um Veganismus zu einem moralischen Imperativ zu machen. Wenn es das Leiden ist, um das es geht, [bleibt festzustellen, dass] Milchprodukte und Eier sicherlich genauso viel Leiden einschließen wie Fleisch, und Milchkühe und Legehennen landen, nachdem sie "verbraucht" sind, ohnehin im selben Schlachthaus wie Fleischtiere. In der Tat steckt, wie ich viele Male gesagt habe, wahrscheinlich mehr Leiden in einem Glas Milch als in einem Pfund Steak. Demnach scheint es, als sollte Singer, wenn das Leiden seine Sorge ist, nicht "flexibel" in Bezug auf fleischlose [aber nicht vegane] Nahrungsmittel sein.
Wären Singers Ansichten lediglich die Grübeleien eines verwirrten Akademikers und ohne Konsequenzen in der wirklichen Welt, wir wären versucht, seine elitären Vorstellungen darüber, was als moralisch bedeutsames Selbst-Bewusstsein zählt, zu ignorieren; Vorstellungen, die dem Zweck dienen, den ''Luxus'' des Konsums von Fleisch und Tierprodukten zu rechtfertigen. Doch unglücklicherweise bilden Singers Ansichten, so absurd und speziesistisch sie sind, die Grundlage der allgegenwärtigen "Bio-Fleisch"-Bewegung (''happy meat'' movement), die bestrebt ist, mit den institutionellen Tierausbeutern zusammenzuarbeiten, um die Tierausbeutung "humaner" zu machen, so dass wir die Gelegenheiten für Menschen vermehren, "Allesesser mit gutem Gewissen" zu werden.
Singers Ansichten werden von einer Reihe Tierschutzorganisationen in die Tat umgesetzt, von PETA, die Schlachthausdesignerin Temple Grandin und "Bio-Fleisch"-Krämern wie Whole Foods einen Preis verleihen, über die Humane Society of the United States [HSUS], die Tierschutzreformen fördert, welche die Produktivität und den Profit für Tierausbeuter steigern, und das Certified-Humane-Raised-and-Handled-Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt] sponsert, um Konsumenten zu versichern, dass sie moralisch überlegen handeln, indem sie nur bestimmte Tierleichen und Tierkörperprodukte kaufen, bis zu Vegan Outreach, der Organisation, die behauptet, dass Veganismus "nicht Zweck in sich selbst (ist). Er ist kein Dogma, keine Religion, keine Liste verbotener Zutaten oder unwandelbarer Gesetze – er ist nur ein Instrument dafür, der Grausamkeit entgegenzutreten und das Leiden zu vermindern."
Singer und diese Tierschutzorganisationen, die seinen Denkansatz übernommen haben, sind Partner der industriellen Ausbeuter geworden und dienen als Marketingabteilung der Fleisch-, Milch-, und Eierindustrien. Die Tierschutzreformen, die sie unterstützen, leisten wenig, wenn überhaupt etwas, um Tieren zu helfen. Und diese Reformen, gepaart mit der Lobpreisung und Unterstützung Singers und der "Bio-Fleisch"-Brigade, bewirken garantiert, dass Menschen sich wohler dabei fühlen, weiterhin Tierprodukte zu essen, oder zum Konsum von Tierprodukten, die sie einst vermieden hatten, zurückkehren.
Um das Problem mit Singers Herangehensweise zu sehen (falls es nicht schon sonnenklar für Sie ist), setzen Sie Ihre Prinzipien bezüglich Rassismus, Sexismus oder Homophobie in sein Denksystem ein. Wie klingt es für Sie, zu versuchen, ein gelegentliches "Aus-der-Rolle-Fallen" hinsichtlich dieser Formen der Diskriminierung zu rechtfertigen? Ist es in Ordnung, sich den "Luxus" von ein wenig Sexismus an einem Samstagabend zu gönnen? Ist es in Ordnung, sich den "Luxus" zu erlauben, an einer Ku-Klux-Klan-Versammlung teilzunehmen? Gibt es "Spielraum für Schwächen", wenn wir unsere homophoben Verunglimpfungen auf einen Tag pro Woche beschränken?
Hier ist ein weiteres Zitat aus Singers Mother Jones Interview:
Ich möchte betonen, dass ich nicht denke, dass ethisch zu essen, insbesondere von einem utilitaristischen Standpunkt aus gesehen, eine Sache ist zu sagen: 'Hier ist dieses strikte Gesetz, und ich muss alles mir Mögliche tun, um es zu befolgen.' Ich denke, wir können ethisch gewissenhaft sein und anerkennen, dass es manchmal Kompromisse zu machen gilt. Mitunter ist es sehr schwierig, sehr unbequem, die beste Wahl zu treffen, also geben wir uns mit etwas anderem zufrieden.Setzen Sie Ihre Ansichten über Vergewaltigung ein. Wäre es akzeptabel zu sagen, dass wir das Verbot von Vergewaltigung nicht strikt zu befolgen haben? Immerhin mag es Zeiten geben, in denen es "sehr schwierig, sehr unbequem" ist, sich nicht vergewaltigend zu betätigen.
Tierausbeutung ist in unserer Gesellschaft, Kultur und Geschichte so tief eingebettet, dass wir nicht gewohnt sind, sie auf derselben Ebene wie andere Formen der Diskriminierung zu sehen. Wenn sich jemals etwas ändern soll, müssen wir uns aus diesem Schlamassel denkend herausarbeiten und klarstellen, dass wir den Gebrauch von Tieren nicht rechtfertigen können – wie "human" auch immer ihre Behandlung sein mag. Solange wir nicht davor zurückschrecken, Tierleichen und -produkte als einen "Luxus" zu charakterisieren, oder akzeptieren, dass wir nicht vegan leben müssen, wenn wir es "sehr schwierig, sehr unbequem" finden, haben wir den Denkprozess nicht einmal begonnen.
Abschließend möchte ich Ihnen etwas erzählen, das mir letztes Wochenende passierte. Wir hatten einen warmen Samstag und ich ging hinüber zu Whole Foods, um etwas Bio-Gemüse zu kaufen. Ich trug ein Jeanshemd über meinem phantastischen neuen Vegan Freak T-shirt, das Bob und Jenna Torres mir kurz vorher geschickt hatten.
Ich stand in der Schlange an der Kasse hinter einer Frau mit einem Einkaufswagen voller Lebensmittel, einschließlich ziemlich viel Fleisch und Milchpodukten. Sie sah mein Shirt und fragte mich, was Vegan Freak bedeute. Ich erklärte ihr, dass es eine Website und ein Podcast ist, die sich der Aufklärung über Veganismus widmen. Sie fragte mich, ob ich Veganer sei. Ich erwiderte, ich sei es seit 25 Jahren.
Sie sagte, dass sie vor einigen Jahren Vegetarierin gewesen sei, dass aber ihr Mann und ihre Kinder Fleisch mochten und sie deshalb wieder angefangen habe, Fleisch zu essen, fügte jedoch hinzu: "Ich kaufe mein Fleisch nur hier. Ich bin Mitglied bei PETA, und die haben diesem Laden einen Preis dafür verliehen, wie gut er seine Tiere behandelt." Sie fragte mich, ob ich die Schilder an der Fleischtheke und den Eierregalen gesehen hätte, die aussagten, dass Whole Foods nur bei Produzenten kaufe, die ihre Tiere "human" aufzögen. Ich antwortete, ich hätte sie gesehen. Whole Foods hat allerdings solche Schilder – ziemlich große sogar. Ich sagte der Frau, ich dächte nicht, dass das Leben von Whole Foods-Tieren sich faktisch in irgendeiner Weise von dem Leben anderer Tiere unterscheide, und dass sie alle am Ende noch immer getötet würden. Ihre Antwort: "Ja, aber ich hoffe, sie leiden weniger."
Und das ist es, wohin Peter Singer uns gebracht hat. Veganismus ist nicht notwendig. Der "Vater der Tierrechtsbewegung" ist nicht einmal Veganer und betrachtet eine konsequente vegane Lebensweise als "fanatisch"; warum also sollte irgendein anderer Veganer sein müssen? Wir können den "Luxus" genießen, Fleisch und Produkte von Tieren zu essen, die weniger als andere gequält worden sind, und wenn wir die meiste Zeit vegan leben, sollten wir uns unbeschwert den Genuss selbst konventionell gequälter Tiere gönnen, wenn wir in einem "schicken Restaurant" prassen.
Wir können es uns erlauben, dem "Luxus" zu frönen, den nur der Tod möglich macht.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 21 February 2007
Ein paar Gedanken zu nationalen Organisationen
von Gary L. Francione Blog
Ich war kürzlich Gast in einem zweiteiligen Podcast von Vegan Freak Radio. In der nachfolgenden Diskussion im Kommentarsektor des zweiten Teils und in einem der Foren wurde die Frage aufgeworfen, ob Anwaltschaft für Tiere sich auf Graswurzel-Aktivitäten (grass roots activities) konzentrieren oder ob die Bewegung [für Tiere] von ''Geschäftsführern'', welche die Agenda bestimmen und Aktivisten diktieren, kontrolliert werden sollte.
Ich hatte dazu einige Gedanken, die ich im Forum geäußert habe und Ihnen mitteilen möchte.
Wie ich es sehe, gibt es zwei miteinander verbundene Probleme:
Erstens: Obwohl einige nationale Organisationen [nachfolgend NO] besser als andere sind, betreiben diese Gruppen zumeist Kampagnen, die sich mehr auf die Behandlung von Tieren als auf deren Nutzung konzentrieren. Das heißt, sie beschreiben das Problem vorrangig als wie Tiere genutzt werden, nicht, dass Tiere genutzt werden. Solange die Behandlung der Hauptschwerpunkt ist, wird die Bewegung dem trügerischen Ziel nachjagen, Leiden zu mindern, um Ausbeutung ''humaner'' zu machen, anstatt die Nutzung von Tieren durch die schrittweise Beseitigung des Eigentumsstatus abzuschaffen.
Wie ich nun schon seit vielen Jahren argumentiere, kann jede Maßnahme als ''Leiden vermindernd'' beschrieben werden. Im Allgemeinen suchen diese Maßnahmen, die Interessen von Tieren in dem Maß zu schützen, in dem dies zu tun uns zum Nutzen gereicht, und erkennen deshalb in keiner bedeutsamen Weise den Eigenwert von Tieren an. Im Gegenteil verstärken diese Tierschutzkampagnen oft den äußeren oder bedingten Wert von Tieren.
Zweitens: Da NO einen anhaltenden Strom an ''Siegen'' zum Zweck der Mittelbeschaffung [Spenden] brauchen, oft einschließlich des Zwecks, beachtliche Gehälter an Direktoren, Funktionäre und ausgewählte Mitarbeiter zu zahlen, charakterisieren sie ihre Kampagnen ausnahmslos in einer beschränkten und oft trivialen Weise, um die größte Anzahl von Spendern ansprechen zu können und die Chancen auf ''Erfolg'' zu maximieren. Zum Beispiel haben sie Kampagnen, die auf eine Form des Tötens und nicht auf das Faktum des Tötens [als solchem] gerichtet sind.; Kampagnen,die sich auf eine Form der aus Tieren gemachten Bekleidung [Pelz], nicht auf die generelle Nutzung von Tieren für Bekleidungszwecke konzentrieren. Und weil Diskussionen über Strategien und Taktiken nur eine Zeit und Geld kostende Unannehmlichkeit sind, bezeichnen Tierschutzgruppen oft jede Kritik als ''Verunglimpfung'', ''spaltend'' und ''den Tieren schadend''. Andere Meinungen werden nicht toleriert.
Diese beiden Probleme wirken synergetisch zusammen, was eine Bewegung [für Tiere] produziert, die sich nirgendwohin bewegt, außer rückwärts. Die ''Siege'' bieten Tieren kurzfristig keinen bedeutsamen Schutz und führen langfristig nicht zur Abschaffung der Tierausbeutung. Tatsächlich ist die Wirkung der Kampagnen von NO, dass die Öffentlichkeit sich bei der Ausbeutung von Tieren wohler fühlt. Das Paradigma wandelt sich nicht.
Wenn Sie denken, dass die Dinge in die richtige Richtung gehen und wir wirklichen Fortschritt machen, dann sollten Sie fortfahren, NO zu unterstützen.
Wenn Sie es für angemessen halten, dass die ''Geschäftsführer''/''Manager'' von Tierschutzorganisationen hohe Gehälter bekommen,von denen sich viele im sechsstelligen Bereich bewegen, dann sollten Sie fortfahren, NO zu unterstützen.
Wenn Sie glauben, dass es eine gute Idee ist, dass Tierschutzorganisationen auf Haufen von Geld sitzen, der sich oft auf viele Millionen Dollar beläuft, dann unterstützen Sie weiterhin die wohlhabenden Wohlfahrtseinrichtungen für Tiere.
Wenn Sie mit Menschen in ''Führungsrollen'' zufrieden sind, die zum Beispiel behaupten, dass ein gewissenhafter Veganer zu sein ''fanatisch'' ist oder dass [der Begriff ] Tierrechte tote Tiere bedeutet oder dass unwesentliche Tierschutzreformen bedeuten, dass ''eine Revolution auf dem Weg ist'', oder [mit jenen,] die das ernste Problem der Tierausbeutung durch sexistische und kindische Kampagnen trivialisieren oder Schlachthaus-Designern Preise verleihen oder kriecherische Lobhudeleien auf ''Bio-Fleisch''-Vermarkter häufen und die bei alledem jede Äußerung von Widerspruch durchweg als Ketzerei und Verrat gleich bezeichnen, dann machen Sie [mit Ihrer Unterstützung] unbedingt weiter wie gewohnt .
Aber wenn Sie denken, dass die Dinge in eine sehr falsche Richtung gehen und dass die vielen Millionen Dollar, die diesen Gruppen gespendet werden, einen Ertrag bringen, der erbärmlich dürftig ist, dann sollten Sie eine alternative Vorgehensweise erwägen. Sie sollten die Idee verwerfen, dass Aktivismus bedeutet, einer NO einen Scheck auszustellen, um regulative/legislative Kampagnen, die nirgendwohin führen, zu unterstützen.
Ich habe mich seit langem dafür ausgesprochen, dass wir den größten Teil unserer Ressourcen auf die Aufklärung über Veganismus und veganes Eintreten für Tiere verwenden sollten. Wir sollten vegan leben und alles tun, was wir können, jeden über Veganismus aufzuklären, den wir aufklären können. Es wird niemals einen bedeutsamen Fortschritt in Richtung auf die Beseitigung der Tierausbeutung geben, solange wir keine starke abolitionistische Graswurzel-Bewegung haben. Und wir können keine abolitionistische Bewegung ohne Veganismus als klare, nicht verhandelbare moralische Grundlinie haben. Soweit es überhaupt NO geben soll, sollten sie hauptsächlich als Anbieter von Training und Literatur dienen, um Graswurzel-Aktivisten in ihren Anstrengungen zu helfen, wirksame und kreative abolitionistische Aufklärungsarbeit zu leisten
Eine auf ''Bio-Fleisch'' und andere Tierschutzreformen gegründete Bewegung ist unnütz und in der Tat kontraproduktiv. Die Tierschutzposition ist ununterscheidbar von der Position der Tiernutzer. Tierausbeuter sind bereit, mit Vertretern des Tierschutzes zusammenzuarbeiten, weil diese Reformen anstreben, welche Tierausbeutung zumeist effizienter machen. Die Tierschützer klären die Ausbeuter faktisch darüber auf, wie sie geringfügige Änderungen vornehmen können, welche Produktivität und Profite steigern.
Wir sollten auch Ressourcen auf praktische Fürsorge für jene Tiere verwenden, deren Existenz wir verursacht haben und denen gegenüber wir moralische Verpflichtungen haben. Das schließt Gnadenhöfe ein, die eine abolitionistische Botschaft vertreten, gute Tierheime, die Tiere nicht einschläfern, Pflegestellen-Netzwerke, Sterilisationsprogramme, TNR [trap, neuter, return: einfangen, kastrieren, freilassen] usw. Soweit NO Geld in diese Aktivitäten stecken, ist dieses Geld gut verwendet. Aber die meisten stecken relativ wenig oder kein Geld in praktische Hilfe für Tiere.
Warum operiert Peaceful Prairie Sanctuary von der Hand in den Mund und ist jetzt in verzweifelter finanzieller Notlage, wenn NO auf Millionen Dollar sitzen und einige von ihnen sechsstellige Gehälter zahlen? Diese Situation ist nur ein Beispiel dafür, dass die ''Bewegung'', vertreten durch die NO, grundlegende Werte aus den Augen verloren und jämmerlich versagt hat.
Über viele Jahre haben NO die Kommunikation unter Anwälten der Tiere kontrolliert. Diese erfuhren, was vor sich ging, durch die Publikationen und Konferenzen bestimmter Organisationen, und deren Perspektive befand sich offensichtlich in einer ihren Zwecken dienenden Schieflage. Anwälte der Tiere mit anderen und abweichenden Meinungen waren ausgeschlossen und wurden totgeschwiegen. Dies alles ändert sich aufgrund des Internets, das die Entwicklung einer internationalen, gewaltlosen, abolitionistischen, auf Veganismus gegründeten Graswurzel-Bewegung möglich macht. Die NO suchen diese sich herausbildende Bewegung zu unterdrücken, indem sie geltend machen, dass nur eine von vollbeschäftigten, hochbezahlten Funktionären betriebene Bewegung Tieren helfen kann. Dies war zu erwarten, sollte aber zurückgewiesen werden.
Unsere Zeit und unsere Ressourcen sind begrenzt. Es ist ein Nullsummenspiel. Jeder Dollar [Euro], den wir für regulative/legislative Kampagnen spenden, und jede Sekunde, die wir darauf verwenden, sind ein Dollar und eine Sekunde weniger für Aufklärung über Veganismus und praktische Arbeit.
Wir schaden Tieren nicht, wenn wir uns entscheiden, unsere Ressourcen auf vegan/abolitionistische Kampagnen zu verwenden. In der Tat, wenn irgendetwas Tieren schadet, dann ist es die Verewigung des tückischen Mythos, dass Tierschutzreformen das Leiden von Tieren kurzfristig in bedeutsamer Weise vermindern und langfristig zur Abschaffung der Tierausbeutung führen.
Wir brauchen keine großen Organisationen, deren Angestellte fette Gehälter und subventionierte Reisen bekommen. Jeder von uns kann eine ''Führungsrolle'' spielen. Wenn wir erfolgreich sein sollen, muss jeder von uns eine Führungsrolle spielen. Jeder von uns hat die Fähigkeit, auf das Leben anderer einzuwirken und es zu beeinflussen. Das ist harte Arbeit, sicherlich. Viele werden nicht interessiert sein, einige schon. Aber diese wenigen, die wir erreichen, werden andere erreichen, die wieder andere erreichen werden usw. Und mit jedem Menschen, der die vegane Lebensweise annimmt, verringert sich die Quelle der Zwangsherrschaft – die Nachfrage [nach Tierprodukten].
Wenn Sie nicht vegan leben: Fangen Sie damit an und hören Sie auf, ein Tierausbeuter zu sein. Wenn Sie vegan leben, dann tun Sie allein dadurch etwa etwas sehr Wichtiges. Lassen Sie sich von niemandem etwas anderes erzählen. Veganismus ist Aktivismus. Denken Sie daran, dass Veganismus nicht nur eine Sache der Ernährung oder des Lebensstils ist; er ist Ihr Ausdruck des abolitionistischen Prinzips. Es ist Ihr persönliches Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit.
Wenn Sie mehr tun wollen, dann besorgen Sie sich klar und unzweideutig vegan/ abolitionistische Literatur wie die bei Peaceful Prairie Sanctuary kostenlos erhältliche. Verteilen Sie diese Literatur. Unterrichten Sie sich selbst über diese Fragen. Sprechen Sie mit jedem, der Ihnen zuhört, über die moralischen und ökologischen Aspekte des Veganismus. Seien Sie stets freundlich in Ihrem Eintreten für Ihre Sache. Aber schrecken Sie niemals davor zurück, Ihre Ansicht klar und unzweideutig zu vertreten, dass wir keine Rechtfertigung für das Ausbeuten von Tieren haben – wie ''human'' auch immer wir es tun mögen.
Es gibt so vieles, was Sie tun können, um die Abschaffung der Tierausbeutung zu fördern, das wenig oder kein Geld kostet und das nur Ihren Entschluss, an einem Wandel zu arbeiten, erfordert.
Ein Beispiel: Wenn Sie Student sind, arbeiten Sie daran, mehr vegane Auswahl an Ihrer Mensa zu bekommen, anstatt sie dazu zu bewegen, ''käfig-freie'' Eier [Einer aus Bodenhaltung] einzukaufen, die immer noch grässliches Leiden bedeuten und Menschen dazu verleiten, zu denken, sie könnten ''Konsumenten mit gutem Gewissen'' sein.
Schauen Sie sich an, was Bob und Jenna Torres, die Vegan Freaks, leisten. Mit einem bescheidenen Geldaufwand, aber einer Menge harter Arbeit und Ausdauer nutzen sie das Internet, um über Veganismus aufzuklären und ein Netzwerk von Veganern in aller Welt zu schaffen. Vegan Freaks ist ein hervorragendes Beispiel kreativer vegan/abolitionistischer Aufklärungsarbeit, und es ist bei weitem wirkungsvoller als alle die teuren Tierschutzkampagnen zusammengenommen.
Wenn Sie Geld spenden können, dann sponsern Sie einen regelmäßigen Infotisch mit veganen Kostproben in Ihrem Stadtteilzentrum. Oder helfen Sie jenen, die praktische Hilfe für Tiere leisten. Es gibt so viele wirksamere Wege, Geld einzusetzen, als einen Beitrag zum Barbestand von Tierschutzkörperschaften zu leisten oder die Gehälter und Reisen ihrer Manager zu finanzieren.
Wenn Ihnen zum ersten Mal jemand sagt, er oder sie habe aufgrund Ihrer Bemühungen angefangen, vegan zu leben, werden Sie erkennen, dass Sie keine ''Führungskräfte'' oder ''Funktionäre des Tierschutzes'' brauchen, welche die Dinge kontrollieren und abweichende Meinungen unterdrücken, weil diese nicht gut fürs ''Geschäft'' sind. Sie werden sehen, dass Sie, allein oder mit einem oder zwei Freunden und ohne viel Geld, einen wichtigen Beitrag zu der sich abzeichnenden Bewegung, der Tiersklaverei ein Ende zu machen, leisten können, anstatt sie dadurch zu verewigen, sie, als ''humaner'' betrachtet, sozial akzeptabler, zu machen.
Sicher, es ist einfacher, einen Scheck auszuschreiben, aber es tut nichts dazu, Tieren zu helfen. Sicher, es ist einfacher, mit dem mitzuziehen, was die großen Körperschaften wollen, das Sie tun, als Ihre eigene Graswurzel-Arbeit zu machen und von den Funktionären des Tierschutzes als ''spaltend'' und ''verunglimpfend'' angegriffen zu werden. Aber eine soziale Bewegung, die Widerspruch und Meinungsverschiedenheiten ablehnt, ist keine soziale Bewegung – sie ist ein Kult. Und eine soziale Bewegung, die behauptet, Aktivismus bestehe darin, einen Scheck auszuschreiben, hat sich selbst entmachtet und ist zu nichts anderem als einem geschäftlichen Unternehmen geworden.
Sie – wir – haben die Macht, dies zu ändern. Und wir haben auch die Verantwortung, es zu tun.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Ich war kürzlich Gast in einem zweiteiligen Podcast von Vegan Freak Radio. In der nachfolgenden Diskussion im Kommentarsektor des zweiten Teils und in einem der Foren wurde die Frage aufgeworfen, ob Anwaltschaft für Tiere sich auf Graswurzel-Aktivitäten (grass roots activities) konzentrieren oder ob die Bewegung [für Tiere] von ''Geschäftsführern'', welche die Agenda bestimmen und Aktivisten diktieren, kontrolliert werden sollte.
Ich hatte dazu einige Gedanken, die ich im Forum geäußert habe und Ihnen mitteilen möchte.
Wie ich es sehe, gibt es zwei miteinander verbundene Probleme:
Erstens: Obwohl einige nationale Organisationen [nachfolgend NO] besser als andere sind, betreiben diese Gruppen zumeist Kampagnen, die sich mehr auf die Behandlung von Tieren als auf deren Nutzung konzentrieren. Das heißt, sie beschreiben das Problem vorrangig als wie Tiere genutzt werden, nicht, dass Tiere genutzt werden. Solange die Behandlung der Hauptschwerpunkt ist, wird die Bewegung dem trügerischen Ziel nachjagen, Leiden zu mindern, um Ausbeutung ''humaner'' zu machen, anstatt die Nutzung von Tieren durch die schrittweise Beseitigung des Eigentumsstatus abzuschaffen.
Wie ich nun schon seit vielen Jahren argumentiere, kann jede Maßnahme als ''Leiden vermindernd'' beschrieben werden. Im Allgemeinen suchen diese Maßnahmen, die Interessen von Tieren in dem Maß zu schützen, in dem dies zu tun uns zum Nutzen gereicht, und erkennen deshalb in keiner bedeutsamen Weise den Eigenwert von Tieren an. Im Gegenteil verstärken diese Tierschutzkampagnen oft den äußeren oder bedingten Wert von Tieren.
Zweitens: Da NO einen anhaltenden Strom an ''Siegen'' zum Zweck der Mittelbeschaffung [Spenden] brauchen, oft einschließlich des Zwecks, beachtliche Gehälter an Direktoren, Funktionäre und ausgewählte Mitarbeiter zu zahlen, charakterisieren sie ihre Kampagnen ausnahmslos in einer beschränkten und oft trivialen Weise, um die größte Anzahl von Spendern ansprechen zu können und die Chancen auf ''Erfolg'' zu maximieren. Zum Beispiel haben sie Kampagnen, die auf eine Form des Tötens und nicht auf das Faktum des Tötens [als solchem] gerichtet sind.; Kampagnen,die sich auf eine Form der aus Tieren gemachten Bekleidung [Pelz], nicht auf die generelle Nutzung von Tieren für Bekleidungszwecke konzentrieren. Und weil Diskussionen über Strategien und Taktiken nur eine Zeit und Geld kostende Unannehmlichkeit sind, bezeichnen Tierschutzgruppen oft jede Kritik als ''Verunglimpfung'', ''spaltend'' und ''den Tieren schadend''. Andere Meinungen werden nicht toleriert.
Diese beiden Probleme wirken synergetisch zusammen, was eine Bewegung [für Tiere] produziert, die sich nirgendwohin bewegt, außer rückwärts. Die ''Siege'' bieten Tieren kurzfristig keinen bedeutsamen Schutz und führen langfristig nicht zur Abschaffung der Tierausbeutung. Tatsächlich ist die Wirkung der Kampagnen von NO, dass die Öffentlichkeit sich bei der Ausbeutung von Tieren wohler fühlt. Das Paradigma wandelt sich nicht.
Wenn Sie denken, dass die Dinge in die richtige Richtung gehen und wir wirklichen Fortschritt machen, dann sollten Sie fortfahren, NO zu unterstützen.
Wenn Sie es für angemessen halten, dass die ''Geschäftsführer''/''Manager'' von Tierschutzorganisationen hohe Gehälter bekommen,von denen sich viele im sechsstelligen Bereich bewegen, dann sollten Sie fortfahren, NO zu unterstützen.
Wenn Sie glauben, dass es eine gute Idee ist, dass Tierschutzorganisationen auf Haufen von Geld sitzen, der sich oft auf viele Millionen Dollar beläuft, dann unterstützen Sie weiterhin die wohlhabenden Wohlfahrtseinrichtungen für Tiere.
Wenn Sie mit Menschen in ''Führungsrollen'' zufrieden sind, die zum Beispiel behaupten, dass ein gewissenhafter Veganer zu sein ''fanatisch'' ist oder dass [der Begriff ] Tierrechte tote Tiere bedeutet oder dass unwesentliche Tierschutzreformen bedeuten, dass ''eine Revolution auf dem Weg ist'', oder [mit jenen,] die das ernste Problem der Tierausbeutung durch sexistische und kindische Kampagnen trivialisieren oder Schlachthaus-Designern Preise verleihen oder kriecherische Lobhudeleien auf ''Bio-Fleisch''-Vermarkter häufen und die bei alledem jede Äußerung von Widerspruch durchweg als Ketzerei und Verrat gleich bezeichnen, dann machen Sie [mit Ihrer Unterstützung] unbedingt weiter wie gewohnt .
Aber wenn Sie denken, dass die Dinge in eine sehr falsche Richtung gehen und dass die vielen Millionen Dollar, die diesen Gruppen gespendet werden, einen Ertrag bringen, der erbärmlich dürftig ist, dann sollten Sie eine alternative Vorgehensweise erwägen. Sie sollten die Idee verwerfen, dass Aktivismus bedeutet, einer NO einen Scheck auszustellen, um regulative/legislative Kampagnen, die nirgendwohin führen, zu unterstützen.
Ich habe mich seit langem dafür ausgesprochen, dass wir den größten Teil unserer Ressourcen auf die Aufklärung über Veganismus und veganes Eintreten für Tiere verwenden sollten. Wir sollten vegan leben und alles tun, was wir können, jeden über Veganismus aufzuklären, den wir aufklären können. Es wird niemals einen bedeutsamen Fortschritt in Richtung auf die Beseitigung der Tierausbeutung geben, solange wir keine starke abolitionistische Graswurzel-Bewegung haben. Und wir können keine abolitionistische Bewegung ohne Veganismus als klare, nicht verhandelbare moralische Grundlinie haben. Soweit es überhaupt NO geben soll, sollten sie hauptsächlich als Anbieter von Training und Literatur dienen, um Graswurzel-Aktivisten in ihren Anstrengungen zu helfen, wirksame und kreative abolitionistische Aufklärungsarbeit zu leisten
Eine auf ''Bio-Fleisch'' und andere Tierschutzreformen gegründete Bewegung ist unnütz und in der Tat kontraproduktiv. Die Tierschutzposition ist ununterscheidbar von der Position der Tiernutzer. Tierausbeuter sind bereit, mit Vertretern des Tierschutzes zusammenzuarbeiten, weil diese Reformen anstreben, welche Tierausbeutung zumeist effizienter machen. Die Tierschützer klären die Ausbeuter faktisch darüber auf, wie sie geringfügige Änderungen vornehmen können, welche Produktivität und Profite steigern.
Wir sollten auch Ressourcen auf praktische Fürsorge für jene Tiere verwenden, deren Existenz wir verursacht haben und denen gegenüber wir moralische Verpflichtungen haben. Das schließt Gnadenhöfe ein, die eine abolitionistische Botschaft vertreten, gute Tierheime, die Tiere nicht einschläfern, Pflegestellen-Netzwerke, Sterilisationsprogramme, TNR [trap, neuter, return: einfangen, kastrieren, freilassen] usw. Soweit NO Geld in diese Aktivitäten stecken, ist dieses Geld gut verwendet. Aber die meisten stecken relativ wenig oder kein Geld in praktische Hilfe für Tiere.
Warum operiert Peaceful Prairie Sanctuary von der Hand in den Mund und ist jetzt in verzweifelter finanzieller Notlage, wenn NO auf Millionen Dollar sitzen und einige von ihnen sechsstellige Gehälter zahlen? Diese Situation ist nur ein Beispiel dafür, dass die ''Bewegung'', vertreten durch die NO, grundlegende Werte aus den Augen verloren und jämmerlich versagt hat.
Über viele Jahre haben NO die Kommunikation unter Anwälten der Tiere kontrolliert. Diese erfuhren, was vor sich ging, durch die Publikationen und Konferenzen bestimmter Organisationen, und deren Perspektive befand sich offensichtlich in einer ihren Zwecken dienenden Schieflage. Anwälte der Tiere mit anderen und abweichenden Meinungen waren ausgeschlossen und wurden totgeschwiegen. Dies alles ändert sich aufgrund des Internets, das die Entwicklung einer internationalen, gewaltlosen, abolitionistischen, auf Veganismus gegründeten Graswurzel-Bewegung möglich macht. Die NO suchen diese sich herausbildende Bewegung zu unterdrücken, indem sie geltend machen, dass nur eine von vollbeschäftigten, hochbezahlten Funktionären betriebene Bewegung Tieren helfen kann. Dies war zu erwarten, sollte aber zurückgewiesen werden.
Unsere Zeit und unsere Ressourcen sind begrenzt. Es ist ein Nullsummenspiel. Jeder Dollar [Euro], den wir für regulative/legislative Kampagnen spenden, und jede Sekunde, die wir darauf verwenden, sind ein Dollar und eine Sekunde weniger für Aufklärung über Veganismus und praktische Arbeit.
Wir schaden Tieren nicht, wenn wir uns entscheiden, unsere Ressourcen auf vegan/abolitionistische Kampagnen zu verwenden. In der Tat, wenn irgendetwas Tieren schadet, dann ist es die Verewigung des tückischen Mythos, dass Tierschutzreformen das Leiden von Tieren kurzfristig in bedeutsamer Weise vermindern und langfristig zur Abschaffung der Tierausbeutung führen.
Wir brauchen keine großen Organisationen, deren Angestellte fette Gehälter und subventionierte Reisen bekommen. Jeder von uns kann eine ''Führungsrolle'' spielen. Wenn wir erfolgreich sein sollen, muss jeder von uns eine Führungsrolle spielen. Jeder von uns hat die Fähigkeit, auf das Leben anderer einzuwirken und es zu beeinflussen. Das ist harte Arbeit, sicherlich. Viele werden nicht interessiert sein, einige schon. Aber diese wenigen, die wir erreichen, werden andere erreichen, die wieder andere erreichen werden usw. Und mit jedem Menschen, der die vegane Lebensweise annimmt, verringert sich die Quelle der Zwangsherrschaft – die Nachfrage [nach Tierprodukten].
Wenn Sie nicht vegan leben: Fangen Sie damit an und hören Sie auf, ein Tierausbeuter zu sein. Wenn Sie vegan leben, dann tun Sie allein dadurch etwa etwas sehr Wichtiges. Lassen Sie sich von niemandem etwas anderes erzählen. Veganismus ist Aktivismus. Denken Sie daran, dass Veganismus nicht nur eine Sache der Ernährung oder des Lebensstils ist; er ist Ihr Ausdruck des abolitionistischen Prinzips. Es ist Ihr persönliches Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit.
Wenn Sie mehr tun wollen, dann besorgen Sie sich klar und unzweideutig vegan/ abolitionistische Literatur wie die bei Peaceful Prairie Sanctuary kostenlos erhältliche. Verteilen Sie diese Literatur. Unterrichten Sie sich selbst über diese Fragen. Sprechen Sie mit jedem, der Ihnen zuhört, über die moralischen und ökologischen Aspekte des Veganismus. Seien Sie stets freundlich in Ihrem Eintreten für Ihre Sache. Aber schrecken Sie niemals davor zurück, Ihre Ansicht klar und unzweideutig zu vertreten, dass wir keine Rechtfertigung für das Ausbeuten von Tieren haben – wie ''human'' auch immer wir es tun mögen.
Es gibt so vieles, was Sie tun können, um die Abschaffung der Tierausbeutung zu fördern, das wenig oder kein Geld kostet und das nur Ihren Entschluss, an einem Wandel zu arbeiten, erfordert.
Ein Beispiel: Wenn Sie Student sind, arbeiten Sie daran, mehr vegane Auswahl an Ihrer Mensa zu bekommen, anstatt sie dazu zu bewegen, ''käfig-freie'' Eier [Einer aus Bodenhaltung] einzukaufen, die immer noch grässliches Leiden bedeuten und Menschen dazu verleiten, zu denken, sie könnten ''Konsumenten mit gutem Gewissen'' sein.
Schauen Sie sich an, was Bob und Jenna Torres, die Vegan Freaks, leisten. Mit einem bescheidenen Geldaufwand, aber einer Menge harter Arbeit und Ausdauer nutzen sie das Internet, um über Veganismus aufzuklären und ein Netzwerk von Veganern in aller Welt zu schaffen. Vegan Freaks ist ein hervorragendes Beispiel kreativer vegan/abolitionistischer Aufklärungsarbeit, und es ist bei weitem wirkungsvoller als alle die teuren Tierschutzkampagnen zusammengenommen.
Wenn Sie Geld spenden können, dann sponsern Sie einen regelmäßigen Infotisch mit veganen Kostproben in Ihrem Stadtteilzentrum. Oder helfen Sie jenen, die praktische Hilfe für Tiere leisten. Es gibt so viele wirksamere Wege, Geld einzusetzen, als einen Beitrag zum Barbestand von Tierschutzkörperschaften zu leisten oder die Gehälter und Reisen ihrer Manager zu finanzieren.
Wenn Ihnen zum ersten Mal jemand sagt, er oder sie habe aufgrund Ihrer Bemühungen angefangen, vegan zu leben, werden Sie erkennen, dass Sie keine ''Führungskräfte'' oder ''Funktionäre des Tierschutzes'' brauchen, welche die Dinge kontrollieren und abweichende Meinungen unterdrücken, weil diese nicht gut fürs ''Geschäft'' sind. Sie werden sehen, dass Sie, allein oder mit einem oder zwei Freunden und ohne viel Geld, einen wichtigen Beitrag zu der sich abzeichnenden Bewegung, der Tiersklaverei ein Ende zu machen, leisten können, anstatt sie dadurch zu verewigen, sie, als ''humaner'' betrachtet, sozial akzeptabler, zu machen.
Sicher, es ist einfacher, einen Scheck auszuschreiben, aber es tut nichts dazu, Tieren zu helfen. Sicher, es ist einfacher, mit dem mitzuziehen, was die großen Körperschaften wollen, das Sie tun, als Ihre eigene Graswurzel-Arbeit zu machen und von den Funktionären des Tierschutzes als ''spaltend'' und ''verunglimpfend'' angegriffen zu werden. Aber eine soziale Bewegung, die Widerspruch und Meinungsverschiedenheiten ablehnt, ist keine soziale Bewegung – sie ist ein Kult. Und eine soziale Bewegung, die behauptet, Aktivismus bestehe darin, einen Scheck auszuschreiben, hat sich selbst entmachtet und ist zu nichts anderem als einem geschäftlichen Unternehmen geworden.
Sie – wir – haben die Macht, dies zu ändern. Und wir haben auch die Verantwortung, es zu tun.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
Wednesday, 7 February 2007
"Bio-Fleisch''...: Ein Schritt in die richtige Richtung [...]
oder ''ein leichterer Einstig zurück“ zum Essen von Tieren?
von Gary L. Francione Blog
Ein Artikel des BBC News Magazine BBC News Magazine erregte neulich meine Aufmerksamkeit. Er zitiert die Lehrerin Rachael Deacon mit der Aussage: “Ich bezahle mehr, um gesündere Lebensmittel zu kaufen. Ich möchte nicht, dass Tiere für mich auf schreckliche Weise geschlachtet werden oder ein schreckliches Leben haben.“ Lassen wir einmal beiseite, dass Frau Deacon denkt, dass es so etwas wie nicht schreckliches Schlachten gibt; ist ihre allgemeine Besorgnis eine Erfolgsgeschichte für diejenigen Anwälte der Tiere, die “Bio-Fleisch“ [''happy meat''] als einen Schritt auf dem Weg zu einer Welt mit weniger Leiden und Tod fördern? Nein.
Frau Deacon war seit 10 Jahren Vegetarierin, ist aber nun zum Fleischessen zurückgekehrt. Sie ist ein “pflichtbewusster Allesesser“ (''conscientious omnivore''), der das Problem mit dem “Bio-Fleisch“-Ansatz illustriert, welcher die Bewegung für Tiere einholt. Große Tierschutzgesellschaften haben Etiketts wie das
Certified-Humane-Raised-&-Handled- Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt] und das Freedom-Food-Label kreiert, um Konsumenten ein besseres Gefühl bezüglich des Essens von Tieren zu geben, die auf Arten und Weisen aufgezogen und getötet wurden, welche, auf Menschen angewendet, ohne Zweifel als Folter angesehen würden. Anwälte der Tiere verleihen Auszeichnungen an Schlachthaus-Designer und loben öffentlich Supermarktketten, die vermeintlich “human“ gezüchtete und geschlachtete Leichen und andere “glückliche“ Tierprodukte verkaufen.
Dieser Ansatz lenkt die Menschen nicht schrittweise in die richtige Richtung. Vielmehr gibt er ihnen einen Rechtfertigungsgrund dafür, rückwärts zu gehen. Er richtet sich eher auf die Behandlung von Tieren als auf ihre Nutzung und verleitet die Menschen dazu, zu denken, dass Tierschutzregulierungen wirklich einen merklichen Schutz für Tiere zur Folge haben. Der BBC-Artikel “Some sausages are more equal than others“ [„Einge Würstchen sind gleicher als andere“] veranschaulicht dieses Problem weitergehend. Die Reporterin, Megan Lane, berichtet uns, dass sie 14 Jahre lang Vegetarierin gewesen sei, dass sie aber “wieder angefangen habe, Fleisch zu essen, aber nur Fleisch von Tieren, die ein glückliches Leben hatten, bevor sie geschlachtet wurden.“ Sie sagt, dass, als sie Vegetarierin wurde, “Bio-“ und Fleisch aus “Freilandhaltung“ [aus sog. artgerechter Haltung] nicht leicht erhältlich gewesen sei, so wie heute. Lane beschreibt “Bio-/Freiland-Fleisch“ als eine “Marktnische, typischerweise genutzt von jenen, die sich entschieden haben, das Problem mit Geld zu lösen. Sie notiert, dass der Verkauf von “Bio-Fleisch“ in Großbritannien 14 % über dem des letzten Jahres liegt, aber noch immer nur 1,4 % des Verkaufs von rotem Fleisch ausmacht.
Lane zitiert Chris Lamb (wörtlich: Lamm] (kein Wortspiel) von der
Meat and Livestock Commission [Fleisch- und Vieh-Kommission], der sagt, “wenn jemand aus ethischen Gründen Vegetarier ist, öffnet ihm die Tatsache, dass es nun biologisch, artgerecht erzeugte landwirtschaftliche Produkte gibt, die die ganze Sache akzeptabler aussehen lassen, einen leichteren Einstieg zurück.'' Lane zitiert ebenfalls einen Sprecher der Vegetarian Society, der einräumt, dass Bio/ Freiland-Tiere noch immer getötet werden, aber feststellt, dass “viele der drei Millionen Vegetarier in Großbritannien wegen der Grausamkeit und mangelhaften Praktiken, die mit der Massentierhaltung verbunden sind, kein Fleisch essen.“ Die Vegetarian Society erklärt: “Wir kritisieren nicht die verantwortlicheren Methoden, die von Bio-Landwirten dabei eingesetzt werden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“
Eine Reihe von Leserkommentaren folgt dem Artikel, viele davon die Vorzüge “ethisch gezüchteten“ Fleisches rühmend. Ist es nicht eben eine Ironie, dass der Vertreter der Fleisch-und-Vieh-Kommission völlig versteht, was hier vor sich geht? “Bio-Fleisch“ lässt “die ganze Sache akzeptabler aussehen''. “Bio-Fleisch“ bedeutet mehr Fleischesser und mehr geschlachtete Tiere. Warum sehen Anwälte der Tiere dies nicht? Es ist ziemlich einfach. Lanes Artikel spiegelt die Realität: “Bio-Fleisch“ zu fördern bewegt die Menschen nicht in eine positive Richtung. Tatsächlich ist alles, was es bewirkt, die wenigen Privilegierten, die es sich leisten können, “Bio-Fleisch" in exklusiven Läden zu kaufen, sich moralisch überlegen fühlen zu lassen, und viele Vorwände dafür zu bieten, zum Fleischessen und Konsum anderer Tierprodukte zurückzukehren. Und es ist nicht nur Lanes Artikel, der die Rückwärtsbewegung belegt, die durch die “Bio-Fleisch“-Bewegung verursacht wird.
Ein Artikel in Meatingplace, einem Magazin der Fleischindustrie, zitiert die prominente Ernährungswissenschaftlerin Marion Nestle: “Selbst langjährige, überzeugte Vegetarier essen Fleisch, weil die Industrie auf die Bedingungen reagiert hat, gegen die sie am meisten einzuwenden hatten. Dies stellt eine bedeutende Wachstumsmöglichkeit dar, weil die Konsumenten mehr für diese Produkte bezahlen.“ In einem weiteren jüngeren Artikel wird uns von Maria Humel berichtet, “die eine Schwäche für Tiere hat – und für Kinder, die Chicken parmesan und Chicken Fingers [aus Hühnerleichen hergestelltes Fast Food] verlangen.'' Humel kauft in einem Laden, der Fleischprodukte mit dem Stempel Certified-Humane-Raised-&-Handled verkauft, verliehen von Humane Farm Animal Care und den Partnern dieser Organisation, der Humane Society of the United States (HSUS), der American Society for the Prevention of Cruelty to Animals (ASPCA), Animal People und anderen.
Der Zertifiziert-Human-Stempel “hilft..Mitleid mit ..Konsum auszubalancieren.“ Humel erklärt: “Das ist sehr wichtig für mich, weil ich wirklich Vegetarierin sein sollte.“ Mit anderen Worten, sie wäre Vegetarierin, wenn die “Tierrechtsgruppe, die das Label kreiert hat“, nicht da wäre, um einen Stempel der Billigung auf ihren Konsum von Tierprodukten zu drücken. Im selben Artikel sagt der Hauptgeschäftsführer [CEO: chief executive officer] von D’Agostino’s, einer in New York ansässigen Supermarktkette, dass die “Verkäufe einiger seiner Produkte in die Höhe gegangen sind, seit die Gesellschaft vor zwei Jahren begonnen hat, das ‘Zertifiziert-Human-Logo‘ zu unterstützen. Der Laden verkauft mehr als 35 zertifiziert humane Lebensmittel, einschließlich Joghurt, Milch, Butter, Eier, Huhn, Schwein und Kalb – ein Fleisch, dessen Absatz um mehr als 25% in die Höhe gegengen ist, seitdem der Laden angefangen hat, es mit dem Label zu verkaufen.“
Es ist offensichtlich, dass die “Bio-Fleisch“-Bewegung nicht schrittweise zum Veganismus führt; sie ermutigt den Tierkonsum durch Menschen, die den Unfug glauben, dass wir Tiere “mit gutem Gewissen konsumieren“ können. Denken diese “pflichtbewussten Allesesser“ wirklich, dass Tierschutzregulierungen einen echten, greifbaren Unterschied für das Leben der Tiere, die sie konsumieren, machen? Falls ja, dann machen sie sich selbst etwas vor. Es gibt keinen wesentlichen Unterschied zwischen konventionell erzeugten und Freiland-, Bio- oder “human gezüchteten“ Tierprodukten – außer dass die letzteren mehr Profit in die Taschen der Handelsgesellschaften bringen. Zu einigen ausgezeichneten Informationen zu diesem Thema siehe The Free-Range Myth [Der Freiland-Mythos] auf der Webstie von The Peaceful Prairie , einem abolitionistischen [der Abschaffung aller Tierausbeutung verpflichteten] Gnadenhof, der zu “Happy“ Meat und ebensolchen Tierprodukten Stellung bezieht.
“Der Freiland-Mythos“ besteht aus zwei Darstellungen: einer, die erläutert, inwiefern Freiland-Eier nicht besser als Batterie-Eier sind, und einer, die erklärt, dass “humane“ landwirtschaftliche Tierhaltung ein Oxymoron [Verknüpfung zweier sich widersprechender Begriffe] ist. Sie können beide als Flugblätter bei Peaceful Prairie bestellen, oder Sie können sie als PDF-Datei (landwirtschaftliche Tierhaltung, Eier) direkt von der PP-Website herunterladen. Ich empfehle sehr, dass Anwälte der Tiere, die an guter vegane/abolitionistischer Literatur interessiert sind, diese beiden Flugblätter verwenden; sie sind hervorragend und machen deutlich, dass es nichts dergleichen wie moralisch akzeptablen Konsum von Tierkörpern oder -produkten gibt. “Der Freiland-Mythos“ und die andere Literatur, die Peaceful Prairie zum Herunterladen verfügbar macht, liefern erstklassige Beispiele für das, was ich meine, wenn ich von kreativer veganer/abolitionistischer Aufklärungsarbeit spreche.
Die Schuld für die Begeisterung für “Bio-Fleisch“ und andere “Bio-Tierprodukte“ ist geradewegs jenen Anwälten der Tiere zur Last zu legen, die diese Regulierungen unterstützen und Kampagnen für sie als für etwas machen, das einen wirklichen Unterschied bedeutet, und die ignorieren, dass es die Nutzung von Tieren und nicht ihre Behandlung ist, die das fundamentale moralische Problem darstellt. Wenn Peter Singer, der sogenannte “Vater der Tierrechtsbewegung“, sagt, es sei moralisch akzeptabel, ein “pflichtbewusster Allesesser“ zu sein, oder jene, die konsequente Veganer sind, als fanatisch lächerlich macht, dann werden Menschen – selbst jene, denen etwas an Tieren liegt – es akzeptabel finden, “Bio-Fleisch“ und andere Tierprodukte zu essen. Wenn Tom Regan, der Singers “Vaterschaftsanspruch“ anficht, aber zusammen mit Singer Whole Foods “Bio-Fleisch“-Magnaten John Mackey feiert , dann ist es kein Wunder, dass so viele “Tierschützer“ denken, Produkte von “glücklichen“ Hühnern oder Kühen zu essen sei akzeptabel und als eine gute Strategie zu verfolgen.
Am 25. Januar 2007 machte Smithfield Foods , ein großer Produzent von Tierfleisch, bekannt , dass er über die nächsten zehn Jahre die Haltung von schwangeren Sauen in Kastenständen zugunsten von Gruppen-Verschlägen, die mehr Platz bieten, stufenweise einstellen werde. Diese Bekanntmachung folgte einer Kampagne von HSUS, Farm Sanctuary und anderen Tierchutzgruppen gegen den Katenstand. Diese Kampagne kostete weit über $1,6 Mio. Wie ich in einem früheren Essay, Ein ''Triumph'' des Tierschutzes?, erörtert habe, argumentieren Anwälte der Tiere, dass Studien zeigten, dass Produzenten von Schweinefleisch höhere Profite durch den Wechsel zu einem alternativen Haltungssystem erzielen würden.
Als Antwort auf die Ankündigung von Smithfield verkündete der Präsident und Hauptgeschäftsführer von HSUS, Wayne Pacelle, dass “(eine) Revolution in der Schweineindustrie im Gange ist.“ Pacelle stellte fest: “Ich kann mir nichts Bedeutenderes hinsichtlich der humanen Behandlung von Tieren denken, das sich im landwirtschaftlichen Sektor ereignet hätte.“ Andere Unterstützer von Tierschutzregulierungen folgten mit gleichermaßen hyperbolischen [ins Komische übertreibenden] Würdigungen. Zum Beispiel bezeichnete Erik Marcus recht bemerkenswerterweise die Bewegung bei Smithfield als “spektakuläre Neuigkeit“ .
Welche Botschaft vermittelt dies? Es vermittelt die Botschaft, dass es eine wesentliche Verbesserung in der Behandlung von Schweinen im landwirtschaftlichen Betrieb von Smithfield gibt – oder in 10 Jahren geben wird. Pacelle gebraucht das Wort “Revolution“. Es sendet die Botschaft, dass Tiere bei Smithfield ein “glückliches Leben“ haben werden. Es verstärkt die Vorstellung, dass mitleidige Verbraucher ihre moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber erfüllen können, indem sie die Leichen von Smithfield-Tieren kaufen.
Kurz gefasst ist die Smithfield-Bekanntmachung wirklich eine “spektakuläre Neuigkeit“ für Smithfield Foods, das sich größerer Produktivität und daraus resultierender Profite erfreuen und einen Spitzenpreis berechnen können wird, so dass elitäre Verbrchauer fortfahren können, Tiere zu essen und sich gut dabei zu fühlen. Es ist ebenfalls eine “spektakuläre Neuigkeit“ für HSUS, Farm Sanctuary und andere Tierschützer, die nicht versäumen werden, diesen großen “Sieg“ – diese “Revolution“ – in einen endlosen Strom von Spenden aufbringenden Werbeveranstaltungen zu verkünden, wo sie übereinander krabbeln in dem Bemühen, sich das Verdienst für diese “spektakuläre Neuigkeit“, diese “Revolution“ anzurechnen.
Aber es ist eine traurige Niederlage für Tiere. Die Tatsache, dass Anwälte der Tiere einen enormen Geldbetrag auf eine Kampagne verwendeten, die einzig die Megan Lanes, Rachael Deacons und Maria Humels dieser Welt denken lässt, es sei in Ordnung, Tierleichen und Tierprodukte zu essen, weil die Tiere ein “glückliches Leben“ haben, ist, nach meinem Urteil, erschreckend. Es kann keinen ernsthaften Zweifel geben, dass eine Investition in Aufklärung über Veganismus ein besserer Gebrauch von Ressourcen gewesen wäre. Eine Handvoll neuer Veganer wäre aus einer Reihe von Gründen sowohl lang- als auch kurzfristig wichtiger als ein 10 Jahre währendes stufenweises Abschaffen von Kastenständen zugunsten eines alternativen Systems, dessen Details noch nicht einmal bekannt sind.
Erinnern wir uns daran, dass das “Verbot“ von Kastenständen für schwangere Sauen in Florida auf Einsperrungen Anwendung findet, in denen ein Schwein für den “größten Teil jedes Tages“ gehalten wird.“ Es gestattet noch immer den Gebrauch von Kastenständen unter bestimmten Umständen, wie für weniger als den “größten Teil jedes Tages“, die Zeit unmittelbar vor der Geburt und für eine Zeit “nicht länger als vernünftigerweise notwendig“ für “tierärztliche Zwecke“.
Das “Verbot“ in Florida erfordert lediglich, dass ein Schwein in der Lage sein muss, sich umzudrehen, ohne eine Wand seines Verschlages zu berühren. Meine Vermutung ist, dass die gleiche Situation bei Smithfield Foods eintreten wird. Das heißt, ein wirkliches Verbot von Kastenständen würde keinen bedeutsamen Unterschied machen in dem immer noch schrecklichen Leben und Sterben von Schweinen. Aber das “Verbot“ ist nicht einmal wirklich ein Verbot. Gleich den meisten Tierschutzregulierungen ist es in erster Linie ein Public-Relations-Instrument und wird nur in dem Maß berücksichtigt werden, in dem es wirtschaftlich vorteilhaft ist, dies zu tun.
Abolitionisten sollten niemals den Konsum von Tieren, wie “human“ auch immer, fördern, insbesondere in Anbetracht dessen, dass das Fördern von “Bio-Fleisch“ und ebensolchen Tierprodukten jene ermutigt, denen es ethisch darum zu tun ist, an dem Irrglauben teilzuhaben, wir könnten wirklich den Tieren, die wir essen, ein “glückliches Leben“ geben. Sehen wir einmal davon ab, dass die Versklavung von Tieren nicht gerechtfertigt werden kann, ohne Rücksicht darauf, wie “human“ sie ist; die Realität ist, dass Freilandproduktion und “humane“ Landwirtschaft ein enormes Ausmaß von Leiden einschließen. Diese romantischen Phantasien über das wundervolle Leben von Tieren auf dem “Bauernhof“ sind eben dies – Phantasien. Der beste “Bauernhof“ ist ein scheußlicher Ort für Tiere.
Stellen Sie sich zwei Sklavenhalter vor. Der erste schlägt seine Sklaven 20 Mal in der Woche. Der zweite schlägt seine Sklaven 19 Mal in der Woche. Gibt es einen bedeutsamen Unterschied zwischen den beiden, der es rechtfertigen würde, zu denken, dass der zweite Sklavenhalter sich eines moralisch lobenswerten Verhaltens befleißigt? Sollten wir das Schlagen von Sklaven 19 Mal die Woche als ein Anzeichen dafür betrachten, dass “(eine) Revolution im Gange ist“? Sollten wir ein Mal weniger Schlagen als “spektakuläre Neuigkeit“ betrachten? Wenn Ihre Antwort auf die obigen Fragen “nein“ ist, dann können Sie nicht folgerichtig die Position von Singer, HSUS, Farm Sanctuary, Vegan Outreach, PETA und dem Rest der “Bio-Fleisch“-Bewegung des Tierschutzes unterstützen. Es ist natürlich “besser“, die Sklaven 19 Mal die Woche zu schlagen als 20. Aber das macht das Schlagen von Sklaven 19 Mal die Woche nicht moralisch akzeptabel, darauf hindeutend, dass “(eine) Revolution im Gange ist“, oder zu einer "spektakuläre(n) Neuigkeit“. Es macht Sklaverei – wie immer “human“ sie sein mag – nicht moralisch vertretbar.
Wir haben begrenzte Zeit und begrenzte Ressourcen. Jeder Cent und jede Sekunde, dafür verwendet, die Tierausbeutung “humaner“ zu machen, ist ein Cent und eine Sekunde weniger verwendet für die Aufklärung über das Einzige, was für Abolitionismus wichtig ist: die vegane Lebensweise. Und jeder Cent und jede Sekunde, verwendet für “humane“ Ausbeutung, bewirkt nicht nur herzlich wenig für das Leiden der Tiere jetzt; durch das Fördern der glatten Lüge, dass ein in einem Bio- oder Freilandbetrieb aufgezogenes Tier ein “glückliches Leben“ hat, ermutigt der Tierschutzansatz die Öffentlichkeit fortzufahren, Tiere zu konsumieren, und verewigt das speziesistische Paradigma, das die Tiere – menschliche und nichtmenschliche – erst hierher gebracht hat.
Wessen wir sicher sein können, ist dies: Haben wir einmal die Absurdität akzeptiert, dass die Bekanntmachung von Smithfield Foods anzeigt, dass eine “Revolution im Gange“, oder dass sie eine “spektakuläre Neuigkeit“ ist, wird die wirkliche Revolution – die gewaltlose Verwerfung der Tierausbeutung zugunsten ihrer Abschaffung und die Anerkennung der veganen Lebensweise als Verwirklichung dieser Abschaffung im persönlichen Leben – niemals kommen.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
von Gary L. Francione Blog
Ein Artikel des BBC News Magazine BBC News Magazine erregte neulich meine Aufmerksamkeit. Er zitiert die Lehrerin Rachael Deacon mit der Aussage: “Ich bezahle mehr, um gesündere Lebensmittel zu kaufen. Ich möchte nicht, dass Tiere für mich auf schreckliche Weise geschlachtet werden oder ein schreckliches Leben haben.“ Lassen wir einmal beiseite, dass Frau Deacon denkt, dass es so etwas wie nicht schreckliches Schlachten gibt; ist ihre allgemeine Besorgnis eine Erfolgsgeschichte für diejenigen Anwälte der Tiere, die “Bio-Fleisch“ [''happy meat''] als einen Schritt auf dem Weg zu einer Welt mit weniger Leiden und Tod fördern? Nein.
Frau Deacon war seit 10 Jahren Vegetarierin, ist aber nun zum Fleischessen zurückgekehrt. Sie ist ein “pflichtbewusster Allesesser“ (''conscientious omnivore''), der das Problem mit dem “Bio-Fleisch“-Ansatz illustriert, welcher die Bewegung für Tiere einholt. Große Tierschutzgesellschaften haben Etiketts wie das
Certified-Humane-Raised-&-Handled- Label [Zertifiziert human aufgezogen und behandelt] und das Freedom-Food-Label kreiert, um Konsumenten ein besseres Gefühl bezüglich des Essens von Tieren zu geben, die auf Arten und Weisen aufgezogen und getötet wurden, welche, auf Menschen angewendet, ohne Zweifel als Folter angesehen würden. Anwälte der Tiere verleihen Auszeichnungen an Schlachthaus-Designer und loben öffentlich Supermarktketten, die vermeintlich “human“ gezüchtete und geschlachtete Leichen und andere “glückliche“ Tierprodukte verkaufen.
Dieser Ansatz lenkt die Menschen nicht schrittweise in die richtige Richtung. Vielmehr gibt er ihnen einen Rechtfertigungsgrund dafür, rückwärts zu gehen. Er richtet sich eher auf die Behandlung von Tieren als auf ihre Nutzung und verleitet die Menschen dazu, zu denken, dass Tierschutzregulierungen wirklich einen merklichen Schutz für Tiere zur Folge haben. Der BBC-Artikel “Some sausages are more equal than others“ [„Einge Würstchen sind gleicher als andere“] veranschaulicht dieses Problem weitergehend. Die Reporterin, Megan Lane, berichtet uns, dass sie 14 Jahre lang Vegetarierin gewesen sei, dass sie aber “wieder angefangen habe, Fleisch zu essen, aber nur Fleisch von Tieren, die ein glückliches Leben hatten, bevor sie geschlachtet wurden.“ Sie sagt, dass, als sie Vegetarierin wurde, “Bio-“ und Fleisch aus “Freilandhaltung“ [aus sog. artgerechter Haltung] nicht leicht erhältlich gewesen sei, so wie heute. Lane beschreibt “Bio-/Freiland-Fleisch“ als eine “Marktnische, typischerweise genutzt von jenen, die sich entschieden haben, das Problem mit Geld zu lösen. Sie notiert, dass der Verkauf von “Bio-Fleisch“ in Großbritannien 14 % über dem des letzten Jahres liegt, aber noch immer nur 1,4 % des Verkaufs von rotem Fleisch ausmacht.
Lane zitiert Chris Lamb (wörtlich: Lamm] (kein Wortspiel) von der
Meat and Livestock Commission [Fleisch- und Vieh-Kommission], der sagt, “wenn jemand aus ethischen Gründen Vegetarier ist, öffnet ihm die Tatsache, dass es nun biologisch, artgerecht erzeugte landwirtschaftliche Produkte gibt, die die ganze Sache akzeptabler aussehen lassen, einen leichteren Einstieg zurück.'' Lane zitiert ebenfalls einen Sprecher der Vegetarian Society, der einräumt, dass Bio/ Freiland-Tiere noch immer getötet werden, aber feststellt, dass “viele der drei Millionen Vegetarier in Großbritannien wegen der Grausamkeit und mangelhaften Praktiken, die mit der Massentierhaltung verbunden sind, kein Fleisch essen.“ Die Vegetarian Society erklärt: “Wir kritisieren nicht die verantwortlicheren Methoden, die von Bio-Landwirten dabei eingesetzt werden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.“
Eine Reihe von Leserkommentaren folgt dem Artikel, viele davon die Vorzüge “ethisch gezüchteten“ Fleisches rühmend. Ist es nicht eben eine Ironie, dass der Vertreter der Fleisch-und-Vieh-Kommission völlig versteht, was hier vor sich geht? “Bio-Fleisch“ lässt “die ganze Sache akzeptabler aussehen''. “Bio-Fleisch“ bedeutet mehr Fleischesser und mehr geschlachtete Tiere. Warum sehen Anwälte der Tiere dies nicht? Es ist ziemlich einfach. Lanes Artikel spiegelt die Realität: “Bio-Fleisch“ zu fördern bewegt die Menschen nicht in eine positive Richtung. Tatsächlich ist alles, was es bewirkt, die wenigen Privilegierten, die es sich leisten können, “Bio-Fleisch" in exklusiven Läden zu kaufen, sich moralisch überlegen fühlen zu lassen, und viele Vorwände dafür zu bieten, zum Fleischessen und Konsum anderer Tierprodukte zurückzukehren. Und es ist nicht nur Lanes Artikel, der die Rückwärtsbewegung belegt, die durch die “Bio-Fleisch“-Bewegung verursacht wird.
Ein Artikel in Meatingplace, einem Magazin der Fleischindustrie, zitiert die prominente Ernährungswissenschaftlerin Marion Nestle: “Selbst langjährige, überzeugte Vegetarier essen Fleisch, weil die Industrie auf die Bedingungen reagiert hat, gegen die sie am meisten einzuwenden hatten. Dies stellt eine bedeutende Wachstumsmöglichkeit dar, weil die Konsumenten mehr für diese Produkte bezahlen.“ In einem weiteren jüngeren Artikel wird uns von Maria Humel berichtet, “die eine Schwäche für Tiere hat – und für Kinder, die Chicken parmesan und Chicken Fingers [aus Hühnerleichen hergestelltes Fast Food] verlangen.'' Humel kauft in einem Laden, der Fleischprodukte mit dem Stempel Certified-Humane-Raised-&-Handled verkauft, verliehen von Humane Farm Animal Care und den Partnern dieser Organisation, der Humane Society of the United States (HSUS), der American Society for the Prevention of Cruelty to Animals (ASPCA), Animal People und anderen.
Der Zertifiziert-Human-Stempel “hilft..Mitleid mit ..Konsum auszubalancieren.“ Humel erklärt: “Das ist sehr wichtig für mich, weil ich wirklich Vegetarierin sein sollte.“ Mit anderen Worten, sie wäre Vegetarierin, wenn die “Tierrechtsgruppe, die das Label kreiert hat“, nicht da wäre, um einen Stempel der Billigung auf ihren Konsum von Tierprodukten zu drücken. Im selben Artikel sagt der Hauptgeschäftsführer [CEO: chief executive officer] von D’Agostino’s, einer in New York ansässigen Supermarktkette, dass die “Verkäufe einiger seiner Produkte in die Höhe gegangen sind, seit die Gesellschaft vor zwei Jahren begonnen hat, das ‘Zertifiziert-Human-Logo‘ zu unterstützen. Der Laden verkauft mehr als 35 zertifiziert humane Lebensmittel, einschließlich Joghurt, Milch, Butter, Eier, Huhn, Schwein und Kalb – ein Fleisch, dessen Absatz um mehr als 25% in die Höhe gegengen ist, seitdem der Laden angefangen hat, es mit dem Label zu verkaufen.“
Es ist offensichtlich, dass die “Bio-Fleisch“-Bewegung nicht schrittweise zum Veganismus führt; sie ermutigt den Tierkonsum durch Menschen, die den Unfug glauben, dass wir Tiere “mit gutem Gewissen konsumieren“ können. Denken diese “pflichtbewussten Allesesser“ wirklich, dass Tierschutzregulierungen einen echten, greifbaren Unterschied für das Leben der Tiere, die sie konsumieren, machen? Falls ja, dann machen sie sich selbst etwas vor. Es gibt keinen wesentlichen Unterschied zwischen konventionell erzeugten und Freiland-, Bio- oder “human gezüchteten“ Tierprodukten – außer dass die letzteren mehr Profit in die Taschen der Handelsgesellschaften bringen. Zu einigen ausgezeichneten Informationen zu diesem Thema siehe The Free-Range Myth [Der Freiland-Mythos] auf der Webstie von The Peaceful Prairie , einem abolitionistischen [der Abschaffung aller Tierausbeutung verpflichteten] Gnadenhof, der zu “Happy“ Meat und ebensolchen Tierprodukten Stellung bezieht.
“Der Freiland-Mythos“ besteht aus zwei Darstellungen: einer, die erläutert, inwiefern Freiland-Eier nicht besser als Batterie-Eier sind, und einer, die erklärt, dass “humane“ landwirtschaftliche Tierhaltung ein Oxymoron [Verknüpfung zweier sich widersprechender Begriffe] ist. Sie können beide als Flugblätter bei Peaceful Prairie bestellen, oder Sie können sie als PDF-Datei (landwirtschaftliche Tierhaltung, Eier) direkt von der PP-Website herunterladen. Ich empfehle sehr, dass Anwälte der Tiere, die an guter vegane/abolitionistischer Literatur interessiert sind, diese beiden Flugblätter verwenden; sie sind hervorragend und machen deutlich, dass es nichts dergleichen wie moralisch akzeptablen Konsum von Tierkörpern oder -produkten gibt. “Der Freiland-Mythos“ und die andere Literatur, die Peaceful Prairie zum Herunterladen verfügbar macht, liefern erstklassige Beispiele für das, was ich meine, wenn ich von kreativer veganer/abolitionistischer Aufklärungsarbeit spreche.
Die Schuld für die Begeisterung für “Bio-Fleisch“ und andere “Bio-Tierprodukte“ ist geradewegs jenen Anwälten der Tiere zur Last zu legen, die diese Regulierungen unterstützen und Kampagnen für sie als für etwas machen, das einen wirklichen Unterschied bedeutet, und die ignorieren, dass es die Nutzung von Tieren und nicht ihre Behandlung ist, die das fundamentale moralische Problem darstellt. Wenn Peter Singer, der sogenannte “Vater der Tierrechtsbewegung“, sagt, es sei moralisch akzeptabel, ein “pflichtbewusster Allesesser“ zu sein, oder jene, die konsequente Veganer sind, als fanatisch lächerlich macht, dann werden Menschen – selbst jene, denen etwas an Tieren liegt – es akzeptabel finden, “Bio-Fleisch“ und andere Tierprodukte zu essen. Wenn Tom Regan, der Singers “Vaterschaftsanspruch“ anficht, aber zusammen mit Singer Whole Foods “Bio-Fleisch“-Magnaten John Mackey feiert , dann ist es kein Wunder, dass so viele “Tierschützer“ denken, Produkte von “glücklichen“ Hühnern oder Kühen zu essen sei akzeptabel und als eine gute Strategie zu verfolgen.
Am 25. Januar 2007 machte Smithfield Foods , ein großer Produzent von Tierfleisch, bekannt , dass er über die nächsten zehn Jahre die Haltung von schwangeren Sauen in Kastenständen zugunsten von Gruppen-Verschlägen, die mehr Platz bieten, stufenweise einstellen werde. Diese Bekanntmachung folgte einer Kampagne von HSUS, Farm Sanctuary und anderen Tierchutzgruppen gegen den Katenstand. Diese Kampagne kostete weit über $1,6 Mio. Wie ich in einem früheren Essay, Ein ''Triumph'' des Tierschutzes?, erörtert habe, argumentieren Anwälte der Tiere, dass Studien zeigten, dass Produzenten von Schweinefleisch höhere Profite durch den Wechsel zu einem alternativen Haltungssystem erzielen würden.
Als Antwort auf die Ankündigung von Smithfield verkündete der Präsident und Hauptgeschäftsführer von HSUS, Wayne Pacelle, dass “(eine) Revolution in der Schweineindustrie im Gange ist.“ Pacelle stellte fest: “Ich kann mir nichts Bedeutenderes hinsichtlich der humanen Behandlung von Tieren denken, das sich im landwirtschaftlichen Sektor ereignet hätte.“ Andere Unterstützer von Tierschutzregulierungen folgten mit gleichermaßen hyperbolischen [ins Komische übertreibenden] Würdigungen. Zum Beispiel bezeichnete Erik Marcus recht bemerkenswerterweise die Bewegung bei Smithfield als “spektakuläre Neuigkeit“ .
Welche Botschaft vermittelt dies? Es vermittelt die Botschaft, dass es eine wesentliche Verbesserung in der Behandlung von Schweinen im landwirtschaftlichen Betrieb von Smithfield gibt – oder in 10 Jahren geben wird. Pacelle gebraucht das Wort “Revolution“. Es sendet die Botschaft, dass Tiere bei Smithfield ein “glückliches Leben“ haben werden. Es verstärkt die Vorstellung, dass mitleidige Verbraucher ihre moralischen Verpflichtungen Tieren gegenüber erfüllen können, indem sie die Leichen von Smithfield-Tieren kaufen.
Kurz gefasst ist die Smithfield-Bekanntmachung wirklich eine “spektakuläre Neuigkeit“ für Smithfield Foods, das sich größerer Produktivität und daraus resultierender Profite erfreuen und einen Spitzenpreis berechnen können wird, so dass elitäre Verbrchauer fortfahren können, Tiere zu essen und sich gut dabei zu fühlen. Es ist ebenfalls eine “spektakuläre Neuigkeit“ für HSUS, Farm Sanctuary und andere Tierschützer, die nicht versäumen werden, diesen großen “Sieg“ – diese “Revolution“ – in einen endlosen Strom von Spenden aufbringenden Werbeveranstaltungen zu verkünden, wo sie übereinander krabbeln in dem Bemühen, sich das Verdienst für diese “spektakuläre Neuigkeit“, diese “Revolution“ anzurechnen.
Aber es ist eine traurige Niederlage für Tiere. Die Tatsache, dass Anwälte der Tiere einen enormen Geldbetrag auf eine Kampagne verwendeten, die einzig die Megan Lanes, Rachael Deacons und Maria Humels dieser Welt denken lässt, es sei in Ordnung, Tierleichen und Tierprodukte zu essen, weil die Tiere ein “glückliches Leben“ haben, ist, nach meinem Urteil, erschreckend. Es kann keinen ernsthaften Zweifel geben, dass eine Investition in Aufklärung über Veganismus ein besserer Gebrauch von Ressourcen gewesen wäre. Eine Handvoll neuer Veganer wäre aus einer Reihe von Gründen sowohl lang- als auch kurzfristig wichtiger als ein 10 Jahre währendes stufenweises Abschaffen von Kastenständen zugunsten eines alternativen Systems, dessen Details noch nicht einmal bekannt sind.
Erinnern wir uns daran, dass das “Verbot“ von Kastenständen für schwangere Sauen in Florida auf Einsperrungen Anwendung findet, in denen ein Schwein für den “größten Teil jedes Tages“ gehalten wird.“ Es gestattet noch immer den Gebrauch von Kastenständen unter bestimmten Umständen, wie für weniger als den “größten Teil jedes Tages“, die Zeit unmittelbar vor der Geburt und für eine Zeit “nicht länger als vernünftigerweise notwendig“ für “tierärztliche Zwecke“.
Das “Verbot“ in Florida erfordert lediglich, dass ein Schwein in der Lage sein muss, sich umzudrehen, ohne eine Wand seines Verschlages zu berühren. Meine Vermutung ist, dass die gleiche Situation bei Smithfield Foods eintreten wird. Das heißt, ein wirkliches Verbot von Kastenständen würde keinen bedeutsamen Unterschied machen in dem immer noch schrecklichen Leben und Sterben von Schweinen. Aber das “Verbot“ ist nicht einmal wirklich ein Verbot. Gleich den meisten Tierschutzregulierungen ist es in erster Linie ein Public-Relations-Instrument und wird nur in dem Maß berücksichtigt werden, in dem es wirtschaftlich vorteilhaft ist, dies zu tun.
Abolitionisten sollten niemals den Konsum von Tieren, wie “human“ auch immer, fördern, insbesondere in Anbetracht dessen, dass das Fördern von “Bio-Fleisch“ und ebensolchen Tierprodukten jene ermutigt, denen es ethisch darum zu tun ist, an dem Irrglauben teilzuhaben, wir könnten wirklich den Tieren, die wir essen, ein “glückliches Leben“ geben. Sehen wir einmal davon ab, dass die Versklavung von Tieren nicht gerechtfertigt werden kann, ohne Rücksicht darauf, wie “human“ sie ist; die Realität ist, dass Freilandproduktion und “humane“ Landwirtschaft ein enormes Ausmaß von Leiden einschließen. Diese romantischen Phantasien über das wundervolle Leben von Tieren auf dem “Bauernhof“ sind eben dies – Phantasien. Der beste “Bauernhof“ ist ein scheußlicher Ort für Tiere.
Stellen Sie sich zwei Sklavenhalter vor. Der erste schlägt seine Sklaven 20 Mal in der Woche. Der zweite schlägt seine Sklaven 19 Mal in der Woche. Gibt es einen bedeutsamen Unterschied zwischen den beiden, der es rechtfertigen würde, zu denken, dass der zweite Sklavenhalter sich eines moralisch lobenswerten Verhaltens befleißigt? Sollten wir das Schlagen von Sklaven 19 Mal die Woche als ein Anzeichen dafür betrachten, dass “(eine) Revolution im Gange ist“? Sollten wir ein Mal weniger Schlagen als “spektakuläre Neuigkeit“ betrachten? Wenn Ihre Antwort auf die obigen Fragen “nein“ ist, dann können Sie nicht folgerichtig die Position von Singer, HSUS, Farm Sanctuary, Vegan Outreach, PETA und dem Rest der “Bio-Fleisch“-Bewegung des Tierschutzes unterstützen. Es ist natürlich “besser“, die Sklaven 19 Mal die Woche zu schlagen als 20. Aber das macht das Schlagen von Sklaven 19 Mal die Woche nicht moralisch akzeptabel, darauf hindeutend, dass “(eine) Revolution im Gange ist“, oder zu einer "spektakuläre(n) Neuigkeit“. Es macht Sklaverei – wie immer “human“ sie sein mag – nicht moralisch vertretbar.
Wir haben begrenzte Zeit und begrenzte Ressourcen. Jeder Cent und jede Sekunde, dafür verwendet, die Tierausbeutung “humaner“ zu machen, ist ein Cent und eine Sekunde weniger verwendet für die Aufklärung über das Einzige, was für Abolitionismus wichtig ist: die vegane Lebensweise. Und jeder Cent und jede Sekunde, verwendet für “humane“ Ausbeutung, bewirkt nicht nur herzlich wenig für das Leiden der Tiere jetzt; durch das Fördern der glatten Lüge, dass ein in einem Bio- oder Freilandbetrieb aufgezogenes Tier ein “glückliches Leben“ hat, ermutigt der Tierschutzansatz die Öffentlichkeit fortzufahren, Tiere zu konsumieren, und verewigt das speziesistische Paradigma, das die Tiere – menschliche und nichtmenschliche – erst hierher gebracht hat.
Wessen wir sicher sein können, ist dies: Haben wir einmal die Absurdität akzeptiert, dass die Bekanntmachung von Smithfield Foods anzeigt, dass eine “Revolution im Gange“, oder dass sie eine “spektakuläre Neuigkeit“ ist, wird die wirkliche Revolution – die gewaltlose Verwerfung der Tierausbeutung zugunsten ihrer Abschaffung und die Anerkennung der veganen Lebensweise als Verwirklichung dieser Abschaffung im persönlichen Leben – niemals kommen.
Gary L. Francione
© 2007 Gary L. Francione
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